Gekeimt getrocknet

7. Dez. 2013: Gekeimtes fertig

In den Rohkost-Shops entdecke ich etwas Neues: Fertiggekeimtes. Nicht etwa, wie wir das aus dem Bioladen gewohnt sind, also frisch gekeimt. Nein, sondern gekeimt und dann getrocknet – bei Rohkosttemperatur unter 42 °C. Und daher, so heißt es dann immer, sind natürlich alle Vitalstoffe erhalten geblieben.

Äh, wie bitte? Diese ganze Trocknerei ist etwas, das mich an der heutigen Rohkost enorm nervt. Trocknen ist ursprünglich eine Konservierungsart, um Überschüsse haltbar zu machen. Weder ist es ein Ersatz für Frisches noch gar besser. Schaut man sich heute Rohkost-Bücher an, scheint Rohkost gar nicht mehr möglich ohne einen Dörrapparat. Manche nennen ihn – was ich noch eigenartige finde – Rohofen. Rohofen gibt’s nicht, man schaue sich dazu nur einmal den entsprechenden Artikel von Wikipedia an: hier.

Wer Rohkost machen will, kommt mit einem Messer aus. Okay, das ist jetzt sehr einfach. Aber leckere Rohkost kann ich schon mit einem Messer, vielleicht einer Elektroraspel und einem kleinen Mixer herstellen. Da kann ich von Konfekt bis zu gefüllten Gemüserollen alles herstellen, was das Rohkostherz begehrt. Ein Rohkostherz, das unbedingt auch einen Dörrapparat sein eigen nennen muss, hat das mit der Rohkost nicht wirklich verinnerlicht.

Klar, es macht Spaß, hin und wieder auch mal kleine Speisen unter Einbeziehung eines Dörrgeräts herzustellen, aber Spaß soll es bleiben, nicht notwendiger Bestandteil.

Sprossen und Keime sind nicht nur in der Rohkost sehr wertvoll, sie sollten ein regelmäßiger Bestandteil jeder Vollwerternährung sein, wie ich vor einiger Zeit unter Organisation ja schon ausgeführt habe. Sprossen ist so einfach, ein Bio-Snacky-Glas kostet nicht einmal 6 Euro. Und wenn ich gar nichts ausgeben will, reicht eine kleine Schüssel mit einem Sieb dabei.

Nun ist Rohkost modern. Nicht mehr ganz so schick wie vegan essen – das ja im Moment der Hit ist, ich find’s schon zum K…. -, aber doch immer noch angesagt. Und für die Luxus-Rohköstler ohne Gehirn haben sich dann die Leute, die immer gerne auf den Zug der Zeit springen, um den Leuten rasch das Geld aus der Tasche zu ziehen, etwas Tolles einfallen lassen. Sprossen, das wissen auch die Luxusgeschöpfe mittlerweile, sind gesund, weil sie oft mehr Vitalstoffe enthalten als die Pflanzen, die später aus ihnen wachsen. Also gibt es jetzt Sprossen zu kaufen, die nicht mehr sofort gegessen werden müssen. Denn die Organisation alles Frischen ist für Luxusgeschöpfe ja schon zu viel, sie müssen sich ja damit beschäftigen, was sie als nächstes kaufen, da ist die Überlegung, wann sie die nächsten Sprossen ansetzen, natürlich zu viel verlangt. Die klugen Hersteller bieten jetzt getrocknete Sprossen an. Und weil jeder, der sich mit Rohkost beschäftigt, mittlerweile weiß, dass die Rohkostgrenze bei 42°C und nicht bei 50°C anfängt, haben sie ihre Sprossen vitalstoffschonend bei nicht mehr als 42°C getrocknet.

Ist das nicht wunderbar? Ich liebe Werbesätze wie „Die Ankeimung der Samen wird mittels eines patentierten Verfahrens unter Einfluss von Wasser, Sauerstoff, Wärme und Licht realisiert“ (siehe hier). Gut schon, dass nur angekeimt wird. Was der Unterschied zum Keimen ist, weiß wohl nur der liebe Gott, aber es klingt schon mal viel vorsichtiger. Ich keime daheim auch mit Wasser, Sauerstoff, Wärme und Licht, wäre aber nie auf die Idee gekommen, das patentieren zu lassen. Aber Wunder gibt es immer wieder. Schön auch, wie wieder einmal das Wort realisieren eingesetzt wird. Ein kleines Fremdwort ist immer gut, um uns in Ehrfurcht erstarren zu lassen.

Weiter gehts: „Dadurch wird der komplett vorhandene Nährstoffkomplex im Saatgut aktiviert. Dies stellt eine alte Tradition von Ernährung dar und wird von ernährungsbewussten und ganzheitlich denkenden Menschen sehr geschätzt. Verzehrfertig, ursprünglich und lecker! Hergestellt bei Temperaturen nicht über 42°C.“

Klug, gell? Dadurch – das ist der Keimvorgang. Richtig, stimmt. Die alte Tradition stimmt auch. Nur nach diesem Satz… da fehlt etwas, da ist etwas ausgefallen. Nämlich der Hinweis, dass Frischware natürlich beim Trocknen immer an Wert verliert. Mindestens die wasserlöslichen Stoffe gehen verloren, der Rest wird konzentriert und da können wir einmal in die Kollath-Tabelle schauen, wo denn konzentrierte Nahrung steht.

Die Preise sind auch nett. 100 g gemischte angekeimte (haha) Samen plus übrigens ungekeimtem Saatgut kosten 3,99 Euro. Ein Kilogramm würde also 39,90 Euro kosten. Ich bin mir zwar bei den Fleischpreisen nicht mehr sicher, aber ich meine, Filet sei da immer noch billiger. Und das, wo ich doch immer behaupte, Vollwertkost und Rohkost seien preiswerter als die Normalkost mit Fleisch usw. Aber ich bin beruhigt, dass es Firmen gibt, die dafür sorgen werden, dass bald die Überzeugung vorherrscht, dass Rohkost etwas für Luxusmenschen ist.

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Das Vollwertleben – Sprossen

21. November 2013: Organisation des Vollwertlebens, 1. Teil – Keimen und Sprossen

Häufig haben gerade Anfänger Probleme damit, sich zeitlich in eine Vollwerternährung einzupassen. Daran kann ich auch nicht viel ändern, das ist einfach so: Alles Neue, das wir in Angriff nehmen, erscheint anfangs umständlich. Nach einem Jahr läuft alles wie von selbst und wir fragen uns – wieso habe ich am Anfang gedacht, ich bekomme das nicht auf die Reihe?

Dennoch gibt es auch Abläufe, die man erst nach langer Zeit als sinnvoll erkennt. Und daher werde ich in loser Folge ab und an etwas dazu schreiben, wie ich mir mein Vollwertleben eingerichtet habe, so dass auch noch Platz für anderes bleibt.

Heute widme ich mich dem Thema „Sprossen“ und „Keime“. Sprossen sind in der Rohkost und in der Vollwertkost wichtige Bestandteile einer guten Ernährung. Dennoch scheitern viele Vollwertler daran, weil sie immer wieder vergessen, die Sprossen anzusetzen. Um einen wirklich guten Zugang zu einer regelmäßigen Versorgung mit Sprossen zu erhalten, ist eine gewisse Experimentierphase unvermeidlich.

Als Erstes muss ich herausfinden, welche Art des Keimens für mich am geeignetesten ist. Der eine bevorzugt einen Automaten, der andere BioSnacky-Gläser und der Dritte möchte seine Sprossen vielleicht einfach in der Schüssel ziehen. Alles geht. Alles habe ich schon ausprobiert, für meinen Bedarf haben sich die BioSnacky-Gläser bewährt und ich nehme nichts anders mehr. Die Menge, die ich in diesen Gläsern ziehen kann, ist für meinen Bedarf richtig. Sie sind einfach zu reinigen (Spülmaschine), der Schraubverschluss ist mit vielen Schraubdeckeln kompatibel und statt der BioSnacky-Gläser kann man, wenn einmal eines zerbricht, auch ein Standard-Einmachglas (750 ml Inhalt) nehmen. Wie gesagt – es ist ein Glas, der Trick ist der gelöcherte Kunststoffdeckel mit eingebauter „Lasche“ zum Schrägen aufstellen des Glases.

Dann ist herauszufinden, welche Sprossen und Keime ich wirklich gerne esse. Anfangs habe ich alles Mögliche gekeimt, denn Abwechslung ist ja immer wichtig. Dann hat meine Begeisterung fürs Keimen merklich nachgelassen. Woran lag das? Nun ich mag nicht so gerne gekeimte Kichererbsen, die gekeimten Mungbohnen haben regelmäßig steinharte Kerne als Reste, an denen man sich die Zähne ruinieren könnte, Getreidekeime schmecken mir nicht sonderlich. Nachdem ich mir selbst zugestanden habe, dass ich gewisse Keime und Sprossen nicht gerne esse und gesehen habe, dass mir die Linsen am besten schmecken, keime ich nur noch Linsen. Auch da gibt es verschiedene Sorten. Ab und an keime ich Sonnenblumenkerne, weil es so schön schnell geht, oder Roggen – aber der geht dann püriert in ein Frühstück. Leider schmecken zu lange gekeimte Sonnenblumenkerne mir überhaupt nicht, ich finde sie eher abstoßend, daher sind sie aus meinem Repertoire gefallen.

Während dieser Testphasen können wir auch schon feststellen, wie lange denn unsere Lieblinge so brauchen, um essfertig zu sein. Das ist ganz wichtig, wenn ich Keimroutinen entwickeln will. Linsen brauchen knapp 48 Stunden zum Erreichen der gewünschten Keimlänge. Das heißt, ich setze die Linsen für unsere Mittagessen im Büro samstags an, dann habe ich am Montag mittag gute Keime. Samstags nehme ich 50 g Linsen. Dann fange ich am Dienstag eine neue Serie an, diesmal aber nur 30 g, weil sonst zu viel übrig bleibt. Wenn ich das einhalte, habe ich immer genug Linsen. Wenn sie „ausgewachsen“ sind, kommen sie in eine gut verschlossene Plastikdose. Zwei bis drei Tage halten sie sich problemlos. Ich arbeite mich immer wieder durch verschiedene Linsensorten.

Seitdem ich das so mache, ist mein Keimvorrat immer gut. Okay, manchmal vergesse ich den Ansatz, dann gibt es eben zwei Tage mal keine Linsen. Aber die entsprechenden Handgriffe sind samstags und dienstags schon so automatisch für mich, dass ich es immer seltener vergesse.

Für den Anfänger bietet sich da auch noch ein Einwochen-Kalender an der Küchenwand an. Den kann man ja schnell selbst machen: Eine Tabelle mit 7 Spalten, das ganze im Querformat, eine Spalte so hoch wie die Seite – und schon kann ich eintragen, was ich wann machen will.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frag doch mal die Ute: Fragen vom März

28. März 2013: Frag doch mal die Ute

(1) Eine Frage zum Sprossen: wie wichtig ist es eigentlich, genaue Zeiten einzuhalten? Ich habe da keinen Kalender und weiche immer nach Gefühl, Zeit, Lust ein. Dasselbe gilt fürs Sprossen – hab aber bei dir schon mal gelesen oder gehört, dass es besser ist, wenn die Keime nicht zu lange werden. Und dann zum Aufbewahren: wenn ich denke, die Sprossen sind lang genug, stell ich das Keimglas einfach gut abgetropft in den Kühlschrank. Wie lange kann man sie dort aufbewahren nach Deiner Erfahrung und sollte man sich lieber umfüllen in ein komplett verschliessbares Gefäss?

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: Die Zeiten sind ziemlich egal, wobei ich mit „egal“ die Stundenzahl meine. Wobei ich mich etwas über „Kalender“ wundere. Ich weiche zum Beispiel abends ein, morgens gieße ich ab (oder umgekehrt) und von da an spüle ich morgens und abends einmal durch. Ich habe auch schon einmal das Abgießen nach 12 Stunden vergessen und es dann erst nach 24 Stunden gemacht, hat auch nicht geschadet.

Es stimmt, die Keime enthalten die meisten Nährstoffe, wenn sie nicht länger sind als der Samen, danach geben sie nämlich ihre „Kraft“ an den Sämling ab. Diesen Zeitpunkt exakt abzupassen, bedeutet aber eine ziemliche Aufgabe. Es keimen ja auch nicht alle gleichzeitig. Ich halte es so, dass ich anfange, sie zu essen, wenn die meisten die ideale Länge haben. Da ich immer mehr als eine Portion mache, wachsen sie dann noch ein oder zwei Tage. Gut, dann habe ich nicht mehr das ideale Nährstoffverhältnis, aber mindestens so gut wie frisches Gemüse sind sie ja immer noch.

Wenn meine Sprossen entwickelt genug sind, fülle ich sie in eine Plastikdose mit dichtem Deckel um. Ich mache das aber eher, damit der Kühlschrankgeschmack nicht auf die Sprossen übergeht. Länger als vier Tage haben sie dann nie im Kühlschrank liegen brauchen, das haben sie gut verkraftet.

(2) Also ich habe einen Speedy von Krups und eine Kaffeemühle Nivona zum mahlen benutzt. Die Nibs habe ich bei einem Verkäufer über Ebay erstanden “Eco Nature”. Könnte es auch mal im Thermomix 3300 probieren, wenn dieser aus der Reparatur zurück ist. Mir ist aufgefallen, dass in den Nibs weiche teile drin sind, aber auch so harte stengelartige Teile. Hab auch schon im Weltladen geschaut, aber die schienen auch mit Stängeln (nenne ich jetzt mal so) zu sein. Meine Schokolade bleibt immer körnig, woran könnte das liegen?

(2a) Habe ich das falsche Werkzeug oder irgendwas falsch gemacht? Beide Rezepte waren mit ca. 1:1 Kakaobutter und Nibs, habe auch weiße Pralinen versucht, das klappte eigentlich ganz gut. Die Kakaobutter und -Nibs habe ich von PureRaw. Würde es mit Kakaopulver vielleicht besser funktionieren?
Ich habe mich sowieso gefragt, wieso man Kakaonibs nehmen soll, da sie ja sowieso in fast jedem Rezept gemahlen werden. Hat das eine besondere Bedeutung oder liegt es nur daran, dass es zu dem Zeitpunkt kein rohköstiges Kakaopulver gab?

Der Speedy ist ein tolles Gerät, aber für die Schokoladeherstellung zu schwach im Antrieb. Ein Gerät wie der Magic Maxx oder der Personal Blender reicht aus. Thermomix ist seltsamerweise schwieriger. Im Vitamix geht es auch gut, aber das ist natürlich eine andere Preisklasse. Wenn du das Schokoladenbuch hast, wirst du ja auch lesen, mit welchem Gerät ich die Schokolade hergestellt habe, nämlich im Magic Maxx. Deine Nibs scheinen von schlechter Qualität zu sein. Ich habe noch nie „Stängel“ an meinen Nibs gehabt. Ich persönlich kaufe meine Nibs und Kakaobohnen sowie auch die Kakaobutter ausschließlich bei http://www.prohviant.de. Das schmeckt man auch in der Schokolade, wenn die Zutaten exzellent sind!

Zu 2a noch: Genau, das Werkzeug ist falsch. Für Schokolade sind die Temperatur der Masse und die Schlagkraft der Messer – die durch Reibung die Temperatur erhöhen – sehr wichtig. Wenn ich zum Beispiel Schokolade im Vitamix mache, muss ich ganz anders vorgehen. Und schwache Geräte tun es einfach nicht.

Warum nehme ich kein Kakaopulver? Das ist genauso, als wenn du mich fragst, warum ich mir die Mühe mache, mein Getreide fürs Brot selbst zu mahlen, ob es nicht mit fertigem Mehl besser geht. Hier greift der gerne zitierte Satz von Kollath „So natürlich wie möglich“. Selbst Kakaopulver in Rohkostqualität ist verarbeitet, wurde Sauerstoff ausgesetzt und hat somit schon einige Vitalstoffe verloren. Hinzu kommt, dass das Pulver viel „dichter“ ist – wenn du dieselbe Menge Pulver nimmst wie Nibs oder Bohnen, wird’s dir die Schuhe ausziehen 🙂 Das heißt mit Pulver hast du nicht genug „Masse“ und die ganzen Mengenverhältnisse wären anders.

(3) Meine Frage zum mißlungenen Sauerteigansatz: Am 2. Tag hatte er schöne Blasen und war schaumig, aber einen Tag später war er nur noch fest, ohne daß er nach dem mischen aufgegangen war. Die ersten 2 Tage hatte ich ihn in einem Gurkenglas, locker mit Deckel abgedeckt und jeweils 50g/50g dazugegeben und beim 3. mal in eine Plastikschüssel (Deckel auch locker aufgelegt) umgefüllt, weil ich dann 100/100 dazugegeben habe. Raumtemperatur ist ca 23° – Heizung geht bei mir nicht, da wir Fußbodenheizung haben. Was könnte deiner Meinung nach schief gelaufen sein? War das Wasser vielleicht nicht warm genug, oder die Deckel zu locker/fest drauf?

Wenn du einmal in meine Einleitung schaust, gebe ich bei den ersten beiden Malen mehr Wasser als Roggen hinein. Versuch doch einfach mal, dich an den von mir vorgegebenen Mengenverhältnissen zu orientieren. Ich kann für das garantieren, was ich vorstelle, wenn du die Mengen veränderst, ist das quasi dein Risiko 🙂

Den Deckel verdächtige ich weniger, die Temperatur ist auch okay. Ich habe zwar eine Heizung, aber die schaltet nachts runter.

(4)  Backen Sie nicht mehr im Brotbackautomaten – falls nein, aus welchen Gründen?

Ich war ja lange Zeit begeistert vom Backen im Brotbackautomaten. Als ich dann irgendwann angefangen habe, im Ofen zu backen, habe ich festgestellt, dass es erstens einfacher ist, die Brotmengen zu variieren, und zweitens die Löcher von den Knethaken entfallen. Zwar haben sie mich früher nie gestört, aber mittlerweile ist es doch schöner. Außerdem ist mein Verhältnis zum Brot an sich „intensiver“ geworden, da möchte ich nicht mehr die Distanz durch  Maschine. Auch kann ich ohne Automaten die Gehzeiten präziser nach meinen Wünschen steuern. Brote aus dem Automaten sind nicht schlecht, aber einfach anders.

Gastbeitrag: Sprossen ziehen: Ein Vergleich

21. Juli 2012: Gastbeitrag: Sprossenhilfen im Vergleichstest

Die Gewinnerin des Sprossen-Tonis im Hirse-Wettbewerb hatte einen Test des neuen Geräts im Vergleich zum Biosnacky-Keimglas angeboten, das ich gerne angenommen habe! Ich selbst bin uneingeschränkter Fan dieser Gläser, nachdem ich einmal wenige Tage ein hochkompliziertes elektrisch betriebenes Keimgerät hatte, dessen Reinigung mich an den Rand des Wahnsinns brachte 🙂 Vielen Dank für diesen schönen systematischen Vergleich!

Sprossen –Toni vs. BioSnacky
Bevor ich meinen Testbericht starte möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei Ute für das Preisausschreiben bedanken! Ich habe mich so gefreut und auch noch einen Gewinn eingefahren… unglaublich!
Der Gewinn war ein Sprossen-Toni von der Firma Hawos.
Ich besitze ein BioSnacky Keimglas von der Firma A.Vogel. Nach einiger Testerei (die bis dato alle in die Hose gegangen sind… ich bin newbie auf dem Gebiet) dachte ich mir, dass man die beiden Keimgeräte mal miteinander vergleichen kann.

Preis:
Das BioSnacky Keimglas von A.Vogel gibt es in vielen Biomärkten/Bioläden zu Kaufen. Der Preis für 1 Keimglas beträgt 5,50€.
Für den Preis vom Sprossen-Toni musste ich etwas im Internet recherchieren, da es ja ein Gewinn war und ich nichts dafür bezahlt habe. Der Preis laut Mr.Google: 24,95€.

Ausstattung:
Der Lieferumfang des BioSnacky Keimglases besteht aus einem Glas und einem Siebaufsatz aus Plastik, der verschraubbar ist.
Der Sprossen-Toni wird mit drei Sprossenschalen, einer Wasserauffangschale und einem Deckel geliefert. Alle Bestandteile sind aus gebranntem Ton gefertigt.

Hier möchte ich schon den ersten Unterschied bemerken. Mit beiden Geräten kam natürlich eine Bedienungsanleitung. Die Anleitung des BioSnacky (links) finde ich persönlich ansprechender und ausführlicher. Dort hat sich jemand sehr viele Gedanken über die Benutzerfreundlichkeit gemacht! Es sind alle wichtigen Informationen enthalten bezüglich Menge, Einweichzeit, Keimdauer, Spülhäufigkeit, Faserbildung und vielen weiteren Informationen.

Die Anleitung des Sprossen-Toni (rechts) ist da etwas spartanischer. Natürlich darf man sich häufig vom Layout nicht täuschen lassen, aber eine schnöde weiße Din-A 4 Seite nur mit Text?… Vielleicht hat dies auch ökologische Gründe, dennoch hakt es meiner Meinung nach an der ausführlichen und verständlichen Beschreibung. Es heißt beispielsweise: „[…] Samen (in kleinen Mengen, die Samen wachsen!) in einem […]“. Was ist denn dann bitteschön eine kleine Menge? Ein Esslöffel oder zwei? Oder ein Teelöffel? Das ist ja auch bei allen Saaten durch die Größe unterschiedlich. Wenn das schon mit einem Ausrufungszeichen bemerkt wird, finde ich eine genaue Info dazu schon wichtig. Ich bin noch nicht so erfahren in der professionellen Sprossen-Herstellung und bräuchte da schon etwas präzisere Angaben. Da ist aber nirgendwo was zu finden.

Einweichen:
Um gleichwertige Bedingungen zu schaffen habe ich natürlich die gleiche Menge an Saaten genommen. Ich habe mich nach einem Tipp von Ute für Sonnenblumenkerne entschieden. Jeweils zwei Esslöffel. Die Einweichzeit betrug ca. 6 Stunden über Nacht.
Beim BioSnacky weicht man im Glas ein. Beim Sprossen-Toni habe ich in der Wasserauffangschale eingeweicht. Jedoch benutze ich ja nur eine Sprossenschale und nicht drei. Wenn sich die Menge erhöht, muss man auf eine separate Schüssel/Schale ausweichen.

Spülen:
*Räusper*…! Jetzt regnet es Kritik am Sprossen-Toni… Aber erstmal das Unkomplizierte. BioSnacky Keimglas mit aufgeschraubtem Deckel umdrehen, Wasser ausgießen, neues Wasser einfüllen (habe dazu den Deckel nicht abschrauben müssen) und wieder umdrehen – fertig!
Beim Sprossen-Toni verhielt es sich da etwas anders. Zuerst wollte ich in einer Sprossenschale spülen, da ich keine weiteren „Hilfsmittel“ einsetzen wollte. Das hat aber nicht funktioniert. Die Löcher sind zu klein zum Spülen und das Wasser tendiert zum Überlaufen. Also musste ein extra Sieb her. Nachdem ich gespült habe, wollte ich die Kerne in die Sprossenschale einfüllen, wobei mir noch eingefallen ist dass man die Schale vor Gebrauch 10 Minuten in Wasser legen soll. Also… 10 Minuten gewässert und dann aber! Nö… Nix da. Als ich die Schale aus dem Wasser genommen habe ist mir aufgefallen dass einige Löcher verstopft waren! Das ist ein bekanntes Problem und wird in der Anleitung des Sprossen-Toni mit folgender Lösung behandelt: Die Sprossenschale mit zugeschnittenem Butterbrotpapier auslegen oder Löcher mit einer Nadel bearbeiten. Das hatte mich sehr gewundert, weil in der Anleitung steht dass dies passiert wenn Keime/Fasern „in die Löcher wachsen“ und das auch nur bei kleinen Saaten (Alfalfa). Es haben sich aber auch beim Spülvorgang einige Kleinteile der Sonnenblumenkerne absetzen können. Ich habe mich dann für die Nadelversion entschieden und rumgeprökelt.

1.Tag:
Die beiden Geräte stehen nebeneinander unter gleichen Bedingungen  auf meiner Küchenzeile. Zu erwähnen ist, dass wenn man das BioSnacky Keimglas nicht in der Spüle aufbewahrt, man einen Teller untersetzen muss, da sonst das herauslaufende Wasser auf die Küchenzeile läuft.
Je 2x am Tag gespült, morgens und abends.

2.Tag:
Das Wachstum der Sprossen ist meiner Meinung nach gleich schnell und gut. Am Abend habe ich die fertigen Sprossen aus beiden Geräten in den Kühlschrank gestellt, denn sie waren fertig.
Je 2x am Tag gespült, morgens und abends.

Aufbewahrung:
Auch hier gewinnt meiner Meinung nach das BioSnacky Keimglas. Man kann es mit den Sprossen einfach so in die Kühlschranktür stellen. Ich lasse dazu einfach den Spülaufsatz drauf, auch wenn er oben Löcher hat und nicht dicht schließt. Da das Glas aber einen gewöhnlichen Durchmesser hat, könnte man auch einen Deckel von einem anderen Glas nehmen. Den Sprossen-Toni kann man auch in den Kühlschrank stellen, nimmt aber mehr Platz ein und passt natürlich nicht in die Tür. Für diejenigen die einen großen Kühlschrank haben ist dieser Punkt wahrscheinlich unerheblich.

The Winner is: BioSnacky Keimglas! Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, anwenderfreundlich und erfüllt den Zweck!

Ich möchte anmerken, dass ich es noch nicht versucht habe Kresse zu züchten, weder im BioSnacky, noch im Sprossen-Toni. Hier könnte ich mir vorstellen dass sich der Sprossen-Toni besser eignet, da die Samen flach ausgelegt werden können.

Ein Produkt, auf das Vollwertler gewartet haben

Kommentar vom 27. April 2011: CereGran: Cere wie Cereals und Gran wie Grain?

Zufällig erfuhr von einem ganz tollen kreativen Bioprodukt. CereGran®. Ich habe bisher auch immer viel Keime und Sprossen gezogen, aber nicht gewusst, dass die noch verbesserungswürdig sind. Zeigt es sich doch immer wieder: Die Natur braucht Nachhilfe, die der Mensch leisten kann und leistet. Allen voran geht die Nahrungsmittelindustrie, sei es Bio oder kommerziell, die nichts, aber auch rein gar nichts auslässt, um die mangelhafte Natur zu verbessern. Zurück zur Natur? Oh wie dumm! Vorne weg zur menschgeformten Natur sollte unser Wahlspruch sein. Und hier zum Auf-der-Zunge-zergehen der wunderbare CereGran-Text, der uns dummen Vollwertlern jetzt endlich mal die Augen öffnet:

Die CereGran-Keimlinge keimen in 5-6 Tagen. In diesem Zeitraum entwickelt sich ein natürliches Optimum an Vitaminen, Spurenelementen und Eiweiß. Dann wird der Keimprozess kontrolliert gestoppt, damit die Keimlinge die gebildeten Vitamine nicht wieder selbst für ihr Wachstum verbrauchen. Dadurch ist CereGran nicht vergleichbar mit selbstgezogenen oder gekauften Sprossen und Keimlingen. Die Nährstoffe werden anschließend durch schonenden Wasserentzug nachweislich stabilisiert – die empfindlichen aktiven Enzyme bleiben dabei erhalten.

So das Zitat. Das möchte ich doch noch im Einzelnen erläutern:

  • Die CereGran-Keimlinge keimen in 5-6 Tagen.
    Das finde ich erstaunlich. Die Keimlinge enthalten nach allem, was ich von Fachleuten weiß, nämlich den höchsten Vitalstoffgehalt, wenn sie nicht zu lange keimen, der Keimling sollte möglichst nicht länger sein als die Frucht selbst. Bei Getreide, und darum handelt es sich hier ja wohl, habe ich nach 5-6 Tagen einen Wald!
  • In diesem Zeitraum entwickelt sich ein natürliches Optimum an Vitaminen, Spurenelementen und Eiweiß.
    Wie wahr.
  • Dann wird der Keimprozess kontrolliert gestoppt, damit die Keimlinge die gebildeten Vitamine nicht wieder selbst für ihr Wachstum verbrauchen.
    Das ist echt der Brüller. Ich stoppe den Keimprozess meiner Keimlinge auch nach 2-3 Tagen „kontrolliert“: Ich nehme sie raus aus dem Keimglas und bewahre sie noch im Kühlschrank auf. Diese Formulierung ist absolute Volksverdummung, soll anspielen und Assoziationen erwecken an „kontrollierter Anbau“ usw.
  • Dadurch ist CereGran nicht vergleichbar mit selbstgezogenen oder gekauften Sprossen und Keimlingen.
    Ach ja? Wieso? Wir stoppen doch alle den Keimprozess kontrolliert, entweder esse ich die Dingelchen kontrolliert oder bewahre sie kontrolliert im Kühlschrank auf. Allerdings unterscheiden sich 5-6 Tage alte Keimlinge wirklich von meinen eigenen: Sie sind nämlich schon zu stark gewuchert 😉
  • Die Nährstoffe werden anschließend durch schonenden Wasserentzug nachweislich stabilisiert
    Oh wie vornehm. Ei, was ist denn ein „schonender Wasserentzug“? Ich nenne das TROCKNEN. Oder sitzen da 1000 kleine Mitarbeiter und melken die Keimlinge vorsichtig, damit sie ihr Wasser abgeben? Das Wort ’nachweislich‘ ist auch immer wunderbar in einem Satz, wenn es da so alleine steht, ohne irgend einen Nachweis. Man beachte hier übrigens auch den lockeren Umgang mit Wörtern wie „Vitamine“ und „Nährstoffe“. Gleich kommen auch noch Enzyme. Dadurch könnte dem Leser nämlich entgehen, dass mit dem „schonenden Wasserentzug“ die ganzen wasserlöslichen Vitamine leider baden gehen.
  • Die empfindlichen aktiven Enzyme bleiben dabei erhalten.
    Ach ja? Welche zum Beispiel? Sind das vielleicht die, die sowieso nicht kleinzubekommen sind?

Es ist einfach unmöglich, wie hier gesundheitsbewussten Menschen mit Begriffsverwechslungen und leerem Wortgeraspel das Geld für getrocknete Keimlinge aus der Tasche gezogen werden soll.

Warnung vor Sprossen

Kommentar vom 8. Juli 2010: Gefährliche Sprossen!

Es ist saure Gurkenzeit. Das heißt, es ist Sommer, der Presse gehen die Themen aus und so nudeln sie die alten Sensatiönchen wieder herunter. Obwohl: Eigentlich ist ja gar keine solche themenlose Phase, die WM springt uns ständig entgegen, und auch unser Gesundheitsminister hat ja diese geniale Reform entworfen, wo statt Anhebung der Krankenkassenbeiträge eine Anhebung der Krankenkassenbeiträge erfolgt. Darüber könnte sich doch der Journalisten-Trupp auslassen, seitenweise. Aber nein, nehmen wir doch mal wieder die Gefahren in der Ernährung. Vielleicht das Phytin? Ach, das hatten wir letztes Jahr schon. Mutterkorn? Glaubt uns keiner mehr. Bakterien in Rohmilch? Hmmm, nicht schlecht, aber Milch wird im Sommer sauer, das lassen wird dann doch besser. Gibt’s sonst noch was über Bakterien, wo wir die Vollwerternährung mit madig machen können….? Grübel… Au ja, ich hab‘ da was!

Und so setzte sich ein Schreiberling hin und schrieb einen hochwichtigen Artikel über „Sprossen: Ein Paradies für Keime“. Erschienen im RGA am 7. Juli 2010. Bis dahin wusste ich noch gar nicht, dass ich eigentlich schon hätte lange an einer Salmonellenerkrankung sterben müssen, so viel Gekeimtes, wie ich derzeit esse. „Das (gekeimte) Gemüse ist gesund und beliebt. Doch es muss kühl gelagert werden, sonst bilden sich ganz schnell Bakterien.“

Bakterien. Ein furchtbares Wort, alle Leser erschrecken…. so als ob alle Bakterien etwas Schlimmes seien. Kann ich etwas dafür, dass diese „Sensationsjournalisten“ (oder nennen sie sich gar investigative Journalisten?) in Biologie nicht aufgepasst haben und somit nicht wissen, dass wir eine wandelnde Bakterienheimstätte sind und auf der Stelle sterben würden, wenn wir plötzlich bakterienlos wären?

Im Artikel wird mit den schrecklichsten Krankheitserregern gedroht wie Listerien, Salmonellen, E. coli-Bakterien und Viren. WENN wir die Sprossen nicht kühl lagern. Und manchmal sind sie gleich beim Auspacken schon furchtbar belastet, weil sie mit Kompost gedüngt wurden.

Nun ist schon klar, dass „wir“ Vollwertler sicher nicht im Supermarkt fertig abgepackte Keime und Sprossen erstehen. Aber soweit lesen ja die Meisten wieder nicht. Beim durchschnittlichen Leser bleibt im Gedächtnis: „Gesund vielleicht, aber auch sehr gefährlich“ (eigentlich wie alles, das gesund ist, oder?). Bieten wir dann bei der nächsten Feier unseren Gästen einen schönen Salat an, der mit Mungbohnen- und Dinkelsprossen angereichert ist, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn jene Gäste erbleichen und lieber zum Gammeldöner aus der Bude an der Ecke greifen.

Die echten Salmonellenschleudern wie Hackfleisch, Geflügel und Eier werden hier nicht erwähnt, es werden keine Vergleiche gezogen, um wie viel gefährlicher diese Nahrungsmittel sind. Schon gar nicht wird erwähnt, dass es supereinfach ist, selbst Sprossen zu ziehen, sei es ganz simpel nur in einer kleinen Schüssel oder z.B. mit einem meiner heißgeliebten Biosnacky-Keimgläser. Es handelt sich mal wieder um eine völlig falsche Darstellung, entweder aus Unkenntnis oder Böswilligkeit. Und dafür gibt es mehr als eine halbe Seite inklusive großem Farbfoto!