Nicht nur den ersten Gedanken denken… Umweltschutz

Kommentar vom 21. September 2011: Ist das zu Ende gedacht? Umweltschutz…

Schon einige Male habe ich in der Vergangenheit die Tipps des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die sogenannten Öko-Tipps, angeführt. Manchmal sind sie gut, manchmal langweilig und manchmal ärgerlich. Sie empfehlen nämlich auch gerne 20 °C im Winter für Wohnzimmer. Ja, wenn ich auf dem Trimmrad im Wohnzimmer sitze, mag das nett sein. Aber wer regelmäßiger Büroarbeit nachgeht und eher der leicht fröstelnde Typ ist (auch bei genügend Sport!), weiß, dass 20 °C zu steifen blauen Fingern führen können. Vor einigen Tagen bekam ich wieder so einen Tipp, bei dem ich dachte: Na, ob das wohl alles so toll ist, wie hier beschrieben? Oder ist das wieder Oberflächengeschrei nach etwas, das auf den ersten Blick sooo umweltschonend aussieht?

Es geht um Strom vom eigenen Windrad (13/2011). Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe – man möge mich korrigieren – ist der Titel schon mal irreführend, denn nicht ich bekomme dann den Strom, sondern der wird ins Netz eingespeist und ich verkaufe ihn an die Energiekonzerne zu einem Preis, der über meinem Verbrauchspreis liegt, da liegt dann der Gewinn für mich. Also keine Autarkie, und die Verkaufs- und Einkaufspreise sind mir sowieso aus der Hand genommen.

Der eine Satz, der mich zum Kochen bringt, ist: „Eine gute Klein-Windanlage ist kaum zu hören und beginnt schon bei schwachem Wind zu rotieren.“ Was heißt „kaum zu hören“? Ich bin recht empfindsam für Geräusche aller Art, und was für den eventuell dickfelligen Verfasser dieses Artikels dann kaum hörbar ist, raubt mir vielleicht den Nachtschlaf. Auch finde ich die Mini-Anlagen in ihren Ausmaßen nicht Mini: „Je nach Standort und Windverhältnissen können mit einer Anlage von beispielsweise 30 Metern Höhe und 16 Metern Durchmesser jährlich über hunderttausend Kilowattstunden Strom erzeugt werden.“ Ich habe einen Baum im Garten, der ist schätzungsweise 30 Meter hoch. Wenn ich mir nun vorstelle, der stünde auf dem Dach meiner Nachbarn… .schluck… und dann kommt mal wieder ein unerwarteter Orkan? Der Verankerung eines über Jahrzehnte gewachsenen Baums vertraue ich persönlich mehr als der Befestigung eines von Menschenhand auf einem Dach montierten Windrads.

Lärm ist eine der schlimmsten Umweltbelastungen der Neuzeit, wird aber immer dezent unter den Teppich gekehrt. Wie unterschiedlich so ein Begriff „kaum hörbar“ ist, darf ich an einem Beispiel demonstrieren: Als ich vor Jahren einmal auf Haussuche war, schrieb ich an Immobilienmakler stets, dass ich etwas ausgesprochen Ruhiges suche. Unter anderem wurde mir da ein Haus angeboten, gegenüber von einer Kirche, mit einer freiwilligen Feuerwehr zwei Straßen weiter. Als ich dann monierte, dass sei nun wirklich nicht leise, meinte der Makler ganz verduzt: Also… da gewöhnt man sich aber schnell dran. Ob er selbst da eingezogen ist? Ob Rüdiger, der Verfasser des Öko-Tipps, neben einem Windrädchen wohl seine Wohnhöhle aufgebaut hat?

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