Regional oder lieber nicht?

7. Mai. 2015: Kartoffeln aus Ägypten und Rosen aus Marokko

Ich kaufe aus Überzeugung keine Kartoffeln aus Ägypten, keine Rosen aus Marokko (was nicht schwer ist, denn ich kaufe überhaupt keine Schnittblumen *ggg*), möglichst keine Tomaten im Winter aus Spanien usw. Denn ich bin der Überzeugung, dass es eine Schande ist, dass z.B. der wenige ägyptische fruchtbare Boden für deutsche Kartoffeln missbraucht wird, Spanien mit seiner Wasserknappheit auch nicht unbedingt meinen dezemberlichen Tomatenhunger bedienen muss.

Nur ging mir letztens durch den Sinn: Wie sieht das eigentlich der ägyptische Landarbeiter, der im Schweiße seines Angesichts die Kartoffeln anbaut? Wenn ich ihn direkt fragen könnte, würde er sich wünschen, dass ich die Kartoffeln aus seinem Land kaufe, damit er etwas verdienen kann, auch wenn es verachtenswert wenig ist, oder würde er mich beglückwünschen, dass ich mit meinem Nichtkauf seine Freiheit und seine Ernährung langfristig sichern möchte, denn so richtig verdienen an den Kartoffeln tun irgendwelche Großkotze und Zwischenhändler.

Es ist keine rhetorische Frage, ich weiß es wirklich nicht. Ich frage mich auch, ob ich schon wieder „kolonialistisch“ denke, wenn ich mich weigere, Kartoffeln aus Ägypten zu kaufen – so nach dem Motto: „Ey, du ägyptischer Landarbeiter, den Hungerlohn, den du bekommst, akzeptiere ich nicht und langfristig tue ich dir jetzt einen Gefallen!“ Wäre das nicht Besserwisserei?

Ich sinne über diese Fragen schon länger nach und habe noch keine Antwort gefunden.

 

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