Private Krankenversicherung (PKV)

Wenn man so sieht, wie die PKVs in Fernsehen und in vielen Medien dargestellt werden, muss ich meist lachen. Am besten sind die Versionen in Krankenhausserien: Privatpatienten kriegen bessere Bettwäsche, sind übrigens stets nörgelige Patienten und verlangen immer die Chefarztbehandlung. So habe ich echt letztlich in einer Serie gesehen, wie eine junge Privatpatientin nachts als Notfall eingeliefert wurde. Der Assistenzarzt sagte: „Die Frau ist Privatpatientin, sie hat Anrecht auf Chefarztbehandlung. Unser Chefarzt ist in Urlaub, da muss ich jetzt den Leiter der Klinik anrufen, damit der sich kümmert.“ Und am Essen nörgeln sie ständig rum (Kassenpatienten natürlich nie) und lassen sich dann auch gern Essen aus einem Restaurant liefern. Überhaupt sind sie alle immer hochelegant gekleidet und schrecklich reich. Ah ja.

Woher haben eigentlich Schreiberlinge sowas her? Ich bin seit vielen Jahren Privatpatientin, Eric ist ebenfalls schon lange Mitglied in einer privaten Krankenkasse. Bettwäsche? Da ist überhaupt kein Unterschied. Krankenhaus überfüllt? Da gibt’s auch schon mal ein Zweibettzimmer. Und Chefarzt? Klar, die Gespräche sind beim Chefarzt, aber gerade als Notfall behandelt der Arzt, der gerade Dienst hat. Und entweder sind Eric, ich und die anderen Privatpatienten, die ich kenne, auffallend und überdurchschnittlich nett und „pflegeleicht“, oder auch diese Nörgelei ist eine Erfindung. Übrigens müssen Privatpatienten bei Einlieferung immer unterschreiben, dass sie im Bedarfsfall auch von einem anderen Arzt behandelt werden können. Den überfließenden Reichtum vermisse ich noch auf meinem Konto….

Die privaten Krankenversicherer sparen auch. Eine Freundin von mir geht in meine Zahnarztpraxis. Ich habe diese Praxis schon mehrfach empfohlen, denn was wir dort erleben, ist kaum zu beschreiben: Alles wird erklärt, Pünktlichkeit ist oberstes Gebot, alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind freundlich, hilfsbereit. Dazu kommt eine ärztliche Kompetenz, die ihresgleichen sucht. Jeder lobt seine Zahnarztpraxis, ich weiß. Aber meine ist wirklich unglaublich. Ich habe meine Praxis (wenn’s interessiert: Klein & Sälzer, Wuppertal, Borsigstraße) vor ein paar Jahren einem Freund empfohlen, der in Aachen wohnt. Er hatte seit 40 Jahren Zahnprobleme, viele Zahnärzte befragt, und diese Praxis hat den Fehler aufgedeckt! Dafür nahm sie gern die Fahrt auf sich.

Aber genug von der Schwärmerei – es geht ja um die PKVs. Meine Freundin brauchte eine neue Brücke. Den Heil- und Behandlungsplan hat sie an ihre private Krankenkasse geschickt. Die meckerte dann was rum von zu hohen Sätzen. Und dann kam – für mich – der Knüller:

Nee, klar. Aus lauter Liebe zu ihrer Krankenkasse geht meine Freundin jetzt zu einem nicht so exzellenten Arzt. Der weiß ja vielleicht eine preiswertere Methode. Das ist so, als wenn die Qualität eines Zahnarztes bei jeder Praxis dieselbe wäre, man kann ja mal fragen, ob es jemand billger macht.

Dummheit macht auch vor PKVs nicht halt…

Was sie in dem wunderbaren Anschreiben auch versäumen zu erwähnen: Das Einholen der zweiten Meinung ist keineswegs umsonst und geht somit vom Eigenanteil ab. Und der kann bei den PKVs erheblich sein (bei mir sind es 3500 Euro im Jahr, d.h. die Krankenkasse zahlt mir also erst etwas zurück, wenn ich bereits 3500 Euro ausgegeben habe).

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Krankenkassen

16. Okt. 2015: Privatpatienten

Wie wir alle wissen, gibt es mittlerweile eine Zweiklassenmedizin und die Privatpatienten können viel länger leben, weil sie von den Ärzten bevorzugt behandelt werden. Ich höre das oft genug, meist von Kassenpatienten, die angeblich 2000 Wochen auf einen Termin warten müssen, während Privatpatienten sofort einen bekommen und vieles andere mehr.

Offensichtlich kenne ich die falschen Ärzte. Ich bin seit Ende meines Studiums privat versichert – damals war es deutlich preiswerter für mich und einmal dabei, bleibt man ja bzw. mittlerweile kann ich gar nicht mehr wechseln, selbst wenn ich wollte. Als ich letztlich eine neue Zahnärztin wegen eines neuen Termins mit Beschwerden anrief, bekam ich einen Termin sehr kurzfristig, nur zwei Tage später. Am Telefon hatte mich niemand nach meinem Patientenstatus gefragt.

Ein Bekannter von mir muss regelmäßig zum Arzt wegen Kontrollen. Er sitzt im selben Wartezimmer wie die anderen Patienten, er wartet teils auch eine Stunde und mehr. Ihm hilft das Privatpatientendasein auch nicht.

Womit ich nicht bestreiten will, dass es durchaus Ärzte gibt, die einen Unterschied machen.

Letztlich las ich gar in einem Blog, dass die privaten Krankenkassen überhaupt für alles Übel in der Medizin (nun ja, wörtlich war es die Zweiklassenmedizin) verantwortlich sind. Wie bitte? Privatpatienten zahlen deutlich mehr als Kassenpatienten und von verschiedenen Seiten, die durchaus berufen sind, habe ich mir sagen lassen, dass vieles in der Medizin nur möglich ist, weil es Privatpatienten gibt, die eben reichlicher zahlen und so den Ärzten einen größeren Spielraum geben.

Aber solche Artikel werden sicher in einer Neidgesellschaft gerne gelesen. Würden die Kassenpatienten nämlich ALLE aufstehen und gehen, wenn sie länger als eine halbe Stunde warten müssen, könnten sie sogar ihre Ärzte erziehen. Das hat nix mit Kasse oder Privat zu tun.