Kinder zu Gast: Ein Gastbeitrag

27. Oktober 2014: Gastbeitrag zu Kindern

Kinder, die in einer Stadt wohnen, waren zum ersten Mal bei uns zu Besuch. Herrliches Herbstwetter  lud dazu ein, den Garten zu erkunden. Zwetschgen, Äpfel, Nüsse, Feigen Himbeeren, Tomaten, all  das bot der Garten zum Essen an. Begeistert suchten sie all die Kostbarkeiten und steckten sie in den  Mund oder legten sie sorgfältig zum Mitnehmen beiseite. Die Begeisterung war gross über all der  Dinge, die da wuchsen. Schnell verschwanden die Zwetschgen mit Stein im Mund. Keines der Kinder  hätte geahnt, dass sich im Innern der Frucht vielleicht ein Wurm verborgen hält, oder dass kleinste  Löcher in Äpfeln auf ungebetene Gäste hinweisen. Unsere Haselnüsse sind klein und unscheinbar,  aber ihr Geschmack ist unübertroffen gut. Da lohnt es sich, mit einem Stein die Schale aufzuschlagen  um die Kerne zu essen. Ich liebe es, im Herbst durch den Garte zu schweifen und überall zu naschen.  Was für unsere Familie normal und alltäglich ist, wurde für die kleinen Gäste zum Erlebnis. Mir wurde  bewusst, dass es für die Kinder wichtig ist, die Natur kennen und schätzen zu lernen, damit sie später  das Bedürfnis haben werden, diese zu achten und zu schützen.

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Ich will zurück zur Natur (nee, ich nicht!)

4. Juni 2012: Ketzerisches zum „Zurück zur Natur“

Bücher über Aussteiger sind Renner. Überall können wir lechzende Stimmen lesen und Überlegungen, wie der- oder diejenige ja am liebsten aussteigen und sich nur noch von den Büschlein am Wegesrand ernähren würde.

Ehrlich – mich nervt das. Für mich sind solche Menschen verquaste Ergebnisse einer Luxuskultur. Was nützt es mir, vor dem PC zu sinnieren, welches Blümelein wohl meine Abendmahlzeit dekorieren und welche Birkenrinde im Leben fern der Natur noch als Speisung dienen kann. Leute, Leute, kommt doch mal auf den Teppich. Außer ganz wenigen Ausnahmen ist heute keiner in der westlichen Welt überhaupt noch zu einer solchen Überlebensform fähig. Ich sage nur: Dauerregen. Unwetter. Ja, das ist alles hochromantisch, wenn wir in unserer gut geheizten Wohnung vorm Plastik-PC träumen. Schon mal den Fuß gebrochen, so ganz alleine im Wald mit der Fichtenrinde zur Linken und einem erschrockenen Häschen zur Rechten, ohne Arzt, ohne Verband weit und breit? Schon mal drei Winternächte mit Frost schnuckelig in einen Lendenschutz unter einer verschneiten Fichte verbracht?

Dann gibt es Bücher von Menschen, die es geschafft haben, wovon die Traumtänzer träumen – sie verbringen Jahrzehnte im Urwald, oder im Schwarzwald, ich weiß es nicht. Fern von der Zivilisation und ernähren sich nur von dem, was die Natur ihnen gibt. Wie schön. Da kommt dann der immer wieder gleiche Aufschrei: Oh wie wunderbar, das möchte ich auch. Mal abgesehen davon, dass ich solche Bücher nicht lese, weil ich das als vertane Lebenszeit empfinde: Wie wäre das, wenn alle Welt jetzt ausstiege? Die Möchtegernaussteiger seufzen: Herrlich wäre das, die Welt wäre voller Frieden. Nee klar. Wenn erst einmal sieben Zehntel der Menschheit verhungert sind, weil ja nichts mehr angebaut wird, und wir alle in die Wildnis streben, wird es friedlicher. Alle Übriggebliebenen teilen dann friedfertig die Bucheckern, die sie auf ihrem Wege finden und tauschen mit leuchtenden Augen ihre Löwenzahnblüten gegen die Birkenrinden ihrer Nachbarn. So wird es sein. Komisch nur, dass es bei den früheren Menschen, die so leben mussten, keineswegs so friedlich zuging.

Auch ist es schön, wenn einige Menschen einfach aus der Zivilisation aussteigen und am Amazonas die Natur genießen und mit einfachsten Lebensmitteln und Lebensbedingungen zufrieden sind. Ein Urlaub von der Seele, derweil wir Dummen ja hier rumhängen und arbeiten. Arbeiten ist ja eh verpönt, das riecht nach Sklaventum, und wer gerne arbeitet, ist sicher zivilisationskrank. Also da steht dieser Aussteiger nun am Amazonas und plötzlich beißt ihn trotz aller Friedfertigkeit ein Krokodil ins Bein. Was nun? Hat der Aussteiger noch ein Handy dabei, um schnellstens den Rettungsdienst zu alarmieren, der ihn per Hubschrauber ins nächste Krankenhaus fliegt? Oder schleppt sich der angebissene Aussteiger zur nächsten menschlichen Station, von der ihn dann der Hubschrauber abholt? Übrigens: Das ganze medizinische Netzwerk inklusive Hubschrauber haben die Dummen bezahlt, die sich derweil ja dem Sklaventum verpflichtet hatten.

Ich möchte nicht aussteigen. Ich genieße es, morgens warm duschen zu können. Ich genieße es, dass meine Wohnung beheizt ist und sich keine Eisblumen an den Fenstern bilden, wie das noch meine Mutter aus ihrer Jugend erzählt hat. Ich finde es toll, dass ich bei Bedarf einen Notartzdienst anrufen oder einen Zahnarzt aufsuchen kann. Ich finde das Internet so rein von der Wissensübertragung her dem Trommeln durchaus überlegen. Ich will nicht zurück, ich will nicht in die Natur. Was nicht heißt, dass ich alles, was es heute gibt, gut finde. Ein vorsichtigerer Umgang mit der Natur wäre mir auch lieber.

Es gibt sicher Ausnahmegestalten, die sich wirklich in die Natur zurückziehen können, ohne letztendlich doch wieder auf die Errungenschaften der Zivilisation zurückzugreifen. Das bezweifle ich nicht. Aber Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher sind keine Ausnahmegestalten und ich wünschte mir, sie würden etwas realistischer und etwas weniger auf meinem Geldbeutel ruhend träumen. Mich ärgert das nämlich, wenn riesige Summen dafür ausgegeben, weil sich wieder mal ein Hobbybergsteiger übernommen hat und für viel Geld gerettet wird, ein Abenteuerurlauber aus dem See gefischt, und letztendlich müssen wir anderen das bezahlen.

Diese ganzen Wildnisliebhaber sind übersättigte Wohlstandsmenschen, die vor lauter Es-geht-ihnen-zu-gut sich das Gute wegwünschen, was unsere Zeit zu bieten hat. Mein Leben hat genug Abenteuer, ich brauche nicht künstliche, mir selbst auferlegte Entbehrungen, weil ich sonst vor lauter Luxuslangeweile nicht mehr weiß, was ich tun soll. Denn eine solche Einstellung empfinde ich auch als Hohn gegenüber den vielen Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns hier. Die sich von Baumrinden und derlei Dingen ernähren MÜSSEN.

Mousse Vanille: Natur und Naturkost

Heute fiel mir mal wieder ein Produkt in die Augen, das mit großen Worten leeren Schaum schlägt. Ich zitiere aus einer werbenden Produktinformation (MAHLZEIT, Juli-Ausgabe 2009):

„Mousse Vanille. Biovita Naturkost hat für Feinschmecker eine neue Dessertkreation entwickelt. Neben […] ‚Mousse au chocolat‘ gibt es nun die ‚Mousse Vanille‘. Nach der Devise von Biovita Naturkost: ‚Naturköstliches Backen, Kochen und Genießen leicht gemacht‘ wird die feincremige Mousse mit aromatischer Bourbon-Vanille ohne Kochen hergestellt. Sorgfältig ausgewählte und harmonisch zusammengestellte Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau sind die Basis für die Mousse Vanille und ihren besonderen Geschmack.“

Mir wird schlecht, wenn ich so einen aufgecremten-aufgeschlagenen Mist lese. Der ganze Convenience-Krempel in der Bioszene ist doch nur Abzockerei. Einen Pudding zum Kaltanrühren – und nichts anderes ist das ja – kann ich nur mit Zusatzstoffen herstellen. Eine Liste der Inhaltsstoffe ist hier nicht angegeben, und ich werde mir das Produkt sicher nicht im Bioladen bestellen (ich werde beliefert), um sie mir durchzulesen. Vermutlich mit Glutamat aus natürlichem Anbau? Mit Quellstoffen aus kontrollierter Herstellung? Das Produkt hat auch keine der offiziell anerkannten „Bio“-Markenzeichen.

Dieses Mousse ist ein denaturiertes (d.h. unnatürliches, ihm wurde die Natur entzogen) Industrieprodukt. Es steht auch nichts über das Süßungsmittel dabei, vermutlich wurde dann der haha-biologisch-wertvolle Rohrzucker verarbeitet – wenn überhaupt.

Für Käufer solcher Produkte im Bioladen: Leute, spart Euch das Geld. Da könnt Ihr genauso gut die normalen Fertigprodukte im Supermarkt nebenan kaufen. Der Gesundheit nützt ein solcher Unsinn nichts. Bio hat leider zunehmend weniger Berührungspunkte mit einer gesunden Vollwerternährung. Den Satz „Bio sollte Vollwert sein“ hat sich die Industrie (das Geld lockt eben) schon lange von der Fahne genommen. Auch der Satz „Vollwert sollte bio“ sein, wackelt für mich schon an einigen Stellen, wenn ich an das ganze importierte Gemüse und Obst denke. Was ist denn gesünder für mich, ein regional angebauter Apfel aus herkömmlicher Anbauweise (also nicht überdüngt, überspritzt etc.) oder ein Bio-Apfel importiert aus Chile? Ich verweise hier auch auf meinen Artikel vom 6. Juni.

Bio ist so wichtig, für unsere Gesundheit, für den Boden, die Luft. Aber der Biogedanke wird zusehends verwässert (verindustrialisiert). Wie in allen Dingen entscheiden auch wir als Verbraucher hier, was letztendlich bio einmal sein wird.