Aufarbeitung Köln

Wie wird im Nachhinein mit den Massenübergriffen in Köln umgegangen?

Es wird natürlich sofort die Befürchtung laut, dass die Rassisten das ausnutzen. Hmm, das wundert mich jetzt nicht, dass sie es ausnutzen. Wer würde nicht etwas ausnutzen, das ihm so auf einem Silbertablett serviert wird?

Ich las heute dann, und das ist wieder mal Gutmensch pur, es sei völlig egal, welchen kulturellen Hintergrund die Gewalttäter haben.

Öhm, wie bitte? In einem stimme ich dieser These zu: Für die einzelne Frau, die zum Opfer wird, spielt das wirklich keine Rolle. Ob blonde, rote oder schwarze Haare auf der Hand sprießen, die mich belästigen, ist mir egal, ich finde es widerlich.

Aber wenn eine Gruppe von mehreren Hundert Männern mit – mittlerweile aus Polizeiberichten bekannt gewordenen – bestimmtem Migrations- und Flüchtlingshintergrund systematisch Frauen sexuell missbraucht, da darf man doch einmal drüber nachdenken, auch laut, was das für eine Gesellschaft bedeutet und wie damit so umgegangen wird, dass es nicht zur Regel wird und die Armlänge in die Rechtsprechung eingeht. Es sei denn, mir kann jemand Fälle in den letzten 10 oder 20 Jahren nennen, wo ähnliche Vorfälle in dieser massiven Zahl bei Männern nur aus Westeuropa vorgekommen sind. Dann ziehe ich mein Argument zurück.

 

Die Tafel

Den Begriff „Tafel“ kennt wohl jeder. Es sind Einrichtungen z.B. von den Kirchen, die meist mit ehrenamtlichen Mitarbeitern noch brauchbare Lebensmittel in Restaurants, Bäckereien, Supermärkten usw. sammeln und an Bedürftige weitergeben. So weit, so sehr gut.

Da ich mich mit dem Thema nicht weiter beschäftigt habe, überraschte es mich sehr, als mir letztlich jemand von dem Berechtigungsausweis für die Tafel erzählte. Hmmm, hatte mein Gegenüber sich geirrt?

Nein, es stimmt wirklich! Man braucht einen Einkommensnachweis bzw. eine ALG-II-Bescheinigung und muss, so las ich an einer Stelle, auch noch den Personalausweis vorzeigen.

Ist das wirklich zu fassen? Wie weit wird unser Leben noch bürokratisiert? Und was ist die Begründung? Warum muss jemand erst den Stempel „Ich bin arm“ aufgedrückt bekommen, bevor ihm geholfen wird? Als einzige Begründung dafür fällt mir „Missbrauch“ ein.

So ein Berechtigungsschein soll also verhindern, dass zur Ausgabestelle Menschen kommen, die nicht wirklich auf diese Hilfe angewiesen sind.

Da frage ich mich: Wer würde das denn sein? Ein Millionär, der sich dort sein Essen holt, weil er noch reicher werden will? Menschen aus dem Gutbürgertum, die einfach geizig sind?

Ach, Leute, macht doch einmal einen Punkt! Selbst wenn unter 1000 Tafelbesuchern einer Missbrauch betreibt, gibt es sicher andere Möglichkeiten, den einzuschränken oder begrenzt einfach zu tolerieren, statt Hundertausende noch mehr zu demütigen.

Ich bringe einmal ein Beispiel aus der freien Wirtschaft, wo das funktioniert. Der Online-Versand Land’s End bietet eine lebenslange Garantie. Das heißt, egal wie kaputt oder wie alt die Bekleidungsstücke sind, die ich zurückschicke – ich bekomme den Preis ersetzt. Auch dieses System klingt nach Ausnutzen, herrlich, jede Saison neue Klamotten, bezahlt durch die alten?

Wenn das so wäre, wäre Land’s End schon bankrott. Sind sie aber nicht. Ich alleine kenne den Shop seit ca. 15 Jahren. Offenbar gibt es „normalen Anstand“. Es gab wohl auch eine Fernsehsendung (schon Jahre her), wo sie zugaben, dass sie bei offensichtlichem Missbrauch über längere Zeit den Kunden aus der Kartei streichen, d.h. nicht mehr beliefern (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).

Dass gerade Kirchen einen Ausweis verlangen… da möge jeder für sich drüber nachdenken. Ich verweise da gerne auf die Jahreslosung 2015: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Vermutlich hat Christus „uns“ auch nur mit Berechtigungsschein angenommen, oder habe ich mir da etwas falsch gemerkt?

Wenn ich eine Tafel leiten würde und hätte den Verdacht, dass da jemand Missbrauch betreibt, würde ich denjenigen ansprechen. Dann vielleicht (!) um einen Nachweis bitten. Oder aber „Verdachtsfälle“ zur Mitarbeit „verdonnern“.

Außerdem möchte ich gerne einmal eine Statistik 🙂 sehen, wie oft überhaupt Missbrauch festgestellt wurde – oder ob der nur in den Köpfen der Organisatoren herumgeistert.

Eigene Erfahrungen in einem ähnlichen Bereich lassen mich ebenfalls bezweifeln, dass Organisatoren wissen, was das Leben ist. Vor meinem Umzug letztes Jahr habe ich viele Möbelstücke weggeben müssen. Die karitativen Einrichtungen wollten kein einziges Stück nehmen, nein, ihre Klienten nähmen das nicht. Aha.

Wieso, bitte schön, konnte ich dann sämtliche Möbel (!) über Ebay noch für Geld verkaufen? Und das war keineswegs immer nur für 1 Euro! Dass ich einige Teile doch noch auf den Sperrmüll geben musste, lag einfach daran, dass ich zu lange gewartet hatte, bevor ich sie in Ebay angeboten habe. Aber auch hier: Abends habe ich die Sachen an den Straßenrand gestellt, am nächsten Morgen war von den Möbeln nichts mehr da.

Lest auch einmal die Mails zu diesem Thema, die ich gestern mit einem Freund (R.) dazu austauschte (Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt):

Ich: Wusstest du, dass man einen Ausweis braucht, um an einer „Tafel“ Essen zu bekommen? Ich wusste das nicht. Gibt’s in Deutschland nix mehr ohne Amt???

R: Nee, wusste ich nicht, aber ich habe mich schon gewundert, wie die da „Missbrauch“ verhindern

Ich: Würdest du zu einer Tafel gehen? Was glaubst du denn, wie viele Leute wirklich Missbrauch betreiben? 

R: Inzwischen glaube ich viel… Meine Cousine berichtete auch mal ganz stolz, sie ginge zur AWO, da gäbs Pizza für 1 Euro. Und sie war/ist NICHT Hartz IV.

Ich: Ja und? Was glaubst du, wie oft sie das macht? Und ob sie das erzählt oder wirklich häufig hingeht?

R: Keine Ahnung weil wenig Kontakt. Aber wahrscheinlich nicht mehr. Nun, ich glaube ja, dass das keiner einfach so erzählt, aber da gehe ich eben von mir aus.

Ich: […] Das Prinzip von Land’s End ist dir demnach vertraut. Wieso funktioniert das bei dem angeblichen Hang der Menschen zum Missbrauch?

R: Keine Ahnung 🙂 Ich kenne aber auch so Auswüchse, dass wenn es irgendwo etwas billig oder kostenlos gibt, das Hirn teilweise aussetzt…

Ich: Billig ja, kostenlos eher nein (da werden die Leut‘ misstrauisch). Wo sind denn diese Auswüchse konkret? Bei einmaligen Sonderangeboten, aber nicht bei Dauerangeboten. – Ich fasse dann mal zusammen: Du hast eine Cousine in deinem Verwandten- und Bekanntenkreis, die sich bei der AWO (angeblich) Pizza für 1 Euro holt. Du warst nicht dabei, du weißt nicht, wie oft sie das macht.
Richtig? 🙂

R: Richtig!

Ich: Und aufgrund dieser Einzelerfahrung, die nicht durch persönliches Erleben untermauert ist, schließt du, dass kostenlose Angebote für Essen höchstwahrscheinlich missbraucht werden? 🙂

R: UTE!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich: Zweite Frage:Was stört dich daran, dass die Cousine das Essen umsonst bekommt? Wenn ich mich recht entsinne, wird die AWO nicht durch Steuern (also dein Geld) und erst recht nicht die kirchliche Tafel von dir mitgetragen? :-))

R: Ihre Einstellung dazu…

Ich: Also sollten Armuts-Ausweise ausgegeben werden, weil dich die Einstellung deiner Cousine stört? Wohlgemerkt: Weil dich eine Einstellung stört, die dich aber keinen Cent kostet, sollen Hundertausende noch mehr gedemütigt werden, weil sie jetzt auch noch beim Bettelessen einen Nachweis brauchen?
Nimm mir das bitte nicht übel 🙂 Ich versuche einfach dahinter zu kommen, was wirklich dahinter steckt. […] Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich sagen: Du bist nur neidisch, weil sie sich traut, sich so ne Pizza zu holen, während du es nicht tust 😉 Ich glaube auch nicht, dass die AWO irgend jemandem eine Pizza verwehren musste, weil deine C. eine genommen hat.

R: Nein, daraus sollte für keinen Menschen eine Demütigung entstehen, niemals. Müsste eh nicht sein, diese „Armenspeisung“, aber das ist ja nochmal ein anderes Thema!