Sonnentor – dritte und letzte Folge

Nachdem zwei Leser nachgehakt haben, hat Sonnentor geantwortet. Wie ein Rechtsanwalt – sich Unwesentliches herauspicken und sich selbst ständig auf die Schulter klopfen.

SONNENTOR Liebe Ute-Marion, der empfohlene Verkaufspreis der SONNENTOR Aufgussbeuteltees liegt zwischen 3,29 und 3,89 EUR. Somit liegt der RefugeesWelcome-Tee dazwischen. Einen Vergleich mit den Chiasamen (kein Tee!) zu setzen ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Beim RefugeesWelcome-Tee verdient niemand etwas – nach Abzug der 20% MWSt bleibt soviel übrig, dass wir und die Bioläden die Kosten gedeckt haben. Du kannst ihn kaufen oder auch nicht – dieses Produkt trägt sicher nicht zu unserer Bereicherung bei. Wir sind auf jeden Fall unheimlich stolz, mit welchem Engagement unsere KollegInnen diese Idee eines Fans umgesetzt haben und die Organisation von Ute Bock freut sich über die Spende – und das soll am Ende zählen. Wir spenden übrigens jedes Jahr finanzielle Mittel und Produkte – gesamt sind das rund 100.000,- EUR. Wer sich näher informieren möchte, kann das gerne in unserem Gemeinwohl-Bericht ab Seite 60. https://www.sonnentor.com/Untern…/Nachhaltigkeit/Downloads Sonnige Grüße, Sonja

Ute-Marion Wilkesmann an SONNENTOR Für diese Antwort, in der ihr nur wieder euch selbst lobt, habt Ihr mehr als 24 Stunden gebraucht, bis noch zwei Leser nachgehakt haben? Es geht hier übrigens um Kilopreise, nicht Packungspreise. Ich bin nicht beeindruckt von so viel Weichspülerei. Bei „Chia“ habe ich mich vertippt, es ist „Chai“ zu lesen (Chai-Gewürztraum bio). Was Ihr alleine anhand des von mir angegebenen Preises auch sehr wohl hättet sofort sehen können, eure Antwort ist also zusätzlich unlauter.

Liebe Ute-Marion, wenn du das so siehst, ist es deine Meinung und OK – wirtschaftliche Interessen stehen sicher nicht im Vordergrund und dagegen verwehren wir uns. Wir sind nur Menschen und können nicht immer gleich auf alles antworten – …und ja: manchmal passiert es, dass ein Kommentar übersehen wird. Wir wünschen dir jedenfalls eine gute Zeit – mit oder ohne SONNENTOR.
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Ute-Marion Wilkesmann Es ist nicht meine Meinung, es ist ein Rechenexempel. Und die Mehrwertsteuer hinzusetzen, ist ebenso unlauter, denn die wird auf JEDEN Tee bezahlt. Das würde heißen, Ihr zahlt bei anderen Tees sonst zu? Hahaha. Der Kilopreis des Refugee-Tees ist 16,16 und der vom anderen Gewürztee 9,14 (z.B. auch Roibosch). Aber ich hab jetzt echt genug von dieser Weichspülerei und Selbstbelobigung, keine Sorge, ich werde hier nicht mehr laut rechnen.

Mir reichts jetzt echt, ich werde auch Kommentare von Sonnentor ungelesen als „gelesen“ markieren. (Mittlerweile habe ich dank eines Lesers eine richtige Funktion dafür entdeckt: „Deaktiven“. Wunderbar 🙂 ) Natürlich können sie nicht zugeben, dass sie an dem Tee verdienen 😉 Aber sie sollen doch bitte nicht die Leser für so doof halten, dass die Erwähnung von 20 Prozent Mehrwertsteuer uns alle in die Knie zwingt. Mehrwertsteuer wird auf alles gezahlt, wie ich im Kommentar sagte. 

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Sonnentor Folge 2

Da ich es nicht gut finde, mich nur „hinter dem Rücken“ zu beschweren, dachte ich gestern: Okay, Sonnentor ist in Facebook und stellt dort den Refugee Welcome-Tee vor, da kann ich auch dort entsprechend kommentieren.

Man muss schon eine Weile scrollen, bis man zu dem Beitrag kommt. Meinen Kommentar schrieb ich gegen 8 Uhr:

„Wo ist da die Spende von Sonnentor? Der Packungspreis liegt bei 3,49 Euro, bei vergleichbaren Tees liegt der Packungspreis bei 3,29 Euro. ABER der Kilopreis für den so benannten Refugee-Welcome-Tee liegt bei 16,16 Euro, bei einem Chia-Bio-Gewürztee bei 9,19 Euro. Darf ich mich da wundern? Warum nicht einfach einen der normalen Tees nehmen und auf den Normalpreis 1,50 Euro spenden? Warum nicht die Verpackungsfreigrenze senken oder abschaffen, wenn man diesen gutmenschlichen Tee bestellt?“

Zwei Stunden später hat noch jemand kommentiert, nämlich:

„Ganz ehrlich, wenn ich spenden will, dann spende ich. Diese Spende durch die Hintertür finde ich echt am Thema vorbei! Und wenn Sonnentor spenden will, dann soll es das bitte auch EINFACH SO tun

Und jetzt wird es spannend. Auf den späteren (!) Kommentar antwortete Sonnentor:

Danke für deine Meinung XXX. Der Tee war die Idee unserer Fans und Kunden. Wir fanden diesen Anstoß super und sind dem Wunsch gleich nachgegangen. Gerne kann jeder auch direkt spenden. Viel Sonne

Ich kriege ja immer schon Brechreiz, wenn ich so etwas Weichgespültes lese, sorry. Mein Kommentar wurde bis jetzt (7 Uhr, 14. Okt.) also 23 Stunden später, nicht von Sonnentor beantwortet. Dass sie ihn nicht gesehen haben, gibt es in Facebook nicht, wenn du eine Seite hast. Entweder siehst du jeden oder keinen.

Diese Reaktion spricht für sich. Vermutlich wollen sie es aussitzen, so wie auch Politiker Probleme einfach aussitzen, statt zu agieren und hoffen auf weitere Kommentare, die meinen nach unten schieben, und andere neue Beiträge, die den ganzen Beitrag nach unten drücken, da guckt dann sowieso nie wieder jemand hin.

Hinter dem süßlichen Geschwafel steckt also auch nur der Drang zum Geld. Ich habe nichts dagegen, dass jemand Geld verdienen möchte, aber man muss es ja nicht mit seichtem Gutmensch-Gebrabbel verleugnen und zusätzlich die Käufer über den Tisch ziehen.

Nun ja, ich streiche die Firma Sonnentor aus meinem Repertoire möglicher Hersteller. Was soll da jetzt noch großartig kommen?

Kriegsgewinnler

Es war allen klar, oder? Irgendjemand möchte sich an den Flüchtlingen eine goldene Nase verdienen.

Ein Beispiel einer Frau aus meinem Bekanntenkreis: Sie wohnt hier in einem sozialen Wohnungsbau“silo“, schon seit Jahrzehnten sozialer Brennpunkt. Dort gibt es sehr viele Leerstände, weil selbst Sozialmieter keine Lust haben, diese renovierungsbedürftigen Wohnungen zu beziehen. Dreimal dürft Ihr raten, was passiert: Den jetzigen Mietern wurde angekündigt, dass die Leerstände nun von Flüchtlingen bezogen werden. Und wie lesen wir auch immer wieder? Dass die Gemeinden selbstverständlich ortsübliche Mieten bezahlen. Ja, Besitzer eines großen Gebäudes müsste man jetzt sein, an dem man lange nix mehr gemacht hat. Die Nase juckt.

Natürlich macht auch die Biobranche nicht Halt. Da gibt es zum Beispiel den überaus peinlichen „Refugee Welcome“ Tee von Sonnentor (hier). 1,50 Euro spendet Sonnentor für jede verkaufte Packung. Die Packung ist 20 Cent teurer als andere Teepackungen mit Beuteltee. Klingt gut, nicht wahr? Sonnentor spendet 1,30 Euro und der Käufer zahlt 20 Cent mehr?

Nö. Ich habe einen anderen Tee zum Vergleich genommen. Der Refugee Welcome-Tee hat einen Kilopreis von 16,16 Euro, ein Chia Gewürztee Bio (Packung: 3,29 Euro) kostet 9,19 Euro pro Kilo. Klingt schon nicht mehr so beeindruckend, oder?

Die Portofreigrenze liegt bei 30 Euro. Die ändert sich z.B. nicht, wenn ich diesen Tee ins Körbchen packe (gerade probiert), der Satz: „Ab 30,- Euro (brutto) Warenwert stellen wir Ihre Bestellung in ganz Österreich und Deutschland versandkostenfrei zu. Liegt der Warenwert darunter, werden 5,90 Euro innerhalb Österreichs und 7,90 EUR innerhalb Deutschlands für den Versand verrechnet. Die Bearbeitungs- und Zustellkosten für weitere Länder finden Sie hier.“ bleibt unverändert.

Aber mit so einem hübschen „Refugees Welcome“ (warum eigentlich nicht ‚Seid-gegrüßt-Flüchtlinge‘? ist das zu deutsch? 😉 ) kann man natürlich den Kunden das Geld viel besser aus dem Täschchen locken.

Wer weitere Beispiele für Abzockerei über Flüchtlinge kennt, immer her damit.

Zutaten

8. November 2013: Zwiebelpuffer

Was erwartet Ihr, wenn ich über ein Rezept schreibe „Zwiebelpuffer“? Also ich tippe, dass Ihr damit rechnet, dass dieses Rezept hauptsächlich Zwiebeln enthält. Das ist natürlich heute mit den Benennungen anders. Ein Erdbeerjoghurt enthält manchmal die Erdbeere nur im Namen. Ein Schnitzel, wie ich aus dem letzten Urlaub und meiner Flugreise weiß, auch nur etwa 70 % Fleisch. Aber immerhin – da ist der größte Anteil doch noch Fleisch.

Was erwartet Ihr, wenn Ihr einen Tee kauft mit Namen „Blütenduft“? Okay, dass er nach Blumen duftet. Enttäuscht, wie wir von der Industrie sind, erwarten wir vermutlich nur Aromen. Und deshalb kaufen wir gerne Bio, weil wir davon ausgehen, dass dort die Bezeichnung anders ist. Dass der namensgebende Teil nicht immer der überwiegende Bestandteil ist, ist mir auch klar. Wenn ich einen Bärlauch-Aufstrich kaufe, weiß ich, dass ich vorwiegend Wasser und Sonnenblumenkerne kaufe. Aber einen Anteil von 10 bis 15 % des namengebenden Teils erwarte ich schon, nicht nur ein Bruchteil. Auch bei Kräutersalz ist der Kräuteranteil vielleicht bei 8 %. Aber es stehen ja auch Kräuter und Salz beide im Namen.

Zum Glück ist ja vorgeschrieben, dass die Reihenfolge der Zutatenangaben auf Verpackungen sich nach ihrer Menge richtet: Das, was in der Liste ganz oben steht, ist auch gleichzeitig der größte Anteil.

So, nun geht’s ans Konkrete 🙂 Vor ein paar Wochen bekam ich ein Tütchen geschenkt, darauf steht „Gute Laune – Gewürz-Blüten-Zubereitung“ darunter in Englisch „Cheery Blossom Spice Blend“ [cheery = fröhlich; Blossom = Blüten; Spice = Gewürz; Blend = Mischung]“. Interessant schon, die Umstellung: Im Deutschen stehen die Gewürze vorne, im Englischen die Blüten. Ich dachte erst, das sei ein Tee. Aber ein intensiverer Blick sagte mir: Oh, ein Gewürz von der Firma Sonnentor, offenbar voller Blüten und Gewürze. Nun kommen wir mal zu den Zutaten, wie sie auf der Packung aufgeführt sind:

Meersalz
Knoblauch
Bärlauch
Oregano
Basilikum
Rosmarin
Thymian
Ringelblumen
Rosenblüten
Kornblumen

Das sind 10 Zutaten, da wird rechnen einfach. Es können maximal alle Zutaten zu 10 % in der Zubereitung sein, eher aber wohl weniger. Meersalz, Knoblauch und Bärlauch bestimmen die Kombination, die hochgepriesenen Blüten kommen ganz am Ende. Wie viele Prozentchen sind das wohl noch?

Vielleicht nehme ich das zu genau? Mag sein. Aber ein Blick auf Inhaltsangaben sollte immer mit bewusstem Auge geschehen. Ich habe das Gewürz auch probiert. Ja, eine leckere Mittelmeer-Knoblauchmischung. Räusper… Blüten erschienen mir da für nur Alibi…. Da es aber lecker schmeckt, habe ich mir eine „normale“ Packung gekauft – und siehe da, dort ist die Reihenfolge der Zutaten schon anders, das Salz steht ganz weit unten.

Da war ich dann beruhigt, denn Sonnentor ist ja (noch) ein Garant für Qualität. Warum sie sich ein Eigentor schießen? Keine Ahnung. Aber wer guckt auch schon so genau auf Kleinpackungen? 😉