Menschen gibt’s und Tiere auch ;-)

16. August 2014: Menschen gibt’s und Tiere

Menschen beobachten Tiere und lernen davon. Das ist ganz klar und kann nur gut sein.

Ich habe mir bisher nie erklären können, warum zum Beispiel Nachbarn sich schreiend von Balkon zu Balkon unterhalten, statt eben ein Pläuschchen vor oder gar hinter der Tür zu halten. Oder auch im Schwimmbad – das erschien mir früher immer störend, dass zwei Schwimmerinnen (ich habe das bei Männern selbst nie beobachtet) sich über 3 Bahnen hinweig lauthals über ihre wenig abenteuerlichen Abenteuer unterhalten müssen, sodass für die, die einfach nur Schwimmen wollen, kaum noch Bahnen zählen möglich ist. Auch Eltern und Kinder unterhalten sich gerne schon mal von Gartenende bis Terrassentür, ohne einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Ich hielt dies früher für schlechtes und rücksichtsloses Benehmen. Aber heute Morgen während meines Spaziergangs (es war 5.30 Uhr) wurde es mir klar: Wir haben uns das abgeguckt, wir klugen Menschen. Auf einem Dach saß eine Rabenkrähe, auf dem übernächsten Dach saß auch eine. Und die unterhielten sich lauthals über diese Distanz, ohne an die Menschen zu denken, die vielleicht noch schlafen wollten. Hätten sie sich nicht auf dem Kamin in der Mitte treffen können? 😛

Das Tierreich

7. Juli 2014: Häufig hört man, Tiere sind besser als Menschen….

Wie der eine oder andere Leser vielleicht noch weiß, füttere ich auf meiner Terrasse eine Streunerkatzenfamilie, mittlerweile schon in 3. Generation (also ich bin immer noch in der ersten Generation 🙂 ) Viele der Tiere, die ich kannte, sind verschwunden. Ich weiß nur, dass es in der jetzigen Gruppe drei gestreifte Tiere gibt. Von den Gestreiften ist eine besonders groß und kräftig. Wenn sie kam, traute sich kaum sonst einer hin. So eine Art Herdentier, ein Alphamännchen, neben dem andere keinen Platz haben.

Vor einigen Tagen schon bemerkte ich, dass Alphamännchen humpelte. Ich schaute genauer hin: Er hält das linke Hinterbein immer vom Boden hoch. Aha, in einen Dorn getreten oder so? Ich hoffte, dass der Kater sich bald erholen würde. Erst vor wenigen Tagen habe ich einmal noch genauer hingeschaut: Da ist mehr als nur ein Trittfehler. Entweder ist die ganze oder die halbe Pfote einfach weg. Puuuuh, das arme Tier!

Letzten Samstag saß ich hier unten, ich bemerkte Unruhe auf der Terrasse und schaute, ob noch Futter da lag. Ja, eine der beiden kleinen Gestreiften war da, sie ist immer sehr schüchtern. Der verletzte Kater kam, offensichtlich hungrig. Und da passierte, was noch nie passiert ist: Es gab Streit, die Kleinere machte Drohgebärden – und die Große flog in Panik auf ihren drei Beinen davon.

Natur ist nicht grausam. Deswegen war ich nicht entsetzt, ich habe nur gestaunt. Das ist normales Tierleben, nicht zu verurteilen, auch nicht zu begrüßen. Ich dachte nur: Ja, es gibt grausame Menschen. Dennoch bin ich froh, dass ich ein Mensch bin, denn ich kann Mitleid empfinden, und das sogar für Nichtartgenossen.

Ich weiß, dass diese Aussage provoziert. Heute ist es „modern“, dass Tiere von vielen als den Menschen überlegen dargestellt werden. Dem kann ich mich nicht anschließen. Es gibt Menschen, die grausam sind – das sind Tiere nie, stimmt, sie sind nur „natürlich“, selbst wenn Katzen mit einer armen kleine Maus spielen, deren Herz rast, bevor sie getötet wird. Ich weiß auch, dass es Geschichten von ergreifender Zuneigung zu anderen oder alten Tieren gibt. Das ist aber nicht die Regel. Tiere sind einfach, wie sie sind. Sie reflektieren nicht über sich und ihre Handlung. Und deshalb bin ich froh, ein Mensch zu sein, denn ich kann über meine Fehler nachdenken und im Streben zu einer höheren Ethik auch ändern.