Darf man seine Meinung ändern?

Nun, die Fragestellung verrät schon fast, dass ich hier mit „Ja“ antworte. Ganz eindeutig.

Wir lernen im Leben ständig dazu, oder ist jemand so weise, dass er bei Geburt oder spätestens nach Abschluss der Schule alles weiß und alles richtig beurteilen kann? Dies ist ebenso eine Suggestivfrage, denn natürlich antworte ich mit Nein. 🙂

Es wurde mir auch schon vorgeworfen, ich sei sprunghaft, heute so oder morgen so. Nun, darüber kann ich nur lächeln, weil das natürlich an meiner Person völlig vorbei geht. Selten ändere ich meine Meinung von heute auf morgen, und sicher gibt es Gründe dafür. Meine Meinung zur Brukerschen Vollwertkost war eine deutliche Änderung meiner Einstellung, die auch begründet erfolgte und sich über Jahre gezogen hat. Als Vierzehnjährige habe ich beim Aufsatzthema „Was hältst du von der Todesstrafe?“ eifrig dafür plädiert. Heute bin ich absolute Gegnerin der Todesstrafe, weil ich anhand von Fakten erkannt habe, dass sie niemanden abschreckt und immer unmenschlich ist, wenn sie dann auch noch mit vielen Jahren Verzug vollzogen wird.

Aber warum gibt es Menschen, die fest überzeugt davon sind, dass man eine einmal geäußerte Meinung bis zum Tod beibehalten muss? Eigenartig und ich habe keine Erklärung dafür.

Bei mir kann ich an der Entwicklung von Corona meine eigene Entwicklung gut nachvollziehen. Am Anfang fand ich das Tragen von Masken einfach lächerlich. Erinnert sich noch wer an meine nette Plastiktütenmaske? Ich stand mit der Ablehnung nicht allein, auch zahlreiche Ärzte und Wissenschaftler waren der Meinung, sie würden nichts bringen. Und dann hat die Erfahrung und die Betrachtung wissenschaftlicher Ergebnisse gezeigt, dass die Masken sehr wohl Schutz bieten, und zwar nicht nur den anderen, sondern auch mir selbst. Soll ich das Wissenschaftlern und Medizinern übel nehmen, dass sie ihre Meinung anhand wissenschaftlicher Ergebnisse geändert haben? Von mir will ich gar nicht reden.

Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie Wissenschaft und Medizin sich stetig neuen Forschungsergebnissen angepasst haben bzw. anpassen mussten. Deshalb verstehe ich auch, warum gerade im ersten Jahr die Vorschriften zum Umgang mit Corona noch recht uneinheitlich waren. (Mittlerweile verstehe ich das nicht mehr so ganz.)

Ein neues Thema, an dem sich Diskussionen entzünden, ist die Impfpflicht. Waren am Anfang der Pandemie noch alle (Ärzte, Politiker etc.) sicher, dass von einer Impfpflicht nie die Rede sein könne, wackelt es da schon gewaltig. Ein junger Arzt, mit dem ich darüber sprach, sagte mir: „Am Anfang fand ich Impfpflicht richtig blöde. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob es nicht doch ein richtiges Mittel wäre.“

So geht es mir übrigens auch. Grundsätzlich bin ich erst einmal gegen Impfpflichten ganz allgemein, aber auch da bröckelt die Mauer meiner Einstellung. Bei Masern hat sie sich zum Beispiel als sinnvoll erwiesen (was Fanatiker nicht davon abhalten wird, das Gegenteil zu behaupten). Ich weiß es im Moment einfach nicht, bin ich dafür oder bin ich dagegen? Was ist wirklich besser? Würde eine Impfpflicht helfen? Ich las dazu, dass natürlich niemand von der Polizei aus dem Haus gezerrt und zwangsgeimpft würde, sondern dass man einfach auf die Auswirkung einer „Pflicht“ hofft. Nichtbefolgen der Pflicht würde mit Einschränkung von Rechten entgegengewirkt, nicht mit körperlicher Gewalt.

Zu einer Corona-Impfpflicht habe ich noch immer keine endgültige Meinung. Ich sehe die Vorteile, ich sehe auch die Nachteile.

Wie seht Ihr das?

Impfung: ja oder nein?

Ich selbst bin zweimal mit einem mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 geimpft und kann im Dezember meine dritte Impfung bekommen. Ich hoffe, es gibt keinen Engpass.

Ständig lese ich von Menschen, die merkwürdige Dinge über die Impfung verbreiten (weil natürlich alle Mediziner und Wissenschaftler lügen, während sie selbst superklug sind) oder sich ihrer Freiheit beraubt sehen, wenn Druck auf sie gemacht wird, damit sie sich impfen lassen. Und natürlich solche, die immer noch behaupten, Corona sei eine einzige Lüge.

Da kommt es massenweise zu Protesten. Interessanterweise vorwiegend in Ländern des Westens, wo es den Menschen vergleichsweise doch sehr gut geht.

Was ich nicht verstehe: Da glaubt einer nicht an Corona (alles Lüge!) und die Impfung bringt nix oder beschränkt die Freiheit usw. Wenn derjenige dann aber doch an Corona erkrankt, will er natürlich die ganze medizinische Palette erhalten.

Eigenartig. Wenn es kein Corona gibt, kann ich nicht daran erkranken. Daher fände ich es selbstverständlich, dass sich die Coronaleugner freiwillig bereit erklären, dann selbst für eine Corona-Behandlung die Kosten zu übernehmen. Dazu auch bitte die Kosten für die Behandlung der Menschen, die sie nachweislich mit Corona angesteckt haben.

Beispiel: Ich bin überzeugt, dass in meinem Garten keine Aliens hausen. Also erkläre ich mich gern bereit, alle Kosten dafür zu übernehmen, wenn diese Aliens meinen Garten und den der Nachbarn verwüsten. Mir kann ja nichts passieren.

Ist de facto dasselbe: Für etwas, das es nicht gibt, kann ich jegliche Haftung übernehmen.

Was würde passieren, wenn Ungeimpfte, die sich partout nicht impfen lassen wollen (Betonung auf wollen), eine solche Verzichts- bzw. Kostenübernahmeerklärung unterschreiben sollen?

Fände ich besser als Impfpflicht.