Wie ich zur Fleischesserin werde

In Deutschland kann nichts ungeregelt bleiben und so verlangen die Grünen einen fleischlosen Tag in der Woche. Auch wenn das Gegenargument von Frau Aigner – die sich stets durch, äh, sehr eigenartige Äußerungen hervortut – natürlich Blödsinn ist „Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu.“ Mich wundert immer wieder, mit wie wenig Sachkenntnis man so einen Ministerposten erreichen kann. So gesehen bin ich quasi prädestiniert für den Job als Verteidigungsministerin.

Schön auch die Argumentation der Grünen: Freitags habe es früher auch kein Fleisch gegeben. Nee, stimmt, es gab Fisch. Fein, dass da wieder jemand mal Fische nicht zu den Tieren zählt 😉

Zurück zum fleischlosen Tag. Wann ist es dann soweit, dass sich Fleischesser in einer dunklen Ecke verkriechen müssen, ohne dass sie zusammengeschlagen werden, weil sie eine Frikadelle mampfen? Gibt es passive Mitfleischesser, die gesundheitlichen Schaden nehmen, weil ihr Gegenüber ein Steak isst?

Warum nicht einen zuckerlosen Tag einführen? Hat die Zuckerlobby mehr Einfluss als die mächtige Fleischindustrie? Müssen wir bald alle morgens zusammen eine Stunde Zwangsgymnastik machen, damit die Deutschen fit und munter werden?

Ich bin selbst dem Begriff nach Vegetarierin, Teilzeit-Veganerin 🙂 und engagiert für geringeren Fleischverzehr. Aber an dem Tag, an dem die Fleischportionen, die ich täglich essen darf, mir nur noch portioniert verkauft werden, mutiere ich zurück.

Verbote und Befehle sind einfacher als Überzeugungsarbeit und Vorleben. Ich kriege bei Verboten steife Nackenhaare und fahre die Hörnchen aus.

Vegetarismus auf Anordnung? Nicht mit mir!

Remscheider Generalanzeiger, 6. August 2013, Titelseite

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Soylent Green

Kommentar vom 17. Juni 2011: Der Film „Soylent Green“ von 1973

Ganz am Anfang meiner Bloggerei fragte mich eine Leserin, ob ich den Film Soylent Green kenne. Ich verneinte. Sie bot mir an, ihn mir zu leihen. Langsam begann der Film, bei mir Schimmel anzusetzen – irgendwie kam ich nie dazu, ihn mir anzuschauen. Mein Tagesplan hat wenige Lücken für Filme, es ist ja nicht ohne Grund, dass ich keinen Fernseher besitze.

Im Zusammenhang mit dem ganzen EHEC-Gehampel fiel der Film mir wieder ein. Auch Entwicklungen wie neue Gesetze von Frau Aigner (ich berichtete am 13. Juni davon) bringen ihn zum Greifen nahe. Und so habe ich ihn in zwei Sitzungen angeschaut.

Es war sehr beeindruckend. Zwar mochte ich Charlton Heston noch nie, er hat für mich so einen unangenehmen Zug im Gesicht, aber einige seiner Filme, in denen er mitspielt, sind ja wirklich Meilensteine der Filmgeschichte für mich wie „Moses“ oder auch „Planet der Affen“. Zum Inhalt von „Soylent Green“ verweise ich auf Wikipedia.

Einige Dinge sind schon längst von der Gegenwart überholt – die klotzigen Bildschirme in jenen Filmen hat schon seit Jahren niemand mehr. Es ist wohl nicht so einfach, technisch in die Zukunft zu schauen. Andererseits faszinierend, dass dort auch schon Computerspiele vorkommen. Das war 1973, da dachte ich noch nicht einmal an PCs! Handys konnte sich aber niemand vorstellen, wie eben auch die Flachbildschirme nicht. Auch etwas, das mich fasziniert: Selbst Menschen, die ihrer Phantasie freien Lauf lassen, haben nicht genug Phantasie, um die Realität zu erahnen. Das war ja schon in Raumschiff Enterprise so: Körper konnten beamen, aber Bildschirme waren Klötze.

Einige Fragen wurden im Film nicht konsequent genug beantwortet: Wie kann bei den Lebensumständen überhaupt noch ein normaler Mensch, also ein Nicht-Bonze, so gesund und munter ausschauen wie die männliche Hauptfigur? Ich kann mich nicht erinnern, abgesehen vom Kind einer sterbenden Mutter, Kinder gesehen zu haben. Wieso stirbt die Bevölkerung nicht aus, wenn die Vermehrung kaum funktioniert? Und gibt es dort Paare? Warum gibt es keinerlei Form von Geburtenkontrolle, wenn schon alles so zentralistisch ausgerichtet ist? Wenn man in Soylent Green als Hauptzutat Menschenfleisch nimmt, wieso mischt man nicht ein paar Antifruchtbarkeits-Zutaten mit ein?

Dies sind aber Kleinigkeiten, die den Weitblick des fast 40 Jahre alten Films nicht wirklich beeinträchten.

Was hat mich denn nun an dem Film so beeindruckt? Es ist die Stimmung, es ist die Art, wie die Bevölkerung belogen und zynisch behandelt wird. Die Tatsache, dass sich Bonzen immer das beste Stück vom Kuchen krallen, dass der Einzelne kaum eine Chance hat. Wie mit Illusionen gearbeitet wird. Wie Nahrungsmittel bis zur Unmenschlichkeit entwürdigt werden. Und wie gesagt: Reportagen über Ilse Aigner lassen mir eine Gänsehaut entstehen: Wir sind nicht mehr weit davon weg.

Ilse Aigner

Kommentar vom 5. März 2010: „Ein Brief an Ilse Aigner“

Vor ein paar Tagen bekam ich von einer Leserin (danke!) einen Link zu einem sehr schönen offenen Brief an Ilse Aigner. Der Brief steht im Textarchiv der Online-Ausgabe der „Berliner Zeitung“. Ich wollte ihn gerne hier veröffentlichen und habe daher in Google die Autorin gesucht. Die aber hält sich versteckt und bittet darum, dass man sich bei Fragen und Abdruckerlaubnis an die jeweilige Zeitschrift wendet. Also habe ich bei der Berliner Zeitung vor einer Woche angefragt, ob ich den Brief mit Quellenangabe in meinen Blog übernehmen kann. Ich bekam keine Antwort. Solche Nicht-Reaktionen finde ich für ein öffentliches Medium doch immer sehr bedauerlich. Deshalb heute also der Link, nicht der Text selbst:

Brief an Ilse Aigner: hier

Kompass Ernährung 2/2009

Kommentar vom 17. Februar 2010: „Die Grüne Woche“

Eine Leserin hat die Grüne Woche in Berlin besucht und mir netterweise einen Stoß von Broschüren zugeschickt, die sie dort mitgenommen hatte. Vorwiegend sind es vierfarbige Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ich meine – ich habe wirklich nicht viel erwartet in so einer Broschüre. Trotzdem lässt es mich immer wieder schaudern, wenn ich dann näher hinblicke. So ist da z.B. ein „Kompass Ernährung“, Ausgabe 2/2009. Thema: Gut, gesund und günstig (Genießen, mit wenig Geld). Ah ja.

Wer kommt hier zu Wort? Das Vorwort verfasste die Ministerin Ilse Aigner. Sie lobt das gute Preis-Leistungsverhältnis bei den Nahrungsmitteln. Einer der schönsten Sätze ist „Frühere Luxusprodukte wie exotische Früchte, Lachs oder Edelteile vom Schwein und Huhn sind heute breiteren Käuferschichten zugänglich geworden.“ Ich merke schon, die Ilse, die hat mir wirklich viel zu sagen. Man beachte alleine das Verhältnis von Fleisch zu Früchten in dem Satz. Und warum ich jetzt stolz darauf sein soll, dass wir uns alle exotische Früchte kaufen können, weiß ich auch nicht. Allenfalls würde mir das Freude machen, wenn nicht ständig alte Obstsorten dafür sterben müssten.

Dann kommt gleich der erste Artikel: Birgit Schrowange. Als Moderatorin im Fernsehen ist sie vermutlich direkt befugt, über das Essen zu sprechen. Ach, und was für ein goldiger Einblick in das Elternhaus von Frau Schrowange, wo kein Essen in den Müll ging. Und Eintöpfe liebt Birgit auch immer noch so sehr. Es ist einfach rührend. Immerhin bereitet sie für ihren achtjährigen Sohn richtig schöne einfache Mahlzeiten zu: „Möhren-Kartoffel-Durcheinander, Bratkartoffeln mit Spiegelei, Hähnchen und immer viel Gemüse“. Von drei Mahlzeiten zwei mit Tiereiweiß. Klar.

Und noch ein Artikel, diesmal haben wir sogar das Vergnügen mit einer richtigen Professorin, jawohl! Ingrid-Ute Leonhäuser, Professorin am Lehrstuhl für Ernährungsberatung und Verbraucherverhalten am Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Giessen. Sie gibt sich heute volksnah. Nach allerlei Wischiwaschi und Weisheiten wie „Man sollte immer im Blick haben, welche Nahrungsmittel noch wie lange haltbar sind“, beglückt sie uns mit noch einer Einsicht: „Wenn Sie ab und zu eine Fertigpizza kaufen und noch zusätzlich mit frischem Gemüse belegen, dann kostet das rund 3 Euro und geht sehr schnell. Das alles selber zu machen, schmeckt zwar möglicherweise viel besser [ach ja? nur möglicherweise?], ist aber deutlich aufwändiger.“ Alarmglocken an, das ist eine Lüge. Eine Pizza frisch herzustellen ist etwas langwieriger, als eine Fertigpizza in den Ofen zu schieben, stimmt. Aber wer verbietet mir denn, wenn ich das nächste Mal Pizza mache, die doppelte Menge herzustellen und meine eigene Fertigpizza einzufrieren? Dann folgt noch das Lob auf die Tiefkühlkost. Wer einmal gesehen hat, wie eine Erdbeere vor und nach dem Tiefkühlen aussieht und schmeckt, hat begriffen, dass Tiefkühlen nur eine Notmaßnahme sein kann. „Der tiefgefrorene Spinat z.B. ist unter Zeit- und Kostengründen vom frischen kaum zu schlagen.“ Zeit und Kosten, so so. Und wie ist es um den Geschmack bestellt? Wie um den Nährwert? Ich erinnere an die Erdbeere!

Es geht so weiter mit einem bunten Mix aus Halbwahrheiten und Gruselsätzen. Natürlich wird auf Saisongemüse und -obst hingewiesen, natürlich wird in einem Halbsatz mal auf die nicht so guten Seiten von industriellen Zusätzen hingewiesen. Aber das bleibt alles immer hübsch allgemein, so dass sich keiner wirklich angesprochen fühlen muss. Wenn da stünde „eine Fertigpizza mit Emulgatoren, Stabilisatoren und künstlichen Aromastoffen“, klänge das schon viel weniger harmlos als „industrielle Zusätze“. So geschickt werden wir manipuliert.

Auch eine Resteküche darf nicht fehlen. Und zu Kartoffelresten können wir ja dann „gedünsteten Fisch oder Rinderbraten mit Kaisergemüse (Tiefkühlkost)“ reichen. Bloß kein frisches Gemüse, igitt….

Im nächsten Kompass-Heft packt dann Verbotene-Liebe-Star Jasmin Lord aus „Ich liebe Schokolade“. Auch klar. Ich glaube den Artikel lese ich jetzt nicht mehr, sonst ist mir der Abend vergällt 😉

Gen-Leinsamen

Kommentar vom 11. September 2009: Gen-Leinsamen

Ich habe ja in diesem Blog schon einmal von der Birlin-Mühle (http://www.birlin-muehle.de) berichtet. Gestern bekam ich eine Mail von Peter Birlin mit einem PDF-Anhang. Eine Seite mit der Überschrift „Information zu gentechnisch veränderter Leinsaat“. Der Brief beginnt: „wie Sie sicher schon den Medien entnehmen konnten, ist auf dem europäischen und deutschen Markt Leinsaat kanadischer Herkunft gefunden worden, die Anteile gentechnisch veränderter Pflanzen enthält.“

Ich wusste noch nichts davon. Im Radio hatte ich nichts gehört, im Internet war mir nichts aufgefallen und in der Tageszeitung stand gestern oder vorgestern auch nichts. Birlin erklärt dann genau, um welche Charge es sich handelt, gibt dann etwas Hintergrundinformationen über den Leinsamenanbau in Kanada, dem wichtigsten Lieferanten dieser Ölsaat für die EU. Dazu auch noch Hinweise auf Schwellenwerte. Interessant auch Folgendes:

„Da der größte Teil des Marktes für Speiseleinsaat in der Hand von nur zwei Produzenten liegt, welche kanadische Ware vertreiben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass nahezu alle sich im Umlauf befindliche Leinsaat von der Problematik betroffen ist.“

Dann folgt die genaue Chargennummer der Leinsaat, mit der Birlinkunden beliefert wurden, eine Probe sei am 21.08. an die Lebensmittelüberwachung weitergegeben worden. Ein Befund läge noch nicht vor (was er als positiv bewertet). Im letzten Absatz widmet er sich den Lösungsansätzen. Und verweist darauf, dass das Ausweichen auf osteuropäische Ware bisher noch GVO-frei eWare bietet. Und zum Schluss der Satz „Derzeit warten wir noch auf eine offizielle Stellungnahme von Produzenten und Behörden. Sobald diese vorliegt, werden wir Sie informieren.“

Ich bin beeindruckt. Das ist informativ, ohne zu werten, ehrlich und fair. Eine solche direkte Aktion ist mir in meinem „Bio-Leben“ bisher nicht begegnet.

Heute folgte dann auch der entsprechende Beitrag in der Tageszeitung. Welch ein Kontrast:

Politische große Worte, keine wahre Informationen. Ein paar Wichtigtuer tun sich hervor und „Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) rief die Länder nach dem Fund zu schärferen Kontrollen auf.“ Ruf nach Kontrolle kommt immer gut bei den Bürgern an! Und natürlich der beruhigende Satz des baden-württembergischen Landesagrarministers Peter Hauk (CDU), der der Ansicht ist, „von den genmanipulierten Körnern gehe zwar keine Gesundheitsgefahr aus, er habe aber den Bund und die Europäische Union informiert.“

Woher Herr Hauk seine Weisheit nimmt über die fehlende Gesundheitsgefahr, weiß niemand.