Rezeptpreise

28. April 2016 Do Preise

Jeder möge einmal für sich selbst rechnen.

Wenn ich eine Kochzeitschrift abonniere, wie viele Rezepte werde ich wohl daraus nacharbeiten? Wenn ich ein Kochbuch kaufe, ein richtiges Schönes – wie viele Rezepte werde ich wohl daraus nachkochen?

Aus eigener Erfahrung und der anderer weiß ich: Bei einer Zeitschrift sind es im Schnitt 2-3 Rezepte (das entspricht etwa einem Preis von 1 Euro pro Rezept), bei einem Buch ist es locker das 3- bis 4-fache, selbst wenn ich davon ausgehe, dass ich 10 Rezepte davon verwende.

Je spezieller eine Ernährungsrichtung ist, um so höher ist – wegen der geringen Auflage – der Preis pro Rezept.

Letztes Jahr habe ich 2000 Rezepte geschrieben. Okay, das war überdurchschnittlich viel. Aber rechne ich es mal auf eine Zahl von 1200, die ich locker zusammenbekomme. Dann sind das 100 Rezepte pro Monat. Rechne ich auch den Preis auf Monate um, ist das 10 Euro pro Monat, somit für ein Rezept nicht einmal 10 Cent. Und das werbefrei 🙂

Was will ich euch damit sagen? Eigentlich gar nichts, ich habe es nur einmal durchgerechnet und war selbst erstaunt 🙂

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Kochbücher

24. April 2014: Was erwarte ich von einem guten Kochbuch?

Das ist jetzt nicht eine Vorgabe, was Ihr erwarten solltet, sondern ich schildere einfach einmal, was ich erwarte. Was dann vielleicht auch erklärt, warum ich meine Bücher so geschrieben habe, wie sie euch vorliegen. Denn logischerweise schreibe ich ein Buch so, wie ich es auch bei anderen Autoren finden möchte.

Für mich ganz wichtig ist, dass die Rezepte wirklich erprobt sind. Wirklich gekocht. Und das sind sie leider in den seltensten Fällen. Mittlerweile habe ich schon einen Blick dafür. In der Vollwertbäckerei sehen wir es häufig sehr gut an den Wasserangaben. Fantasiezahlen – ob zu kleiner oder zu groß – beleidigen das wissende Auge. Ja, je nach Getreide kann die Wassermenge stark variieren. Aber dann bitte: dazuschreiben, das dies nicht typisch ist. Wenn eine Wassermenge stark von der Zahl 310-320 g/500 g Getreide abweicht und der Teig noch geknetet werden soll, ist Vorsicht geboten!

Außer in den gern zitierten Dr.-Oetker-Büchern von früher habe ich noch kein einziges Kochbuch gefunden, dass sich daran hält, in aller Bescheidenheit: meine eigenen Rezepte ausgenommen. Sei es die von mir grundsätzlich geschätzte Gabriele Kurz, sei es Barbara Rütting – sie alle schummeln irgendwann einmal, was das Zeug hält, schreiben ein Rezept aus dem Gedächtnis, oder lassen sich etwas einfallen und denken „ach, so wird das schon gehen“. Ich finde das ein „Verbrechen“ vor allem bei Anfängern.

Gerne bemängele ich auch, dass die Autoren nicht angeben, mit welchen Gerätschaften sie arbeiten. Immer wieder liest man: Der Hefeteig verdoppelt sich in 20 (30) Minuten. Wenn man nicht gerade 2 Päckchen Hefe auf 200 g Mehl gibt, ist das nicht so! Es sei denn… man hat einen Gärofen oder eine andere Möglichkeit, eine Temperatur von 30-35 °C zu erreichen. Was aber im normalen Haushalt nicht so ist. Was täte denn daran nun so weh, wenn ein Autor schreibt: Der Teig verdoppelt sich in einem Gärofen oder ähnlichen Gerätschaften in 20 Minuten. Es hätte natürlich die Konsequenz, die ich auch kenne: So wird mir häufig vorgeworfen, meine Rezepte könne man nur mit teuren Geräten nacharbeiten. Warum kommt das als Vorwurf? Weil ich die verwendeten Geräte dazu schreibe! Andere tun das nicht, und wir wundern uns dann, wenn wir mit dem Handrührgerät keinen wunderbaren Hefeteig oder mit dem normalen Haushaltsmixer keinen glatten Smoothie hinbekommen. Würden aber alle Autoren konsequent ehrlich schreiben, wie sie arbeiten, bliebe dem Anfänger viel Verzweiflung erspart. Der Fortgeschrittene wüsste dann auch, wie er die Geräteklippe möglicherweise umgehen könnte.

Was mich auch ärgert, dass Autoren teils immer wieder dieselben Rezepte in neuen Bücher verarbeiten – und ich meine hier keine Grundrezepte wie Gemüsebrühe o.ä., das natürlich in jedem Buch drinstehen muss, in dem es verwendet wird. Aus guter Quelle weiß ich, dass häufig bis zu 30 % bereits Gedrucktes sein können. Oder mit winzigen Änderungen…. Ey, da packt mich das Grausen!

Ein anderer Stein des Anstoßes sind für mich die Fotos. Wenn ich schon sehe, dass mehr als die Hälfte der Fotos von sogenannten Agenturen bezogen wurden, weiß ich doch: Das wurde so nie gekocht. Ich brauche keine perfekte Sahnetorte vor Augen, wenn ich sie selbst so nicht hinkriege. Natürlich kann ein gelernter Koch mit – hoffentlich geringem! – Aufwand etwas optisch besser hinbekommen als ich. Das hat aber nichts mit dem zu tun, was uns da häufig vorgemogelt wird. Da wird das Rezept verdreht, nur damit das Foto „schön“ ist. Da tauchen plötzlich Sesamkörnchen in einem Bild auf, die nirgendwo erwähnt sind. Oder es fehlen wichtige Bestandteile. Dieser Drang nach „schönen“ Fotos ist eine Krankheit der jetzigen Kochbuchwelle. Natürlich sollen sie nicht grauslig sein, sondern zum Essen einladen. Aber ich möchte auch, dass anschließend in meiner Küche etwas steht, das ähnlich aussieht wie in der Vorlage. Ich sage ja immer: Wenn ich noch ein Essen sehe, das in einem älteren Teller serviert wird, das auf einer gefalteten Serviette liegt und das Ganze noch auf einer Holzbohle platziert wurde: Ey, dann pfeffer ich das Ganze schon in die Ecke.

Ich selbst brauche nicht unbedingt Fotos. Gerne habe ich sie, wenn das Rezept einen komplizierten Vorgang beschreibt oder Zutaten / Zubereitungsweisen, die ich mir nicht vorstellen kann. Es ist schön, wenn zu jedem Rezept ein Foto zu sehen ist – aber ein Muss ist das nicht. Übrigens haben die wenigsten Bücher wirklich zu jedem Rezept ein Foto. Ein Foto bei jedem Rezept heißt nämlich nicht notwendigerweise, dass auch das entsprechende Gericht wirklich darauf zu sehen ist.

Auch wichtig ist mir eine optisch klare Aufarbeitung. Ich will das Rezept mit einem Blick erfassen können. Das schließt eine gute oder auch „kreative“ Aufbereitung des Layouts nicht aus. Aber wenn die Zeilen auseinandergerissen sind, die Zutaten im Fließtext untergehen, dann habe ich schon keine Lust mehr.

Schreib ein Kochbuch!

7. März 2014: Bücher schreiben

Ein Buch schreiben? Das kann heute jeder. Dafür gibt es die Möglichkeit der Ebooks. Ein Kochbuch schreiben? Na, das kann erst recht jeder. Entweder setzen wir uns an den Schreibtisch und überlegen, was unsere Lieblingsrezepte sind, und schreiben sie auf. Wenn wir die Mengen nicht mehr so genau wissen, fügen wir einfach den Passus dazu „Ihr seid viel kreativer in der Küche, wenn Ihr nicht wiegt, dann lernt Ihr auch viel mehr.“ Oder Ihr nehmt Fantasiemengen, macht nichts, das machen die bekannten Kochbuchautoren meist auch.

Das glaubt ihr nicht? Ich könnte euch bei vielen bekannten Autoren zeigen, wo die Wassermengen nicht stimmen, wo die Mengenangaben Quatsch sind. Das weiß ich aus eigener Erfahrung oder weil andere es mir erzählt haben. Ich erinnere mich noch an den verzweifelten Anruf einer guten Bekannten, die nach dem Rezept einer bekannten Autorin einen Rumstollen (ich glaube, das war’s) backen wollte. Nach 3 Stunden war der Teig noch immer nicht gegangen. Ich ließ mir die Zutatenliste vorlesen – die Wassermenge entsprach dem, was einen Nudelteig so schön fest werden lässt. Da konnte der Stollen nicht gehen 🙂

War das früher mit Kochbüchern häufig schon schwierig (wobei ich nach wie vor auf die alten Oetker-Kochbücher schwöre, die waren präzise und hatten quasi Gelinggarantie), so kommt jetzt eben noch die Dreistigkeit dazu: Wie gesagt, jeder kann ein Kochbuch schreiben. Ich habe Null Ahnung von Vollwert, und eigentlich koche ich auch nix Besonderes, aber meine Kinder mögen das, also schreibe ich ein Ebook. Die Rechtschreibung ist lausig? Ey, das ist doch egal, wer schaut heute noch auf solche Kleinigkeiten?

Oder die berühmte Variante: Ich finde mich selbst so toll, dass ich mich über zwei Drittel der Rezepte ergieße, überall große Fotos von mir mit breitem Grinsen platziere, dafür gibt’s halt nicht so viele Rezepte.

🙂