Es war einmal ein Urkornhof

Kommentar vom 17. August 2011: Urkornhof.AT ade

Ganz am Anfang meiner Vollwertkarriere entdeckte ich für mich den Urkornhof in Österreich, kein Biosiegel, Familienbetrieb, ich dachte – ich probier’s. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Zwar ist das Porto trotz des Versands über Deutschland ziemlich heftig, aber einiges Getreide sehr preiswert und auch sehr gut. Vor allem, wenn ich die 5 kg-Gebinde bestellte. Fragen wurden damals nett und rasch beantwortet.

Dann nahmen sie den Mais aus dem Programm, schade. Außerdem wurden Fragen nicht mehr beantwortet, z.B. nach Keimfähigkeit. Die Firma wächst wohl? Aha. Dennoch hatte ich vor zwei Monaten wieder reichlich bestellt, mit einer Freundin geteilt, und so ging es auch portofrei (ab 100 Euro). Da der Hafer (keimfähiger Nackthafer) immer weniger wird, wollte ich mich schon mal umschauen. Da steht groß auf der Website: „Bitte neue Preisliste anfordern“. Das habe ich gemacht. Diesmal kam auch eine Antwort mit angehängter Preisliste.

Ich sah mir die Preisliste an. Hmm, kein Kamut mehr. Aber noch doofer: keine 5 kg-Säcke mehr. Entweder Kiloware (teuer!) oder 25 kg-Säcke. Wie soll ich denn 25 kg Hafer verstauen? Und dann kann ich monatelang nix mehr außer Hafer essen. Ob das ein Irrtum war? Kamut sah ich auch nicht mehr. Ich habe also nett per Mail angefragt.

Sehr geehrte Frau H.,
danke für die schnelle Übersendung der Preisliste. Wenn ich das richtig sehe, haben sich da für mich einige wichtige Dinge geändert, nämlich:
1. Sie bieten keinen Kamut mehr an
2. Emmer, Einkorn und Wildroggen gibt es nur noch als 1 kg oder 25 kg Gebinde, nicht mehr jedoch in einer preisgünstigeren 5 kg Version?
Das wäre ja sehr bedauerlich, weil dann die Kilopreise doch mächtig ins Geld gehen 😦

Ich bekam auch prompt eine Antwort:

Sehr geehrte Frau Wilkesmann,
die Gebinde haben wir nur mehr wie in der Preisliste angegeben, da das für die Abwicklung der Aufträge eine Erleichterung darstellt.
Kamut ist gelistet (Urweizen)
Mit sonnigen Grüßen vom Urkorhof
H.
Kundenbetreuung

Da war ich dann doch 3 Minuten sprachlos. Geht es jetzt nur noch um die Einfachheit im Betrieb, nicht um das, was die Kunden wollen? Und was soll die alberne Bezeichnung „Urweizen“ für Kamut, was doch nur Kunden verwirrt? Ich erholte mich und schrieb nochmals:

Sehr geehrte Frau H.
ah, das mit dem Urweizen muss man wissen. Wäre vielleicht ein Hinweis für die Kunden nützlich.
Für Sie ist das vielleicht eine Erleichterung; es mag Sie interessieren, dass es für mich als Kundin quasi ein „Kann dort nicht mehr kaufen“  bedeutet. Die Kilopreise sind mir zu hoch und die 25-kg-Gebinde zu groß. Schade….

Antwort? Nein, eine Antwort bin ich dem Urkornhof nicht mehr wert. Muss ich da jetzt noch einmal bestellen? Nein. Möchte ich da nochmal bestellen? Nein. Jetzt habe ich erfahren, dass ein Freund von Herrn Kleider auch Nackthafer mit ausreichender Keimfähigkeit anbaut. Das Problem ist gelöst.

Ich sehe keinerlei Veranlassung einen Betrieb zu unterstützen, für den Kunden nur noch ein notwendiges Übel sind.

Erfahrungen im Online-Handel

Kommentar vom 26. Juli 2010: Info- und Beratungs-Erfahrungen

In der letzten Zeit habe ich einige Erfahrungen mit Anfragen gemacht. Dabei zeigt sich für mich persönlich, dass die Art wie Fragen beantwortet werden, meine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen. Im folgenden vier Beispiele:

1. Keimling
Leider darf ich ja die halbnichtssagende Email von Herrn Holler, Geschäftsführer, nicht veröffentlichen. Ich habe ihm auf seine Mail geantwortet und vor allem einen Punkt herausgepickt, wo er schwammig formuliert. Er schrieb nämlich so in etwa „wir setzen weder A noch B zu Produkt C hinzu.“ Und ich fragte sofort: „Aha, A und B nicht, aber WAS fügen Sie hinzu?“ Bis heute keine Antwort.
Keimling reagiert auf Anfragen nicht konkret, nur mit „politischen“ Halbwahrheiten und sagt immer nur das Allernotwendigste. Ich habe zu diesen Produkten kein Vertrauen mehr und habe sie fortan aus meinem Einkaufsrepertoire gestrichen.

2. Roh und Vital
Vor einigen Wochen hatte eine meiner Leserinnen eine Ungereimtheit bei einem Produkt auf der Seite festgestellt – gemahlene Vanille wurde als Rohkost angeboten. Sie schrieb die Inhaberin des Geschäfts an, die sich sofort freundlich und gründlich der Sache angenommen hat – und das Produkt erst einmal von der Seite nahm. Nach weiteren Recherchen hat sie herausgefunden, dass ihre Vanille kurzfristig bei 60 °C erhitzt wird. Sie – selbst Rohköstlerin – findet das wohl nicht so schlimm, wird die Vanille weiter verkaufen, aber einen entsprechenden Zusatz einstellen. Ich selbst hatte mich bei ihr nach der Herstellung der Kakaobutter erkundigt. Mittlerweile misstrauisch geworden, will ich ja nicht ein Buch über Schokolade und Pralinen schreiben, das auf nichtvollwertigen Zutaten basiert! Frau Schmidt hat sich dieser Frage ebenfalls angenommen, sich zweimal beim Hersteller erkundigt und mir weitergegeben, was sie erfuhr: Kakaobutter wird ohne jegliche Zusätze nur durch mechanische Pressung bei niedrigen Temperaturen hergestellt. Hier kann ich wirklich nur sagen: BRAVO! Denn hier fühle ich mich als Kundin ernst genommen.

3. Zauber der Gewürze
Angestoßen durch libanesische Rezepte begab ich mich im Internet auf die Suche nach dem Gewürz Sumach und nach Paprikaflocken. Verschiedene Online-Händler bieten es an, „Zauber der Gewürze“ in Bioqualität und zu relativ günstigem Preis. Ich habe zweimal Sumach, einmal Paprikaflocken und einmal Ras al-Hanout bestellt. Vom Samuch kam nur eine Dose. Da ich die andere verschenken wollte, war ich doppelt enttäuscht. Ich rief sofort an, man wolle mich zurückrufen. Das erfolgte nicht innerhalb einer Stunde und so habe ich eine kleine Mail geschickt. Da kam die Antwort prompt: Mit dicker Entschuldigung, die Lieferung würde sofort losgeschickt mit einer kleine Probe als Entschädigung. Und so war es dann auch, als Probe erhielt ich ein Grillgewürz (Biozutaten), das auch in Pestos und Suppen sehr lecker ist. Keine misstrauische Frage, ob ich da vielleicht nur etwas erzähle – immerhin war das ja meine erste Bestellung. Auch da war ich beeindruckt: Daumen hoch, hier bleibe ich Kundin.

4. Urkornhof
Vor einigen Jahren entdeckte ich auf der Suche nach Einkorn den Urkornhof in Österreich. Zwar haben sie kein Biosiegel, aber ihre Selbstdarstellung im Internet überzeugte mich. Ich bestellte mehrmals Getreide und stellte zu meiner Überraschung fest, dass sogar der Hafer keimte! Der Einkorn war relativ preiswert und köstlich. Anfragen wurden freundlich beantwortet. Da ich eine Weile Last mit Ungeziefer im Getreide hatte, habe ich meine Getreidevorräte sehr eingeschränkt und längere Zeit nichts bestellt. Ende letzten Jahres gönnte ich mir dann u.a. einmal wieder eine Tüte Einkorn. Leider, so stellt ich fest, keimte er nicht! Ich schrieb also eine Mail und fragte, woran das liegen könne. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Das finde ich ja ganz schwach. Noch schwächer aber finde ich, dass sie nun Hafer in zwei Qualitäten anbieten: „Normal“ und „keimfähig“ – und den keimfähigen natürlich zu einem horrend höheren Preis. Daumen nach unten, der Laden ist wohl zu groß geworden….

5. Mühlenprofi
Früher verkaufte Peter Rumpf in seinem Laden auch Biolebensmittel. Meine ersten ganz zarten Versuche in Richtung Vollwert, lange bevor ich Bruker las, habe ich mit Getreide und Waren vom damaligen „Der-Bioladen“ gemacht. Der Service war vorzüglich, Mehl kam frisch gemahlen an. Vor ca. fünf Jahren habe ich dann meine Hawos Novum dort gekauft. Bei einer Frage zur Reinigung hat mich Herr Rumpf zu damals noch nicht unerheblichen Telefonkosten sehr ausgiebig beraten. Als ich einmal auf der Suche nach der absolut feinmahlenden Mühle bereit war, 2000 Euro in eine größere Mühle zu investieren – riet er mir ab. Meine Hawos würde genauso fein mahlen. Die Preise sind unschlagbar, die Beratung sowieso und wo immer ich kann, empfehle ich den Mühlenprofi: Er hat Erfolg verdient!

Wie teuer ist Rohkost?

Kommentar vom 16. Juli 2009: Erst Bio-Nepp, jetzt Rohkost-Nepp?

Wer sich einmal intensiver mit Rohkost beschäftigt, wird bald feststellen, dass das ein recht teures Vergnügen werden kann, wenn wir den Köstlichkeiten erliegen, die der Rohkosthandel so anbietet, vor allem wenn man dann auch noch auf „Bio“ Wert legt. Ich gebe zu, ich bin auch diesem Wahn ein wenig verfallen und es gab Zeiten, wo ich glaubte, in meinen Rohkostphasen wirklich nur Produkte aus dem Rohkosthandel verwenden zu können – alles andere erschien mir dubios.

Im Moment befinde ich mich quasi auf dem Weg der Verschlichtung. Ja, stimmt, einige Sachen aus dem Rohkostversand sind sehr lecker. Aber geht es wirklich nicht ohne teures Mandelmus, teuerste Kokosstreifen, grüne Rosinen? Nun gut, Nussmus kann ich aus rohköstigen Zutaten auch selbst herstellen. Auf Kokosstreifen kann ich durchaus verzichten, ebenso wie auf die Coconut Cream. Die superexotischen Früchte, die viele Rohköstler so heiß und innig lieben (z.B. Durian), interessieren mich persönlich gar nicht. Ich weiß, dass ich meine nächste Rohkostphase im September auf jeden Fall wieder mit einer Dattelsorte statt mit zig verschiedenen Sorten und stärker regional orientiert gestalten möchte. Allenfalls ein paar Kakaobohnen reizen mich.

Für den Normalgebrauch bestelle ich Nüsse, Trockenfrüchte, Ölsaat und gelegentlich auch Getreide bei der Birlin-Mühle (einem Familienbetrieb), eine Zufallsentdeckung vor mehreren Jahren indirekt über Ebay. Die Homepage http://www.birlin-muehle.de steht übrigens kurz vor der Überarbeitung. Die Mandeln sind einfach köstlich – ich ging aber immer davon aus, dass sie hitzebehandelt sind. Also dachte ich mir, da frage ich doch einfach mal nach. Ich habe schon öfter mit der Birlin-Mühle telefoniert, die Kundenpflege wird dort groß geschrieben und jede Anfrage wird ernst genommen.

Und jetzt kam für mich die große Überraschung: „Der Birlin“ mit dem ich sprach, hat gerade eine 2,5-jährige „Weltarbeitsreise“ durch Produktionsbetriebe beendet, von der Türkei bis nach China. Ein wirklich spannendes Telefonat! Dabei stellte sich heraus, dass  Ölsaaten und Nüsse (natürlich nur die mit Haut) niemals einer thermischen Behandlung unterzogen werden. Die Sonnenblumenkerne werden, wie Birlin berichtete, in China in ganz armen Gegenden quasi noch in der Schürze gesammelt.

Wir werden ja häufig von der Industrie zum Narren gehalten. Aber sobald Geld bei einer Sache gerochen wird, wird die Wahrheit auch gerne einmal etwas geschickter verkauft. Wenn ich zum Beispiel Mandeln mit dickem Etikett „Rohkost!“ anbiete, so kann ich 17 Euro pro kg dafür verlangen. Bin ich schlicht wie die Familie Birlin, dann kosten die ebenfalls rohköstigen Mandeln mal gerade 10 Euro pro kg.

Birlin bestätigte mir das, was ich auch von anderen verantwortungsvollen Betrieben (zum Beispiel dem Urkornhof in Österreich, http://www.urkornhof.at) kenne: Die Ware ist durchaus bio, aber trägt nur nicht das offizielle Etikett, weil dies mit vielen bürokratischen Auflagen verbunden ist. Wobei das Bio-Getreide von der Birlin-Mühle auch das offizielle Bio-Siegel trägt.

Ich habe mal wieder etwas dazu gelernt: Auch wenn ich alternative Richtungen einschlage, darf ich nicht alles glauben, was ich so sehe bzw. muss zwischen den Zeilen lesen. Wenn jemand ein dickes Schild auf seine Rosinen klebt „Rohkostqualität“!, so heißt das nur eins: Diese Rosinen haben (wenn ich mal Vertrauen zum Verkäufer voraussetze) Rohkostqualität, nicht mehr, und nicht weniger. Und vor allem heißt es nicht, dass alle anderen Rosinen nicht-rohköstig sind. Nachfragen bleibt uns eben nicht erspart oder anders rum: Nachfragen kann Geld sparen!