Verstehe ich das richtig?

Den Newsletter der UGB erhalte ich regelmäßig, ich finde ihn recht interessant. Dennoch stutzte ich bei der letzten Ausgabe. Meine Email an die Redaktion lest Ihr hier:

Sehr geehrter Herr Weigt,

Sie schreiben im Newsletter:

„Keine andere Ernährungsinstitution nimmt es mit der Unabhängigkeit so ernst wie der UGB. Wir verzichten konsequent auf Werbung und Sponsoring“

Die GGB in Lahnstein ist Ihnen sicher bekannt. Für sie gilt meines Erachtens dasselbe, was Sie über sich schreiben. Bei aller Kritik, die man gegenüber der GGB haben kann, würde mich daher doch einmal interessieren, wie Sie diesen Anspruch begründen.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.
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Schön!

Am Anfang meiner Vollwertzeit interessierte ich mich für Kurse. In Frage kamen die GGB in Lahnstein und die UGB in Gießen. Letztere schied dann aus für mich, weil sie Rohrzucker verwenden. Und es gibt auch einige Personalien, die ich kritisch sehe. Andererseits schätz(t)e ich immer die Offenheit dort (sie hatten z.B. kein Problem damit, mich und ein Buch von mir vorzustellen, räusper) und die deutlich zeitgemäße Ausrichtung, auch in der Optik.

Über das Mainzer Forum fand ich dort nun einen Artikel, der mir ausgesprochen gut gefällt. Ich lade ein zum Lesen!

Pressemitteilung

Frau Schmidt und die UGB

Kommentar vom 31. Mai 2011: Gastbeitrag zur UGB und Vollwerternährung

Nicht nur ich lese Schrot & Korn. Frau Schmidt tut es auch. Und ein Artikel der letzten (Mai-Ausgabe) hat Frau Schmidt dann zu einem Gastbeitrag hinreißen lassen. Da musste ich lachen, denn genau dieser Artikel war mir auch ins Auge gefallen, wenn allerdings nicht mit so schönen Details, wie unsere Gastautorin sie entdeckt hat:

Die Vollwertigkeit der UGB

In der Mai-Ausgabe der Schrot & Korn finde ich heute Rezepte mit Erdbeeren, verfasst von einer Mitarbeiterin der  UGB.

Diese Gesellschaft macht sich gemäß dem Vorwort für die Verbreitung der Vollwerternährung stark und die nachgenannten Rezepte kommen ohne raffinierten (!) Zucker und Weißmehl aus.
Eigentlich ja eine feine Sache, aber als ich die Rezepte gelesen habe, dachte ich, mich tritt ein Pferd:

  • Vollrohrzucker
  • Vollkorn-Löffelbisquit
  • Vanille-Joghurt
  • Apfelsaft (keine Erwähnung, ob frischgepresst oder gekauft)

Ich habe mich gleich mal bemüßigt gefühlt einen Leserbrief an Schrot &  Korn zu schreiben und nachzufragen, ob denn in oben genannten Zutaten kein Zucker enthalten sei. Nun bin ich richtig gespannt, ob und welche Antwort ich bekomme (dann evtl. demnächst in diesem Theater 😛

So etwas dem geneigten und ggf. sogar interessierten Leser unter der Überschrift Vollwert-Ernährung zu verkaufen ist meiner Meinung nach schon frech. Mir ist zwar bekannt, dass die UGB weitaus laxere Ansichten zum Thema Zucker hat als die GGB, trotzdem geht mir da der Hut hoch, wenn das dann mit solchen Wischi-Waschi-Grundsätzen der breiten Masse schmackhaft gemacht werden soll.

Es hat ja jeder selbst in der Hand, wie strikt er den Empfehlungen folgt und da schleichen sich sowieso meistens schon genug Ausnahmen ein.  Aber gleich Im Vorfeld so halb- bis mindervollwertigen Nahrungsmitteln die Absolution zu erteilen, halte ich für  den völlig falschen Weg. Wenn es dann nämlich zu Unverträglichkeiten kommt oder sich Beschwerden nicht bessern, heisst es: „Vollwertkost taugt nichts“.

Also: macht es nach, aber macht es richtig nach 😉

P.S. ich habe KEINE Reaktion auf meinen Leserbrief (ausser der Standardmail) erhalten und er wurde auch nicht im Heft, sondern nur im Netz veröffentlicht

Die UGB Gießen – eine überflüssige Gesellschaft

Kommentar vom 13. Juli 2009: Die Weisheiten der UGB

Als ich mich anfänglich mit der Vollwerkost auseinandersetzte, habe ich im Internet nach Gesellschaften recherchiert, die den Vollwertgedanken vertreten. Dabei stieß ich auf die UGB (Unabhängige Gesundheitsberatung e.V.). Ein führendes Mitglied ist Professor Leitzmann.

Als ich dann auf den UGB-Seiten ein wenig herumstöberte, fiel mir die Verwendung von Vollrohrzucker auf. Daraufhin schrieb ich eine Mail an die UGB und erhielt auch eine Antwort: Ja, sie würden Rohrzucker verwenden. Hmpf. Die Gesellschaft war daraufhin für mich „gestorben“.

Im Laufe der Zeit erfuhr ich auch einige Dinge über Prof. Leitzmann, dass er z.B. bei Bruker gelernt hat. Dass er enge Verknüpfungen zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat, die – s. hierzu die Bücher von Hans-Ulrich Grimm – wiederum (viel zu) enge Kontakte mit der Nahrungsmittelindustrie hat.

In der Juli-Ausgabe der MAHLZEIT steht ein Artikel über die Mai-Tagung der UGB in Gießen. Ich las mir das durch, und mein Eindruck von der UGB wurde wirklich nicht besser. Public Relations – ja, die beherrschen sie. Ansonsten? Leeres modisches Gewäsch. Das lässt sich z.B. leicht an dem Passus zum Übergewicht erkennen (Seite 17, mittlere Spalte).

„Immer mehr Menschen haben Übergewicht und wollen schnell und leicht abnehmen“. (Große Erkenntnis!) Dipl. oec. troph. Wiebke Franz, UGB-Akademie, kam nach einem Vergleich der Diäten zu dem Schluss „Der Vergleich von Diäten unterschiedlichster Nährstoffzusammensetzung zeigt langfristig keinen Unterschied in der Gewichtsreduktion.“ Hat Frau Franz nicht Brukers Buch „Wer Diät ißt, wird krank: Wunderdiäten genauer betrachtet. Über Sinn und Unsinn einseitiger Ernährungsformen“ gelesen? Da hätte sie sich viel neues Erstaunen sparen können. Weiter geht’s: „Außerdem bleibe eine Kalorie eine Kalorie!“ Das macht mich ja manchmal wirklich giftig, wie der  überalterte Kalorienbegriff immer noch durch die Literatur schwirrt, und wie man sieht nicht nur in den Köpfen von magersüchtigen Modells.

„Aber es lohne sich, auf die Qualität von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen zu achten.“ Eine unsäglich neue Erkenntnis. Ich überspringe nun ein paar ähnlich gewichtige Sätze. Jetzt kommt für mich der Knüller: „‚Slow carb‘ mit mehr Vollkornprodukten, weniger Süßigkeiten und süßen Getränken sei vorteilhafter als ‚low carb‘.

  • Mehr Vollkornprodukte – des Normalbürgers Gewissen wird mit zwei Scheiben Vollkornbrot statt einer beruhigt.
  • Weniger Süßigkeiten – kein Wort darüber, dass Zucker ein raffiniertes Industrieprodukt und für den Körper gleich in welcher Menge schädlich ist. Also statt einer halben Tafel Schokolade nur noch ein Riegel am Tag? Das macht das Leben natürlich (auf den ersten Blick) für den Normalesser einfacher – und vor allem, hui, was denke ich da Böses? – tut es der Zuckerindustrie nicht weh. Offensichtlich hat Leitzmann eines aus dem Kontakt mit Bruker gelernt: sich nicht mit der Zuckerindustrie anzulegen (äh, wie war das mit dem „unabhängig???“).
  • Weniger süße Getränke – auch hier keine Abkehr von der Cola, also demnächst nur noch 1 Glas Cola am Tag statt einer ganzen Flasche und schon sind wir auf der sicheren Seite?

Auch die anderen Themen werden modisch abgearbeitet, ohne irgendwo wirklich anzuecken.

UGB? Daumen nach unten!