Kindheitsträume verwirklichen

Eine Weile wohnten wir als Familie in Gummersbach, die Eltern meines Vaters in Wuppertal. Ich war da irgendwas zwischen 7 und 12 Jahre alt. Damals war das noch eine richtige Entfernung, auch mit dem Auto. Aber wenn wir mal hinfuhren, war das teils sehr schön. Sehr fasziniert hat mich der Schuhkarton mit Resten des Flurmosaiks in schwarz, weiß und gedecktem altrosa, jedes Stückchen ca. 1,5 cm im Quadrat. Außerdem gab es einen sitzenden Schäferhund aus Porzellan, der an die Steckdose angeschlossen werden konnte. Vielleicht 25 cm lang und 10 cm hoch: Ein sogenannter Rauchverzehrer. Sowas gibt’s heute gar nicht mehr. Dann die Schnitten, die meine Großmutter machte: Paderborner (diese viereckigen Schnitten) mit Kräuterschmelzkäse dazwischen, noch ne Scheibe drauf und in gewachstes Papier eingepackt. Da habe ich schon an der nächsten Ecke nach der Abfahrt gefragt, ob ich mein Brot haben kann.

Und meine Großeltern hatten noch etwas Tolles: einen Ständer für Trinkgläser, vergoldetes Metall. Sechs Gläster passten rein, in der Mitte war ein Stück Metall zu einem Griff hochgezogen und geformt. Das Gestell ließ mich kalt: Aber die Gläser! Sie waren bunt. Blau, grün, gelb, rot, grau und das sechste habe ich vergessen. Grün war meine Lieblingsfarbe. Zitronenlimonade aus dem grünen Glas, einfach nur toll.

Ich habe dann zu Hause mal angeregt, dass wir auch so schöne Gläser kaufen. „Auf keinen Fall“, sagte mein Vater, „Getränke aus farbigen Gläsern schmecken anders!“ Ende der Diskussion.

Kindheitsträume sind ja nicht immer riesige Dinge wie ein eigenes Flugzeug, ein absonderlicher Berufswunsch oder so. Nein, die kleinen Dinge sind es bei mir, an die ich denke.

Und so konnte ich auch dem Sonderangebot meines Lieblingssupermarkts letzte Woche nicht widerstehen: Gläser in blau und grün. Okay, die Großelterngläser waren kräftiger in der Farbe, schlichter in der Form. Aber okay – mir reicht das. Ich konnte mir einen Kindheitstraum erfüllen!