Das Hausfrauendasein

8. Dez. 2014: Wie lebt eine Hausfrau?

In der Apotheken-Umschau, Ausgabe A vom Dezember, wird auf Seite 21 eine Studie vorgestellt. Überschrift „Triste Hausarbeit“. Ich zitiere:

„Dass Hausarbeit nicht gerade die Stmmung hebt, wissen viele aus eigener Erfahrung“ Ach ja? Was hebt denn die eigene Stimmung? Arbeiten am Fließband? Im Büro sitzen den ganzen Tag? Ist das nicht vielleicht einfach eine Unterstellung dessen, der hier eine Studie rausgepickt hat?

„Forscherinnen der Deakin-Universität in Geelong (Australien) haben dies nun durch eine Befragung von mehr als 5000 Frauen belegt.“ Ich wüsste gerne, ob diese Forscherinnen eine Putzhilfe haben, wie ihre Einstellung vor Durchführung der Studie zur Hausarbeit war. Und schade, dass Männer in Australien offenbar nicht putzen.

„Körperlich anstrengende Hausarbeit wie Putzen verbessert demnach zwar die Fitness, aber nicht die Stimmungslage.“ Ob das Auffüllen von Regalen im Supermarkt (Frage: Verbessert das überhaupt die Fitness?) die Stimmungslage stärker hebt als Hausarbeit?

„Wer dagegen regelmäßig läuft, schwimmt oder Fitnessübungen macht, leidet seltender unter Depressionen.“ Fitnessübungen sind eine Freizeittätigkeit, Hausarbeit ist ein Beruf oder ein Pflichtarbeit, wenn man es nicht ganztägig erledigt. Wer vergleicht denn jetzt mal die Arbeit am Hochofen oder Opel-Fließband mit Jogging? Was hat das mit speziell Frauen zu tun?

„Fazit: Für psychische Effekte ist auch die Art der Bewegung wichtig, nicht nur die Dauer“. Öhm, das Fazit scheint mir jetzt etwas schnell.

Mal ganz abgesehen von der Studie, die mir doch einige Fragen offen lässt, finde ich die von der Apotheken-Umschau gewählte Überschrift „Triste Hausarbeit“ eine der gröbsten Diskriminierungen, die mir in der letzten Zeit über den Weg gelaufen ist. In der Studie geht es offenbar um Putzen, was nur ein Teil der Hausarbeit ist. Glauben die Redakteure und Redakteurinnen der Apotheken-Umschau im Ernst, dass ihr Job – tagaus, tagein am Bildschirm hängen und Zeilen verschieben – weniger trist ist?

Wieder einmal werden Frauen in die Schmuddelecke gedrückt. Vor allem Frauen, die sich für den Beruf „Hausfrau“ entschieden haben, wird mal gleich gesagt, was sie sind: Leere, deprimierte Gestalten, die einer tristen Tätigkeit nachgehen. Dass sie im Grunde einen hochanspruchsvollen Job haben mit viel Verantwortung – in den meisten Familien sind das nun mal immer noch die Frauen – (Kindererziehung, Ernährung, Hygiene usw.) und Abwechslung haben, in dem das Putzen einen vielleicht bei vielen ungeliebten Teil einnimmt, wird hier wieder mal schwungvoll vom Tisch gewischt.

Wer sich das, was die Studie aussagt, einmal genau anschaut, erkennt auch: Es sind nicht die Forscherinnen, die von trister Hausarbeit sprechen. Sie vergleichen nur eine körperlich anstrengende Berufstätigkeit mit einer sportlichen Freizeittätigkeit. Es ist die Redaktion der Zeitung, die den Hausfrauen die triste Mütze überzieht. Pfui!

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