Raffgier, Geiz und Co. (Teil 2)

30. März 2012: Und noch mal raffig..

Sehr schön zum Thema passt der Link, den mir eine Leserin letztlich zukommen ließ: Die Zeit

In Youtube fand ich vor gar nicht langer Zeit folgenden Kommentar zu einem Rezeptfilm vor:

„Ich suche schon ewigkeiten eine Knetmaschine für Brotteig. Die meisten haben noch zusatzfunktionen die ich nicht möchte. Will einfach nur kneten. Dann habe ich deine im Video gesehen. Dachte mir, die sieht super aus. Einmal schnell gegooglet und ich bin vom glauben abgefallen. 1.500€ für ne Knetmaschine? Gibt es sowas auch zu vernünftigen Preisen? „

Ich habe dann erst einmal geantwortet: „Wie definierst du einen vernünftigen Preis? Nach dem Motto „Geiz ist geil“ oder „Qualität hat ihren Preis“? Diese Maschine kann 6 kg Teig verarbeiten und ist unverwüstlich. Wenn du etwas für weniger Teig suchst, was anfälliger ist, kannst du sicher im Internet fündig werden.“

Niemand schreit auf, wenn ein Ferrari deutlich mehr kostet als ein kleiner Fiat Panda. Da zucken die Leute mit den Achseln und sagen – ja, ein schönes Auto, hätte ich auch gerne, aber meine finanzielle Lage erlaubt es mir nicht. Vielleicht packen sie sich auch an die Stirn und sagen: Meine Güte, nie würde ich für ein Auto so viel Geld ausgeben! Wer aber kommt daher und sagt: Gibt es einen Ferrari auch zu vernünftigen Preisen?

Ich bin keineswegs dafür, immer das Teuerste oder nur das Teure zu kaufen. Aber das gewisse Dinge einfach viel kosten – das habe ich begriffen. Echte Lederschuhe (sorry hier für die mitlesenden Veganer), handgenäht, sind natürlich auch teurer als Nachwerfware vom Discounter. Heute werden diese teueren Dinge häufig auch noch immer teurer, weil die Nachfrage zurückgeht. Die Nachfrage geht nicht etwa deshalb zurück, weil die Leute alle (!) kein Geld mehr haben, sondern weil sie nix mehr für gute Sachen ausgeben wollen.

Andererseits gibt es Bereiche, wo sich die Leute das Geld aus der Tasche ziehen lassen, dass es nur so kracht. Das lässt sich besonders an der Rohkostszene erkennen: Nix ist teuer genug, wenn es aus Thailand eingeflogen werden kann, und irgendeine bekloppte Alge, die freiwillig sonst niemand essen würde, wird zu Kilopreisen verscherbelt, dass man meinen könne, es sei reines Gold. Dies ist jetzt ein überzogenes Beispiel und keineswegs ein Angriff auf alle Rohköstler – ich kenne einige, die sind Rohköstler aus Überzeugung, und nicht weil es gerade hip ist. Aber gerade hier auch noch ein schönes Beispiel: Da kaufen die Leut‘ Mandeln zu einem ungeheuren Kilopreis, weil „Rohkostqualität“ drauf steht. Ich kaufe meine Mandeln nach wie vor bei der Birlin-Mühle, zu deutlich niedrigeren Preisen. Die sind auch niemals erhitzt worden, aber nicht als „Rohkost“ deklariert. Außerdem schmecken sie mir viel besser als die von jenem ersten Versender, aber gut, das ist vielleicht auch Geschmackssache.

Ein Manz-Herd kostet ne Menge Schotter, und auch eine Knetmaschine von Häussler ist kein Produkt, das wir demächst im Discounter bewundern dürfen. Eine Knetmaschine habe ich mir geleistet, ein Manz-Herd ist mir zu teuer. Wohlgemerkt: MIR zu teuer, nicht an sich. Ich habe ja ein Seminar bei Manz besucht, von übermäßigem Reichtum war dort nichts zu sehen. Denn Qualität ist die Folge sorgfältiger Arbeit – und die kostet nun einmal.

Hier passt auch, was ich vor ein paar Wochen bei einem Treffen mit einem guten Freund erlebte, mit dem ich alle paar Monate mal essen gehe. Er ist mit seinem Arbeitsplatz nicht sehr zufrieden, er fühlt sich auch im Vergleich zu Kollegen unterbezahlt, so führte er einige Minuten aus. Ist er sicher auch, denn ich kenne ihn gut und weiß, wie er sich für den Job viele Jahre engagiert hat, erfolgreich – für die Firma. Nachdem wir dieses Thema abgeschlossen hatten, erzählte er eine Weile später ständig darüber, wo er diese und jene Schnäppchen gemacht hat. Hmmmm. Es ist mir so direkt gar nicht aufgefallen, eher im Nachhinein: Wie will ich für meine Arbeit entsprechend entlohnt werden, gleichzeitig für anderer Leute Qualitätsarbeit aber möglichst gar nichts ausgeben? Das geht nicht!

Service wird beweint, aber zahlen dafür? Nö. Da habe ich schon 3 Mal in einem guten Online-Shop gekauft, hervorragender Service, aber jetzt beim nächsten Mal habe ich das gesuchte Teil doch wirklich für 50 Cent billiger woanders gefunden! Potzblitz, da gehe ich doch nicht zum bewährten Händler…

Gute Lebensmittel dürfen nix kosten, aber der Döner auf der Hand ist umgerechnet so teuer…. aber darüber denkt keiner nach.

Herabgesetzte Lebensmittel

Kommentar vom 26. November 2010: Niemand will billige Bananen

Dieser Tage war ich beim kleinen Supermarkt um die Ecke einkaufen, mir fehlte ein Salat, außerdem wollte ich mit Bananen aufstocken, um etwas für diverse Eissorten einzufrieren. Gerade für Eis und Shakes ist es ja besser, wenn die Bananen etwas reifer sind. Rechts neben dem großen Obst- und Gemüseregal stehen immer ein paar Kisten mit weniger schönen Dingen. Ich wusste nicht, ob die zum Wegwerfen oder Verschenken oder wozu auch immer gedacht waren. Also fragte ich die Verkäuferin, die dort gerade frische Ware einräumte: „Das sind die alten, fleckigen Bananen, die gibt’s zum halben Preis.“ Ich staunte, für meine Augen sahen die nämlich gar nicht so schlecht aus. Normalerweise lasse ich die frischen Bananen extra liegen, damit sie etwas süßer fürs Eis werden. Okay, ein paar braune Stellen, reif, aber noch keinesfalls „hinüber“ – wobei die zum Süßen in der Rohkost ja gerade besonders vorteilhaft sind.

Ich packte also eifrig ein, fast zwei Kilogramm. Bezahlt habe ich 80 Cent. Zu Hause habe ich bis auf zwei Stück alle geschält, in Scheiben geschnitten und eingefroren. Dabei stellte ich fest, dass die meisten Bananen innen völlig in Ordnung waren. Einige hatten kleine Druckstellen, die sich leicht wegschneiden ließen. Während ich da so meiner Tätigkeit nachging, ließ mich der Gedanke nicht los: Wieso war dieser Karton mit Bananen nicht leer, als ich um ca. 14.30 Uhr kam? Gerade in diesem kleinen Markt kaufen viele Menschen, denen man ansieht, dass sie nicht viel Geld haben. Wieso stürzen die sich nicht auf diese tollen Bananen? Ich weiß zwar, dass es Menschen gibt, die partout nur Bananen mögen, die noch rübenartig sind. Ich war früher selbst so. Aber das trifft doch nicht für alle Menschen zu. Ähnliches gilt übrigens auch für die Angebote von Bäckern, die Brot nach 17 Uhr für den halben Preis verschleudern. Wird ihnen das aus der Hand gerissen? Mitnichten! Vielmehr ist es mittlerweile üblich, dass Bäckereien ab 17 Uhr (trotz Ladenschluss 18.30 Uhr) gar kein Brot mehr haben: Denn sie wissen, dass Reste abends weggeworfen werden müssen.

Ich habe für 80 Cent acht oder neun Bananen gekauft. Da zieht der Spruch „Wir leben in einem Land, wo Schokolade billiger ist als Obst und Gemüse!“ nicht mehr. Der stimmt nur, wenn wir so quatschig und verwöhnt sind, dass wir nur Obst und Gemüse der Klasse Ia zu essen bereit sind.

Ich frage mich: Warum sind solche Kisten nicht innerhalb von 10 Minuten leer gekauft? Warum bringt die Tageszeitung nicht einmal einen Bericht über diese Billigaktionen und wie wenig sie genutzt werden?

Wir brauchen uns dann auch nicht zu wundern, wenn die Gentechnik überall Einzug halten wird. Denn auch hier sind wir nicht nur eine Masse von Menschen, über deren Köpfe hinweg Profit gemacht wird. Wir bestimmen mit, was gekauft wird und was nicht. Wenn auch kleine etwas schrumpelige Äpfel, Bananen mit kleinen Flecken, Gemüse mit Druckstellen wenigsten in Billigaktionen blendend verkauft werden, ist doch der Druck, nur perfektes Obst und Gemüse anbieten zu können, viel geringer.