Psychologie und Essen

26. Dezember 2011: Umfragen – ein doppeltes Spiel?

Über Rumblättern im Urkostforum stieß ich auf eine Umfrage: hier. Statt den Bogen auszufüllen, habe ich die Erstellerin angemailt. Leider habe ich die Mail abgeschickt, bevor ich den ganzen Thread studiert hatte (hier).

Guten Tag Frau Barthels,

ich stieß heute zufällig auf Ihren Fragebogen. Ich hatte ihn schon ausgefüllt. Selbstverständlich, wie ich das gerne mache, mit völlig falschen Angaben. Das macht mir einfach Spaß, weil ich solche Umfragen idiotisch finde, sorry. Ich habe ihn dann nicht abgeschickt, keine Sorge, ich werde doch Ihr Ergebnis nicht verfälschen.

Auch Ihr Fragebogen ist von Unkenntnis geprägt. Er enthält Fragen, die deutlich zeigen, dass Sie, ich möchte fast wetten, weder Vegetarierin, Rohköstlerin noch Vollwertlerin sind, weil sie absolute Unkenntnis verraten bzw. eine gewisse Arroganz solchem anderen Essverhalten gegenüber. Ich nenne einmal ein Beispiel:

„Eine Einladung zum Essen bei Freunden versuche ich zu vermeiden, wenn sie nicht auf gesunde Ernährung achten.“

Dazu gibt es keine passende Antwort. Es gibt Freunde, die nicht auf gesunde Ernährung achten, und trotzdem auf MEINE Ernährung Rücksicht nehmen. Es gibt Freunde, die das nicht tun – und da bringe ich mir mein eigenes Essen mit. Anders essen führt nicht zu sozialer Isolation (was Sie ruhig auch so hätten ausdrücken können, das hätten die Leser schon verstanden….)

Hinter jeder Frage steht für mich schon der Gedanke: Sie wittern Krankhaft-Unnormales hinter der für Sie ungewohnten Weise, sich zu ernähren.

Oder eine andere Frage: „Meine Gedanken kreisen ständig um gesunde Ernährung und ich richte meinen Tagesablauf danach aus.“ Ja für wie dumm halten Sie Ihre Leser, dass da nicht jeder ahnt, worauf diese Frage hinauszielt? KRANKHAFTES Verhalten. Na danke. Wer wird die Frage dann schon ehrlich beantworten, wenn er das wirklich täte? Der Aufbau der Fragen, auch hier sorry, wenn ich mich irre, hat so was von Brigitte-Tests aus den 70er/80er Jahren, die ich immer mit Begeisterung ausgefüllt habe 😉

Das Ergebnis dieses Bogens ist damit schon zum Scheitern verdammt. Es fehlt auch die Frage: „Sind Sie Orthorektiker?“ – darum geht’s doch, oder? 🙂

Dann ist die Teilnahme freiwillig. Na großartig, was soll denn dieser Satz? Wer sollte mich denn auch zwingen, ihn auszufüllen, wenn ich zufällig im Internet drüber stolpere? Sie ist aber nicht repräsentativ, denn es nimmt ja nur teil, wer, wie gesagt, zufällig auf den Bogen stößt. Und „unsereins“ darf sich dann wieder über die falschen Schlussfolgerungen ärgern, die in Medien wie der Apotheken-Umschau und ähnlich niveauvollen Gazetten veröffentlicht werden.

Ich werde diesen Fragebogen heute in meinem Blog vorstellen inklusive dieser Mail hier. Gerne können Sie mir und meinen Lesern erläutern, welchen Sinn Ihre Umfrage letztendlich haben soll. Und wer die Umfrage bezahlt, auch immer interessant. Kann ja sein, ich tue dieser Umfrage schreckliches Unrecht.

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich noch frohe Resttage dieses Jahres.

Mit bestem Gruß

Im Urkostforum beantwortete Frau Barthels ähnlich kritische Fragen wie folgt, auch andere Aspekte in meiner Mail beantwortet sie dort:

Vielen Dank für die kritischen Anmerkungen zu unserem Fragebogen.

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich vor Abschluss der Studie nicht unsere Fragestellungen und Hypothesen hier erläutern kann, um andere Studienteilnehmer nicht zu beeinflussen. Ich kann dies aber gerne zusammen mit der Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Studie nachholen.

Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass wir mit dieser Studie nicht das Ziel verfolgen, eine Diagnose zu stellen. Wir gehen auch nicht davon aus, dass Vegetarier, Veganer oder Rohköstler in irgendeiner Art und Weise ein gestörtes Essverhalten zeigen. Es geht lediglich darum, unseren Fragebogen an diesen spezifischen Stichproben zu evaluieren. […].

Diese Studie … wird auch nicht von der Wirtschaft oder irgendeiner Institution finanziert.

Dafür, dass Frau Barthels sich für die Kritik bedankt, nimmt sie recht wenig davon an 🙂 Ist sie nicht betroffen davon, dass sich Menschen davon angegriffen fühlen?

Ich dachte nach: So plump kann ich mir Psychologen nicht vorstellen. Frau Barthels schreibt, dass der Bogen nicht der Diagnose dient. Da bleibt mir nur – es ist eine psychologische Umfrage – der Schluss, dass es gar nicht um die Fragen auch dem Bogen geht, sondern um die Reaktion von Vollwertlern/Vegetariern/Rohköstlern usw. drauf, die soweit recht einhellig ist…. Die Fragen sind so formuliert, dass ich nicht mehr glauben kann, dass sie ernst gemeint sind – wie ich das noch tat, als ich meine Mail schrieb. So einfach gestrickt können Psychologen nicht sein. Also ein verkapptes Spielchen? Auch nett 🙂

Ist die Frage hinter dem Bogen dann: „Wie empfindlich / sachlich reagieren gesundheitsbewusste Ernährungsgruppen auf plump-aggressive Fragen?“ Wir dürfen gespannt sein!

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Püschologie

Kommentar vom 8. März 2010: „Ute und Psychologie“

Aus mir wäre wohl keine gute Psychologin im Beratungsdienst geworden. So lese ich im Seniorenratgeber als Frage an den Psychologen Hartwig Wennemar: „Ich bin ein geselliger Mensch und gehe gerne aus. Mein Mann bleibt lieber daheim. Wenn ich allein weggehe, ist er beleidigt. Was soll  ich tun?“

Einfache Antwort: Ihn zu Hause versauern lassen 😉

Wennemar gibt Tipps wie: Kompromisse finden ist wichtig, erklären Sie Ihrem Mann Ihre Wünsche, erklären Sie sich bereit, weniger auszugehen, schlagen Sie ihm vor, häufiger Freunde einzuladen. Schalten Sie ggf. eine dritte Person ein.

Ich stelle mir diesen Mann vor und sein Gesicht, wenn seine Frau auch noch Freunde einladen will. Der wahre Horror: Der Gute will nur tatenlos absacken, dass die Frau nicht stets zur Seite sein will, ist schon schlimm genug. Sich aber auch noch Leute auf die Bude laden? Das könnte zu einem Tobsuchtsanfall führen.

Aber mal im Ernst: Die anderen Punkte, die der Psychologe anspricht, sind nachvollziehbar. Dass der beschriebene Ehegatte aber alles andere will, als Leute um sich herum – außer seiner Frau – ist für mich offensichtlich.

Hier finde ich wieder einen ganz wichtigen Punkt außer Acht gelassen: War der Mann immer schon so? Wenn ja: Wieso ist sie bei ihm geblieben? Hat sie sich vielleicht verändert? Hat er sich verändert? Wenn ja: Was hat ihn so verändert? Haben sie da einmal mit ihm drüber gesprochen? Ist das wirklich der einzige Punkt, an dem die beiden sich reiben? Und wie gesellig ist die Frau  überhaupt, was verbindet sie mit dem Begriff, wie oft geht sie in der Woche aus?

Okay, meine Fragen sind sicherlich für so eine kleine Rubrik viel zu umfassend. Und ich bin ja auch keine Psychologin, nur Mensch 😉 Aber weil ich der Mensch Ute bin, kann (oder wie war das gleich: will?) ich so einen kleinen Artikel nicht lesen, ohne die Hörnchen auszufahren 😈

Der Seniorenratgeber

Kommentar vom 30. August 2009: Psychohilfe im Seniorenratgeber

Aus der Apotheke habe ich mir den Seniorenratgeber für August geholt. Mit vielen Rätseln. Toll, gell. Ansonsten sind die Themen nicht so schlimm, wie ich erwartet hätte – Schutz vor UV-Strahlen, Essen ist Medizin, Was Pflegebedürftige besonders belastet und Strandtage: Zeit für Spiele: mit den Enkeln am Meer. Zwar sind das jetzt nicht alles Themen, die Menschen ab 50 interessieren, ab wenn ich einmal von dem Wahnwitz absehe, dass auch dieser Seniorenratgeber die Zielgruppe ab 50 hat (also die meisten Politiker und Wirtschaftsbosse), sind die Themen ja für ältere Menschen interessant. In den Apotheken wird diese Zeitschrift übrigens als „Senioren-Bravo“ geführt – von der Zielgruppe selbst so genannt. Das gefällt 🙂

Gut gefiel mir die Ecke „Psychologie“. Hartwig Wennemar, Psychologe, gibt Rat auf Fragen. Heute fragt Sabine K. aus Ulm (vermutlich eine Seniorin, also kaum jung verheiratet): „Mein Mann gibt nie Trinkgeld. Ich finde das peinlich.“

Herr Wennemar gibt nun ausführlich Rat, wie Sabine ihren Mann behutsam über die Bedeutung des Trinkgeldes aufklären kann. Und ähnliches mehr. Und deshalb wäre ich nie eine gute Psychologin geworden – ich hätte nämlich zurückgeschrieben:

„Liebe Sabine. Sie sind doch sicher schon mit Ihrem Mann auch in einem Restaurant gewesen, bevor Sie ihn geheiratet haben. Wenn Sie ihn dann geheiratet haben, obwohl er so ein verbohrter Knauserich ist, da sollten Sie jetzt nicht nach 20 Jahren anfangen, an ihm rumzumäkeln, sondern einfach aus Ihrem eigenen Portemonnaie ein paar Münzen auf dem Tisch lassen.“