Noch ein unausgegorener Spruch :-)

26. September 2013: Marion Kracht

Wegen der Zahnpasta mit Vitamin B12-Zusatz besuchte ich letztlich VEBU-Seite. Rechts wirbt u.a. die Schauspielerin Marion Kracht für vegetarische Ernährung, sie tut es mit den Worten:

Ich glaube daran: Du bist, was du isst.

Wenn ich den Spruch noch einmal höre, krieg ich wahrscheinlich grüne Pickel. Logisch wäre dann nämlich: „Wenn ich ein Schwein esse, bin ich ein Schwein…. wenn ich einen Menschen esse, bin ich ein Mensch“ 😈 Öhm. Denken manche Leute denn die Sprüche, die sie nachplappern, nicht mal bis zum Ende durch? Es ist wie mit so vielen Redensarten, die mich angeblich nachdenklich machen sollen, ich denke sie zu Ende 🙂

Mein Wochenendbesuch

2. August 2013: Veganer Besuch

An dem heißen Juli-Wochenende, 26. bis 28. Juli, hatte ich veganen Besuch, meinen 17-jährigen Neffen M. Er ist seit einem knappen Jahr Vegetarier und seit Silvester Veganer. Als ich das mitbekommen habe, lud ich ihn zu einem veganen Kochwochenende ein. Ja, da hätte er Spaß dran… Wir hatten erst Karneval geplant, aber das klappte nicht. Dann hatten wir das obige Wochenende ins Auge gefasst. Auch wenn alle Schicksalsstränge sich dagegen verbunden hatten – die Kunden deckelten uns mit Arbeit zu, die Temperaturen gingen in schwindelnde Höhen -, habe ich den Termin nicht sausen lassen. Es sind jetzt Schulferien, und wer weiß, ob es an einem anderen Wochenende geklappt hätte? Also Temperaturaugen durch und zu.
Um das Ende gleich vorweg zu nehmen – es wurde ein tolles Wochenende und ich hoffe, ich konnte dem jungen Mann ein wenig auf den Veganweg mitgeben zum Überdenken (in Sachen natürliche Lebensmittel). Für mich ist vegan in der praktischen Umsetzung kein Problem, nur mit dem Honig musste ich ein wenig umdenken, denn M. ist da konsequent (für sich selbst). Gleich am ersten Abend hätte ich beinahe einen Missgriff getan, es sollte Salat geben. „Magst du scharfes Essen?“ M. nickte freudig. Ich gab also Hoisan-Soße mit Cashewnüssen usw. in den Mixbecher und ups, da fiel es mir ein: Ich habe ja einen Teelöffel Honig in der Soße. Zum Glück habe ich noch daran gedacht, und konnte so ein neues Dressing herstellen und das halbfertige Dressing für die kommende Woche verwahren.
In einem hat er großes Glück: Er wird von der Familie akzeptiert, ja, sogar unterstützt. Seine Mutter kocht für ihn vegan, die ganze Familie ist schon ein bisschen beeinflusst. Ein wenig lustig finde ich das schon, ich meine…. es ist ja nicht so, als hätte man über die Verwandtschaft mit mir nicht schon einmal über Tiereiweißlosigkeit nachdenken können, oder? 😉 Aber was soll’s… das Ergebnis zählt und das Schicksal des Propheten im eigenen Land ist ja nicht ohne Grund ein gängiges Sprichwort.
Mein Neffe ist als einziger in der Familie sehr schlank. Seine Mutter findet, er braucht dringlich ein paar Kilos drauf. Ich finde das nicht. Klar, er ist sehr schlank, aber gesund, munter und belastbar. Außerdem – 17 Jahre alt…. Da kann noch viel passieren. Als Veganer ist er natürlich auch nicht der Gefahr ausgesetzt, ständig und überall rumzufuttern, das ist ja „gefährlich“. An dem heißen Samstag hat er in der Küche rumgewerkelt, ohne Schwächen zu zeigen, ist zweimal mit mir shoppen gewesen und kein Tröpfchen Schweiß auf der Stirn war zu sehen (bei mir schon eher, aber ich bin auch sicher nicht sehr schlank). Wofür soll er da mehr Kilos mit sich rumtragen? Für irgendwelche theoretischen Vorstellungen?
M. ist auch locker in seinem Veganismus, für andere meine ich, nicht für sich selbst. Ich hoffe, das bleibt so. Als wir Samstag einkaufen waren, habe ich eine kleine Flasche Ahornsirup gekauft. Das ist zum Plätzchenbacken und vor allem für die Herstellung von Schokolade einfach besser als Rosinen- oder Dattelsoße. Da er sonst alles Vollwertige mit viel Freude gegessen hat, käme ich mir dämlich vor, wenn ich da plötzlich die Vollwertigkeit des Honigs ständig ins Spiel bringen muss. Ich muss die Dinge nicht essen und habe ihm auch alles mitgegeben. Im Übrigen schmeckt Ahornsirup im Gegensatz zu Zucker lecker in Plätzchen und Schokolade, probiert habe ich natürlich schon. Er ist gerade mal ein paar Monate dabei, da möchte ich nicht durch übermäßige Linientreue anderen gegenüber der Vollwert ein so unrühmliches Denkmal setzen.
Ich habe auch keine Grundsatzdiskussion über Honig angefangen. Ich persönlich weiß genug aus direkten Berichten und auch aus dem Internet, dass Bienenhaltung und Honiggewinnung nicht mit der Massentierhaltung verglichen werden können – wenn man sich nicht gerade Discounterhonig in die Bude holt. Das wird er eines Tages lernen oder auch nicht. Ich finde, da gibt es wichtigere Dinge im Essensleben, über die es sich zu sprechen lohnt.
„Eigentlich“ frühstückt M. nicht – aber ein kleines Frischkorngericht hat er Samstag trotzdem mitgegessen. Ich hab’s extra mit Flocken gemacht, eingeweichtes Getreide ist eben nicht für jedermann gleich ein guter Einstieg. Weniger als sonst, mit ein bisschen Erdbeer-Bananepüree und ein paar Heidelbeeren oben drauf. Am zweiten Tag – ich bin ja undogmatisch, wer nicht frühstücken will, soll’s bleiben lassen – hat er es quasi „verlangt“. Fein. Die Erinnerung wird bleiben – auch wie schön satt das macht.
Das Tiramisu für die Commitment-Aktion haben wir zusammen gemacht, eine Lasagne, Plätzchen, Knäckebrot, Cracker, bestimmt 5 oder 6-Mal Eis aus dem Vitamix :-). Einen Aufstrich, zweimal Schokolade (mit Ahornsirup), Brötchen gebacken, eine Salatplatte und Suppe vorbereitet für die Familie, die ihn wieder abgeholt hat.
Abends haben wir auf der Terrasse gesessen und den Grillduft (haha) der Nachbarn geatmet. Auch da waren wir uns einig – das ist fies.

Veganer, die gar keine sind

5. Juli 2012: Veganer, die Soyawürstchen essen

Meine Hypothese ist: Veganer, die Soyawürstchen und Seitanschnitzel essen, sind im Grunde keine Veganer.

Einleitung

Zuerst möchte ich meine Vor-Gedanken präsentieren. Es geht mir hier natürlich nicht um alle Veganer und Vegetarier, sondern speziell um diejenigen, die Sojawürstchen, Seitan-Schnitzel und ähnliches kaufen. Meiner Ansicht nach sind sie nur Möchtegern-Veganer oder Möchtegern-Vegetarier. Den Nachweis dafür kann ich schnell erbringen:

Warum sind Veganer Veganer?

Immer wieder betone ich, dass ich aufgrund der Vollwertigkeit Sojaprodukte ablehne. Ebenso finde ich, dass ich – so ich denn Hunger auf ein Würstchen hätte – ein solches essen würde. In Diskussionen mit Veganern (weniger veganen Vollwertlern oder Vegetariern) höre ich häufig als  Argument für diese Soyawürstchen und Cashewkäse-Ungetüme, dass die betreffenden Personen den Geschmack dieser Dinge schon mögen, aber sie wollen halt nicht, dass Tiere dafür sterben.
Das ging mir letztlich wieder einmal durch den Kopf.

Ein Parallelmodell

Und ich dachte an eine Parallele. Ich muss vorausschicken, dass ich nicht weiß, wie Menschenfleisch schmeckt und es auch nicht wissen möchte. Bei den meisten Menschen ist das ja ein Tabu, was ich begrüße. Normale Menschen schütteln sich bei dem Gedanken an Kannibalismus.
Wie wäre das jetzt, wenn ich eine Salami auf den Markt brächte, mit dem Slogan „Komplett Menschenfleisch-frei, schmeckt aber 100%ig wie Menschenfleisch“.
Wetten, das kauft keiner?
Ich möchte also nichts essen, das aussieht, riecht oder schmeckt wie Menschenfleisch. Weil ich bekennender Nicht-Menschenfleischesser bin, aus rein ethischen Gründen.

Logischer Schluss

Und nun, das ist nicht so ironisch gemeint, wie es klingt, meine Frage an die, ich nenne sie mal „Tofu-Veganer“:  „Warum kaufst du Dinge, die schmecken wie vom toten Tier, aussehen wie vom toten Tier und riechen wie vom toten Tier (also je schnitzel-/wurst- und käseähnlicher umso besser)? Wenn du vorrangig gegen das Töten von Tieren bist und anderen Leuten die Tierleichen auf dem Teller vorwirfst, nur weil sie ein Schnitzelchen essen wollen – wieso ekelt es dich nicht vor Kunstschnitzeln, die mit Original-Fleischgeschmack angepriesen werden und somit nichts anderes verbreiten als den Geruch und Geschmack vom sonst so verpönten toten Tier?“

Fazit

Wer den Geschmack vom toten Tier schätzt, hat nichts gegen Tierleichen. Er macht sich nur etwas vor.

🙂

Mein Kind will Wurscht – ist mir doch Wurscht

21. Juni 2012: Wie mache ich aus einem Kind einen kleinen Vegetarier?

Häufig sind Eltern besorgt, wie sie ihre Kinder zum Vegetarismus bringen können. Da werden die spannendsten Lösungen vorgeschlagen. Gerne hört man dann auch: „Nimm sie mal mit zum Schlachthof“. Oder „Zeig ihnen einen der Gruselfilme, wie Küken / Schweine (usw.) grausam geschlachtet werden.“

Na super. So bekomme ich drei mögliche Ergebnisse: Gewünscht: Die Kinder werden selbst überzeugte Vegetarier und rühren ihr Leben lang kein Fleisch mehr an. Oder: Die Kinder essen wirklich kein Fleisch mehr, sind aber durch die Filme ihr Leben lang traumatisiert. Ein hoher Preis, aber offensichtlich ist manchen Eltern der Vegetarismus wichtiger als das psychische Wohlbefinden ihrer Kinder. Oder aber dem Kind ist das egal, weil es – wie das bei Kindern ganz natürlich ist!!! – keine Empathie empfindet, ein vernünftiger Schutzmechanismus der Natur. Übrigens einer der Gründe, warum Märchen für Kinder gar nicht so grausam sind, wie Erwachsene häufig denken.

Ich sehe nur eine Lösung: Konsequent und freundlich vorleben, auf Nachfragen erklären. Niemals drängen, denn das wird spätestens in der Pubertät zu Widerstand führen.

Oder denken wir doch einmal anders herum: Wie sind wir denn zu Vegetariern geworden? Meine Eltern haben munter Fleisch verzehrt, auch meine Großeltern, meine Geschwister tun es heute noch. Ich habe mich gegen den Fleischverzehr entschieden, ohne auch je einen dieser Filme gesehen zu haben – zum Glück. Mir hat es gereicht, dass wir im Biologieunterricht (ich muss da so 15, 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein) angebrütete Eier schlachten mussten. Ich habe mich geweigert, da mitzumachen, was mir in dem Halbjahr nicht unbedingt die beste Note einbrachte. Meine Freundin, sicherlich nicht grausamer von Natur aus als ich, hat eine angebrütete Petrischale mit nach Hause genommen, weil sie das spannend fand. Sie wollte Tierärztin werden, ich nicht – weil ich eben in diesen Dingen sehr leicht zu traumatisieren bin, weswegen ich auch heute noch weggehe, wenn mir jemand Wunden, OP-Berichte o.ä. offeriert. Dennoch habe ich mittags nach diesem Biologieunterricht vermutlich Fleisch gegessen, sogar ja bis vor wenigen Jahren noch aß ich Tierprodukte.

Auch ist es zum Glück so, dass nicht alle Kinder so werden, wie ihre Eltern sich das so glühend wünschen und mit allen mehr oder weniger feinen Methoden versuchen, in die Kinder hineinzuerziehen. Wir hätten sonst nur einen Klon nach dem anderen. Viele von uns sind anders als unsere Eltern – und wir sind meist glücklich darüber. Ohne Kinder, die anders sind als ihre Eltern, gäbe es keinen Fortschritt. Womit ich andererseits auch nicht meine, dass Kinder unerzogen bleiben sollen, um Himmels willen! „Bitte“ und „Danke“ sagen, nicht mit offenem vollem Mund reden: Das sind zum Beispiel Dinge, auf die Eltern nicht in der Erziehung verzichten sollten. Das sind Verhaltensweisen. Aber auch diese beruhen auf Vorleben. Gesinnungsfragen kann ich im Gegensatz zu Verhaltensweisen nicht durch Erziehungsmaßnahmen lenken, nur durch Überzeugung und, um mich zu wiederholen: Vorleben.

Veganer können auch anders

29. April 2102: Eine erstaunliche Aussage von einem Veganer

Wir hatten ja gerade vorgestern das Thema Veganismus. Gut zum Thema passt dieses Video, weil es zeigt, dass auch Veganer sich selbst gelegentlich nicht immer als den Nabel der Welt sehen und anderen Menschen ihre Welt lassen.

Mir hat das Video sehr gut gefallen. Ein bisschen Englisch muss man schon können, um es zu verstehen.

Ich habe allerdings zu kritisieren, dass es dem Video nicht geschadet hätte, der freundliche Veganer hätte ein weniger konzentrierter geantwortet und nicht so halb-abwesend an manchen Stellen 😉

Vegetarier und Veganer

27. April 2102: Warum vegan für mich keine Ernährung, sondern eine Lebenshaltung ist

Wenn ich gefragt werde: „Ach, bist du Vegetarierin?“, antworte ich in der Regel: „Nein, ich esse nur kein Fleisch“. Auf die Frage: „Sollen wir für dich vegan kochen?“ anworte ich: „Nein, bitte nicht, kocht für mich einfach ohne Tiereiweiß.“

Wieso? Wo ist der Unterschied? Ich erkläre das gerne: vegan und vegetarisch sind Lebenseinstellungen. Für mich ist diese Essweise nicht vorrangig eine Frage der Tierliebe, sondern dessen, was ich ernährungsmäßig für vernünftig halte. Dass ich mit fortschreitender tiereiweißarmer oder manchmal -freier Ernährung auch dem rohen Fleisch und der Tierhaltung gegenüber eine andere Einstellung bekommen habe, liegt auf der Hand. Warum ich mich aber vor allem immer noch und immer stärker gegen die Bezeichnung „vegan“ für mich selbst setze, konnte ich letztlich wieder an einer Webseite sehen: hier.

Mich graust, wenn ich dort zu den Milchprodukten lese: Milch wird ganz einfach durch Soja-, Reis- oder Hafermilch ersetzt. Sojamilch gibt es mittlerweile in fast jedem Supermarkt (…). Sojamilch ist vom Geschmack her sehr ungewöhnlich, ich würde jedem empfehlen, mit Vanille oder Schoko anzufangen. Am Anfang muß sich fast jeder daran gewöhnen, aber mit der Zeit – zumindest bei mir war das so – findet man dann normale Kuhmilch eklig und schleimig. […]
Sojamilch kann ganz normal wie Milch verwendet werden, zum Kochen und Backen, über das Müsli oder als Kakao. Sogar Pudding kann man ganz normal damit kochen. Für süße Rezepte verwende ich meist eine Vanillemilch, vor allem bei Pfannkuchen habe ich damit sehr gute Ergebnisse erzielt.“

Hoffentlich werde ich dort nie eingeladen… 😉

Gegen grausame Tierhaltung bin ich auch. Dennoch berührt mich die Grausamkeit gegen Menschen immer noch mehr als die gegen Tiere. Für einen deutlich geringeren Fleischverzehr bin ich unbedingt auch. Aber ganz ehrlich: Ich war hocherfreut, als ich bemerkte, dass mein Frühstück am 1. April (Scheibe Brot mit dick Schinken drauf) von vielen nicht direkt als Aprilscherz erkannt wurde. Es heißt nämlich, die meisten wissen, mir geht es um das Essen, nicht um ein Dogma. Es mag Menschen geben, die glauben (!), dass sie auch kurz vor dem Verhungern ein Stück Fleisch ablehnen würden. Zum Glück sind wir bis jetzt hier in diesen Breitengraden nicht vor die Wahl gestellt, theoretisch können wir alle viele schöne Dinge von uns glauben. Auch wenn es den einen oder anderen überzeugten Nicht-Fleischesser schockieren mag: Ich müsste nicht einmal kurz vorm Verhungern sein, um zu einem Stück Fleisch zu greifen. Richtig deftiger Hunger und nichts anderes zur Hand würden da durchaus reichen.

Da ich mich stets selbst immer wieder teste, habe ich in den letzten Monaten auch hier und dort mal in ein Stück Fleisch gebissen. Und? Fisch schmeckt mir gar nicht mehr. Fleisch schmeckt mir nicht besonders. Ente ging noch. Ich vermisse nichts, wenn ich diese Dinge gar nicht esse. Doch ich weiß auch eins: Würde ich irgendwann einmal darauf angewiesen sein, doch tierisches Eiweiß zu essen, hätte ich damit weniger Probleme, als zum Beispiel etwas Gezuckertes essen zu müssen.

So rein wissenschaftlich ist auch noch nicht entschieden, ob wir nun „von Natur aus“ Omnivoren (Allesesser) oder Vollvegetarier sind. Beide Seiten haben gute Argumente, leider sind nicht beide Seiten immer sachlich. Wobei ich persönlich überzeugt bin, dass der Mensch durchaus ohne Fleisch und Tierprodukte leben kann. Der menschliche Körper ist eben anpassungsfähig, und eine sehr fleischarme bis fleischfreie Kost hat sich immer wieder als günstig erwiesen. Warum der heutige hohe Fleischverzehr für die Gesundheit des einzelnen und für „die Welt“ als Ganzes schädlich ist, brauche ich wohl nicht mehr zu erläutern, dafür gibt es genug Material.

Ich möchte mir die Offenheit bewahren. Für mich ist Vollwerternährung die ideale Ernährungsform, weil sie aufbauend auf nachvollziehbaren und erwiesenen Tatsachen nur Empfehlungen kennt, keine Verbote. Also jemand, der einmal in der Woche oder im Monat Fleisch isst, oder genauso häufig ein Stück Käse, ist deshalb für mich kein schlechterer „Vollwertmensch“. Ich möchte auch kein schlechtes Gewissen haben, falls mich mal der Hunger auf einen Hühnerschenkel überkommt. Denn dieses Getue um das Fleisch entspringt manchmal auch unserem Luxus, in dem wir leben. Nomaden, die vom Fleisch leben, zum Beispiel würden als Veganer eben sterben.

Ich bin eine überzeugte Vertreterin der tiereiweißarmen bis tiereiweißfreien Ernährung. Die Gründe sind rein eine Sache des Wohlbefindens, kein Dogma, keine Weltanschauung. Und nur wenn wir die Vollwerternährung völlig vom Dogma befreien, haben wir auf Dauer die Chance, dass sie sich durchsetzt. Und das ist vor allem mein Ziel: Dass die Menschen nicht mehr Krankheiten als unvermeidliches Übel sehen, sondern als eine Folge ihrer Lebensweise, die sie selbst in der Hand haben. Ob mit oder ohne einem Schnitzelchen, aber „natürlich“ nicht mit einer Eiweiß- oder Steak-Diät.

Vegetarismus in der Apotheken-Umschau

Zuerst einmal sei euch herzlich gedankt für die Umfrage zur Apotheken-Umschau & Co. Ganz klar ist: Die meisten möchten diese Artikel nicht aus den Augen verliere. Heute habe ich etwas für euch aus der aktuellen Ausgabe rausgepickt, das im Rahmen der AU neu ist. Los geht’s:

Kommentar vom 23. September 2011: Vegatarisch ist im Kommen!

Das ist jetzt nicht meine persönliche Meinung, sondern Zentrum der Apotheken-Umschau, B-Ausgabe, vom 15. September. Der Chefredakteur Dr. Hans Haltmeier weiß das nämlich mittlerweile auch und begrüßt uns dann auch gleich auf der ersten Seite mit der witzigen, äh, Überschrift „Rot-grün auf dem Teller“. Daneben ein Bild von einem lächelnden Gesicht aus Fenchel, Tomaten und einer Bohne. Noch nie habt ihr so etwas gesehen, gell?

Nun ja, aber im Text geht es wirklich zur Sache. Herr Dr. Haltmeier kann es überhaupt nicht verstehen, warum so wenige Menschen Vegetarier sind, wo es doch für Umwelt und Gesundheit so viel besser ist. Aber er möchte das alles lieber entspannt sehen, nicht als Glaubenskrieg. Und deshalb bekommen wir schöne Rezepte, die sogar eine Redakteurin mit dem vegetarischen Namen Ute Essig (ehrlich!) zum Umdenken brachten. Und so ein Chefredakteur weiß natürlich, wie er schreiben muss, um die Massen zu begeistern: er bringt den Höhepunkt im letzten Satz:

„Und weil es so gut schmeckt, haben wir ab Seite 82 einige Rezepte ohne tierische Zutaten für Sie entwickelt – alle äußerst nahrhaft und völlig ideologiefrei.“

Toll, also nicht nur vegetarisch, auch noch vegan? Ich war ja soooo neugierig, und schlug sofort Seite 82 auf. Fenchel mit Reis und äh, geriebenem Käse. Huch, ist das keine tierische Zutat? Wächst Käse mittlerweile auf Bäumen? So geht es mit den Rezepten weiter. Käse hier, Käse dort. Sorry, Leute, wenn ich euch immer vom Käse abgeraten habe – ich dachte immer, er sei ein Tierprodukt. Andererseits: So wie heute industriell verarbeitet wird, ist vermutlich im Käse wirklich nichts Tierisches mehr? Ist es das, was Herr Dr. Haltmeier uns durch die Blume sagen wollte…. oder hat er einfach, die Wurst in der Hand, sich nicht mal die Mühe gemacht, auf die eigens vorgestellten Rezepte zu schauen?

Es gibt auch noch einen weiteren großen Artikel zur vegetarischen Ernährung. Dabei ein hübsches buntes Foto von Judith Drechsel und ihrem Freund, die sich beide seit vielen Jahren vegan ernähren. Wie geht das mit vegan? „Mit Hefeflocken macht sie Aufläufe herzhaft. Durch Sojamehl ersetzt sie beim Kuchenbackern die Eier …“ Kräuseln sich eure Nägel schon? Keine Sorge, es kommt NOCH besser: „Einem Vitamin-B12-Mangel beugen beide mit Nahrungsmittelergänzungsmitteln vor.“

Da sind wir doch alle wieder beruhigt….  Und an anderer Stelle kommt endlich mal wieder jemand von der DGE zu Wort, Frau Antje Gahl (nicht zu verwechseln mit Frau Antje aus Holland, die uns den Käse anpreist): „Vegetarische Ernährung halten wir grundsätzlich als Dauerkost für geeignet, wenn auch Milch und Milchprodukte auf den Teller kommen“, sagt Gahl. Milch – und Eier – enthalten wie Fleisch das Vitamin B12, das der menschliche Körper braucht, aber nicht selbst herstellen kann.“

Wo ist die Gahlsche Tüte, in die ich spucken darf? Der menschliche Körper stellt das Vitamin nicht her, richtig – aber die Bakterien und Mikroorganismen im Darm tun das gerne. Womit ich auch gleich auf meinen nächsten Monatsfilm verweisen kann….

Chefredakteur und Fachfrau haben hier eine schöne Gemeinsamkeit: Sie reißen die Klappe über Dinge auf, über die sie sich nicht ausreichend informiert haben. Aber das macht nichts, ihre Leser werden das schon glauben. Oder auch nicht 😉

Schnitzelchen allerorten

Kommentar vom 3. Juli 2011: Schrecken manche Hersteller vor nichts zurück?

Leute, die kein Tiereiweiß, überhaupt keine Tierprodukte (also auch keinen Honig) essen und auch ansonsten keine Tierprodukte verwenden, also keine Lederschuhe tragen und keine Bürsten mit Wildschweinborsten benutzen, werden meist als Veganer bezeichnet oder nennen sich auch selbst so. Ich bin dieser Essenshaltung nah, da der Tiereiweißanteil in meiner Nahrung immer geringer wird und da ich immer weniger Gesüßtes, also auch immer weniger Honig, verzehre. Dennoch würde ich mich niemals als Veganerin bezeichnen. Das rührt einmal daher, dass ich in dieser Kostrichtung einige Fanatiker kennen gelernt habe, die das Wildschwein vor lauter Borsten nicht mehr sehen, den Veganismus nicht für sich persönlich entscheiden, sondern ihn äußerst aggressiv vortragen und am liebsten verpflichtend machen würden. In diesem Maß „extreme Vollwertler“ habe ich noch nie getroffen. Bekannt sind die Pudding-Veganer, deren einziges Ziel es ist, alles Tierische zu vermeiden, der Rest ist egal, d.h. ihr Zuckerkonsum ist unvermindert, da wundert mich die Aggressivität bei diesen Veganern nicht :mrgreen: Auch führt der rein von der Einstellung zum Tier verursachte Veganismus dann manchmal zu Auswüchsen, bei denen ich echt nur mit dem Kopf schütteln kann. Soja-Schnitzel zum Beispiel. Ich finde das völlig inkonsequent. Wenn ich kein totes Tier mehr essen möchte, lehne ich auch alles ab, was wie totes Tier schmeckt. Aber so weit geht die Konsequenz nicht und so ist der Markt für Kunstschnitzel, Kunstwürste usw. groß. Es gibt auch vegane Vollwertler, die sich in meiner Erfahrung deutlich von Pudding-Veganern unterscheiden. Andere mögen da andere Erfahrungen gemacht haben. Sei’s drum…

Es sei übrigens hier klar gestellt, dass dies meine persönliche Erfahrung ist, die ich etwas plastisch schildere. Bevor mir jetzt unerträgliche Intoleranz vorgeworfen wird 😉 Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis mehrere Veganer, das geht völlig problemlos.

 

Im letzten Angebotszettel meines Bioladens entdeckte ich dann auch was tolles Neues. Schnitzel für Veganer! Lupinen-Schnitzel. An Lupinen erinnere ich mich gut, als Kind habe ich mit meiner Familie einige Jahre in Delmenhorst gewohnt, dort gehörte zur Wohnung ein Garten, in dem herrliche Lupinen in allen möglichen Farben wuchsen, toll zum Spielen. Und das jetzt als Schnitzel? Lupinen sind Hülsenfrüchte. Vor einigen Jahren, als ich auch noch dem Ersatz-Wahn unterlag, habe ich mir mal Lupinenbohnen gekauft, weil sie ein prima Ei-Ersatz (außer Soja) sein sollen. Das konnte ich praktisch nicht bestätigen, daher habe ich sie irgendwann den Vögeln als Futter in den Garten gegeben.

Zurück zum Lupinen-Schnitzel. Es interessierte mich natürlich, was noch für tolle Zutaten in diesen herrlichen Schnitzeln sind und so suchte ich die Homepage eines Versenders auf, der auch eine Zutatenliste mit veröffentlicht. Mittlerweile ist das Lupinenschnitzel allerdings aus dem Angebot dieser Website verschwunden (hier). Mich nervt ja schon der Begrüßungsspruch „Dein neuer Veganversand im Internet“. Übergriffig finde ich so etwas. Werbung kann auch anders sein! Wer mein Veganversand im Internet ist – wenn ich überhaupt einen suche – bestimme immer noch ich. Das Schnitzel hat köstliche Zutaten, ich dachte es mir schon: Süßlupinen* 40%, Wasser, Weizeneiweiss*, Sonnenblumenöl*, Salz, Gewürze*, Weizenstärke*, Paniermehl*, Kräutersalz* / * = aus kontrolliert biologischem Anbau. Erst einmal schätze ich es sehr, wenn offizielle Websites sich um korrekte Rechtschreibung bemühen. Weizeneiweiss gibt es vielleicht in der Schweiz, in Deutschland heißt es immer noch Weizeneiweiß. Dies nur am Perfektionismus-Rande 🙂  Aber Weizeneiweiß klingt eh schon… so hübsch extrahiert, genau wie Weizenstärke. Paniermehl aus biologischem Anbau, nee klar. Und ob das Sonnenblumenöl das preisgünstige kontrollierte Öl vom Discounter nebenan ist? Niemand verrät es mir. Für mich klingt die Zusammensetzung unappetitlich, labberig und scheußlich. Und ungesund.

Wer konsequent vollwertig-tiereiweißfrei oder auch vollwertig-vegan isst, vermisst kein Schnitzel. Ich höre schon mal, dass die Leute den Käse vermissen, aber Schnitzel? Gibt’s vielleicht, ist mir aber noch nicht zu Ohren gekommen. Tier hin oder her – wenn ich Hunger auf Schnitzel HÄTTE, würde ich ein Schnitzel essen. Und eine richtige leckere Scheibe Sauerbrot ist mir allemal lieber als diese Weizenpampe. Würg.