Endlich wieder… der Seniorenratgeber

1. Sep. 2016: Doppel-Effekt

Ich greife heute zurück auf das Editorial des Seniorenratgebers vom Juli 2016. Berichtet wurde dort, dass Gesundheit etc. besser sind, wenn Menschen im Alter mit einem Partner zusammenleben. Das ist nichts Neues. Die kleine Zwischen-Schlussfolgerung finde ich ein wenig abenteuerlich. So bekommen wir Dinge suggeriert, die eben durch nichts bewiesen werden. Frau Claudia Röttger schreibt als Chefredakteurin:

„Vermutlich hilft uns eine enge emotionale Bindung dabei, mehr auf uns zu achten.“ Hier war ich schon ein wenig unsicher. Man könnte genauso gut sagen, dass eine Zweisamkeit statt Einsamkeit die Stimmung hebt, was wiederum das körperliche Befinden positiv beeinflusst. Das ist auch weit weg von Esoterik und allgemein bekannt. Aber nein, sie fährt fort: „.. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker auch zu beherzigen und selbst langwierige Therapien durchzuhalten.“

Also wer das glaubt, scheint mir ein wenig einfach gestrickt. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker, nee, klar, die machen uns gesund. Sowas glauben, ist eine Sache. Aber so etwas zu schreiben, ist schon…. nun ja. Was soll man auch als überzeugte Apothekerin in einer von Apotheken finanzierten Zeitschrift sonst vielleicht sagen? Eine Lösung wäre – nichts. Einfach nur Fakten vorstellen 🙂

 

Gute Waffe gegen Diabetes

21. Juni 2014: Joghurt gegen Diabetes

Im Senioren-Ratgeber, der ja aus demselben Haus stammt wie die hier allseits beliebte Apotheken-Umschau, können wir auch wieder die tollsten kritischsten Beiträge lesen. So wie in der Ausgabe 6/2014 auf Seite 12 mit der Überschrift „Joghurt gegen Diabetes“.

Satz 1:
„Gesundheit zum Löffeln: Fettarmer Joghurt senkt offenbar das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.“
Man beachte hier das hübsche Wörtchen „offenbar“. Um die Bedeutung dieses Wörtchens zu illustrieren, setze ich es mal in einen Allerweltssatz ein: „1 plus 1 ist offenbar 2“. Stört das Wort da? Und wenn ja, warum wohl? 🙂

Satz 2:
„Darauf deutet eine britische Langzeit-Untersuchung über elf Jahre hin.
Aha, das sind natürlich Informationen, die das  enorm glaubhaft und transparent (durchschaubar) machen. Ich meine – elf Jahre ist eine lange Zeit. Sicher hat man 2000 Personen in zwei Gruppen geteilt, alle haben elf Jahre lang streng vorgeschriebene Kost zu sich genommen, die sich nur im Joghurt-Gehalt unterscheidet. Oder aber diese untersuchten Menschen haben unter Anwendung eines Lügendetektors ihr Essen detailliert aufgeschrieben. Ohne Gedächtnislücken. Schade, dass mein Lieblingswort „Studie“ hier durch „Untersuchung“ ersetzt wurde.

Satz 3:
Auch Hütten- und Frischkäse mit wenig Fett haben demnach einen vorbeugenden Effekt.“
Das ist jetzt hochinteressant. Hat man die 2000 Versuchskaninchen (denn ob die Studien bei Menschen, Ratten oder Mäusen durchgeführt wurden, hat uns auch noch niemand verraten) nun auch noch zusätzlich zum Joghurt mit Hütten- und Frischkäse – alles supermager – gefüttert? Wie war das nun mit den 2000 Probanden (= Studienteilnehmern): 1000 bekamen keine Milchprodukte, 1000 dieselbe Nahrung aber zusätzlich Magerjoghurt, -Hütten und -Frischkäse? Oder bekamen 500 die tiereiweißfreie Ernährung, 500 Joghurt hinzu, 500 Hüttenkäse hinzu und 500 Frischkäse?

Satz 4:
Über die Gründe rätseln die Forscher noch.“
Echt? Das erstaunt mich aber nun. Ich rätsel nicht so sehr an den Gründen, sondern an der Durchführung. Ich möchte nämlich gerne mal 500 Joghurtkandidaten mit 500 Tiereiweißfrei-Kandidaten vergleichen. Aber das interessiert Forscher natürlich nicht. Und die Milchindustrie ist an diesen Untersuchungen und ihren objektiven Ergebnissen auch sicher ganz wertfrei interessiert.

Britische Untersuchung… An einer Universität, in einer Schule? Finanziert vom Staat, der Milchindustrie, einer veganen Vereinigung oder wie? Was glauben wir da wohl?

Eine kleine Grippeimpfung gefällig?

5. Mai 2014: Impfen, Impfen, Impfen

Las ich doch im Seniorenratgeber (April 2014) einen schönen Artikel über „Masern mit 70“. Resümée: Weil Senioren Impflücken haben, sind sie für bestimmte Keime besonders empfindlich. Wobei die Tipps hier sich nicht, wie der Titel vermuten lässt, auf über-70-Jährige bezieht, sondern auf Menschen ab 60 Jahren. Welcher Rückschritt, wir hatten die Senioren doch schon bei ab 50 🙂

Also die Senioren haben Impflücken und bekommen deshalb Kinderkrankheiten. Kleine Anregung zum Nachdenken: Hätten die Senioren als Kinder einige Kinderkrankheiten bekommen, wie das früher üblich war, würden sie im Alter nicht daran erkranken. Aber das ist natürlich völlig Impf-blasphemisches Denken 🙂

Schön auch das Kästchen zu den Impfungen, die man ab 60 machen lassen sollte. Am besten gefällt mir ja die alljährliche Impfung gegen Grippe. Das wird ja wirklich immer so schön heruntergebetet, wie ein Rosenkranz. Es gäbe ja z.B. auch die Möglichkeit, Menschen ab 60 Jahren eine Ernährung zu empfehlen, die sie generell gesünder und weniger anfällig macht.

Typische Erkrankungen des Alters schwächen das Immunsystem der älteren Menschen. Immerhin – es wird nicht von Alterskrankheiten (die es nicht gibt, denn das Alter ist nicht notwendig mit Krankheiten verknüpft) gesprochen, sondern typischen Erkrankungen des Alters. Das mag ja sein. Ich lese die Liste mit Freude: Bluthochdruck, Arteriosklerose, Lungenleiden und Multimorbidität (= viele Krankheiten gleichzeitig). Mit Freude lese ich das deshalb, weil ich außer meinem Gallenleiden nix habe. Kommt aber bestimmt in den nächsten Tagen, den so ein Seniorenratgeber weiß das doch besser als ich 😉

Altersflecken

2. September 2012: Was tun gegen Altersflecken?

Diese Frage stammt nicht von mir, sie habe ich aus dem Seniorenratgeber 8/2012, Seite 76. Es werden dann auch verschiedene Methoden vorgestellt. Schuld sind zu viel UV-Strahlung, zu viel Putzen, zu wenig Pflege. Und schon nach dem ersten Einleitungsteil wissen wir, dass diese Pigmentverfärbungen etwas Übles sind, die wir gerne als Schandmal betrachten sollten. Sind sie frisch, helfen bleichende Pflegeprodukte, oder auch Entfernung per Laser.

Ich finde das pervers. Denn es zeigt, wie ernst es den Medien damit ist, das Alter und Älterwerden mit Selbstbewusstsein anzugehen. Anti-Aging, Anti-Altersflecken, es bleibt das Bestreben danach, die Alterzeichen zu entfernen. Wir müssen stets und ständig aktiv und frisch sein, bis uns dann irgendwann doch das Alter in Form von Alterskrankheiten und Demenz ans Bett fesselt.

Wann gibt es endlich ein normales Bild älterer Menschen, das zur Orientierung angeboten wird? Nicht diese aufgeschminkten Fassaden ohne Fehl und nur mit wohlgesetzten Fältchen. Jeder Mensch wird älter, das ist der Lauf der Dinge. In der Jugend machen wir uns darüber keine Gedanken, irgendwann ist es dann ein Schreckgespenst. Weil dem Altern heute Funktion und Normalität genommen ist. Jeder wird an sich die Zeichen des Älterwerdens feststellen können, seien es Falten oder graue Haare. Die damit verbundenen angeblichen Schwächen: Die dürfen wir, so finde ich, nicht akzeptieren! Altern ist nicht automatisch mit Gesundheitsverlust und Demenz verknüpft. Da erinnere ich gerne an die Ernährung, Bewegung und auch geistige Weiterentwicklung.

Ich fange bei mir selbst an und habe ein Bild für mich, wie ich weiter durchs Leben gehen möchte. Ich möchte die äußeren Zeichen des Älterwerdens als Preis sehen, nämlich als Preis für Dinge, die ich dazugewinne. An Einsicht, an Geduld, vielleicht eines Tages sogar an Weisheit. Der Spruch „Es gibt nichts umsonst in diesem Leben“ drängt sich da quasi auf.

Älterwerden führt zum Sterben, und das ist gut so, denn sonst würde die Welt noch schneller aus den Nähten platzen, als sie jetzt schon tut. Es wäre ein Alptraum, wenn Eltern noch älter würden. Es ist für die persönliche Entwicklung eines Menschen wichtig, dass die Eltern sterben, denn dann erst tritt das echte Erwachsenwerden ein. Ich kann das immer wieder an Freunden und Bekannten beobachten. Das Problem ist, dass wir das theoretisch alle einsehen – für andere. Nicht für uns selbst „natürlich“.

Es geht aber kein Weg daran vorbei und wenn wir uns die Hände mit Lasern weiß scheuern lassen: Es geht weiter und das fix. Solange wir uns selbst nicht akzeptieren, so wie wir sind, können wir als Ältere auch keinen Respekt von den Jüngeren erwarten, denn wie will ich respektiert werden, wenn ich mich selbst in meiner Ganzheit nicht akzeptiere?

Forever young…

24. Mai 2012: Der Seniorenratgeber und Anti-Aging

Den Seniorenratgeber vom Mai habe ich vor zwei Wochen gelesen. Ich war erstaunt: Diesmal wieder eine Ausgabe, wo ich mich nicht ernsthaft an irgendwelchen Aussagen stoßen musste. Gut, die Definition der verschiedenen Brotarten ist vielleicht nicht ganz im vollwertigen Sinne getroffen, aber es werden die unterschiedlichen Anteile (ein Roggenbrot muss mindestens 90% Roggen enthalten usw.) recht gut erklärt.

Gut gefällt mir auch die Definition für Blog, ich zitiere von Seite 14:
„Ein Blog ist eine Art Tagebuch, das der … Blogger in das Internet stellt und so öffentlich macht. Ob sich der Verfasser darin zu Politik, Mode oder gesellschaftlichien Fragen äußert: Typisch für Blogs ist, dass die Texte sehr persönliche Ansichten wiedergeben.“

Ein echtes Highlight, optisch und inhaltlich, ist der Artikel „Die Anti-Aging-Lüge“. Dort wird ganz klar gemacht, dass Nahrungsergänzungsmittel nur in Mangelsituationen und nicht als normale Tagesbeigabe sinnvoll sind. Hübsch die Bilder dazu, z.B. ein Broccoli, dessen linke Hälfte klar als Broccoli zu erkennen ist, während die rechte Hälfte aus roten Tabletten zusammengebastelt ist. In diesem Stil gibt es mehrere Bilder.

Da die Zeitschrift „Seniorenratgeber“ heißt, werden besonders Senioren und ihre Einstellung zu Nahrungsergänzung durchleuchtet. Und bedauert, dass ältere Kunden die „Notfalldienste“ der Nahrungsergänzungsmittel völlig falsch einschätzen. Die Frankfurter Apothekerin Erika Fink wird zitiert: „Es knirscht und knackt, die Sehkraft und das Gedächtnis lassen nach, und da erhoffen sich die Menschen von den Nahrungsergänzungsmitteln Abhilfe.“

Nun könnte man einlenken, Fink würde so tun, als litten alle alten Menschen unter diesen sogenannten Alterserscheinungen. Das tut sie genau genommen aber nicht, sie spricht nur die an, die eben unter gewissen Beschwerden leiden. Erika Fink ist übrigens Präsidentin der BAK (Bundesapothekerkammer) und da hätte ich doch entsprechend den üblichen Gepflogenheiten erwartet, dass sie eher für den Einsatz dieser Mittel plädiert.

Aufgedeckt wird in diesem Artikel auch, dass Nahrungsergänzungsmittel erstens im Gegensatz zu Arzneimitteln keine strengen Untersuchungen durchlaufen müssen und zweitens ihre Wirksamkeit nur in vitro, d.h. im Labor, nachweisen mussten. „Während der vorbeugende Effekt von gesundem Essen – etwa Obst und Gemüse – inzwischen erwiesen ist, ‚haben sich alle Hoffnungen zerschlagen, Vitaminpräparate könnten vor Rheuma, Krebs oder Herzkreislauf-Erkrankungen schützen.'“. Das ist doch schön, in einer Apotheken-Zeitung zu lesen! Wobei böse Zungen natürlich auch hier wieder behaupten könnten, dass die Apotheken auf diese Weise nur den Billig-Internet-Apotheken oder den Vitaminangeboten in den Drogeriemärkten den Boden unter den Füßen wegziehen wollen. Es macht aber keinen Spaß, immer nur Böses und Geldsucht zu unterstellen.

Ich fand den Artikel wohltuend zu lesen und er enthielt Einzelheiten aus Studien, die ich so zusammengefasst noch an keiner anderen Stelle gelesen habe. Es geht also 🙂

Esst Obst & Gemüse!

Kommentar vom 25. April 2011: 100 g Obst und Gemüse

Die Weisheit der Apothekenumschau ist schier endlos. In der Aprilausgabe des Seniorenratgebers gibt es eine Spalte mit Fragen zu Essen. Zum Beispiel die beliebte Frage, ob es stimmt, dass der Verzehr von Möhren gut für die Augen ist. Mir gefiel besonders die Frage „Reicht es, oft Obst und Gemüse zu essen?“

Der Seniorenratgeber antwortet: „Wer täglich etwa 100 Gramm buntes Obst und Gemüse isst, deckt seinen Bedarf.“ Hier wird übrigens nicht unterschieden zwischen Gekochtem und Rohem. Auch das finde ich witzig. 100 g… das ist ein kleiner Apfel. Eine mittelgroße rote Paprika. Das ist fast nichts.

Wie passt das zu der sonst häufig genannten Empfehlung, 5 Portionen rohes Obst und Gemüse am Tag zu essen? Wenn ich die 100 g auf den Tag verteile, esse ich dann jeweils eine kleine Apfelspalte. Wenn ich mir das vorstelle, wundert mich auch die folgende Empfehlung nicht: „Wer wenig Gemüse isst oder vegetarisch lebt, sollte sich wegen einer Nahrungsergänzung in der Apotheke beraten lassen.“ Ehrlich, ich frage mich: Wie schafft es ein Vegetarier, weniger als diese 100 g zu essen, zumal wenn es nicht vorgeschrieben ist, dass dieser Anteil roh ist?

Und wo ich gerade bei den Tipps des Seniorenratgebers bin, im selben Heft werden auch fünf gesunde (!) Varianten für „Stullen“ vorgestellt: Mit Hähnchen und Mango, mit Thunfisch und Tomaten, mit Möhren und Kresse (und Hüttenkäse), mit Garnelen, Birnen und Avocados, mit Feta und getrockneten Tomaten. Schon was aufgefallen? Genau, dreimal Fleisch, zweimal Käse. Die Dinger bersten mit Tiereiweiß. An dem Garnelenschnittchen locken mich ja nicht nur die rosa Biester: auch die Zutat „4 EL Salatcreme (fettreduziert)“ macht mich so richtig an… 👿

Och, der Opi, wie niedlich…

Kommentar vom 12. März 2011: Durch Verniedlichung degradieren

Auf einer der letzten Seiten des Seniorenratgebers vom März 2011 gibt es einen kleinen Artikel, ein nicht mehr junger Mann hält einen Säugling, beide strahlen. Neben dem Foto dann der Text: „Ulrich Katzenberger (56) wurde im August zum ersten Mal Opa.“

Mal wieder köstlich – der Seniorenratgeber hält also 56-Jährige, das sind Menschen, die noch mindestens 10 Jahre im Arbeitsleben aktiv sein werden, für seine Zielgruppe. Und dass der gute Herr Katzenberger langsam verkindscht, merken wir, wenn wir seinen begeisterten Text lesen, in dem er von seinem Enkelkind schwärmt. Kurze Sätze, in einem Stil, in dem kaum ein Erwachsener spricht. Der Clou aber bleibt die Bildunterschrift, die ich ja oben schon genannt habe. Warum wurde Herr Katzenberger denn nicht Großvater? Das Wort Großvater hat eine gewisse Würde, es lässt auf Weisheit und Gelassenheit schließen. Das Wort „Opa“ – wenn nicht vom Enkelkind benutzt, da ist das natürlich anders – auf einen erwachsenen Mann angewandt, erweckt Bilder von Hilflosigkeit, falschen Zähnen, einem Rollator und was es da sonst alles noch für Klischees gibt. „Opa, lass mich mal ran“, „Meine Güte, wie fährt denn dieser Opa“…. Sprüche, die wir häufig hören und die genau beschreiben, was ich meine.

So sieht Herr Katzenberger gar nicht aus. Wenn ich ihm in der Autowerkstatt begegnen würde, hielte ich ihn für einen kompetenten Sachbearbeiter. Er könnte auch Leiter eines kleinen Supermarktes sein. Da wird er also mit seinen wackeren 56 Jahren in die Ecke des sabbernden Greises gestopft….

Es wird ja immer so darüber geklagt, dass Deutschland ein kinderfeindliches Land ist. Kinder werden in den Medien ständig hochgespielt, da braucht sich keiner zu beklagen. Die gleiche mediale Unterstützung für höhere Altersgruppen und alte Menschen vermisse ich.

Gesundes Essen: Tipps aus dem Seniorenratgeber

Kommentar vom 4. Juli 2010: „Gesunde Esswaren im Seniorenratgeber“

Im Seniorenratgeber von Juni gab es in der Rubrik Essen & Trinken einen Artikel zu gesunden Lebensmitteln. Diese Themen interessieren mich ja stets. Es ging um diverse Dinge wie Wasser, Tomaten, Ölsamen usw. Das liest sich alles ganz vernünftig, wenn mir auch zu betont gesundheitsbewusst. Ich will doch Dinge nicht nur danach aussuchen, dass sie gesund sind. Vielmehr stelle ich mir meine Ernährung so zusammen, dass ich die Dinge, die ich gerne esse, aus der richtigen Ecke wähle. Das ist für mich ein Unterschied. So bin ich zum Beispiel kein großer Brokkoli-Fan, und wenn ich ihn nicht ab und zu in der Biotüte hätte, würde ich ihn vermutlich nie essen – auch wenn er hier groß herausgestellt wird als ein extrem gesundes Gemüse. Der Absatz zielt aber eigentlich auf Kohl allgemein ab. Was ich wieder interessant finde – offenbar traut sich die Redaktion des Seniorenratgebers nicht so recht, einfach den „Kohl“ zu empfehlen.

Das liegt vermutlich daran, dass die Redaktion dieses Magazins jünger ist als die Zielgruppe. Die über 50-Jährigen haben nämlich noch keine Scheu vor Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl – sie kennen ihn als Gemüse, das für viele Dinge gut ist. Es ist ja eine traurige Erscheinung der Neuzeit, dass die Zahl derer, die hilflos vor einem Weißkohl stehen, ständig wächst. So lässt sich durch die Formulierung eines an für sich ja gar nicht so schlechten Tipps ein schöner Rückschluss auf die Verfassser ziehen 😉

Alles wird uns natürlich auch wieder quellenlos vorgestellt. Dass „gute“ Fette wichtig sind, hätten weltweit Studien ergeben, keine einzige wird genannt. Dies unter der Überschrift „Rapsöl“, das angeblich eine rundherum gelungene Mischung ist. Großzügigerweise werden uns auch noch Oliven-, Nuss-, Soja- oder Leinöl als „auch nicht schlecht“ angeboten. Dass ein gutes Öl kein Billigöl sein kann, wird uns nicht verraten. Stürzen jetzt alle Senioren in die Discounter und kaufen herrlich industriell verhunztes Rapsöl? Ganz abgesehen von der Betonung des Rapsöls. Irgendwie lässt mich die Frage nicht los, warum Rapsöl hier so als besonders gesund angepriesen wird. Dabei steht doch gar nicht „Anzeige“ auf dieser Seite 😉

Auch der nächste Absatz braucht die Überschrift „Anzeige“ (der Fischfangindustrie). Wieder einmal wird uns hier der Fisch als Nonplusultra auf den Tisch geschmissen. Wegen der Omega3-Dingelchen. Aber hatten wir nicht gerade noch vor wenigen Tagen herausgefunden, dass Lein- und Walnussöl viel mehr davon besitzen als Fleisch? Erstaunlich, dass die Redaktion des Seniorenratgebers das nicht einmal in Wikipedia nachgeschaut hat. Wie gesagt, wenn es eine Anzeige wäre…. Nein, nein, natürlich verdächtige ich KEINESWEGS die Redaktion, das sie vielleicht für Rapsöl und Fischfang „geschmiert“ wird. Das würde ich nie tun, denn sicher würde mich dann die Redaktion auf dem Rechtsweg verfolgen. Und wer will das schon auf sich ziehen? Wir bekommen wieder einmal den Rat auf den Weg, „ein- bis zweimal pro Woche Heringe, Makrelen, Thunfisch oder auch Lachs aufzutischen“. Ein toller Tipp, denn dann werden die ganzen Schwermetalle in diesen Fischen an die Senioren verfüttert, und bei denen ist das jetzt nicht mehr so schlimm, oder?

Ups. Was schreib ich denn da Böses. Sicherlich meint es der Seniorenratgeber nur gut mit seiner Leserschaft.

Oh und auf der nächsten Seite entdecke ich dann die Walnüsse, die auch Omega-3-Fettsäuren liefern. Da kommt ein ganz interessanter Satz: „Ihre [der Walnüsse] Omega-3-Fettsäuren sind zwar nicht ganz so hochwertig wie das Fischöl, doch der Mensch ist in der Lage, sie in hochwertige umzuwandeln.“ Ja, wenn ich die Walnussöle in hochwertige umwandeln kann, warum muss ich mich dann voll mit Fisch stopfen? Ach so, damit die Fischfangindustrie nicht am … Ups, sorry 😛

Die Passage zum Fleisch mag ich nicht mehr vorstellen. Die ist so bodenlos dumm, das ich das einfach nicht mehr lesen mag 🙂

Brukers Spuren

Kommentar vom 16. Juni 2010: Als hätte Bruker nie gelebt und etwas gesagt…

Und noch einmal muss der Seniorenratgeber vom Mai herhalten. Es gibt in der Rubrik „Essen & Trinken“ einen Beitrag, wie man gesund isst, um mehr Ballaststoffe zu bekommen, also Korn, Gemüse und Obst zu sich nimmt. Die Vorteile einer solchen Ernährung werden recht gut herausgearbeitet. Dann werden aber die alten Vorurteile wieder aus der Wissenskiste ausgegraben und wie Wahrheiten präsentiert.

„…wer von heute auf morgen seinen Ernährungsplan ändert, muss mit Nebenwirkungen rechnen. […] Da ein Teil der Quellstoffe bakteriell umgewandelt wird, quälen vor allem zu Beginn der ungewohnten Kost vermehrt Darmgase und ein unangenehmes Völlegefühl. Also immer mit kleinen Mengen anfangen.“

Dabei war es doch Brukers großer Verdienst herauszufinden, dass es die Zivilisationskost ist, die die Vollwert unverträglich macht und es daher besonders wichtig für empfindliche Menschen ist, konsequent umzustellen! Bei empfindlichen Menschen reichen sogar Honig und Trockenfrüchte aus, um Beschwerden auszulösen. Wer aber wirklich alle Zivilisationskost beiseite lässt, kann ohne Probleme sofort umstellen. Dass das viele nicht machen, weil es einfach aus psychologischen Gründen nicht so einfach ist, alte Gewohnheiten aufzugeben, steht ja auf einem ganz anderen Blatt. Von den vielen Tausend Patienten, die Bruker in seiner Klinik direkt umstellte – bekam kein einziger Probleme.

Ein weiteres ‚Highlight‘ des Artikels ist dann schon fast von kindlicher Denkweise geprägt: „Ein großes Problem für viele ist auch, dass Körner, Fasern, Schalen im Mund zerkleinert werden müssen.“ Dieser großartige Satz stammt von der Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der DGE. Aber sie hat Hilfe parat, auch für Prothesenträger: Vollkorntoast statt Weißmehltoast. Nee, klar. Und der Tipp zum Schluss ist auch Klasse: Es gibt ja feine Instant-Schmelzflocken (völlig denaturiert und industriell verarbeitet), oder Weizenkleie und Leinsamen, die wir in den Morgenjoghurt (!) rühren können.

Übrigens, aber das hat die DGE vermutlich noch nie, nie, nie gehört: sehr fein geschrotetes Getreide, über Nacht eingeweicht, mit geriebenem Apfel, Nüssen und zerdrückter Banane sowie etwas Sahne kann jeder essen. Und ganz zufällig entspricht das doch auch noch – dem Frischkorngericht. Potzblitz 🙂

Senioren an den PC?

Kommentar vom 31. Mai 2010: „Senioren und Computer“

Ach ja, der Seniorenratgeber ist immer wieder eine Quelle wunderbarer Lektüre für mich. Diesmal heißt die Überschrift „Surfen für Senioren“. Und auf dem dazugehörigen Foto sehen wir die rheumatische Hand einer wirklich alten Frau auf der Laptop-Tastatur. Der Artikel führt nun heiter durch die Vorzüge des Internetlebens auch für die Rentner und Rentnerinnen. Auf der zweiten Seite sehen wir vier kleine Bildchen, die gezeigten alten Menschen sind alle gut über die 70. Aber die Bildunterschrift lautet „Mehr als 1,6 Millionen ab 50-Jährige wollen 2010 erstmal den Schritt ins Internet wagen“.

Ein Unding dieser Satz. Wieder einmal werden 50-Jährige – die ja noch mindestens weitere 15 Jahre im Berufsleben stehen werden – als Senioren einsortiert. Ich sag’s ja – bald wird dieser Begriff für die Ab-40-Jährigen genommen! Aber herb finde ich den Zusammenhang. Wer heute 50 Jahre alt ist, hat unweigerlich, wenn er nicht ein ganz seltenes Exemplar Mensch ist, schon kräftig in seinem Leben mit Computern zu tun gehabt. Ich glaube nicht, dass von diesen 1,6 Millionen auch nur wirklich eine nennenswerte Zahl der 50-Jährigen erste Schritte ins Internet tut. Das ist doch Quatsch! Und somit auch eine völlig uninteressante Information. Wenn es 1,6 Millionen der Menschen ab 70 Jahre wären, da könnten wir noch staunen. Aber Computer-Kenntnisreiche zusammenzuwürfeln mit Computer-Neulingen, das ist einfach unverschämt.

Ich selbst kaufte meinen ersten Computer 1983 oder 1984. Meine ersten Online-Schritte unternahm ich im BTX. Das Internet, es ist schwer, mich da an eine Jahreszahl zu erinnern, wurde für mich so etwa 1996 von Interesse. Das war vor 14 Jahren. Das heißt, die angesprochen 50-Jährigen waren damals 36 Jahre alt!!! Und in diesen 14 Jahren haben sie keinen Schritt ins Internet unternommen? Selbst die heute 60-Jährigen waren damals 46. Rechnen ist nicht jedermanns Sache, und wenn Jungreporter Artikel verzapfen, recherchieren sie wohl nicht oder können nicht rechnen. Ich mach das gerne an ihrer Stelle 🙂