Ethisch und moralisch auf der richtigen Seite?

24. Juli 2015: Bessere Menschen

Sind Menschen, die den Verzehr von Tieren und Tierprodukten ablehnen, die besseren Menschen? Manchmal scheint es mir so, als wollten Menschen, die nichts vom Tier essen, sich als die moralisch Besseren aufspielen.

Ich halte das für sehr bedenklich. Der Verzehr von Tierprodukten und Tierteilen ist Teil vieler Kulturen. Natürlich kann ich anstreben, dass möglichst viele Menschen recht wenig Fleisch essen. Kein Vegetarier oder Veganer ist ein besserer Mensch, nur weil er nichts vom Tier isst – genau wie es Pfarrer gibt, die Sünden begehen von der kleinen Lüge bis zum Mord. Pfarrer sind keine besseren Menschen und beanspruchen das auch nicht und ich wünschte mir, dass all diejenigen, die für sich eine Essensweise gefunden haben, nicht immer so tun, als sei alles andere verwerflich und unmoralisch.

Haben sich diese Besserfühler jemals klar gemacht, dass sie damit all diejenigen diskriminieren, bei denen kulturell der Fleischverzehr ganz natürlich ist?

 

Unmoralische Produkte

5. Dez. 2014: Und Bio geht weiter den Bach runter

Dass Bio schon seit langem in Distanz zur Vollwertigkeit geht, weiß ich bereits seit längerem. An Schrot(t) und Korn-Ausgaben kann ich das prima nachlesen. Natürlich setzt sich Schrot und Korn für Nachhaltigkeit und Erhaltung der Umwelt ein. Ach ja?

Da werfen wir doch einmal einen Blick auf die Doppelseite „Für Sie entdeckt“ in der Dezember-Ausgabe. Dort werden neue Produkte vorgestellt (im Übrigen vermute ich mal, dass das auch von den Firmen gesponsert wird). Auf grünem Hintergrund (immer besonders biologisch) stellt Redakteurin Sabine Kumm ihr „Lieblingsprodukt“ vor: Eine Vanille-Zucker-Mini-Mühle. Zitat: „Frisch gemahlen aus der … Mühle von Herbaria können Rohrohrzucker und Bourbon-Vanilleschoten ihr Aroma am besten entfalten.“ Da hat garantiert Frau Kumm aus der Presseinfo abgeschrieben, so formuliert doch keine Journalistin…

Was stört mich denn jetzt so? Es ist nicht mal der Rohrohrzucker, den „kennt man“ ja bereits. Es ist diese kleine Mühle, die garantiert aus Kunststoff ist – was für eine Verschwendung von Plastik! Mir will doch wohl niemand erzählen, dass im Kaffee (der hier als Beispiel genannt wird) eine selbstgemachte Mischung aus gemahlener Vanille und Zucker schlechter schmeckt als dieser angeblich frische Dreck?

Das zweite unmoralische Produkt entnehme ich einer Anzeige von Ökoland, Devise „gruenereinkaufen“. Angeboten wird „Praktisch: Putenbrust gewürfelt“. Oh, wie ungeheuer praktisch!

Ich will jetzt gar nicht darüber nachdenken, ob Fleischverbrauch an sich verwerflich ist. Ich habe da eine recht liberale Einstellung. Wer Fleisch essen möchte ab und an und es sorgfältig auswählt, bitte schön. Ich bin ja keine Veganerin. Jedem ökologisch interessierten und engagiertem Menschen sollte doch aber klar sein, oder irre ich mich?, dass der Fleischverbrauch dringend reduziert werden muss. Das verbreiten mittlerweile selbst recht konservative Organisationen.

Was stört mich denn jetzt so?

Wie gesagt, Ziel aller verantwortungsvollen Menschen sollte es sein, den Fleischverbrauch zu senken. Putenbrustwürfel (wie werden die eigentlich haltbar gemacht?) sind aber ja kaum noch als Fleisch zu erkennen. Für ein Kind sind Putenbrustwürfel auf demselben Weg wie die Milch von lila Kühen, d.h. durch diese Würfel wird der Mensch noch mehr von der Beziehung zum Fleisch als Fleisch entfremdet. Es ist eine Ware wie Dinkelkekse, Chips, Joghurt aus dem Gläschen. Wer kocht, muss nicht mehr ein Stück Putenbrust in die Hand nehmen und sich überlegen, wie komme ich damit zurecht, ein Stück Tier in mein Essen zu tun, er kippt einfach die Würfel auf die Quiche…

Ein dreifaches Buuuuh von mir für die Schrot & Korn für die Mühle und ein dreifaches Buuuuh für die Aktion gruenereinkaufen und die Ökoland GmbH!