Ein Ausblick

Gelegentlich habe ich iphorismische Short Stories hier veröffentlicht. Bis zum Einreichen bei BOD ist es nicht mehr weit. Eine Geschichte ist allerdings rausgefallen, weil kein Platz mehr war. Hier kommt sie zum Einlesen.

Zum Geburtstag deiner Mutter
Fremdwörter sind immer ein Hemmnis, dachte sich Dr. Lore Kawotzki. Sie beherrschte selbstverständlich sehr viele und bemühte sich, jeden Tag ein neues dazuzulernen. In ihren Texten verwendete sie möglichst verständliche Begriffe. Anglizismen waren selten, Wörter mit lateinischem oder griechischem Ursprung kamen nur in den Text, wenn sie wirklich jeder kannte. Den Bekanntheitsgrad testete sie in statistisch abgesicherten Fragebogenaktionen.
Ferner stellte sie auch fest, dass in der breiten Bevölkerung die griechische Mythologie kaum noch Bedeutung hatte. Ihr war klar: Das lag am fehlenden Bezug zum normalen Leben und an komischen Namen. Sie nahm sich die Odyssee vor und schlug ein paar Änderungen vor:
In der Wotansmeeree (Odyssee) heißt der Sohn von Wotansmeus Fernchauvi (zuvor Telemachos). Aus Athene machte sie flugs Basele und aus Calypso natürlich Walzer. Für Städte usw. wählte sie heimische Orte: Dortmund, Thüringen, Baden-Württemberg. Wer kennt schon Ithaka?
Die Anerkennung von Kollegen und Öffentlichkeit blieb ihr allerdings verwehrt.

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Nach den Iphorismen

Natürlich sind die Iphorismen kein Ende, sondern ein Anfang. Nach den Iphorismen kommen die iphorismischen Short Stories (iShSt).

Die isphorismische Short Story

Was nicht denglisch ist, ist nicht gut. Also ist es logisch, diese Literaturgattung so zu bezeichnen. Was zeichnet die isphorismische Short Story aus?

  1. Sie darf nicht länger sein als eine Buchseite eines Buches mit maximal Taschenbuchgröße.
  2. Eine Pointe ist fast verpönt und darf nur per Zufall hineingeraten.
  3. Der Anfang schon soll die Leser möglichst abstoßen oder langweilen.
  4. Es muss, wenn ein Sammelband erscheint, an jedem Tag eine erscheinen.
  5. Eventuell kommt hier noch mehr. Ist dies der letzte Punkt, so hat sich erwiesen, dass „eventuell“ eben nicht eingetroffen ist.

Natürlich bekommt Ihr auch davon Kostprobe. Heute also die iShSt für den 27. Oktober:

Der Schornsteinfeger hat die falsche Taste gedrückt bzw. er hat auf die richtige Taste zu lang gedrückt.

Das sieht man daran, dass im Display eine kleine Hand zu sehen ist. Wenn man die Heizung aber nur über das Smartphone bedient, sieht man diese Hand nicht und wundert sich, warum denn die Nachtabsenkung nicht funktioniert. Warum die Heizung nachts voll durchheizt, obwohl eine Absenktemperatur im Sommer von 7 Grad Celsius eingegeben ist.

Was der Laie auch nicht weiß: Um die entsprechende Taste zu erreichen, muss man die silberfarbene Leiste hochklappen. Wer klappt an seiner Heizung schon Leisten um?

Wenn du diese Leiste hochklappst, siehst du zwei schwarze Tasten. Auf der linken ist der weiße Umriss einer Hand zu sehen. Wenn du Schornsteinfeger bist, drückst du diese Taste einmal kurz und kontrollierst so, ob die Heizung ordnungsgemäß funktioniert. Hat der Schornsteinfeger durch zu langes Drücken auf „manual“ geschaltet, drückst du eben auch diese Taste noch mal, aber länger. Dann ist alles wieder in Butter.

Aphorismen und Iphorismen

Erst kommen die Aphorismen

Ein Aphorismus ist ein kurz formulierter geistreicher Sinnspruch, der in sich geschlossen ist. Meist ist es ein einzelner Satz, und er ist in Prosa verfasst, also nicht in Gedichtform. Dieser Spruch will manchmal tiefsinnig, manchmal humorvoll oder auch hintergründig vermitteln, was der Diverse erkannt, erfahren oder erlebt hat.

Da dies kein wissenschaftlicher Text ist, darf ich Wikipedia zitieren:

Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert wird der Aphorismus als eigenständige Prosagattung anerkannt und erforscht. […] Besonders wenn ein Sprachbild aufgegriffen und bildlich verlängert wird, führt die antithetische Wendung häufig zum Paradoxon, zum Beispiel, Mit dem Band, das ihre Herzen binden sollte, haben sie ihren Frieden stranguliert (Lichtenberg).

Und was ist ein Iphorismus?

Iphorismen sind auch kurz. Sie reißen ebenfalls Erfahrungen an oder vermitteln Gedanken. Aber sie maßen sich nicht an, hohe Literatur zu sein oder philosophisches Gedankengut zu vermitteln.

Wer einen Iphorismus liest, ist möglicherweise entsetzt und sagt: „Ihhhh [, wie blöde ist das denn].“

Vermutlich darf ich mich dann auch Iphoristikerin nennen. Von dieser Gattung bin ich die Erste. Iphorismustreffen sind noch keine geplant, Doktorarbeiten darüber gibt es auch noch nicht. Aber nur Mut (sage ich zu mir selbst), das kann ja noch werden!

Beispieliphorismen werden folgen.