Fröhlicher Blogbeitrag

So gerne würde ich mal wieder einen heiteren Beitrag schreiben, voller Optimismus und Humor. Ist derzeit aus gegebenen Anlässen – ob klein oder groß – irgendwie nicht drin.

Auch heute nicht. Ich las gestern einen hervorragenden Artikel darüber, warum die Zeitungen voller schlechter Artikel sind, d.h. von Journalisten verfasst, die ihre Arbeit nicht ordentlich machen.

Bild von Engin Akyurt auf Pixabay

Aber lest selbst: hier

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4-Uhr-Nachrichten

Mein Wecker klingelt um 3.58 Uhr, Zeit einigermaßen wach zu werden und das Radio (WDR2/NDR) rechtzeitig einzuschalten. Dass ich dann, wenn ich die 4.00-Uhr-Nachrichten höre, nicht jedes Detail mitbekomme, ist klar.

So gegen Ende der Nachrichten eine Meldung. Ich kann sie nur in Bruchstücken wiedergeben, nämlich das, was bei einmaligem, noch halb  verschlafenem Hören hängengeblieben ist:

  • Wieder zwei Massenschlägereien in Flüchtlingsheimen
  • Ein Heim mit 300-400 Insassen
  • Bei einem Heim 60 Polizisten im Einsatz, bis der Streit sich wieder beruhigt hatte
  • Einmal eine Schlägerei zwischen Afghanen und Albanern

Soweit folgte ich dem. Die Sprecherin begann einen Satz…. und wurde nach drei Wörtern von der Stimme der Sprecherin des Wetterberichtes abgewürgt. Hmmm, ein Versehen, weil die Zeit abgelaufen war? Das kenne ich eigentlich nur vom Verkehrsfunk, der hat immer Vorrang.

Also wartete ich auf die 5-Uhr-Nachrichten. Ihr ahnt es schon? Kein Wort über Massenschlägereien. In der FAZ gibt es mittlerweile (vor 10 Minuten, d.h. um 5.35 Uhr gab es die Meldung noch nicht in der Google-News-Übersicht, um 5.50 Uhr ist sie auch wieder aus der Übersicht verschwunden) eine Meldung zu einer der Schlägereien: hier.

Was ist mit der zweiten Schlägerei? Welcher Text war für die Sprecherin noch geplant, den wir nicht hören durften?

Warum hängt in den Erstaufnahmeeinrichtungen nicht am Eingang ein großes Schild, gerne fünfsprachig: „Beteiligte an Schlägereien werden ohne weitere Einspruchsmöglichkeiten vom Asylantrag ausgeschlossen und umgehend abgeschoben“?

Wenn jemand so gewaltbereit ist – warum bleibt er nicht im eigenen Land und befriedigt seine Streitsucht vor Ort und lässt nur diejenigen hierherkommen, die Frieden suchen?

Welches Etikett wird mir jetzt verpasst, wenn ich sage: DAS ist für mich keine Bereicherung?

Jeder ist Ernährungsexperte

30. Juli 2015: Ernährungswarnungen  in den Medien

Was ist von kritischer Medienberichterstattung in Sachen Ernährung zu halten?

Leider nicht sehr viel. Abgesehen von ein paar wenigen wirklich kritischen Journalisten (wie z.B. Grimm) wird ja kaum recherchiert. Sensationen verkaufen, darum geht es. Und da verkauft sich natürlich besser, dass Phytin im Getreide gefährlich ist, als dass jeder sich eine Getreidemühle kaufen und selbst sein Getreide mahlen soll (das ist lästig für den Zuschauer und Leser).

Immer wieder werden uns natürliche Lebensmittel madig gemacht. Entweder das Getreide mit seinem Phytin, Lieblingskind der Beschimpfungen auch neuerdings der Honig – eines der natürlichsten Lebensmittel überhaupt, das wir noch unverändert in die Hand bekommen. Natürlich kennen wir alle den Aufdruck auf jedem Honigglas, dass Rohkost für Kinder unter 12 Monaten gefährlich ist und deshalb an Säuglinge kein Honig verfüttert werden darf. Herrlicher Blödsinn. Da hat mal wieder vor Jahren jemand einen falschen Zusammenhang in einem Einzelfall hergestellt, und jetzt steht das so da. Auf jedem Glas. Und deshalb muss das stimmen, denn es ist gedruckt!

Diese Beispiele gibt es mehr und mehr. Sprossen sind EHEC-verseucht – das wird dann auch sofort auf die heimischen Sprossenzuchten übertragen, egal was „damals“ wirklich passiert ist.

Eigentlich ist am gesündesten, was industriell bearbeitet wurde, denn in allen anderen Lebensmitteln lauern schreckliche Gefahren: BAKTERIEN allen voran. Nun ja, ich bin offenbar eine Gefährdung für die Menschheit, wie übrigens viele Menschen – denn ich kann ohne Bakterien gar nicht leben. Dann diese schrecklichen Hemmstoffe in Getreide und Nüssen. Nüsse darf man ja auch nur eingeweicht essen, sonst bringen die uns um. Dass die Hemmstoffe in  Nüssen allenfalls für Tiere in Eichhörnchengröße leichte Wirkung zeigen, müssen wir nicht erwähnen.

Aber, aber, nicht kirre machen lassen. Es gibt ja auch eine Positivliste. So fördert Schokolade das Denken, Kaffee ist gesund, wenn wir es nicht übertreiben, auch ein Stück gutes Fleisch schadet nicht (Zitat von einem Arzt), und wer möchte schon ganz ohne Zucker leben?

Genau, wer möchte das denn außer mir?

 

Die Pille für Frauen beim Kofferpacken?

Kommentar vom 6. Juli 2009: Frauen und Kofferpacken

Fast so schön wie Studien sind ja repräsentative Umfragen. Repräsentativ heißt, dass das Kollektiv – die befragte Gruppe – so ausgewählt wurde, dass sie die Gesamtbevölkerung vertreten kann. Wie wackelig das schon ist, können wir uns gut vorstellen.

Heute, am 6. Juli, stieß ich im RGA auf den Artikel „Jede zweite Frau stresst Kofferpacken“. Das fand ich auf Anhieb interessant, denn ich gehöre zur  Portion der Gestressten, für mich ein Grund, gerne daheim Urlaub zu machen.

Die Zahlenentwicklung ist im Artikel schon sehr interessant. In der Überschrift ist es jede zweite Frau (= 50%), im ersten Satz des Artikels ist es noch „knapp jede zweite Frau“ (das hieße für mich 48 oder 49%). Ja, und im nächsten Satz kommt’s dann: 40,5%. Das ist nicht knapp 50%, sondern deutlich weniger! Womit die Überschrift lügt und der erste Satz genauso. Mit gleichem Recht hätte ich sagen können „jede dritte Frau ist gestresst“, denn 40,5% ist sogar noch näher an 33% (Unterschied: 7,5%) als an 50% (Unterschied 9,5%!).

Bei den Männern so erfahren wir nun, sind es nur 27,5%, die es stressig finden, Hosen, Shirts und Schuhe in den Koffer zu packen. Man beachte, wie hier schon unterschwellig darauf hingewiesen wird, wie bescheiden Männer ihre Koffer packen. Schade, dass sie wohl die Zahnbürste vergessen. Mit so einem Koffer-Mann möchte ich allerdings meinen Urlaub nicht teilen.

Auf die Gründe für diesen Unterschied wird nicht eingegangen. Es wird uns nichts gesagt über die befragte Altersgruppe. So ist für mich ganz offensichtlich, dass viele Frauen, vor allem junge Mütter, nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Koffer für ihre Kinder packen. Häufig auch noch für ihre Männer mit. Und natürlich bin ich gestresster, wenn ich für andere mitpacken muss als nur für mich alleine.

Befragt wurden 1059 Frauen und 997 Männer. Oha, das ist ein Unterschied von 62 Frauen zu Männer, also ein Unterschied von fast 6%. Wieso wurden die Gruppen nicht gleich groß gewählt?

Auftraggeber ist das Magazin „Apotheken Umschau“. Die Apotheken-Umschau ist so ein Blättchen, das in der Apotheke für die Kunden umsonst ist – der Apotheker muss es allerdings bezahlen. Das Niveau würde ich so auf Regenbogenpresse in Gesundheitsfragen einstufen. Das was die Apotheker dafür bezahlen, wird die Zeitschrift (oder wie es hier so gehoben heißt „das Magazin“) kaum finanzieren können, daher finden wir zahlreiche Anzeigen der Pharmaindustrie vor.

Nun ist ein solches Magazin ja nicht launig und macht eine Umfrage nur so zum Spaß. Sie wollen ein Ergebnis, und mit dem Ergebnis wollen sie etwas anstellen. Meistens soll mit Umfragen etwas besser verkauft werden. Da rätsle ich nun. Was war denn die Fragestellung, die die Apotheken Umschau mit dieser Umfrage hat beantworten wollen? Gibt es demnächst Antistresspillen speziell für die kofferpackende Frau?

All dies verrät dieser Artikel uns nicht. Eigentlich – verrät uns dieser Artikel bzw. diese Umfrage mal wieder gar nichts, außer dass der Artikel sich von der Überschrift bis zum zweiten Satz schon selbst in Lügen verheddert.