Inflation

Vor mehreren Wochen tauchte das Wort Inflation zum ersten Mal in den Medien auf. Ich hatte noch nichts von Inflation bemerkt. Aber dann legte sie los. Ich frage mich, ob diese Medieninformationen manche Leute erst so recht anstacheln, ihre Preiseanzuheben? Die Preissteigerungen, die ich jetzt beobachtet habe (vor dem Ukrainekrieg), sind einfach losgelöst von realistischen Anhebungen. Es wird von einer Inflation von 5 Prozent gesprochen.

Ein Beispiel: Die Bäckertheke in unserem Bioladen. Da beobachte ich Preissteigerungen von rund 15 Prozent. Der Verkäufer sagte, ja, das sei ihnen auch aufgefallen, aber das käme vom Hersteller (also dem Bäcker, nehme ich an).

Gerade im Biosektor, der naturgemäß teurer ist als der Discounterbereich, finde ich das bedenklich. Man schraubt doch dadurch Kleinverdienern oder Familien bald die Möglichkeit ab, Bioware zu kaufen. Dann kaufen die Kunden eben demnächst ihre Bioware beim Discounter. Dort gibt es ja auch mittlerweile eine reiche Auswahl in diesem Bereich. Oder wir müssen einen Rückgang des Bioangebots allgemein beobachten. Das fände ich sehr schade, wenn nur noch „Reiche“ in den Bioladen gehen können.

Muss ich das verstehen?

19. September 2015: Linsen

Vor Jahren schon habe ich festgstellt, dass entgegen der damals herrschenden Vollwertmeinung rote Linsen durchaus Keimen, also ganz normale rote Bio-Linsen. Prima.

Vor ein paar Wochen habe ich ein paar Tests gestartet. Das kam, weil ich bei der Firma Reishunger ein Testpaket aus Kidneybohnen, Kichererbsen und Roten Linsen getestet hatte, ich berichtete hier. Die Linsen von Reishunger keimen prima, sind bio und kosten 2,90 Euro, wenn ich 3 kg kaufe. (Foto: Reishunger-Linsen, 2 Tage Keimzeit)

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Da dachte ich mir – was ist eigentlich mit „normalen“ Linsen?

Ich kaufte rote Linsen von Müller’s Mühle, ein 500-g-Päckchen kostet 1,79 Euro. Ich habe sie zum Keimen angesetzt – und konnte beim Keimen quasi zuschauen. (Foto Müller’s Mühle nach noch nicht ganz 48 Stunden)

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Danach wollte ich Alnatura (bei dm ebenfalls 1,79 Euro) und Davert (im Bioladen 3,49 Euro, als Sonderangebot 2,99 Euro) probieren. Eine Leserin machte mich darauf aufmerksam, dass diese beiden Sorten (bio!) Sonnenblumenöl enthalten, sie sagte, für die Farbe. Wie bitte? Die kaufe ich nicht mehr!

Ich hatte noch ein Päckchen von Davert im Haus (Preisschild: 3,49 Euro!) und habe den Keimtest gemacht. Es quälte sich so herum. Ja, sie keimten zum Teil, aber überwältigt war ich nicht. Ich musste die Linsen nach fünf Tagen schließlich entsorgen, weil zwar einige lang gekeimt waren, die meisten aber gar nicht und sich daher ein übler Geruch entwickelt hatte.  (Foto: Daver Linsen nach 5 Tagen Keimzeit)

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Wieso keimt (lebt!) ein Nichtbioprodukt deutlich besser als ein Bioprodukt, wieso braucht ein Bioprodukt Öl für die Farbe? Brauche ich leuchtend rote Linsen? Nö, blassrote reichen mir völlig. Hauptsache sie keimen.

Dies sind Einzelversuche. Um „wissenschaftlich“ zu sein, müsste ich eine große Testreihe starten. Mache ich nicht, mir für meinen persönlichen Bedarf reicht das. Wer ganz sicher gehen möchte, muss diese Tests selbst machen.

 

Preise für Trockenfrüchte

Gestern nahm ich gedankenverloren in einem Drogeriemarkt mit Bioabteilung zwei Päckchen getrocknete Aprikosen in die Hand, ich hatte sie für ein Rezept eingeplant. 2 x 200 g. An der Kasse hörte ich: 8 Euro und irgendwas. Wie bitte? Ich war sicher, die Dame an der Kasse hatte sich vertan. Nein, hatte sie nicht. Ich habe den Kauf storniert und die Päckchen zurückgebracht ins Regal. Wahrhaftig, da stand 4,49 Euro (oder so ähnlich) dran! Das entspricht einem Kilopreis von über 22 Euro. Ich bin aber sicher, dass ich vor wenigen Wochen noch 2 Euro und ein paar Gequetschte bezahlt habe.

Abends bekam ich den neusten Newsletter von Jallaldor (ich bestelle da meine grünen Rosinen) und dort stand auch, dass wegen schlechter Ernte die Aprikosenpreise immens angezogen haben, ebenfalls für tunesische Datteln.

Also wer noch Aprikosen zum alten Preis sieht und sie schon mal gerne verwendet: Jetzt zuschlagen 😉

Raffgier, Geiz und Co. (Teil 2)

30. März 2012: Und noch mal raffig..

Sehr schön zum Thema passt der Link, den mir eine Leserin letztlich zukommen ließ: Die Zeit

In Youtube fand ich vor gar nicht langer Zeit folgenden Kommentar zu einem Rezeptfilm vor:

„Ich suche schon ewigkeiten eine Knetmaschine für Brotteig. Die meisten haben noch zusatzfunktionen die ich nicht möchte. Will einfach nur kneten. Dann habe ich deine im Video gesehen. Dachte mir, die sieht super aus. Einmal schnell gegooglet und ich bin vom glauben abgefallen. 1.500€ für ne Knetmaschine? Gibt es sowas auch zu vernünftigen Preisen? „

Ich habe dann erst einmal geantwortet: „Wie definierst du einen vernünftigen Preis? Nach dem Motto „Geiz ist geil“ oder „Qualität hat ihren Preis“? Diese Maschine kann 6 kg Teig verarbeiten und ist unverwüstlich. Wenn du etwas für weniger Teig suchst, was anfälliger ist, kannst du sicher im Internet fündig werden.“

Niemand schreit auf, wenn ein Ferrari deutlich mehr kostet als ein kleiner Fiat Panda. Da zucken die Leute mit den Achseln und sagen – ja, ein schönes Auto, hätte ich auch gerne, aber meine finanzielle Lage erlaubt es mir nicht. Vielleicht packen sie sich auch an die Stirn und sagen: Meine Güte, nie würde ich für ein Auto so viel Geld ausgeben! Wer aber kommt daher und sagt: Gibt es einen Ferrari auch zu vernünftigen Preisen?

Ich bin keineswegs dafür, immer das Teuerste oder nur das Teure zu kaufen. Aber das gewisse Dinge einfach viel kosten – das habe ich begriffen. Echte Lederschuhe (sorry hier für die mitlesenden Veganer), handgenäht, sind natürlich auch teurer als Nachwerfware vom Discounter. Heute werden diese teueren Dinge häufig auch noch immer teurer, weil die Nachfrage zurückgeht. Die Nachfrage geht nicht etwa deshalb zurück, weil die Leute alle (!) kein Geld mehr haben, sondern weil sie nix mehr für gute Sachen ausgeben wollen.

Andererseits gibt es Bereiche, wo sich die Leute das Geld aus der Tasche ziehen lassen, dass es nur so kracht. Das lässt sich besonders an der Rohkostszene erkennen: Nix ist teuer genug, wenn es aus Thailand eingeflogen werden kann, und irgendeine bekloppte Alge, die freiwillig sonst niemand essen würde, wird zu Kilopreisen verscherbelt, dass man meinen könne, es sei reines Gold. Dies ist jetzt ein überzogenes Beispiel und keineswegs ein Angriff auf alle Rohköstler – ich kenne einige, die sind Rohköstler aus Überzeugung, und nicht weil es gerade hip ist. Aber gerade hier auch noch ein schönes Beispiel: Da kaufen die Leut‘ Mandeln zu einem ungeheuren Kilopreis, weil „Rohkostqualität“ drauf steht. Ich kaufe meine Mandeln nach wie vor bei der Birlin-Mühle, zu deutlich niedrigeren Preisen. Die sind auch niemals erhitzt worden, aber nicht als „Rohkost“ deklariert. Außerdem schmecken sie mir viel besser als die von jenem ersten Versender, aber gut, das ist vielleicht auch Geschmackssache.

Ein Manz-Herd kostet ne Menge Schotter, und auch eine Knetmaschine von Häussler ist kein Produkt, das wir demächst im Discounter bewundern dürfen. Eine Knetmaschine habe ich mir geleistet, ein Manz-Herd ist mir zu teuer. Wohlgemerkt: MIR zu teuer, nicht an sich. Ich habe ja ein Seminar bei Manz besucht, von übermäßigem Reichtum war dort nichts zu sehen. Denn Qualität ist die Folge sorgfältiger Arbeit – und die kostet nun einmal.

Hier passt auch, was ich vor ein paar Wochen bei einem Treffen mit einem guten Freund erlebte, mit dem ich alle paar Monate mal essen gehe. Er ist mit seinem Arbeitsplatz nicht sehr zufrieden, er fühlt sich auch im Vergleich zu Kollegen unterbezahlt, so führte er einige Minuten aus. Ist er sicher auch, denn ich kenne ihn gut und weiß, wie er sich für den Job viele Jahre engagiert hat, erfolgreich – für die Firma. Nachdem wir dieses Thema abgeschlossen hatten, erzählte er eine Weile später ständig darüber, wo er diese und jene Schnäppchen gemacht hat. Hmmmm. Es ist mir so direkt gar nicht aufgefallen, eher im Nachhinein: Wie will ich für meine Arbeit entsprechend entlohnt werden, gleichzeitig für anderer Leute Qualitätsarbeit aber möglichst gar nichts ausgeben? Das geht nicht!

Service wird beweint, aber zahlen dafür? Nö. Da habe ich schon 3 Mal in einem guten Online-Shop gekauft, hervorragender Service, aber jetzt beim nächsten Mal habe ich das gesuchte Teil doch wirklich für 50 Cent billiger woanders gefunden! Potzblitz, da gehe ich doch nicht zum bewährten Händler…

Gute Lebensmittel dürfen nix kosten, aber der Döner auf der Hand ist umgerechnet so teuer…. aber darüber denkt keiner nach.

Auswertung der Farbfoto-Umfrage

Kommentar vom 19. Februar 2011: Umfrage zu den Farbfotos

Erst einmal herzlichen Dank für die rege Beteiligung! Was als Ergebnis nicht erstaunt: Die meisten, nämlich 79%., würden so viel Geld nur für farbige Fotos nicht ausgeben. Dann gibt es einige (17%), die es erst einmal sehen möchten – was für meine Bücher ja leider nicht zutrifft, kaum eine Buchhandlung führt sie. Noch nicht 😉

Für mich hochinteressant ist, dass es aber potentielle Leser (4%) gibt, denen farbige Fotos doch eine Menge Geld wert sind. Dennoch reicht ihre Zahl für das teure Experiment noch nicht aus. Ich überlege noch….

Dann kam ein Vorschlag, über den ich auch schon nachgedacht hatte: Farbfotos ins Internet stellen. Erst einmal ist das wahnsinnig viel Arbeit. Es reicht ja nicht, dass ich die Fotos hochlade. Da gehören Stichwortverzeichnisse, eine Übersichtsseite mit Links usw. zu. Das bezahlt mir niemand. Ich will nicht jammern – aber im Moment haben wir mehr als eine 48-Stundenwoche hochkonzentrierter Arbeit, da bekomme ich die selbst gesetzten Ziele (Monatsfilm, Tagesmenü, Blog) gerade noch auf die Reihe.

Auch ist das nur für Leute interessant, die sowieso gerne im Internet rumwuseln. Ich habe auch sehr viele Leser, die das Internet nur „zur Not“ benutzen. Und wer in einem Buch blättert, hat – stellt es euch bitte einmal realistisch vor – sicher keine Lust, sich zum PC zu begeben und mehr oder weniger mühsam nach einem Foto zu suchen. Wer von den finanziellen Hintergründen nichts weiß, kann dann sogar noch denken: Faule Autorin, stellt die Bilder ins Internet, und ich muss mir jetzt die Arbeit machen und da nachschauen! Auch weiß der normale Leser ja nicht, wie die BOD-Preise zustande kommen und fragt sich: Wieso können andere Autoren Bücher mit tollen Farbfotos anbieten und ICH muss jetzt ins Internet? Da hilft auch ein Vorwort wenig.

Noch interessanter, eher für zukünftige Bücher, jedes Rezept mit einem Code zu versehen. Dann kann, wer will, auf der Homepage den Code eingeben und kommt so zu dem Foto. Allerdings fühlen sich dann natürlich Nicht-Internet-Beflissene ebenfalls wieder benachteiligt. Und es würde auch eine gewisse Programmierarbeit erfordern. Ich weiß nicht, ob das mit meinem Websystem überhaupt geht. Und eine Umstellung der Website nur für so eine Kleinigkeit ist unverhältnismäßig großer Aufwand.

Noch ein Tipp war, Fotos aus mehreren Mahlzeiten wie Helma Danner zu erstellen. Das hat zwei Probleme: Erstens müsste ich dann alles neu kochen. Wann soll ich das machen, wer soll das alles an einem Tag essen? An meinen Büchern ist eben das Besondere, dass sie quasi Protokolle sind. Jeder weiß: Ah, so sah das wirklich aus, als Ute das an dem Tag zubereitet und anschließend gegessen hat. Da ist nichts allzu sehr gestylt, alles aus der Praxis, nicht im Nachhinein am Schreibtisch etwas gedreht. Häufig können Leser und Leserinnen das hübscher anrichten als ich. Auch das finde ich wichtig: Ich kann diese Kunstfotos von Mahlzeiten nicht mehr ab, die so in einer normalen Küche gar nicht entstehen können, wo die Hausfrau bzw. der Hausmann unter Zeitdruck steht und etwas Leckeres herstellen möchte, was natürlich möglichst nett aussehen darf, das aber bitte in kürzester Zeit. Dazu kommt, dass die Aufmachung der Danner-Bücher zu Hella Danner passen. Sie haben den Charme der siebziger Jahre. Ich lasse mir auch gerne Charme zuschreiben, ein bisschen weniger Staub darauf wäre mir jedoch lieber 😉

Immer wieder bekomme ich als Feedback zu meinen Rezepten auf der Homepage und auch aus den Büchern: Ich konnte das nachmachen, das ist genauso geworden! Fortgeschrittene „Küchenmeister“ nehmen meine Rezepte häufig einfach als Anregung, sie brauchen weder Fotos noch grammgenaue Angaben. Aber natürlich stört sie das auch nicht. Wer aber neu ist im Kochen, in der Vollwert, in der Rohkost, braucht genau das: eine Anleitung, die stimmt, und eine Optik, die auch zuverlässig in der eigenen Küche unter normalen Wochenbedingungen zu erreichen ist.

Meine bei BOD verlegten Bücher sind reine Praxisbücher. Ihre Optik habe ich natürlich durchdacht, ich bin ja zum Glück ausbildungsmäßig vorbelastet. Sie anders, „herkömmlicher“ und dem häufg als modern angesehen perfektem Styling angepasst zu präsentieren, würde sich an eine ganz andere Zielgruppe wenden. Was durchaus seinen Reiz hat – nur bei BOD eben nicht möglich ist.

Ich denke weiter nach 🙂