Elternnerven und Eltern nerven

22. Oktober 2012: Pädagogik in den Medien

Am Sonntag Morgen las ich den RGA (Remscheider Generalanzeiger) vom Samstag (21. Oktober), das ist so eine Art Frühstücksgenuss. Da gab es auf einer Seite mit praktischen Tipps Ratschläge, wie man billig innerhalb einer Familie per Handy telefonieren kann usw.

Da können wir jetzt drüber streiten, ob das wirklich pädagogisch gut ist, dass Kinder ständig erreichbar sind. Eltern sprechen dann gerne von Sicherheit. Dass dies aber auch eine Art Überwachung ist, beobachte ich immer wieder. Arme Kinder! Und wie soll ein Kind selbstständig werden und sich vom Elternhaus abnabeln, wenn es in einer fremden Umgebung ist (z.B. auf einem Schüleraustausch) und alle 10 Minuten oder halbe Stunde SMS tauscht oder sich über jede Kleinigkeit per Telefon beklagt?

Darum ging es in diesem Artikel nicht, ich habe mir erlaubt, etwas abzuschweifen 🙂 Ich las also den Artikel, bis kurz vor Ende. Da wurde dann beschrieben, welche Tarife für Jugendliche günstig sind. Und der Knüller für mich war (frei zitiert): „Wenn man für Teenager einen Vertrag abschließt, empfiehlt es sich, gleiche eine SMS-Flatrate hinzuzunehmen, die gibt es schon ab 10 Euro.“ Weiter geht’s mit wörtlichem Zitat, denn das habe ich mir gleich gemerkt: „Das ist vielleicht nicht pädagogisch sinnvoll, aber nervenschonend für die Eltern„.

Ach so. Ich hatte immer gedacht, Erziehung sei dafür da, Kinder lebenstüchtig zu machen. Ich wusste nicht, dass die geschonten Nerven der Eltern im Vordergrund stehen. Es ist übrigens auch für die Eltern wesentlich nervenschonender, nicht mit den Kindern an einem gemeinsamen Tisch zu essen und deren Tischsitten zu kritisieren, falls das nötig ist, sondern in getrennten Räumen zu speisen. Da können die Eltern sich nervenschonend gegenübersitzen und bei Kerzenschein nett plaudern, während die Abkömmlinge im Nebenzimmer wie Äffchen über dem Essen hängen und mit den Käsescheiben spielen. Viel, viel nervenschonender!

Ich könnte mehr Beispiele bringen. Ach ja, und so hat der Schreiberling das sicher nicht gemeint und ich sollte das mal wieder nicht so wörtlich nehmen? Doch, tue ich! Denn es zeigt, was für eine Tendenz heutzutage im öffentlichen Bewusstsein gefördert wird: Kinder haben und kriegen ja, aber bitte keine Arbeit damit haben….

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