Kaufen in der Region

Kommentar vom 2. September 2011: …. aus Deutschland

Wenn ich meine Leser und Leserinnen nicht hätte, hätte ich doch häufig ein Wissensloch. So hat letztlich eine Leserin in ihrem Urlaub an mich gedacht – ich hoffe, es war ein fröhlicher Gedanke 😉 – und kündigte mir an, sie würde mir etwas schicken, von dem sie gar nicht gewusst hatte, dass es das aus Deutschland noch gibt. Ich war gespannt. Am selben Tag noch hinterließ der Postbote ein Päckchen. Fühlte sich irgendwie von außen an wie ein Stück Torf. Nun denn, ich will euch nicht länger auf die Folter spannen: Es war kein Torf, sondern ein Päckchen kleiner dunkelfarbiger Linsen! Von einem Biobetrieb aus der Schwäbischen Alb. Sie bauen dort wahrhaftig Linsen an – und die schmecken!

Als Erstes habe ich welche zum Keimen angesetzt. Das klappt wunderbar, wenn es auch etwas langsamer dauert, als ich das von den großen „normalen“ Linsen kenne. Die Keimquote ist aber völlig ausreichend, wie Ihr auf dem Foto sehen könnt. Einzig die Rezeptanweisung auf der Rückseite ist ein Witz: Linsen müssen nicht eingeweicht werden, sind in 20 Minuten gar. Hahaha. Klar, wenn ich richtig bissfeste Linsen haben möchte, an denen meine Zähne noch ein wenig Arbeit haben, trifft das durchaus zu. Ansonsten empfehle ich doch eher 2-3 Stunden einweichen oder 30 Minuten Kochen. Übrigens schrieb Herr Pfister, darauf angesprochen, dass es ein Tippfehler auf der Tüte sei, es müsse 30 Minuten heißen 🙂

Die Website des Pfister-Betriebs ist nicht gerade luxuriös, aber das kommt vielleicht noch: hier. Interessant ist auch, dass es ein Bio-Betrieb auf EM-Basis ist. EM steht für Effektive Mikroorganismen! Ich versuche auch gerade mit EM einen großen Baum in meinem Garten zu retten, außerdem hoffe ich noch auf einen Gastbeitrag, bei dem es auch um EM im privaten Gartenbau geht.

Ich habe dann die Website besucht, aber da ist ja kein Shop und nichts. Also per Email um eine Preisliste gebeten, aber da kam ewig lange nichts. Naja, dachte ich, dann ist das wohl nichts für mich. Bis dann doch ein Anruf kam, Herr Pfister entschuldigte sich, dass die Reaktion solange gedauert habe, es sei Hochsaison, manchmal kämen sie einfach nicht dazu…. Das kann ich nachvollziehen. Alle ihre Getreide seien keimfähig, versicherte er mir, auch der Nackthafer. Einige Angebote sind für uns Vollwertler nicht so interessant (Dinkelreis usw.), aber die anderen Getreide  sehen gut aus. Ich vergleiche jetzt nicht den Preis auf den Cent. Ich weiß, dass die Linsen mit einem Preis von 4,60 Euro pro 500 g teuer aussehen. Guckt euch mal die kleinen Linsen an. Schaut euch im Internet eine Linsenpflanze an. Wie lange sitzt IHR da, bis IHR 500 g zusammen habt?

Klar sind die China-Linsen preiswerter, auch die aus der Türkei. Und trotz der niedrigen Preise dort leben die chinesischen und türkischen Bauern in größtem Wohlstand. Oder etwa nicht? Es ist heute modern, seine Leser zu unterschätzen und zu schreiben „Ironie Ende“. Also: Ironie Ende.

Für Getreide sehr günstig sind die Versandbedingungen: ab 50 Euro Warenwert kein Porto, über 30 kg Frachtkosten. Das ist ganz besonders gut für uns Kleinverbraucher! Verschickt wird nur von Mo bis Mi, weil die Öle sonst zu lange auf dem Transport unterwegs sind, erörterte mir Herr Pfister. Sie verfügen über eine kleine eigene Ölmühle. Die Getreide werden im Betrieb auf Keimfähigkeit getestet! Wie sieht es mit Nackthafer aus? Der letzte ist leider ausverkauft, der neue noch nicht verkaufsreif. Auch das gefällt mir: Keine Überproduktion ohne Ende wird hier hergestellt.

Fazit: Das Getreide konnte ich noch nicht selbst testen, werde ich aber bald machen. Der persönliche Kontakt ist sehr freundlich und entgegenkommend, auf meine Mails und Anfragen wurde immer geantwortet. Das Porto ist übrigens mittlerweile unter 50 Euro Bestellmenge wohl auch niedriger (5 Euro plus Steuer). Eventuell lohnen sich da Sammelbestellungen. Ich bin ein Fan dieser Linsen – und danke an meine Leserin, die mich so nett beschenkt hat 🙂

Linsen, nicht beim Optiker

Kommentar vom 23. September 2010: Eine kleine Lektion im Asia-Laden

Vergangenen Samstag war ich im Asienladen, der ist nur wenige Schritte von mir entfernt. Normalerweise kaufe ich da nur geschälte, ungesalzene Erdnüsse oder mal Augenbohnen. Am vergangenen Samstag aber wollte ich mit meinem neuen Hang zur indischen Küche dort ein wenig herumstöbern – in Ecken in denen ich noch nie war. Bei den trockenen Gewürzen wurde ich fündig, endlich Khus Khus (weißer Mohn). Dann hatte ich ja so ein nettes Video gesehen und auch gelesen, dass Urid dal häufig verwendet wird. Dies sind irgendwelche hellen, geschälten und halbierten Linsen. Als ich mich zum Linsenregal begab, bemerkte ich aus den Augenwinkeln eine junge Frau. Ich bückte mich gerade, da fragte sie mich: „Haben Sie Ahnung von Linsen?“

Nun halte ich mich wirklich nicht für eine Linsenspezialistin, ich habe ein paar Sorten kennen gelernt in den letzten Jahren. Früher kannte ich nur die gute, alte deutsche Tellerlinse. Mittlerweile habe ich schon ein paar Sorten mehr im Repertoire 🙂 Ich antwortete also wahrheitsgemäß, dass ich nun nicht gerade eine Spezialistin bin, jedoch einiges weiß.

Sie sah mich an und lächelte erleichtert. „Ja, ich habe nämlich noch nie Linsen gegessen.“ Mein Unterkiefer fiel so weit herab, dass er gegen den Fliesenboden depperte, federte und wieder zurück an seinen Platz rutschte. Ein Glück, denn ohne ihn hätte ich schlecht etwas erwidern können. „Wie, noch NIE Linsen gegessen? Nicht mal die ganz normalen?“ Sie schüttelte den Kopf. Nun war die Frau nicht ausgesprochen jung, bei einer 20-Jährigen hätte ich das noch verstanden. Ich schätze sie auf Mitte 30 (ich bin im Schätzen eine Niete, ich weiß), Eric hinterher auf Anfang 40.

Wie kann man in dem Alter keinen Linsen gegessen haben? Wohl ein oder zweimal hatte sie wohl doch welche gegessen, bei ihrer Tante. Als ich jung war (hihi, ein furchtbarer Spruch, aber er passt hier so schön) waren Linsen bzw. Linsensuppe ein wohlbekanntes Gericht in jedem Haushalt. Zu Linsensuppe gab es immer Essig auf den Tisch!

Ich finde es einfach schockierend, wie ganz gängige Lebensmittel wirklich in wenigen Jahrzehnten so aus dem normalen Leben verschwinden, dass junge Frauen (was heißt jung? Wenn sie Anfang 40 ist, ist sie in wenigen Monaten eine Seniorin, wie wir wissen kicher) erstens Linsen im Asialaden meinen einkaufen zu müssen und zweitens keine Ahnung davon haben. Offenbar hat „man“ heute auch kein Grundkochbuch mehr zu Hause?

Nun, ich gab ihr ein paar Ratschläge. Gelbe und rote Linsen gehen schnell. Und Mungbohnen hatte sie in der Hand. Habe ihr noch geraten, die mal keimen zu lassen. Da leuchteten ihre Augen auf: „Das macht meine Freundin auch manchmal!“ Ich lächelte ihr ermunternd zu: „Kann ich Ihnen nur empfehlen, dass ist nicht nur lecker, sondern auch noch sehr gesund.“ Sie packte sich gleich 3 mal 1 Pfund Mungbohnen auf den Arm. „Warum nehmen Sie denn so viel? Wollen Sie nicht erst einmal probieren?“ Sie käme aus einem ganz anderen Stadtteil, da könne sie nicht so gerade mal vorbeikommen.

Bei uns zu Hause gab es Weißmehl und Zucker, auf gesundes Essen wurde nicht besonders geachtet. Butter gab es statt Margarine, weil meine Eltern sie lieber mochten. Meine Mutter hat aber jeden Tag frisch gekocht, und auch wenn es Rotkohl nur aus dem Glas und Spinat nur aus der Tiefkühltruhe gab, so muss ich doch im Rückblick sagen, dass wir immerhin fast täglich Kartoffeln und Salat bekamen. Gemüse meist frisch gekocht. Und jeden Samstag Eintopf mit Hülsenfrüchten. Ich hätte nach der ersten Bruker-Lektüre nie gedacht, dass ich das Essen von früher nochmals als gesund bezeichnen würde.