Geimpft!

Wir sind gerade vom Impfzentrum nach Hause gekommen. Wir sind beeindruckt: Toll organisiert von der Einfahrt bis zum Warteraum. Und die Leute waren auch sehr freundlich. Da wir beide nicht umgekippt sind, konnten wir nach einer Viertelstunde gehen.

Anfangs, also Mitte letzen Jahres, habe ich noch gedacht: Impfen? Ach nee, lieber nicht. Das hat sich gewandelt. Das fing damit an, dass mir die Fahrlässigkeit, mit der manche Leute mir in der Öffentlichkeit (Läden, Straße) zu nah kamen, auf den Geist ging. Dann hörte ich von mehreren Menschen, deren Meinung ich ernst nehme, dass sie sich hatten impfen lassen oder sich definitiv dafür entschieden hatten. Das hat mich überzeugt. Ebenso Gespräche mit Verwandten und Freunden, die in Krankenhäusern arbeiten. Da gibt’s nix zu verharmlosen.

Der einzige Wermutstropfen: Ich darf heute nicht mehr stricken. 😉

Hepatitis A Impfung

Kommentar vom 11./12. Oktober 2009: Hepatitis A

Vor wenigen Tagen erhielt ich die Mail eines Vaters von zwei Söhnen. Sein jüngerer Sohn konnte nicht zur Schule, ihm war schwindelig, Kopfschmerzen. Mit 13 schon Migräne? Der Vater schrieb mir ferner, „Vermutlich die Impfung ja, ich weiß… Aber zurzeit ist Hepatitis A in der Gegend.“ Mit „ich weiß“ spielt der Vater darauf an, dass ich ja eine ausgesprochene Impfgegnerin bin. Ich habe das gar nicht kommentiert. Aber es ließ mir keine Ruhe und so habe ich heute ein wenig recherchiert.

Wikipedia ist sicherlich nicht dafür bekannt, dass es die Impfgegner fördert. Dort fand ich zu Hepatitis A:

Die Hepatitis A ist eine durch das Hepatitis-A-Virus verursachte Infektionskrankheit. Hauptsymptom ist eine akute Entzündung der Leber (Hepatitis). Die Hepatitis A verläuft niemals chronisch und heilt meist ohne ernsthafte Komplikationen spontan aus. Sie wird durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel (z. B. Muscheln) übertragen und tritt in unseren Breiten meist als importierte Erkrankung nach einem Aufenthalt in Risikogebieten auf. Eine Impfung ist der derzeit beste Schutz gegen eine Hepatitis A.

Die Übertragung der Hepatitis-A-Viren erfolgt fäkal-oral (beispielsweise Kot/Urin – Hand – Mund) durch eine Kontaktinfektion oder Schmierinfektion. Laut dem „epidemiologischen Bulletin“ des Robert Koch-Institutes soll die Übertragung auch auf sexuellem Wege (sog. Rimming, Scat, Koprophilie) möglich sein. In Ländern mit hohem Hygienestandard erfolgt eine Übertragung vor allem durch Kleinkinder, deren Infektion meist symptomlos verläuft. Das bedeutet, dass sowohl durch engen Personenkontakt als auch durch verunreinigtes Trinkwasser, Säfte oder ungenügend gegarte Nahrungsmittel die Viren übertragen werden können. Ein erhöhtes Risiko stellen fäkaliengedüngtes Gemüse (z. B. Salate) oder auch Meeresfrüchte (z. B. Muscheln) dar. In einigen Muschelarten kann das HAV mehrere Monate persistieren.

Wieso bitte schön muss da ein 13-Jähriger – sicherlich zählt er nicht mehr als „Kleinkind – geimpft werden? Isst er Muscheln zum Frühstück? Wird der Salat zu Hause nicht gewaschen? Hat der Junge ein unkontrollierbares weit ausschweifendes Sexualleben? Kann ihm keine Hygiene (Hände waschen vor dem Essen, nach dem Toilettenbesuch) beigebracht werden? Was ist das für eine Medizin-Gläubigkeit, vor der ich immer wieder hilflos stehe, ein Kind einem möglichen Schaden auszusetzen, um (angeblich) eine leicht vermeidbare, leicht verlaufende Krankheit zu vermeiden? Wer wird Verhaltensstörungen, Krankheiten in wenigen Monaten oder Jahren oder ähnliches dann der Impfung zuschreiben?

Mir graust. Warum haben so viele Menschen eine Blockade, wenn es – ähnlich wie bei der Ernährung – ums Impfen geht? Warum nur informieren sich Eltern so wenig über die Impfrisiken und vertrauen da – so kritisch sie in anderen Lebensbereichen sein mögen – blind den Medien und ihrem Hausarzt (der am Impfen gut verdient)?

Was tun gegen die Ferkelgrippe?

Kommentar vom 22. August 2009: Hilfe, ich habe die Ferkelgrippe!!

Als ich heute Morgen wach wurde, fühlte ich mich so anders. Ganz plötzlich, von einem Abend auf den nächsten Morgen. Gestern noch hatte ich mich putzmunter gefühlt, den ganzen Tag alle Fenster auf und alles mit herrlichem Durchzug, ich mitten drin. Dann war ich leicht verschwitzt ins Schlafzimmer gegangen, aber auch da kam der kühle Luftzug zum Glück hin. Ja, und morgens dann merkte ich: Da stimmt was nicht. Ich räusperte mich. Mehrmals. Meine Nase war auch nicht so ganz in Ordnung: Nicht, dass sie direkt lief, aber so ein bisschen schon. Ich riss ein Stück von der Toilettenpapierrolle ab und schneuzte besorgt hinein.

Nach dem Duschen ließ ich mich im Durchzug trocknen. Ein herrliches Gefühl. Leider räusperte ich mich immer noch, und auch die Nase tröpfelte weiter vor sich hin. Hmmm, das war mir unheimlich. Ich nahm mein Fieberthermometer, immerhin hatte ich gestern jemandem die Hand geschüttelt, vielleicht habe ich die Schweinegrippe? Aber nein, Entwarnung: eine Körpertemperatur von – 36,5 °C ließ diesen Verdacht im Keim ersticken.

Dennoch – ich war beunruhigt. Also rief ich den notärztlichen Dienst an. Dort war man sofort alarmiert und wusste schon Bescheid: Nein, das ist nicht die Schweinegrippe, das ist vielleicht die kleinere Ausgabe: die Ferkelgrippe! Sollte ich in den Notdienst gehen? Um Gottes Willen, bloß nicht – so als Virenmutterschiff würde ich ja das ganze Notdienstpersonal verseuchen. Ob ich denn meine Taschentücher wohl ordentlich entsorgt hätte? Ja, klar, im Toilettenmülleimer. Oh, ein Fehler: Bei einer so gefährlichen Pandemie wie der Ferkelgrippe müssen Einmal-Taschentücher wirklich gründlich vernichtet werden, am besten verbrennen und dann im Giftmüll entsorgen.

Ich deckte nun meine Unwissenheit über die Ferkelgrippe auf. Ich habe noch nie davon gelesen, nichts gehört. Was ist das? Was kann ich dagegen tun? Wie kann ich mich davor schützen? Gibt es schon eine Impfung?

Info von der diensthabenden Notärztin Frau Dr. Gertrude Eldgier: Also die Ferkelgrippe ist charakterisiert dadurch, dass sie häufig nach Aufenthalten im Durchzug auftritt. Ob da ein eindeutiger Zusammenhang besteht, muss noch in wissenschaftlichen Studien erarbeitet werden. Ihre Anzeichen sind leichtes Räuspern und eine leicht tropfende Nase. Der Verlauf dieser unheimlichen Krankheit ist in den meisten Fällen leicht, meist lässt sie schon nach einer Stunde nach dem Aufstehen nach. Die Symptome lassen sich auch mit einem heißen Getränk bekämpfen. Aber Vorsicht! Das ist nicht wirklich gründlich. Wir empfehlen unbedingt ein Rundum-Antibiotika, 3 Tage Quarantäne und möglichst eine Impfung gegen die Schweinegrippe. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Ferkelgrippe in Pandemiestufe 8 klassifiziert, man geht davon aus, dass die Zahl der Krankheitsfälle in den nächsten Tagen um das Dreifache ansteigt. Die Bundesregierung habe auch schon einen Pandemieplan entworfen.

Ich erkundigte mich: Ist das denn derselbe Virus wie der Schweinegrippevirus, dass ich da dieselbe Impfung bekommen soll? Antwort: Nein, das Ferkelgrippevirus hat mit dem Schweingrippevirus nichts zu tun, aber da die Ferkelgrippe ja verschwunden ist, bevor ich überhaupt beim Impfarzt angekommen bin, sei das die einzige Alternative zu der schrecklichen Vision gar keiner Behandlung.

Das sah ich ein. Ich habe um ein Rezept für ein Antibiotikum gebeten, das mir per Taxi überbracht wurde (Taxifahrer im Seuchenanzug). Zur Impfung habe ich mich natürlich auch angemeldet. Räuspern und der Minischnupfen sind  schon seit Stunden verschwunden, aber das ist ein besonders heimtückisches Verhalten der Ferkelgrippe, hatte mir die Notärztin versichert. Mir ist jetzt von den Antibiotika ziemlich schlecht geworden, und Durchfall habe ich auch bekommen. Aber das ist nicht so wichtig. Hauptsache, ich habe die Ferkelgrippe jetzt im Griff!

Es muss noch einmal sein: Die Schweinegrippe

Kommentar vom 18. Juli 2009: Die größte Impfaktion seit 50 Jahren

Ich hatte mir vorgenommen, keinen Blogeintrag zur Schweinegrippenimpfung mehr zu verfassen, da ich alles dazu geschrieben habe, was es dazu zu sagen gibt. Dachte ich – bis ich heute einen großen Artikel in der Tageszeitung (RGA vom 18. Juli 2009) las: „Die größte Impfaktion seit 50 Jahren“.

Auch hier möchte ich mir nur ein paar „Perlen“ herausfischen:

„Im Herbst können fünf Millionen Menschen in NRW immunisert werden“, steht in der Unterüberschrift, und dann im dritten Absatz „Es wird noch drei bis vier Monate dauern, bis der Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus ausreichend getestet und hergestellt wurde.“ Wir haben jetzt Ende Juli, in 3 Monaten ist Ende Oktober, in 4 Monaten Ende November. Eine Impfung muss erfolgen, bevor ich erkranke – da sich der Virus angeblich ja so schnell ausbreitet, vor allem jetzt nach dem Urlaub, was soll da noch eine Impfung im Spätherbst? Bis dahin sind ja dank Durchstehen dieser leichten Erkrankung die meisten Menschen vermutlich sowieso immun dagegen (wie das immer ist, wenn wir und unser Körper eine Krankheit besiegt hat). Und wie soll ein Impfstoff, der noch gar nicht existiert, denn in spätestens 4 Monaten ausgetestet sein, während Arzneimittel sonst einen jahrelangen Zulassungsprozess durchlaufen müssen?

„… hat sich das Land (NRW) bei zwei Pharmakonzernen ein Vorverkaufsrecht gesichert, um notfalls auch für alle 18 Millionen Bürger Impfstoff zur Verfügung zu haben.“ Das habe ich nun auch schon mehrmals gelesen. Leider habe ich nirgendwo gelesen, dass das Land NRW sich bei den Pharmakonzernen auch kräftig für Preisnachlässe eingesetzt hat, wie das ja bei einer solchen Einkaufsmenge möglich sein sollte. Schon jetzt ist es so, dass viele Menschen notwendige Arzneimittel, die sie gut vertragen, gegen angeblich gleichwertige eintauschen müssen (die sie dann häufig nicht so gut vertragen), weil ihre Krankenkasse mit einer bestimmten Pharmafirma kein Preisabkommen hat. Aber bei einer Impfung, deren Sinn noch gar nicht erwiesen ist,  gegen eine leichte Krankheit, da wird bei einer Riesenabnahmemenge nicht um die Preise gefeilscht?

„Norbert Henkel, hausärztlicher Internist in Duisburg, sagte unserer Zeitung, dass Patienten nicht mit langen Wartezeiten rechnen müssten. Eine gut organisierte Praxis schaffe problemlos 20 Impfungen in der Stunde.“ (1) Der RGA verrät uns nicht, warum gerade ein Duisburger Internist hier Rede und Antwort stehen darf. (2) Wenn es gut organisierte Praxen gibt, warum sind die Wartezeiten ansonsten in den Praxen so elendig lang? Wenn ich als Freiberuflerin meine Termine so handhaben würde wie die meisten Ärzte das tun, wäre ich schon lange aus dem Geschäft. (3) Problemlos 20 Impfungen in der Stunde – das sind 5 Minuten für jede Impfung. Wie will ein Arzt in 5 Minuten überprüfen, ob bei dem entsprechenden Patienten in der Krankengeschichte keine Gegenanzeigen für das Medikament vorliegen, ihn über Risiko und Nutzen aufklären, überhaupt nur abklären, ob er vielleicht schon diese schweinische Grippe hat (dann wäre Impfen besonders schädlich)? Wie lässt sich eine solche Fließband-Bearbeitung von Patienten mit dem hippokratischen Eid vereinbaren? Und warum wird das vom Journalisten nicht kritisch in Frage gestellt?

„Wer zahlt die Impfung? Die Impfung wird von den Krankenkassen bezahlt. Die Aktion wird bundesweit bis zu zwei Milliarden Euro kosten.“ Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung, wie überaus großzügig. Woher aber nehmen sie denn ihr Geld? Sie nehmen es von uns, den Krankenkassenmitgliedern! Und wir alle haben kein Mitspracherecht darüber, ob zwei Milliarden Euro für diese Impfungen ausgegeben werden sollen. Haben wir nicht gerade einschneidende Eingriffe im Gesundheitssektor erfahren, wo manche Patienten nicht einmal mehr lebenswichtige Medikamente umsonst bekommen – aber die enormen Kosten für eine Impfung gegen eine Krankheit, die mild verläuft, soll die Gemeinschaft der Krankenkassenmitglieder mal gerade so aus dem Ärmel schütteln?

Manchmal frage ich mich: In was für einer Bananenrepublik lebe ich hier eigentlich?