Sonntagsrezept: Pfannkuchen mit Sauerkraut

3. Februar 2013: Erdige Augenpfannkuchen mit Sauerkraut: Ein Fotoroman

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Utes Vollwertecke Oktober 2011

Kommentar vom 30. September 2011: Utes Vollwertecke: Keine ungesunden Fette

Der neue Film ist „online“:

Das Thema war ursprünglich geplant als „Ungesunde Fette“ (das dritte Brukersche ‚Nein‘), zu dem ich ja für die Vollwert grob alles bereits in Videos dargestellt habe. Der Knackpunkt ist in diesem Fall der Gedanke, ob Sahne und Butter wirklich im Gegensatz dazu gesunde Fette sind. Okay, „gesünder“ als Margarine und Billigöl allgemein. Aber mir geht es darum, was meiner Überzeugung und Kenntnisse nach heute einem Vollwertler als Ziel dienen sollte. Für mich ist eine Vollwerternährung mit Milch, Eiern, Quark, Fleisch und Joghurt auch für den Anfänger nicht mehr empfehlenswert. Wie geht es weiter und welche Probleme stellen sich mir dann? Einige Antworten gibt dieses Video.

Übrigens: Wer sehen will, was ich bereits für Videos gedreht habe, kann dafür auf die Übersicht auf meiner Homepage gehen: hier

 

Tiereiweißfrei – wie weit?

Kommentar vom 12. Juni 2011: Tiereiweiß-Verträglichkeit und mehr

Ich weiß, ich bin nicht die Welt 🙂 Dennoch habe ich in den letzten Wochen / Monaten einige Erfahrungen gemacht, die ich hochinteressant finde. Da würde ich gerne wissen, ob andere schon mal Ähnliches erfahren haben.

Bedingt durch eine lange Rohkostzeit mit anschließend ein bisschen Schnitzer habe ich ja monatelang keine Tierprodukte mehr gegessen. Ebenso wenig erhitzte Dinge. Nach Rückkehr zur tiereiweißfreien Vollwerternährung stellte ich erst einmal mit Freude fest, dass ich Brot bestens vertrage. Auch heiße Getränke machen keinerlei Probleme.

Was mich aber völlig überrascht hat: Meine Galle reagiert jetzt extrem auf Tiereiweiß. Schon 2 Esslöffel Sahne im Essen führen dazu, dass ich das Gefühl habe, ich habe einen Klumpen im Magen. Butter schmeckt mir jetzt schon frisch „gammelig“. Gekochtes Gemüse in kleinen Mengen geht von der Verträglichkeit, macht mich jedoch ziemlich müde.

In den letzten Tagen vor Verfassen dieses Beitrags habe ich vier Tage lang kleine Mengen Sahne ins Essen getan, mal ein Kakao mit 2 Esslöffeln, mal eine Suppe mit einem oder zwei Esslöffeln. Ich habe dann Gallenbeschwerden bekommen, wie ich sie seit Jahren nicht mehr hatte, obwohl ich in meiner Rohkostphase wirklich Nussmengen verdrückt habe (das ist ja auch eine Menge Fett), wo jeder Schulmediziner sagen würde: „Um Himmels willen, damit ruinieren Sie Ihre Galle!“ Naja, die ist ja schon ruiniert … 😉

Die vielen Nüsse sind schon nicht so gut, und das ist ein Punkt in meiner Ernährung, an dem ich arbeite. Die hohe Unverträglichkeit selbst kleiner Tiereiweißmengen zeigt mir wieder einmal: Tiereiweiß gehört nicht wirklich in unsere Ernährung. Nun könnte jemand argumentieren: Ja, du bist ja auch krank, ich als Gesunder kann aber Eier, Quark, Käse und erst recht Sahne und Butter essen, so viel ich will. Gesund? Wer ist heute noch gesund? Und was ist in zehn Jahren? Und es ist ja nicht so, als ob ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen nun Grundregeln verkünde für jedermann. Meine geschilderten Erfahrungen passen nur bestens zu vielen ernstzunehmenden Erkenntnissen (ich verweise da zum 14958049505. Mal auf die China Study).

Für mich wird in Zukunft die tiereiweißfreie Ernährung nach Bruker ein Extra für Feiertage und spezielle Anlässe sein. Einmal im Monat oder halben Jahr ist das sicher verkraftbar. Mein Körper, der mein bester Ernährungskompass ist, sagt ganz klar: Rohkost muss nicht sein; komplett tiereiweißfrei steht nun als bewusstes Ziel auf meinem Plan. Bewusst sage ich deshalb, weil ich ja schon seit vielen Monaten erkenne, dass ich mich automatisch vom Tiereiweiß wegbewegt habe.

Noch eine interessante Beobachtung zur industriellen Verarbeitung: Ich bin ja ein Kakaojunkie, Kakaonibs putschen nett auf im Getränk und belasten mich nicht. Wenn ich mir aber jetzt einen Kakao mit Kakaopulver mache: Hui, das bekommt mir aber gar nicht. Mein Magen besteht dann nicht mehr aus Muskeln und Geweben, sondern aus bleiverkleideten Stahlwänden 🙂

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie genau unser Körper uns mitteilt, was wir vertragen und was nicht, sobald wir ihn einmal aus dem Knechtdasein der Zivilisations- und Unterdrückungskost befreit haben.

Waltraud Beckers Standardwerk

Kommentar vom 29. März 2010: „Waltraud Becker: Lust ohne Reue“

Bei Durchsicht meiner alten Amazonrezensionen stieß ich auf meine begeisterte Besprechung des Buchs „Lust ohne Reue“ von Waltraud Becker (ISBN 3-89189-068-0). Damals war ich noch recht neu in der Vollwerternährung, vor allem der tiereiweißfreien Variante, und hatte geschrieben:

Das Buch ist optisch schon mal ein Genuss – sehr schöne Fotos, ein klares wohltuendes Layout.

An tierischen Produkten werden ausschließlich Butter, Sahne und saure Sahne mit hohem Fettgehalt verwendet (also niemals Milch). W. Becker begründet, warum das auch für tiereiweißfreie Diät ok ist. „Vegan“ zu sein beansprucht sie mit keinem Wort. Inwieweit die drei genannten Milchprodukte wirklich in einer entsprechenden Allergiediät verboten sind, entzieht sich meiner Kenntnis – betonen möchte ich nur, dass sich die ganzen Rezepte an die Ernährungsempfehlungen von Dr. Bruker halten, der bekanntermaßen und erfreulicherweise nicht schulmedizinisch dachte und handelte.

W. Becker ist mit ganzem Herzen bei der Sache und sie kommt aus der Praxis, das können wir jedem Rezept entnehmen. Endlich mal ein Vollwertkoch-Buch, wo ich auch ohne exotische Zutaten zurecht komme. Die Rezepte sind so gestaltet, dass es mir auch leicht fällt, sie nachzuarbeiten, wenn ich mal die eine oder andere Zutat nicht im Haus habe.

Auch die einleitenden Seiten bieten wichtige, interessant vorgestellte Informationen.

Ich habe in den letzten Tagen viele Vollwert-Rezeptbücher gelesen – dieses hat mich am meisten begeistert, denn es hat so viele tolle Ideen, die zum Experimentieren einladen. Dank dieses Buches bin ich kleine „Wagnisse“ eingegangen, denen ich früher ablehnend gegenüber stand – rote Beete roh, Blumenkohl ungekocht, Grünkohl als Rohkost. Dabei gehen die meisten Sachen auch noch superfix.

Eine echte Bereicherung für das Essensleben!

Wie sehe ich das heute – denn heute weiß ich ja mehr über tiereiweißfreie Ernährung? Ich bin immer noch begeistert. Ich habe mich beim Durchblättern gleich wieder festgelesen und an vielen Stellen gedacht: Oh, das muss ich aber wirklich auch mal probieren, eine tolle Idee! Und Phantasielosigkeit beim Kochen kann man mir ja wirklich so schnell nicht nachsagen 😉 Jedes Thema scheint mir mindestens einmal an-gekocht. Und so habe ich auch gleich Anregungen gefunden, wie ich mein neues Waffeleisen nutzen kann.

Dies Buch ist und bleibt für mich die allererste Wahl bei Vollwertkochbüchern, und bei Tiereiweißfrei ist es als Grundlagenwerk nicht zu schlagen. Wer es noch nicht besitzt, hat eine dicke, dicke Lücke in der Kochbibliothek!

Vegan gibt es bei mir nicht mehr

Kommentar vom 13. September 2009: Vegan oder vegetarisch? Nö, bin ich nicht.

Da ich kein Fleisch esse, werde ich häufig als „Vegetarierin“ klassifiziert. Daraufhin angesprochen, habe ich immer schon gesagt „Ich bin keine Vegetarierin. Ich esse nur kein Fleisch“. Und obwohl der Anteil der tierproduktfreien Rezepte in meiner Sammlung wuchs – die ich auch immer mit „vegan“ kennzeichnete -, hätte ich nie von mir behauptet, ich würde eines Tages vegan leben. Obwohl ich bei der Beobachtung meiner Essentwicklung durchaus diese Tendenzen sah. Und so habe ich dann weiterhin stolz meine Rezepte mit diesem Etikett versehen. Ich hatte sogar schon ein Buch nur mit veganen Rezepten für das Jahr 2010 geplant, wobei der Teil „Kuchen“ besonders spannend zu werden versprach.

Was mir bei der veganen Küche nie gefallen hat, ist das Honigverbot (und erst recht das Lederverbot). Um Honig zu essen, muss ich kein Tier töten (wobei ich das an sich nicht immer etwas „Verwerfliches“ finde“), und wenn die Bienen gut geführt werden – warum nicht Honig essen? Auch andere Tierprodukte wie Milch oder Käse lehne ich nur aus  ernährungstechnischer Sicht (Tiereiweiß) ab. Nicht jedes domestizierte Tier wird gequält oder ist völlig überzüchtet.

Im Versuch, vegan zu essen, habe ich dann auch mit anderen vollwertigen Süßungsmitteln experimentiert: Trockenfrüchte (haben einen zu starken Eigengeschmack, stehen in der Kollathtabelle in Spalte 5), roher Agavendicksaft (Import, in Mengen viel zu teuer). Stevia habe ich einmal probiert – es schmeckt mir nicht und soll wohl auch zum Backen ungeeignet sein. Auch ist die Herstellung von Süßwaren mit Trockenfrüchten nicht wirklich zufriedenstellend. Ein Kuchen wird so immer ein Kompromiss sein. Und ich liebe die Vollwert, weil ich da keine Kompromisse machen muss. Außer zum Backen oder für Süßspeisen brauche ich aber nur wenig Süßungsmittel. Und dann lässt Stevia durch seine starke Süße auch keine Entwicklung meines natürlichen Süßeempfindens zu. Es blieb also das Hadern mit dem Honig.

Vermehrt wurde mir auch immer deutlicher, dass sich eingefleischte (haha, wie paradox) Veganer eher auf eines konzentrieren: die Vermeidung von Tierprodukten aller Art. Dies entspricht nicht meiner Auffassung. Offenbar geht es Veganern nicht um eine vernunftbetonte Ernährungsweise, sondern um eine Überzeugung. Nichts dagegen – das mag jeder halten wie er will, ich respektiere das. Ich gehe aber an die Ernährung als Ernährung und nicht als Lebensüberzeugung heran. Wobei natürlich mit der Vollwertigkeit auch eine gewisse Einstellung einhergeht, sei es auch nur die Unterstützung des biologischen Anbaus.

Ein Beitrag auf dem Blog hat ja hier zu einigen Diskussionen geführt. Sicher kann ich nicht einen Veganer stellvertretend für alle Veganer nehmen – aber ich habe mich dann nochmals vermehrt mit dem Begriff, den Ideen, die dahinterstehen, und wie einiges abgehandelt wird, beschäftigt. Es ist nicht meine Welt. Zu wenig haben Veganer und ich in der Prioritätensetzung bei der Ernährung gemeinsam, die Entfernung zwischen ihnen und mir ist fast größer als zu den „einigermaßen gesund lebenden Normalbürgern“. Im Begriff „vegan“ ist nicht enthalten, dass Lebensmittel eine gewisse Qualität haben müssen. Da bin ich den Rohköstlern schon näher, bei denen die Lebensmittelqualität ja auch vorne weg steht.

Daher wird es in Zukunft keine „veganen“ Rezepte mehr geben. Ich habe die ganze Rubrik fallengelassen. Was es in Zukunft geben wird sind Rezepte, die 100% tiereiweißfrei sind. Denn auf die Dauer ist mir die tiereiweißfreie Ernährung nach Bruker immer noch zu „tierisch“. Einmal beobachte ich das einfach an meinem Essverhalten (das geht übrigens vielen tiereiweißfreien Vollwertlern so), das sich ohne bestimmte Absicht so entwickelt. Zweitens sprechen auch vermehrt wissenschaftliche Erkenntnisse dafür, ich kann hier nur wieder einmal auf die China Study von Colin T. Campbell verweisen. Wobei ich mir der „Wackligkeit“ wissenschaftlicher Erkenntnis auch dann bewusst bin, wenn sie mir entgegen kommen.

Ich kann mir vorstellen, dass ich eines Tages keinerlei Produkte mit Tiereiweiß mehr esse, im Moment schaut meine Entwicklung so aus. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich eines Tages kaum noch Honig brauche, weil ich lieber ein Stück Obst als ein Stück Kuchen esse – vielleicht auch nicht. Meine Gäste müssen auch nicht fürchten, dass ich ihnen demnächst Horrorvollwertkuchen à la Pappmasché vorsetze 🙂 Ich spreche nur von dem Essen für mich selbst.

Ich behaupte natürlich nicht, dass meine für mich gewonnenen Einsichten und Ansichten für irgend jemanden ein Maßstab sein sollten. Es heißt auch nicht, dass ich von nun ab alle Veganer in einen Topf werfe. Viele Vollwertler leben ebenfalls vegan. Ich bin einfach nur zu der Erkenntnis gekommen, dass ich weder eine Vegetarieren / Veganerin bin noch dass ich das anstrebe.

Mein Weg geht woanders hin. Das möchte ich heute vorstellen. Wer das kommentieren möchte, kann das natürlich wie immer gerne tun 🙂

Vollwert und Rohkost sind Geisteskrankheiten

Kommentar vom 17. August 2009: Vollwertler? Rohköstler? Ab in die Psychiatrie!

Mein Kollege stieß mich heute auf einen Artikel im englischen Observer über Orhorexia nervosa. Was ist das? Wikipedia erklärt es so:

Orthorexia nervosa ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen ein auffallend ausgeprägtes Verlangen danach haben, sich möglichst „gesund“ zu ernähren. Die Existenz eines solchen Krankheitsbildes wird vielfach bestritten. (Ich ergänze: NOCH bestritten).

Dazu fand ich in Stern online einen Test. Jede Frage, die ich hier mit „Ja“ beantworte, ist ein Zeichen dafür, dass ich in diesem Sinne krank bin. Und die  Sterndefinition wird schon konkreter:

Orthorektiker essen Vollwertkost [!], kaufen in Bioläden [!]und meiden Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen [!].

Das alles ist gesund – unbestritten. Bedenklich ist aber ihre Besessenheit, mit der sie die Regeln gesunder Ernährung an sich selbst anwenden. Essen und Einkaufen, Rohkost und naturnahe Anbaumethoden werden Menschen mit Orthorexie zum Lebensinhalt. Fast nur um diese Themen kreisen ihre Gedanken. Damit ist die Grenze des Gesunden  überschritten, findet Stephen Bratman. Der US-amerikanische Arzt war nach eigenen Angaben selbst so strikt. Er hat der Fixierung auf die richtige  Ernährung 1997 einen Namen gegeben: Orthorexie. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet, frei übersetzt, „der richtige Appetit“. Das Wort  erinnert an Anorexie, den medizinischen Namen der Magersucht. Die Ernährung wird zur Religion erhoben

Und der „Stern“ weiter:

Orthorektikern geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität dessen, was sie essen. Nicht um abzunehmen, haben sie Schnitzel und Pommes vom  Speiseplan gestrichen, sondern um einem Herzinfarkt vorzubeugen [! Anmerkung: Um abzunehmen, ist das Streichen dieser Nahrungsmittel offensichtlich ok. Aber nicht aus Gesundheitsgründen!]. Manche verzichten auf bestimmte Lebensmittel, um chronische Leiden zu lindern. [Anm.: Sachlicher Fehler: Viele lindern durch richtige Ernährung nicht ihre chronischen Leiden wie Allergien, Asthma und Rheuma, sondern heilen sie fast komplett.] Sie meiden vielleicht erst Milchprodukte [!], dann Weizen und schließlich alles, was Spuren von Soja enthält. Immer strenger werden die selbst auferlegten Regeln. Gleichzeitig wird es immer komplizierter und zeitaufwändiger, eine streng makrobiotische Mahlzeit zu planen, ökologisch korrekt einzukaufen oder den Vitamingehalt von Wirsing beim Kochen zu erhalten. Genuss und Freude treten zunehmend in den Hintergrund. Orthorektiker fühlen sich als Sachverständige in Ernährungs- und Warenkunde. Ob Rohkost, Vollwertküche oder veganes Essen [!] – einige erleben ihre Willenskraft in spirituellen Dimensionen. Nach einem Tag mit Sojasprossen und selbstgebackenen Amaranth-Keksen fühlen sie sich körperlich und geistig rein. Medizinische Lehrbücher kennen die Orthorexie nicht.

Noch wird hier betont, dass es nur um die Übertreibung geht. Aber wer bestimmt, was Übertreibung ist? Wer noch nie einen Rohköstler gesehen hat, findet das Essverhalten garantiert übertrieben. Der Stern nennt die gefährdete Gruppe beim Namen: Vollwertler (vor allem die, die wie ich auf Milch verzichten), Rohköstler, Veganer. Die Grenze, „uns“ in den kranken Bereich abzuschieben ist schwammig. Noch ist Orthorexie kein anerkanntes Krankheitsbild, aber wann werden die ersten Rohköstler in die Psychiatrie zwangseingewiesen? Das scheint lächerlich, aber wenn ich diese Dinge zum zweiten Mal lese, bleibt mir schon fast das Lachen im Halse stecken. Dann bringt der Stern noch einen Selbsttest zur Orthorexie:

  1. Denken Sie mehr als drei Stunden am Tag über gesunde Ernährung nach?
  2. Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?
  3. Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude am Essen?
  4. Hat Ihre verbesserte Ernährung Ihre Lebensqualität verringert?
  5. Sind Sie in letzter Zeit strenger mit sich geworden?
  6. Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher gerne gegessen haben, um nun die richtigen Lebensmittel zu essen?
  7. Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung? Schauen Sie auf Menschen herab, die sich nicht gesund ernähren?
  8. Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie von Ihrem Ernährungsplan abweichen?
  9. Sind Sie durch Ihre Ernährungsgewohnheiten gesellschaftlich isoliert?
  10. Haben Sie das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, und macht es Sie glücklich, wenn Sie Ihrem Ernährungsplan entsprechend essen?

Die Fragen wirken auf den ersten Blick vielleicht eher oberflächlich und banal, welcher Vollwertler oder Rohköstler wird Frage 4, 5, oder 6 mit „Ja“ beantworten? Aber man stelle sich einmal vor, wie jemand anderes uns und unser Essverhalten bewertet. Natürlich wird uns z.B. in Frage 3 kein „Nein“ zugestanden – weil z.B. die Nicht-Vollwertler ja ständig unter dem Komplex leiden, dass wir (wie auch die Rohköstler) ständig „verzichten“. Dasselbe gilt für Frage 4 und 5 – wir verneinen das, aber die Umwelt wird das freudestrahlend mit einem Kopfnicken bejahen. Am besten ist Frage 6. Die Fragestellung ist ja schon suggestiv. Ich verzichte ja auf nichts, ich esse einfach Dinge nicht mehr, die ich früher gegessen habe, weil sie mir nicht mehr schmecken. Aber das wird ein Psychiater nach meiner Zwangseinweisung, der gerade sein Mittagessen in Form einer Portion Currywurst mit einem dicken Eis hinterher eingenommen hat, garantiert anders sehen, um es einmal übertrieben darzustellen.

Gerade Frage 9 ist natürlich völlig richtig. Das gesellschaftliche Leben wird uns schwer gemacht. Darüber klagen viele Vollwertler & Rohköstler – aber bin ich nur geistig gesund, wenn ich mir Pommes und Haribo hinter die Binde kippe?

Es ist alles nicht so lachhaft, wie es auf Anhieb scheint. Ich kann nur sagen: Wehret auch hier den Anfängen!

Wechseljahre – das Frauenentwertungsthema

Kommentar vom 8. Juli 2009: Ausbildung zum Wechseljahrsberater, Teil 1

Ich schaue mir gerne Websites an, auf denen Ausbildungen zum Gesundheits- oder Ernährungsberater angeboten werden. Das verschafft mir immer so ein wohliges Gruseln, weil dort „natürlich“ die Vollwerternährung immer nur unter ferner liefen erscheint, der Name Bruker ist unbekannt (nehme ich mal die Lahnsteinsche Seite aus, aber das ist ja klar). Bei einem Institut (http://www.ife-brinkhaus.de) stieß ich aber dann auf einen echten Knüller: Wechseljahrberater/in mit Zertifikat.

Das Thema „Wechseljahre“ eignet sich wunderbar, um Frauen zu entwerten. Das fängt damit an, dass alte Männer sich nach jungen Mädchen umdrehen dürfen, ich aber gefälligst einen Partner immer unter den mindestens 5-Jahre-Älteren suchen muss. Auch Werbung für Frauen über 45 Jahren zeigt ganz klar, wie die Wechseljahrsfrau zu sein hat: ein wenig unmodisch in Bluse und weitem Rock, falsche blendende Zähne, eine gepflegte kinnlange Frisur, dezentes Makeup. Hilflos vor dem PC und am Handy, das Großmutterglück schon in den Augen.

Da passt es natürlich, dass es nun extra eine Ausbildung gibt, die uns arme Frauen durch die Wechseljahre begleitet. Wer sich erdreistet, die Wechseljahre als etwas Natürliches zu betrachten, das wie alle Altersphasen Vor- und Nachteile hat, wird bald eines besseren belehrt. In die Wechseljahre zu kommen ist Ih-Pfui, quasi eine Krankheit. Und was bringt da dieser Kursus?

  • Jede Frau kommt in die Wechseljahre und 90% davon haben Beschwerden.

Der erste Teil des Satzes ist so offensichtlich (wie „alle Menschen sterben“), dass wir natürlich gleich den zweiten Teil als Wahrheit mitschlucken. Oder? Wer sagt das mit den 90 %? Und was sollen das für Beschwerden sein? Ich kenne mehrere Frauen, die keine oder nur geringe Beschwerden gehabt haben. Aber ich kenne auch Frauen, die gerne Schwächen, die sie sich zugelegt haben, auf die Wechseljahre schieben.

  • Wechseljahre können dann für die Frauen mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein.

Man beachte: Hier wird nicht von Leidensdruck oder Schwierigkeiten, sondern gleich von hohem Leidensdruck gesprochen. Da kann ich nur gegenhalten: Jede Lebensphase kann für Frauen und Männer mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein, wenn sie sich z.B. gegen die Phase wehren. Das gilt zum Beispiel auch für die Pubertät bei Kindern, die nicht „erwachsen“ werden wollen und demzufolge besondere Probleme bekommen.

  • Die behandelnden Ärzte haben zunehmend weniger Zeit für eine intensive Aufklärung über den Hintergrund und die Behandlungsmöglichkeiten in den Wechseljahren.

Behandelnde Ärzte. Klar, was das heißt? Das heißt: Frauen in den Wechseljahren gehören zum Arzt. Zum Arzt gehe ich, wenn ich krank bin – also wird hier unterschwellig gesagt: Wechseljahre sind wie Krankheit. Dafür spricht auch der letzte Teil, nämlich die Behandlungsmöglichkeiten. Und natürlich gehen wir Frauen auch zu einem Arzt, nicht zu einer Ärztin. Männer wissen doch sowieso viel besser, was für uns gut ist. Sie kennen auch unseren Körper besser als wir selbst oder eine andere Frau. Oder?

  • Darüber hinaus wird in den Medien eine Fülle an widersprüchlichen Informationen zu diesem Themenkomplex veröffentlicht, die zu einer Verunsicherung der betroffen Frauen führen.

Verunsicherte Frauen, klar – wir Frauen neigen ja zur Verunsicherung. Da suchen wir was? Die starke Hand eines (männlichen) Arztes natürlich, die uns zeigt, wo’s lang geht und uns die Mittelchen geben, damit wir uns endlich nicht mehr so natürlich benehmen, ups, sorry, damit wir diese Beschwerden auch wirklich als solche wahrnehmen und bitte bitte mit IGeL-Leistungen auch noch medikamentös bekämpfen.

  • Die Veränderungen im eigenen Körper, im engsten Lebensumfeld und das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit macht professionelle Beratung erforderlich.

Veränderungen im eigenen Körper, ja, die gibt es. Aber was sind denn das für wechseljahrsbedingte Veränderungen im engsten Lebensumfeld? Werden wir jetzt vom Ehemann verlassen, weil der ein gebärfreudigeres Becken sucht? Sonst fällt mir dazu wirklich gar nix ein. Das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit erhalte ich auch, wenn ich mir sorgfältig meine Haut betrachte, denn gerade an der Haut sehen wir am Besten, wenn wir nicht mehr 20 sind. Das gilt natürlich auch für Männer. Jeder, der älter wird, bekommt dieses Endlichkeitsgefühl. Auch das weiß ich aus meinem Bekannten- und Freundeskreis. Das ist völlig normal – und muss doch nicht beraten werden.

Ich möchte hier schon sagen: Wechseljahre müssen nicht behandelt werden. Wechseljahre sollten wir einfach akzeptieren lernen, genau wie wir anderen Veränderungen einen Platz einräumen. Und übrigens: Wer konsequent vollwertig tiereiweißfrei, am besten 100 % tiereiweißfrei lebt, wird garantiert keine oder nur minimale Erscheinungen haben. Ich kann das nur behaupten, nicht belegen, da ich dazu keine Studien oder wissenschaftlichen Untersuchungen kenne (wer sollte die auch bezahlen? Die Industrie hat sicher kein Interesse daran!). Ich kann das nur aus meinem kleinen Bekanntenkreis als Erfahrung wiedergeben. Und dies auszutesten steht jeder Frau frei.

Morgen geht’s weiter….