Die Schulzeit

Eingeschult worden bin ich in Delmenhorst. Damals wurden Kinder noch im Frühjahr eingeschult. Ein halbes Jahr später sind wir nach Gummersbach gezogen, weil mein Vater die Stelle gewechselt hat. Ich war als Kind extrem schüchtern, muss ich vorausschicken. Das hat sich lange gehalten, bis Mitte 20 etwa.

Vermutlich hat mich meine Mutter ein paar Mal begleitet, damit ich den Weg lerne. Der war gar nicht so schwer, aus dem Haus nach rechts, um die Ecke, links einen kleinen Berg runter und dann fast immer geradeaus bis zur Schule. Also verlaufen wäre sehr schwer gewesen. Auf der rechten Seite (vom Rückweg aus gesehen) waren Gärten, die mit so einem Drahtzaun (grün, der Draht bildete Rauten) zum Bürgersteig abgegrenzt waren. In einigen wuchsen diverse Bäume und Sträucher. Unter anderem ein Gewächs, dessen Blätter intensiv nach einer Apfelsorte riechen, wenn man ein Blatt zwischen den Händen zerquetscht. Es war aber kein Apfelbaum. Den Geruch habe ich heute noch in der Nase und erkenne ihn auf Anhieb wieder.

Woran ich mich erinnere, ist ein Tag, an dem ich aus irgendeinem Grund zu spät war. Alle waren schon in der Klasse. Alle Türen geschlossen. Kein Mensch weit und breit zu sehen, weder Erwachsene noch Kinder. Ich habe mich auf die Stufen im Flur gesetzt, die große Wanduhr im Blick, und mich einfach nicht in meine Klasse getraut. Schließlich bin ich weinend wieder nach Hause gelaufen. Meine Mutter hat mich dann wieder zur Schule gebracht. Vermutlich hat sie dem Lehrer (ja es war ein Lehrer, keine Lehrerin 🙂 ) das erklärt.

Was danach kam, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich auch nicht mehr an den Weg. Aber ich habe immer noch dieses verzweifelte Gefühl parat, wie ich auf der Treppe sitze, kein Mensch zu sehen, und ich weine, weil ich mich nicht traue, die Klassentür zu öffnen.