Shitstorms und mehr

Ich gestehe, wenn ich den Namen Sahra Wagenknecht gehört habe, habe ich die Augen immer himmelwärts gedreht. Ich bin keine Anhängerin der Linken. Vor ein paar Tagen schickte mir eine Freundin ein YouTube-Video mit Sahra Wagenknecht. Ich hab’s mir komplett angehört und etwa 100 mal mit dem Kopf „JAJAJA“ genickt. Einzig bei der Interpretation der Coronazahlen stimme ich nicht komplett überein – aber der Rest über Liberalität in Deutschland und ob ich auch was sagen darf, was die AfD beklatscht, finde ich umwerfend gut.

Die Videos „allesdichtmachen“ kann ich nicht beurteilen – ich habe sie nicht gesehen. Aber den Eindruck habe ich auch bei 90% derjenigen, die sich darüber aufregen. Das ist die moderne Art der Recherche und sich Informierens: Ich lasse mir von Dritten sagen, was in der Welt los ist, und übernehme auch gleich ihr Urteil. Spart mühsames Denken. Deshalb habe und hatte ich auch kein Urteil zu diesen Videos. Aber darum geht es auch nicht wirklich, sondern um den Umgang damit. Und den hat Wagenknecht vorzüglich dargestellt.

Außerdem mag ich ihre ruhige Art des Vortrags ohne große emotionale Kopfwäsche. Anschauen lohnt!

Ich bin unfehlbar

3. Dezember 2012: Eigentlich bin ich der Papst…

Ich mach’s mal kurz.

Manchen Lesern gefällt das nicht, wenn ich hier Diskussionen sehr kurz halte oder gar ganz beschneide. Pech.

Ich erkläre das jetzt einmal ganz kurz: Kommentatoren – häufig anonym – schreiben runter, was ihnen so gerade in den Sinn kommt. Mehr oder weniger. Ich feilsche an Antworten an jedem Wort, damit ich verständlich ausdrücken kann, was ich meine, und weil ich mir dessen bewusst bin, dass ich – als kleine winzige Prominenz – von vielen gelesen werde und daher auch Verantwortung für meine Kommentare trage.

Gerade natürlich gegenteilige Meinungen erfordern von mir eine Sorgfalt, die ich nicht immer aufbringen kann / möchte. Ich habe letztlich in der Diskussion um meinen Film zwei Stunden meines geplanten Nachtschlafs geopfert. Das hat mich den ganzen Sonntag geärgert, den ich eigentlich früh anfangen wollte und nun halb verschlafen hatte.

Ich will das nicht. Ich verbringe genug Zeit mit diesem Blog. Wie man gegenteilige Meinungen auch austauschen kann, ohne dass das für mich zur Zeitverschwendung wird, könnte Ihr bei meinem Austausch mit Simon zur Rohkost lesen (hier). Simon tut nicht so, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen, ich auch nicht.

Ich weiß, dass es im Mainzer Gesundheitsforum einen Thread zu diesem Film und meinem Verhalten gibt. Ich lese den nicht, wozu auch? Ich habe bis dato nur schon mal neugierig nachgeschaut, wer denn da so mitdiskutiert. Dennoch habe ich leider folgenden Satz aufgeschnappt (und deshalb werde dort jetzt gar nicht mehr schauen, denn lieber hätte ich es nicht gesehen):

Auch Ute ist nicht unfehlbar, nach meiner Beobachtung kann sie mit Zustimmung besser umgehen als mit abweichenden Meinungsäußerungen

Ich habe mich persönlich für diesen Dolchstoß bedankt, da mir der Verfasser bekannt ist.

Wo habe ich übrigens gesagt, dass ich unfehlbar bin? Wo ist der Mensch, der mit Zustimmung nicht besser umgehen kann als mit abweichenden Meinungsäußerungen?

Mehr möchte ich dazu öffentlich nicht sagen.

Ich kann aber öffentlich sagen: Wem das nicht gefällt, wie ich diesen Blog gestalte, muss hier nicht lesen. Wem das nicht gefällt, wie ich „mit anderen Meinungen“ umgehen, kann hier gerne wegbleiben. Mit allen anderen mache ich gerne weiter. Mit denen, die meine Arbeit, meine Zeit usw. respektieren.

Klugscheißer; Leute, die alles besser wissen; Leute die meinen, mir mit dem erhobenen Zeigefinger die Welt erklären zu müssen – danke, ich brauche euch nicht.

Ich lerne gerne dazu. Aber ich nehme mir die Freiheit, mir auszusuchen, von wem ich etwas lernen möchte. Viele Leser und Leserinnen wissen das von mir. Die anderen: Siehe oben.

Meinungsfreiheit, die ich meine

20. Oktober 2012: Ende der Diskussion

Manch einer besucht meine Seite noch nicht so lange und wundert sich vielleicht, warum ich scheins gelegentlich Diskussionen abwürge, andererseits gerne zu Kommentaren ermuntere.

Nun, dies ist ein Blog. Hmmm, nicht ganz richtig: Dies ist MEIN Blog 🙂 Das hat gewisse Folgen. Zum Beispiel lege ich hier den Umgangston fest. Das ist anders als in YouTube, wo teils Unverschämtheiten ausgeteilt werden (immer schön anonym natürlich), dass ich oft nur staunen kann. Hier im Blog muss das nicht sein. Gegenseitiger Respekt, das sage ich immer wieder, ist angebracht. Das heißt nicht nur, dass ich andere Leute nicht beschimpfe, sondern auch ihre Meinung nicht abqualifizieren lasse. Ich achte also auch darauf, dass Kommentatoren andere Kommentatoren nicht „niedermachen“. Ich möchte, dass sich viele hier wohl fühlen. Alle geht wohl nicht 🙂

Dann gibt es natürlich Kommentatoren, die nicht meiner Meinung sind. Nichts dagegen. Auch nichts dagegen, wenn sie diese Meinung in einem Kommentar – ordentliche Sprache vorausgesetzt – kund tun. Nur bitte erwartet nicht von mir, dass ich meine Meinung hier endlos durchdiskutiere. Ja, ein, zwei, manchmal auch drei Mal lasse ich das hin- und hergehen. Dann ist es vorbei und ich schließe eine Diskussionsrunde. Denn erstens mag ich keine Diskussionen um der Diskussion willen, das finde ich extrem müßig. Außerdem ist meine Meinung ja bekannt, jeder kann leicht herausfinden, wie ich zu bestimmten Themen stehe und das werde ich nicht alle naslang wieder auseinander legen und schon gar nicht „verteidigen“. Dies ist ein Informationsblog, der natürlich auch von Kommentaren lebt. Ich meine: Was soll eine Diskussion über die Grundregeln der Vollwert auf einem Vollwertblog? Wer geht denn in ein vegetarisches Forum und preist dort Fleischgerichte an? Mag sein, dass es das auch gibt. Aber das ist eben auch der feine Unterschied zwischen einem Forum und (m)einem Blog.

Ich habe auch schon gehört, ich würde keine andere Meinung gelten lassen. Hmmm, in gewisser Weise stimmt das sogar 🙂 Denn wie sagte ich oben bereits: Dies ist mein Blog. Wohlgemerkt: Ich will damit nicht jegliche andere Meinung unter den Tisch kehren. Nur ein für alle Mal klarmachen, dass ich hier Diskussionen, bei denen ich absehen kann, dass sie sinnlos sind, weil beide Seiten ihre Meinung haben, beende. Ich sehe einen Blog ähnlich wie eine Zeitung: Ich veröffentliche Artikel und meine Leser können dies kommentieren, quasi wie in einem Leserbrief. Im Gegensatz zu einer Zeitung nehme ich mir die Zeit und beantworte jeden Kommentar. Das ist mein Service für meine Leser. Ich bin aber keine öffentliche Institution, die verpflichtet ist, irgendwelche Stimmen auch noch zu hören.

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Wer dies jetzt zitieren möchte, beachtet bitte: Dieser Passus über die Meinungsfreiheit gilt…. für den öffentlichen Raum! Genauso wie niemand in seinen eigenen vier Wänden sich alles anhören muss, was andere zu sagen meinen, gilt das auch für Foren und Blogs.

Wie ich Zeit sparen werde

Kommentar vom 9. November 2011: Neue Regeln auf diesem Blog

Dieser Blog lebt nicht nur von meinen Beiträgen, sondern auch von euren Kommentaren. Für das Verfassen der Artikel brauche ich Zeit. Auch das Beantworten der Kommentare verbraucht Zeit, die ich in diesen Blog investiere. Die vielen Kommentare und Dialoge – oder Trialoge 🙂 – machen diesen Blog lebendig. Wenn Ihr mal eine andere Meinung habt als ich, kann ich gut damit leben. Es gibt jedoch bestimmte Kommentararten und Formulierungen, die kosten mich Zeit. Da sind z.B. die typischen Meckerbolzen, die alles schlecht finden, was hier steht und bei denen ich mich ernsthaft frage: Was wollen die denn hier? Alles aufmischen? Setzen sich hin, schreiben da ein Texthäuflein, ohne viel nachzudenken – ich als Blogbesitzerin möchte nicht solche Häuflein hinterlassen und muss mir daher Zeit nehmen, meine Antwort sorgsam zu überdenken und zu formulieren.

Dann gibt es Kommentatoren, bei denen ich per Zufall auf ein emotional stark besetztes Thema treffe und die dann plötzlich verbal um sich schlagen. Da heißt es besonders sorgsam antworten, denn gerade dort finde ich nur eine sachliche logische Antwort produktiv. Das aber ist ebenfalls zeitaufwändiger, als wenn ich mal gerade einen oder zwei mehr oder weniger unbedachte Sätze schreiben kann. Da feile ich an einer Antwort auch schon mal eine Viertelstunde. Wenn ich Pech habe, lässt mein Gegenüber nicht locker, ist emotional erregt und kann dann auch schon mal über die Strenge schlagen – merkt es vielleicht selbst gar nicht einmal. Dann erfordert das erneut von mir eine zeitaufwändige Antwort. Die ist möglicherweise nur ein oder zwei Sätze lang, hat mich aber viel Denkschweiß und: wieder Zeit gekostet.

Ich habe festgestellt: Das wird zu viel. Es geht nicht an, dass ich an meinem Arbeitsplatz oder in meiner knappen Freizeit eine Stunde verhampele, weil ich mich um mehrere ausgewogene Antworten bemühe. Einfach die Kommentarfunktion abschalten wäre das Ende des Blogs, so wie ich ihn mir wünsche, nämlich als freundliche Drehscheibe von Meinungen. Ohne Feedback, ohne euer „Mitleben“ ist das für mich hohl und leer. Ich habe mich jedoch entschlossen, auf die Gefahr hin, dass ich einige verärgere, demnächst früher die Leine zu ziehen.

(1) Kommentatoren, die ständig meinen, dass hier alles, was ich schreibe, Mist ist und demnach auch alles mit meist leider wenig fundierten Kommentaren runterzuziehen, werde ich einfach nicht mehr veröffentlichen.

(2) Wenn eine Diskussion mir sinnlos ausufert oder ich den mir entgegenbrachten Ton unpassend finde, beende ich den Thread. Im Zuge einer Diskussion vergaloppieren Menschen sich schon mal, vor allem wenn es um emotionale Belange geht und gerade online schreiben viele einfach nieder, was ihnen in den Sinn kommt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie das vielleicht auf andere wirkt. Und wenn ich sage „Hier ist Schluss!“ erwarte ich von dem Angesprochenen, dass er nicht versucht, das letzte Wort zu haben. Das wird eh nie gelingen – denn dies ist mein Blog 😉

Hier ist keine öffentliche Einrichtung, die Meinungsfreiheit gewähren muss. Da täuscht sich der eine oder andere. Hier ist quasi eine Zeitung mit von mir ausgewählten Themen. Und Leserbriefe werden auch nicht alle veröffentlicht. Oder gekürzt. Und von diesen Möglichkeiten werde ich demnächst stärker Gebrauch machen, nämlich immer dann, wenn Antworten einen Zeitfresser darstellen würden.

Maulkorb für einen Lehrer

Kommentar vom 29. Oktober 2009: Maulkörbe

Ist es ein Wunder? Ich habe einen Artikel im Remscheider Generalanzeiger entdeckt, dem ich voll und  ganz zustimme. Überschrift „Maulkorb für einen Lehrer„.

Ein Oberstudienrat aus Rheine, einst Kandidat für die Grünen, hatte sich in Leserbriefen kritisch über einen CDU-Politker geäußert. Dafür erhielt er einen „behördlichen Rüffel“, der nun vom Münsteraner Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Angeblich habe er sich nicht entsprechend seiner Lehrer-Vorbildfunktion, sondern beleidigend geäußert.

Da dachte ich noch – richtig, wenn der so als Lehrer unflätig rumschimpft in aller Öffentlichkeit, das muss ja nicht sein. Gegluckst habe ich dann aber, als die Beispiele für die Beleidungen las:

„ein ausgemachter Spaltpilz wie XXX“

„Das soll uns ausgerechnet XXX als ein Mann der Visionen verkauft werden […], der als oberster Planer für all den Planungsmüll und Bauschrott verantwortlich zeichnet, der unsere Stadt verunziert.“

„Diese Beschreibungen seien auf Persönlichkeitsherabwürdigung gerichtet gewesen.“ Die Spitzfindigkeiten, ob der Angeklagte W. Friedrich nun seine Leserbriefe dadurch vom Beruf abgekoppelt sehen kann, weil er keine Berufsbezeichnung dazu gesetzt hat oder nicht, finde ich gar nicht so wichtig. Das Gericht meint z.B., seine Schüler wären wohl in der Lage, den Namen korrekt zuzuordnen.

Ist das wirklich schon so, dass hier ein Lehrer Wörter wie Bauschrott und verunzieren nicht mehr öffentlich im Zusammenhang mit einem Politker in dessen Funktion als Politiker äußern darf? Wohlgemerkt: Friedrich hat ja keine Privatperson angegriffen. Ist es schon soweit, dass eine kräftige Sprache im  lutherischen Stil schon straffällig ist, wenn sie ein Beamter benutzt, ich mir aber in YouTube von lauter kleinen W… <g> die gröbsten Dinge an den Kopf werfen lassen muss, wo mir als Gegenmaßnahme nur das Streichen von Kommentaren bleibt?

Da klafft doch eine Lücke!

Mir kam der Artikel ausgewogen vor. Aber ich bin mittlerweile schon so vorsichtig, dass ich mich frage: Ist das nur deshalb so, weil ich in der Sache mein Urteil schnell Pro-Lehrer gebildet hatte? Daher würde ich mich gerade auch über Zuschriften freuen, die vielleicht einmal die andere Seite beleuchten, falls da jemand mehr weiß.