Verträgliches Vollkornbrot

7. Juni 2014: Was für ein Vollkornbrot wichtig ist

Die HörZu (Nr. 21/2014) hat den Veganismus entdeckt! 800.000 Menschen leben in Deutschland vegan, laut HörZu. „6,88 Millionen Bundesbürger bezeichnen sich nach Angaben des Vegetarierbundes als Vegetarier.“ Schon solche Zahlen finde ich prima. Es soll ja Leute geben, die jede Menge Fisch und Geflügel essen und sich als Vegetarier bezeichnen. Und hat der Vegetarierbund wirklich alle Bundesbürger befragt oder ist das nur eine Hochrechnung aus einer wie immer großen oder kleinen Stichprobe?

Wie viele Menschen vollwertig leben erfahren wir nicht – und wie eng vegan in der Meinung der Befragten gefasst ist, bleibt ebenfalls im Dunkel. Aber mal egal, auf den ersten Blick ist der Artikel gar nicht so schlecht. So wird darauf hingewiesen, dass Veganer sich möglichst nicht einfach nur das Tierische weglassen sollten, sondern eben vernünftig essen. Und natürlich kommt B12 ins Spiel – alle Veganer müssen das supplementieren (= ergänzen). Wobei aber auch darauf hingewiesen wird, immerhin, dass es auch Nichtveganer gibt, die einen solchen Mangel haben.

Als ideale Mahlzeit wird der Speiseteller der amerikanischen Universität Harvard vorgestellt, eine Überarbeitung der Ernährungspyramide. Und natürlich der ewige Fischhinweis, nun das muss wohl sein. Insgesamt aber für einen Mainstream-Artikel nicht schlecht. Dennoch ist das alles nur oberflächlich angelesen, wie ich an einigen Stellen auch beim flüchtigen Lesen feststellen konnte.

So wird zum Beispiel die Atkins-Diät als „Low-Fat-Ernährung“ eingeordnet. Da ich selbst einmal im jugendlichen Leichtsinn diese Diät einige Wochen lang gemacht habe, weiß ich eines: Von wenig Fett kann da keine Rede sein! Eher Low-Carb. Also falsch abgeschrieben, nicht die Originalquelle angeschaut.

Schön sind auch die Ausführungen zur Rohkost. Schon das Foto ist prima, da liegt neben anderem Gemüse eine geschälte Gurke 🙂 Der Text ist von Ernährungsprofi Lemberger…. ich habe gegoogelt. Na endlich mal wieder eine Diplom-Ökotrophologin! Rohkost ist laut HörZu „geeignet für gesunde Menschen mit gutem Immunsystem, denn rohe Lebensmittel können Erreger enthalten, die Infekte auslösen“. Ich hoffe, die Rohköstler wissen das 😉 Einen Alltagstipp gibt es auch – Rohköstler sollten sich gleich einen Entsafter kaufen, weil der die Zubereitung gesunder Smoothies erleichtert. Ach ja.

Aber auch für uns, die wir gerne Vollkornbrot essen, gibt es eine gute Lehre, die uns sagt, dass magenfreundliches Essen eigentlich nur mit einer besonderen Art von Mühle oder einen Vitamix möglich ist:

„Für die meisten Menschen leicht bekömmlich sind etwa Salz- und Pellkartoffeln sowie magerer Fisch […] und fein gemahlenes Vollkornbrot.“ 🙂

Narren und ihre Freiheit

25. November 2012: Komisch

Es gibt eine Rubrik in der HörZu, die finde ich echt Klasse. Es ist nicht jedes Mal zum Brüllen komisch, aber häufig muss ich lachen. Leider geht die Rubrik ein wenig unter, weil sie ganz am Ende steht. Eric, der mir ja die alten HörZus „spendet“ musste ich erst darauf aufmerksam machen, seitdem liest er auch regelmäßig die Kolumne von Satiriker Hans Zippert. Ein feines Beispiel für seinen Humor findet Ihr online: HIER

Gelacht habe ich besonders in Nr. 43, Ausgabe vom 19.10.2012. Zippert stellt Fernsehtrends zu Weihnachten vor. Es gibt ein paar Sätze, die sind so urkomisch, dass ich sie zitieren möchte.

„Stellen Sie Ihren Körper auf 9000 Kalorien pro Mahlzeit ein, und rücken Sie die Möbel an die Wand, damit Sie sich ausbreiten können.“ Oder mein Lieblingsteil, ganz am Ende: „Bedenken Sie, es kommt nicht auf die Menge der Geschenke an, sondern auf den Wert. Eine Uhr für 4000 Euro macht oft mehr Freude als zehn Uhren zu 400 Euro.“ Und dann kommt der letzte Satz „Achten Sie auf Ihre Gesundheit, melden Sie sich zur Krippeschutzimpfung an.“

Ist doch herrlich, oder? Gelegentlich sind diese Kolumnen richtig scharfzüngig und ich wundere mich, dass sie abgedruckt werden. Narrenfreiheit eben. Lachen für jedermann

Essen nach Lebensalter

12. November 2012: Sag mir wie alt du bist, und ich sage dir, was du essen sollst/darfst

In der HörZu vom 19.10.2012 (Nr. 43) gibt es einen Artikel, der sich um das Essen nach Alter dreht. So gesehen also nach Lebensjahreszeiten. Es ist wieder eine solch wunderbare Sammlung von Vorurteilen und Ernährungsunfug, dass ich euch das nicht vorenthalten möchte. Die genannten Experten kommen natürlich von der Universität oder hochkarätigen Instituten, wie z.B. Karen Franz vom Institut für Ernährung und Prävention Dr. Gola in Berlin. Dieses Institut wird geleitet von Sabine Nitsche, Professorin und Diplom-Psychologin. Äh ja, gut. Weiter finden wir Angaben zu einer Diplom-Wissenschaftsorganisatorin und einer Kauffrau. Da habe ich doch gleich Vertrauen. Der zweite Experte ist Arved Weimann, Professor und Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, also ein Chirurg. Ein Chirurg hat natürlich absolute Kenntnisse in Ernährung, denn schneiden müssen wir alle: Das Essen oder eben die Därme. Öhöm.

Gut, das war jetzt ein bissers fies und unsachlich, das weiß ich wohl. Nur: Mir fallen so Dinge einfach auf…

Im Einzelnen will ich gar nicht wiedergeben, was hier verbraten wird. Ich muss dann immer an Bruker denken, der für mich nachvollziehbar meinte, dass es völlig unverständlich sei, warum wir im Alter anders essen sollten. Schauen wir in die Natur… isst da, mal abgesehen von möglichem Zahnmangel, irgendein Lebewesen im Alter anders oder in einer bestimmten Altersgruppe anders als in der Jugend?

Ein paar kleine Perlen möchte ich als Zeichen dafür zitieren, welche negative Einstellung die Autorin Maike Petersen so vom durch-die-Jahrzehnte-Wachsen hat.

Ab 30: Folatsäure muss her für die Kinderproduktion. Immerhin weiß Franzen: „Zwar ist die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen schlechter als aus tierischen, doch bei dauerhafter vegetarischer Ernährung gewöhnt sich der Körper daran, das Eisen besser zu verwerten, so Ernährungswissenschaftlerin Karen Franz“. Ach, sie ist Ernährungswissenschaftlerin? Wenigstens eine in diesem Institut 😉

Interessanter wird es in der Altersgruppe ab 40: „Auch wenn man sie noch nicht spürt: Die ersten Check-ups beim Hausarzt (ab 35, alle 2 Jahre) decken körperliche Schwachstellen auf.“ Ich mag diese kleinen Botschaften, die hier eingebaut werden: Mit 40 sind wir ja schon fast Krücken, daher regelmäßig Werte checken lassen! Viel Avocado sollen die Ab-40-Jährigen essen 🙂

Jetzt kommen wir zu den Menschen ab 50: Fettfisch, Hülsenfrüchte und Bulgur sind angesagt. Guten Appetit 🙂 Warum ist hier kein Vollkornbrot genannt? Immerhin gibt Karen Franzen wieder Vernünftiges in Bezug auf angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmitteln von sich: „Eine gesunde Vorsicht bei Werbung für Lebensmittel ist immer angebracht.“ Ansonsten findet natürlich der Abbau statt 😉

Und ab 60? Ey, da ist es ganz vorbei. Auf dem dazugehörigen Foto sehen wir natürlich Menschen, die die 60 weeeeit überschritten haben. Aber das ist so, wenn Autoren noch weit entfernt von einem bestimmten Alter sind. Ihnen fehlt dann die Einschätzungskraft fürs Alter. Und wir lernen: „Zugleich mehren sich aber auch gesundheitliche Einschränkungen. … Übergewicht und Gelenkschmerzen machen Bewegung beschwerlicher und damit auch das Einkaufen frischer Lebensmittel.“ Ey, hier wird einem das Älterwerden aber so richtig schmackhaft gemacht 😉

Krampfhaft wird sich bemüht, hier ein paar Vorteile des Älterwerdens aufzuzeigen, die aber natürlich stets von den körperlichen Unzulänglichkeiten, so scheint es durch, mehr als aufgewogen werden. Ich verstehe das nicht, wenn wir uns doch mit 30, 40 und 50 HörZu-gemäß ernährt haben – sollten wir dann nicht mit 60 topfit sein? 😉

Hübsch auch die Werbung rechts daneben (au au, das muss teuer gewesen sein, diesen ausgesuchten Platz zu bekommen): „Äterwerden ohne ernste Gedächtnisprobleme“. Ja, genau das hatte ich vor …. allerdings auch ohne diese Pillen 🙂

Weisheiten von Björn Freitag

10. November 2012: Ernährungsirrtümer

Die Ausgabe der HörZu ist schon etwas älter (Nr. 42, 12.10.2012). Der Artikel „33 populäre Küchen-Irrtümer“ ist eine herrliche Mischung aus Tatsachen und, tja, könnte man sagen: Aussagen, die die Industriekost günstig darstellen lassen? Als Experten wurde ein Sternekoch bzw.  TV-Koch berufen. Nee, klar, ein Björn Freitag ist genau der Experte, den ich befrage, wenn’s ums Essen geht. Ich weiß nicht, woher die Meinung kommt, Köche seien Ernährungsexperten. Ich kann von einem Koch lernen, wie ich ein Messer halte, wie ich in der Küche wirtschaftlich arbeite…. aber doch keine Ratschläge zur Ernährung. Sicher, so nehme ich an, wird Ernährungstheorie Teil der Ausbildung zum Koch sein. Das erinnert mich an mein Grafikstudium, Teil der Ausbildung waren Seminare in Semantik (Wikipedia: „Semantik nennt man die Theorie oder Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen. Zeichen können in diesem Fall Wörter, Phrasen oder Symbole sein.). Wie käme ich jetzt aber dazu, mich als Semantik-Expertin aufzuspielen? Warum gelten Köche jetzt als Ernährungsexperten?

Aber schauen wir mal, was Freitag zu bieten hat. Nummer 1 ließ mich Hoffnung schöpfen, da wird nämlich (grob) erklärt, warum dunkles Brot nicht immer gesünder ist als Weißes. Aber gleich Nr. 2 ist der Hammer: Honig sei  nicht gesünder als Zucker, denn er sei auch ein Gemisch aus Frucht- und Traubenzucker, wie Industriezucker. Aha. Und er habe fast ebenso viele Kalorien. Lieber Herr Freitag, haben Sie schon einmal etwas davon gehört, dass der Kalorienbegriff größtenteils überholt ist? Jetzt kommt aber der Knüller in diesem Punkt: „seine [des Honigs] gesunden Vitamine und Enzyme sind in so geringer Menge enthalten, dass sie kaum ins Gewicht fallen.“ Das sollen wir jetzt aber schnell mal den Bienen erzählen, dass sie sich da ein völlig nutzloses Naturprodukt herstellen. Den Anteil der Aminosäuren und Mineralstoffe hat Herr Freitag vielleicht einfach vergessen? Ich sage nur: Wie kann man sich mit Unwissen so lächerlich machen?? Schon ein Blick in Wikipedia reicht, um den Wert von Honig zu zeigen. Kann Herr Freitag so unwissend sein? Ich möchte ihm nicht unterstellen, wie käme ich dazu, dass er gar industriefreundlich spricht, denn welche Gründe sollte es dazu für ihn geben? 😉

Ein Lichtblick ist Nummer 8, wo darauf verwiesen wird, dass Apfelkerne nicht schädlich sind. Wenigstens das! Schön auch Nummer 15. „Frisches Gemüse ist immer vitaminreicher als tiefgekühltes“. Und schon klingelt wieder die Kasse im Supermarkt. Als ob Vitamine ALLES sind…. Übrigens: Wenn Ihr es noch nicht wisst, zerkratzte Teflonpfannen sind gar nicht krebserregend (Punkt 16). Guten Appetit beim nächsten Teflonschüppchen auf den Bratkartoffeln 🙂

Punkt Nr. 21: Demnach stimmt es gar nicht, dass Eiweiß sich nur ohne Eigelb steif schlagen lässt. Ach was. Wie dumm, dass Generationen von Hausfrauen, vielleicht gar Hausmännern, immer peinlich darauf geachtet haben, dass kein Eigelb in den Eischnee gerät. Und als ich noch Eiweiß benutzte, habe ich wohl die falschen Eier benutzt: Wann immer mir nämlich Eigelb in das Eiweiß geriet, ließ sich das leider nur noch cremig, nicht aber wirklich steif schlagen. Der Grund ist einfach: Die von mir derzeit verwendeten Eier kannten Herrn Freitag noch nicht.

Punkt Nr. 25: Wir können weiterhin entrahmte Milch trinken, ha, der Proteingehalt ist nämlich derselbe! Und die (industriell) entrahmte Milch hat so wenige Kalorien. Da sind sie wieder, die Kaloriechen, die kleinen Tierchen, die im Kleiderschrank an unseren Klamotten nagen und sie enger nähen 😉 (danke hier an Frau Schmitt für diesen Kalorien-Hinweis).

In Punkt Nr. 30 wird belegt, dass frisches Brot gar nicht ungesund ist, nur zu Blähungen führen kann. Stimmt, frisches Brot kann unverträglich sein, muss aber nicht. Nur: Diesen angeblichen Küchen-Irrtum kenne ich gar nicht. Mir hat nie jemand gesagt, dass frisches Brot „ungesund“ sei, nur, dass ich den Verzehr meiden solle, weil ich Bauchkrämpfe (und das sind ja u.a. starke Blähungen) bekommen könnte. Na gut, 33 Punkte sind lustiger als 32 Punkte, da muss man die Wahrheit schon mal ein wenig zurechtrücken. Auf demselben Niveau Nummer 26: „Senf macht dumm.“ Öhm, kennt das jemand von euch? Ich habe das noch nie gehört….

Wer es noch nicht weiß: Fischstäbchen werden gar nicht aus Fischabfällen hergestellt. Herr Freitag hat den „Herstellungsprozess [nämlich] nachvollzogen“ und weiß es besser: „Fischstäbchen bestehen aus Filets, die blockweise tiefgefroren und später in die typische Stäbchenform geschnitten und paniert werden.“ (Nummer 22) Jetzt grübel ich gerade, ob Käptn Iglo wohl nur ein Tarnname für Björn Freitag ist 😉 Und was ist denn „einen Herstellungsprozess nachvollziehen“. Eine hoch aufschlussreiche Formulierung. Er hat’s vielleicht nachgelesen in einem Werbeblatt eines Fischstäbchen-Herstellers?

Wohl bekomm’s 🙂

HörZu, Zucker und Volker Pudel

21. März 2012: Die HörZu und der Zucker

Die HörZu Nr. 10, 2.3.2012, hatte als Aufmacher vorne drauf: „So schädlich sind künstliche Süßstoffe – Süße Gefahr: Volksdroge Zucker.“ Hui, da war ich ja mal gespannt. Sollte ein Umschwung stattgefunden haben in der großen Presse? Denn gleichzeitig werden uns auch noch 10 Tipps aus der Zuckerfalle angeboten. Zum Glück steht uns auch ein Wissenschaftler zur Seite, Dr. Thomas Ellrott, ein Ernährungspsychologe, ja mehr noch: Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen, der dann auch gleich in rot mitten im Artikel prangt: „Die Vorliebe für Süßes ist genetisch angelegt.“ Soso. Da muss Herr Dr. Ellrott aber vorsichtig sein, dass er Zucker jetzt nicht mit „Süßem“ verwechselt, gell? Auch finde ich die Wissenschaftsrichtung Ernährungspsychologie ja eine tolle neumodische Erfindung. Wikipedia erklärt: „Die Ernährungspsychologie ist ein wissenschaftliches Fachgebiet, das Ernährungswissenschaft und Psychologie verbindet. Es ist in den 1970er Jahren entstanden. Ein Vertreter in Deutschland ist der Ernährungswissenschaftler Volker Pudel. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die biologischen und psychischen Mechanismen, die Hunger, Durst und Appetit auslösen und das Essverhalten von Menschen beeinflussen. Einige Ernährungspsychologen legen den Schwerpunkt auf die Erforschung von Genuss und Ekel. Nach Pudel soll die Ernährungspsycholgie zum Verständnis menschlichen Essverhaltens und gesundheitsschädlicher Varianten beitragen, die Wirkungen von Lebensmittelinhaltsstoffen auf die Psyche erforschen, aber auch Modelle entwickeln, die das Ernährungsverhalten der Bevölkerung im Sinne von „gesunder Ernährung“ beeinflussen.“

Sollte das derselbe Volker Pudel sein, der einst der Deutschen Gesellschaft für Ernährung vorstand und gleichzeitig in den Geldtaschen der Zuckerindustrie steckte? Mir schwant da so eine kleine Erinnerung aus Hans-Ulrich-Grimm und Bruker-Lektüre. Zurück zum spannenden HörZu-Artikel:

Die Unterscheidung zwischen Zucker (Industriezucker) und natürlicher Süße wird (natürlich) nicht gemacht. Erstaunlich, mit wie wenig Wissen man so Leiter eines Instituts werden kann, räusper. Ellrott hat auch noch mehr Weisheiten auf Lager: „Zucker macht im klassischen Sinne nicht süchtig.“ DAS Thema hatten wir hier auch schon mal. Komisch, dass viele bei Absetzen vom Zucker dann Entzugserscheinungen bekommen. „Zucker ist an sich also noch keineswegs ungesund„. Aha. Wie gut zu wissen, dass wir, die wir uns ohne Zucker so wohl und gesund fühlen, offenbar einem Zucker-Placebo-Effekt erlegen sind. Es kommt dann noch ein wenig irreführendes Geschwafel über Fruchtsäfte, das mag ich alles gar nicht wiedergeben… Wir sind übrigens hier in Deutschland gut dran: Da bei uns kein Maissirup verwendet wird in Getränken, ist der Zuckerverbrauch hierzulande seit etwas 30 Jahren konstant.

WIE BITTE????? Die getürkte Statistik möchte ich jetzt aber bitte sehen! Warum las ich da letztlich noch ganz etwas anderes?

Nun gut, ich will nicht so kleinlich sein, und auf den offensichtlichen Irrtürmen rumhacken, gehen wir lieber gleich zu den hilfreichen Wegen aus der Zuckerfalle. Zehn Tipps bekommen wir hier, und gleich der erste ist der Hammer „Verbannen Sie Zucker niemals komplett aus Ihrer Nahrung! Eine starke Verknappung steigert nämlich nur das Verlangen.

Wo leben diese Wissenschaftler, wie leben Redakteure, die so einen Mist schreiben? Haben Sie, lieber Herr Dr. Ellrott, jemals für ein paar Wochen den (Industrie-)Zucker aus Ihrem Leben verbannt und dann mal geschaut, wie das mit dem Verlangen aussieht? Mit keinem Wort wird übrigens der Honig erwähnt, iwo. Das kann sich eine große Zeitung auch nicht leisten: Natürlich darf sie modern ein bisschen gegen den Zucker wettern. Aber nicht so arg, sonst könnte es mit der mächtigen Zuckerindustrie vielleicht doch noch Problemchen geben.

Die Redakteurin hat dann ihr Geschreibsel wohl auch im Zucker-Vollrausch verfasst. So lautet ihr Fazit am Ende dieses wunderbaren Artikels: „Zucker in Maßen hat noch niemandem geschadet, in Massen schon eher.“ Nee klar, Zucker hat noch niemandem geschadet, hat nur Millionen Menschen krank gemacht. Aber doch nicht geschadet!

Dr. Ellrott ist übrigens Erfinder der Gute-Laune-Diät, die auf einer äh äußerst, öh seriösen Webseite vorgestellt wird: hier. Hier werden uns auch tolle Rezepte vorgestellt, zum Beispiel ein Müsli: hier. Um das Müsli zu essen, muss man schon in das nächste Kaufhaus gehen, denn ein normaler deutscher Apfel verläuft sich da nicht rein… Er hat echt den Stein der Weisen entdeckt, wie ich lesen konnte: „Der Arzt Dr. med. Thomas Ellrott, Übergewichtsexperte an der Uni Göttingen, hat mit seinem Team Die Gute Laune Diät entwickelt und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich geprüft. Sein Geheimnis ist: sag nie wieder nie und gönne dir jeden Tag etwas Süsses. Denn nur wer kleine Sünden zulässt, kann dauerhaft seine Ernährung umstellen und so den gefürchteten und frustrierenden Jojo-Effekt verhindern.“

Na, klar, das ist ein Experte, was?

Tim Mälzer

Kommentar vom 16. Juni 2011: Tim Mälzer bringt Gesundheit in unsere Küche

Es gibt ja kaum noch einen TV-Koch, der nicht gleichzeitig auch ein Ernährungsexperte ist und uns die Gesundheit ins Haus bringt. So auch Tim Mälzer, der ja krampfhaft versucht, ein deutscher Jamie Oliver zu werden – ob das ein Traumziel sein kann, lasse ich mal dahin gestellt.

Die HörZu hat nun mit Tim Mälzer, dem – wie er dort genannt wird – Küchenbullen, ein Extraheft herausgebracht zum Einfachen Kochen. Tim Mälzer schaut optimistisch-energisch nach links oben, burschikos die Hände in den Taschen. Sein blutrot-weiß-kariertes Hemd soll vermutlich daran erinnern,  dass er als Bulle wohl gleich auf dem Schlachthof landet? Ups, sorry, welche respektlose Bemerkung….

Links steht ebenfalls in blutrot dick „Einfach kochen“. Und nun führte ich mal die Gerichtsrubriken auf, die dort stehen, und zwar auch in der gesunden Reihenfolge, wie sie auf dem Heft aufgedruckt sind:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Nudel
  • Salate
  • Gemüse

Das Einzige, was ich hier jetzt nicht verstehe: Wieso stehen denn die Salate noch vor dem Gemüse? 👿

Und die HörZu rät zu…

Kommentar vom 6. September 2010: Unglaublich!

In der letzten Zeit gab es ja in der HörZu ein paar Artikel, die gar nicht mal so übel waren. Aber heute las ich etwas in der Ausgabe vom 20.8.2010 (KW 28.8-3.9.), das machte mich doch sprachlos. Oder fast sprachlos – denn ich habe ja den Blog, um mich zu artikulieren 😆

Ein Artikel mit dem Titel „Einfach länger Leben“ demonstriert, dass sich die HörZu offensichtlich in ihrer Zielgruppe dem Senioren-Ratgeber angepasst hat: Glückliche alte Menschen, die auf einem See rudern oder fit durch die Gegend laufen. Positive Sprüche sind hervorgehoben: „Zehn gesunde Jahre mehr – das ist machbar“ – und das sagt sogar ein Professor 🙂 Und dann bekommen wir insgesamt 50 Tipps. Ich weiß ja nicht, wie viele Leute wirklich alle 50 Tipps gelesen haben außer mir. Die meisten überfliegen vermutlich nur die ersten 10, und deshalb finde ich die ja so hochinteressant.

1 bis 5 sind rechtlangweilig: Muskelaufbau, Bewegung, Ausdauertraining. Die Punkte 6 bis 16 gehen an die Eingeweide, nämlich die Ernährung. Punkt 6 verschlug mir wirklich fast den Atem. Der Herr Professor Bamberger (es wird uns übrigens nicht verraten, ob er Professor für Latein oder Medizin ist (zumindest nicht beim schnellen Blick), ist vermutlich egal, Hauptsache Professor) stellt nämlich fest, „In Bezug auf Vitamin D und Jod ist Deutschland absolutes Mangelgebiet.“ Schade, dass sich der kluge Mann nie eingehend mit den Hintergründen der Jodlüge befasst hat. Und die HörZu selbst fährt dann fort: „Neben gesunder … Ernährung können auch Vitalstoffe aus Nahrungsergänzungsmitteln Defizite ausgleichen„. Ich sehe förmlich, wie sich die Konten der HörZu-Redaktion für die Industrie öffnen, wenn ich so etwas lese. Wie sonst kann jemand einen solchen Blödsinn schreiben, wo mittlerweile selbst die konservative Wissenschaft vor Jahren schon festgestellt hat, dass die Vitamine aus frischem Obst und Gemüse z.B. NICHT durch synthetisierte Vitamine ersetzt werden können?

Heiß auch Punkt 7: Das Wundermittel Resveratrol, das in den Schalen von Trauben als Wirkstoff vorkommt. Es wird uns auffällig schmackhaft gemacht mit Wunderwörtern wie „Sogar vor Prostatakrebs und Herzinfarkten soll es schützen“. und kurz recherchiert, stelle ich fest: Das gibt’s natürlich auch isoliert zu kaufen. Und wieder öffnet sich das Geldtäschlein (nein, nicht meines ….).

Ab Punkt 17 gehts dann in andere Bereiche. Punkt 17 finde ich ganz, ganz, ganz besonders wichtig: Für Herrn Professor Bamberger und die HörZu-Redakteure, die für diesen Artikel verantwortlich sind: Geistig aktiv bleiben 🙂

Noch mal Ernährungsregeln?

Kommentar vom 5. Mai 2010: „HörZu und mal wieder Ernährung“

Als ich Sonntag Morgen die HörZu von der KW 16 in die Hand nahm, schlug mein Satireherz höher: Schon auf der Frontseite angekündigt „22 Ernährungsregeln, die Ihnen wirklich guttun“. Oh, dachte ich mir, da kann ich ja mal wieder mit dem Messer drin rumporkeln und offen legen, wie uns das Fleisch so warm ans Herz gelegt wird. Der Artikel bezieht sich auf ein Buch von Michael Pollan, „Food Rules: An Eater Manual“. Ich selbst kenne das Buch nicht, auf Deutsch ist es noch nicht erschienen.

Als ich diese 22 Regeln dann förmlich verschlang auf der Suche nach Ungeheuerlichkeiten wurde ich enttäuscht: Die meisten Regeln sind vernünftig. Zwar wird hier nicht der goldene Weg der Vollwerternährung empfohlen, aber wenn ein „Normalo“ sich wirklich an diese Regeln hält, ist er schon ganz weit vorn. Die Regeln sind ein wenig provokativ formuliert und dadurch einprägsam. In der Zeitschrift folgt dann eine kleine Erläuterung, wobei nicht klar ist, ob die vom Autor stammt oder von der Redakteurin.

Als Beispiel nenne ich einmal die Nummer 1: „Iss nichts, was in allen Ländern denselben Namen hat.“ Natürlich stutzte ich, was ist gemeint? „Pizza, Burger, Hotdog – egal, wo auf der Welt man sie verzehrt, übreall sind sie gleich ungesund. Denn sie enthalten viel Fett und kaum Nährstoffe.“ Ich könnte mich jetzt natürlich daran hochziehen, dass der Begriff „Fett“ undifferenziert verwendet wird – aber dies ist ein Artikel in einer großen Programmzeitschrift, nicht im Hausblatt der GGB 🙂

Ganz einfach zu verstehen Regel 9: „Je weißer das Brot, desto eher bist du tot“. Dazu brauchen wir ja nicht einmal eine Erklärung. Schön auch die selbsterklärende Regel Nr. 17 „Iss nur, was Menschen zubereitet haben – und nicht Maschinen“.

Und so sind alle 22 Regeln, da ist nichts, wo ich mich direkt dran stoße, außer am letzten Bild, ein Stück Fisch, mit der Bildunterschrift „GUT FÜRS HERZ Lachs, hier als Sushi, hat viele Omega-3-Fettsäuren“. Da ist aber nicht klar, ob das wirklich aus dem Buch stammt oder eine großherzige Ergänzung der deutschen Redakteurin ist. Von einigen Artikeln über englischsprachige Originale weiß ich, dass die deutsche Krankheit des „Ich-weiß-alles-besser“ aus den Zeitungsstuben diese Tage noch nicht vollends verschwunden ist.

Oder ist das alles nur eine gut angelegte Werbekampagne für ein Buch? Was mich nämlich stutzig machte war, dass das Buch in allen Online-Buchhändlern und auch bei Ebay sofort erhältlich ist. Ein Buch auf Englisch? Ich weiß zwar, dass fast alle Menschen heute in der Schule englisch lernen, aber ob das wirklich auch bei dem Gros der Bevölkerung zur Lektüre eines solchen Buches reicht, wage ich zu bezweifeln, denn es ist garantiert voller moderner amerikanischer Idioms (= Redensarten). Und da ich so ein schrecklich misstrauischer Mensch bin, habe ich es gegen den ersten Impuls nicht gekauft 😉 Wenn also einer der Leser oder Leserinnen dieses Blogs das Buch besitzt und gelesen hat: eine Gastrezension ist gerne gesehen.

Die 100 besten Medikamente

Kommentar vom 19. August 2009: die 100 besten Medikamente – in Studien getestet!

In der HörZu vom 8.-14. August 2009 war das Thema des Leitartikels, wie gerne in dieser Familienzeitschrift, ein Thema aus dem Bereich Medizin / Gesundheit. Die Ankündigung vorne im Inhaltsverzeichnis machte mir wieder große Freude: „GESUNDHEIT. Die 100 besten Medikamente – in Studien getestet!“ Na, da kann ja wieder gar nichts schief gehen, wenn wir unser Wissen auf Studien aufbauen können. Im Artikel selbst wird das Wort Studien nicht weiter erwähnt. Es ist auch völlig überflüssig, da alle Medikamente, die auf den Markt kommen (abgesehen interessanterweise von Impfstoffen), vorher einer vorgeschriebenen Zahl von Studien getestet werden müssen, um die behördliche Zulassung zu erhalten.

Ansonsten stützt sich die HörZu in ihren Empfehlungen auf die Stiftung Warentest. Interessant an dieser Stelle, was in Wikipedia zur Kritik an der Stiftung Warentest zu lesen ist, hier ein kleiner Auszug:

Für den Verbraucher sind die Testberichte oft nur eingeschränkt verwertbar, weil das Angebot inzwischen sehr vielfältig ist, aber der jeweilige Testbericht nur einen sehr kleinen Produktbereich beschreiben kann. Viele gängige Produkte finden sich oft nicht im Test. Dieses grundsätzliche Problem ist nicht lösbar, aber die Stiftung Warentest macht sich angreifbar, da sie nicht die Kriterien benennt, warum das eine oder andere marktgängige Produkt nicht im Test vertreten ist.

Ich persönlich bin kein Fan der Stiftung Warentest, weil ich z.B. im Computerbereich die Testergebnisse häufig völlig im Gegensatz zu meinen eigenen Erfahrungen fand.

Es geht in diesem Artikel natürlich um rezeptfreie Präparate. Auffällig ist, dass der Firmenname „ratiopharm“ sehr häufig auftaucht. Es ist ja so ein gängiges Vorurteil, dass die Nachahmerprodukte von Originalarzneimitteln dieselbe Wirksamkeit haben, weil sie dieselben Wirkstoffe enthalten. Wer sich einmal näher mit Pharmakokinetik und Pharmakologie beschäftigt, weiß, dass die anderen Hilfsstoffe, die Herstellung und die Darreichungsform ebenfalls großen Einfluss auf den Behandlungserfolg haben. Jeder Apotheker wird bestätigen, dass es häufig bei Umstellung von Markenprodukten auf Nachahmerprodukten zu Verträglichkeitsproblemen oder geringerer Wirksamkeit kommt. Ohne, dass ich hier haltlos die Pharmaindustrie verteidigen möchte, ist diese populistische Sichtweise, dass es nur auf den Wirkstoff ankommt, leider auch bis in die obersten politischen Gremien vorgedrungen.

Dann wird uns auch noch empfohlen, die Preise zu vergleichen. Ja, vielleicht sogar eine Internetapotheke in Betracht zu ziehen. Vermutlich ist dieser Trend nicht mehr aufzuhalten, aber schon heute ist klar, wer dafür wird letztendlich bezahlen müssen: Es sind die kleinen Apotheken am Stadtrand, die bei den mörderischen Preiskämpfen nicht mithalten können und von bürokratischen Auflagen erdrückt werden; diejenigen älteren Menschen, denen ein Gang in die Innenstadt oder die Beschäftigung mit dem Internet eine Last ist. Wir alle, die wir eine wirklich fundierte Beratung wünschen, gerade auch im homöopathischen Bereich. Da bleibt mir der Schlusssatz von G. Francken und B. Plickert im Halse stecken:

„Der Preisvergleich lohnt sich – für Ihren Geldbeutel und Ihre Gesundheit.“

Seit wann machen billigere Preise gesünder?

„Der Herr Doktä hat aber gesagt….“

Kommentar vom 2. August 2009: Der Herr Doktor

Während ich diese Überschrift schreibe, sträubt sich mir ja schon alles. Ich verabscheue dieses unterwürfige „Herr Doktor“ ohne folgenden Namen schon seit meiner frühen Jugend. Nicht, dass ich jemandem den Doktortitel nicht gönnen will, den er sich ja durch entsprechende Arbeit verdient hat. Aber wenn Frau Müller promoviert hat, so ist sie für mich Frau Dr. Müller. Und nicht „Frau Doktor“. Während meiner Zeit als studentische Hilfskraft wurde ein neuer Professor als Ordinarius berufen. Ich arbeitete im Sekretariat. Ich grüßte stets freundlich mit „Guten Morgen!“ Eines Tages nahm er mich beiseite und sagte, er wünsche schon, dass ich ihn mit Namen begrüße. Kein Problem, das war wirklich etwas zu salopp von mir. „Guten Morgen, Herr Professor XXX“ sagte ich ab dann. Aber auch das war nicht gut genug. Ein neues Gespräch unter vier Augen. Der korrekte Gruß, den er sich wünschte, sei „Guten Morgen Herr Professor“, ohne Namen! Das erwähnte er ausdrücklich. Und so grüßte ich fortan brav mit „Guten Morgen Herr Professor“ und verabschiedete mich mit „Auf Wiedersehen Herr Professor“. Mich hat immer gewundert, dass er – ich bin im Schauspielern sehr schlecht – niemals die triefende Ironie bemerkt hat, die jedes Mal mitschwang. Und so geht es mir heute genauso: Frau Dr. XXX, Herr Dr. YYY, alles okay. Aber ein devotes „Herr Doktor“ kommt mir nicht über die Lippen.

Diese unterwürfigen Dinge schleichen sich ein und werden uns über x-beliebige Arztserien im Fernsehen und Beiträgen in den Zeitschriften immer immer wieder eingehämmert.

Dies alles fiel mir ein, als ich in der HörZu einen Artikel über die richtige Zeit zur Einnahme von Medikamenten las (Ausgabe 29). Der Artikel war insgesamt ganz ok, interessant einige Details. Zum Beispiel wusste ich auch nicht, dass die Angabe „nach den Mahlzeiten einnehmen“ bedeutet, dass ich etwa zwei Stunden nach dem Essen warten soll. Dann gab es wieder zwei Dinge, die mir auffielen:

Auf der letzten Seite rechts oben das Foto eines Herrn mit ernstem Blick, weißem Haar, weißem Schnauzbart und Brille. Oh der Mann sieht schon so wichtig aus…. Ja, er ist es auch, Prof. Björn Lemmer. „Exklusiv für HörZu.“ Man möge sich nun Gedanken machen, was exklusiv für HörZu bedeutet. Redet er sonst mit niemandem? Aber das nur nebenbei. Er ist Chronopharmakologe. Obwohl ich im medizinischen Fachvokabular fit bin, war ich diesem Wort noch nie begegnet. Pharmakologie, ja, kenne ich. Ich weiß auch, dass Chrono für Zeit steht. Mir war somit klar, was es bedeutet. Nur finde ich, dass ein solches Wort in einer Familienzeitschrift schon einer Erklärung bedarf.  Wikipedia hilft: Die Pharmakologie (aus dem Griechischen) ist eine Wissenschaft von der Wechselwirkung zwischen Stoffen und Lebewesen. Und Chronopharmakologie: Chronopharmakologie ist ein Forschungsschwerpunkt der Pharmakologie und untersucht periodisch wiederkehrende und zeitlich vorhersagbare Schwankungen der Wirkung … von Arzneimitteln bei Menschen und Tieren. Hätte es dem Artikel geschadet, wenn das erläutert worden wäre? Oder hätte es unseren devote Einstellung, unsere Ehrfurcht verringert?

Und dann kommt wieder ein Satz, der mein Herzchen in die Höhe springen lässt: „Diese Effekte [es geht um Schmerzempfindlichkeit] konnte der Chronopharmakologe selbst in einer Studie nachweisen“. Jippphie, endlich mal wieder eine Studie. Ja, und wenn so ein gewichtiger weißhaariger Professor mit so einem schwierigen Fachgebiet diese Studie durchgeführt hat, kann das ja nur überwältigend sein.

Das Bonbon kommt zum Schluss des Artikels. Lemmer erläutert, dass Asthmakranke ihre Lungenfunktion selbst messsen und darüber Buch führen sollten „und die Aufzeichnungen anschließend dem Arzt vorlegen.“ Soweit, so gut. Dann kommt der Schlusssatz der Redaktion (Herr Prof. Lemmer ist hier unschuldig): Er [der Arzt] entscheidet dann über die richtige Dosierung – und den optimalen Zeitpunkt zur Einnahme.

Nein. NEIN!!! NEIN!!!!!!!!!! Der Arzt kann hier eine richtige Dosierung empfehlen, er kann über den optimalen Zeitpunkt zur Einnahme beraten. Aber entscheiden, was wir mit unserem Körper machen, das sollten wir bitte schön immer noch selbst tun (dürfen).