Alkohol im Spiel!

19. September 2014: Alkoholtote

Ich liebe bekanntermaßen die Statistiken in der Apotheken-Umschau, sie sind immer so herrlich wenig aussagekräftig. Auch die B-Ausgabe vom August hat wieder einen kleinen Zahlenbeitrag für mich parat – auf Seite 22. Ich zitiere:

„Mehr als 14500 Menschen starben in Deutschland 2012 an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Diese Sucht erforderte fast viermal so viele Opfer wie der Straßenverkehr: Etwa 3800 Personen starben bei Unfällen.“ Quelle: Statistisches Bundesamt.

Dass die Zahl der Verkehrstoten sich ebenfalls auf das Jahr 2012 bezieht, setze ich einmal voraus. So viel Lauterkeit wird wohl auch die A-U haben 😉

Es ist aber wiederum eine Zahl, die isoliert auf ein Jahr betrachtet, wenig sagt. Wie war das 2011? Und warum liegen die Zahlen für 2013 noch nicht vor? Immerhin ist August 2014. Welche der beiden Zahlen ist gestiegen und wenn sie gestiegen sind, um wie viel? Ist vielleicht eine Zahl gefallen? Ich gebe ein Beispiel: Vielleicht betrug im Jahr 2011 die Zahl der Alkoholtoten 8900 und der Verkehrstoten 3700. Dann wäre das auf den Alkohlkonsum bezogen ja eine positive Entwicklung. Auch wäre die Zahl der Todesfälle insgesamt interessant oder ein Vergleich mit Unfällen im Haushalt, Folge von Herzerkrankungen, Diabetes usw.

Was mich ja auch interessiert: Wer bestimmt, was ein Tod infolge übermäßigen Alkoholkonsums ist? Es könnte ja auch Begleiterkrankungen geben, wie Diabetes, Herzerkrankungen usw., die zum Tode führen, ohne eine Folge des zu vielen Trinkens zu sein. Was ist ein übermäßiger Alkoholkonsum?

Und da alle diese Fragen nicht beantwortet sind, frage ich mich nun: Was will mir die Apotheken-Umschau mit diesem Platzfüller denn nun sagen? Dass wir mehr Unfälle mit Todesfolge bauen sollten, damit die Zahlen weniger auseinander klaffen? 😉

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Ketzerisches zum Auto

Kommentar vom 18. November 2011: Ketzerisches zum Autofahren und Zufußgehen

Mitte Oktober kam die Diskussion auf: Tempo 30 in Wohngebieten verpflichtend?

Als Argument wird dann immer angeführt, dass die Unfallzahlen drastisch sinken, die Zahl der Todesopfer ebenfalls usw. Das mag alles sein und ich möchte sicher auch nicht, dass das Autofahren auf dem Rücken der Fußgänger ausgetragen wird, in der Stadt bin ich selbst auch zu 99 Prozent zu Fuß unterwegs. Jedoch finde ich die Argumentation nicht überzeugend: Wetten, dass bei Tempo 20 noch weniger Unfälle passieren, bei Tempo 10 gehen die Zahlen weiter herunter und – wer hätte es gedacht – bei Tempo 0 passieren nur noch Unfälle, wenn ein Fußgänger ins Auto läuft.

Wer unaufmerksam fährt, kann auch bei Tempo 30 zu spät auf die Bremse treten und bei vollem Tempo 30 überrollt zu werden macht auch nicht unbedingt lebendig. Verantwortungslose Menschen fahren auch bei Tempo 30 ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen, Träumer träumen auch bei Tempo 30.

Ich habe keine alternative Lösung. Autofreie Innenstädte waren doch ein schöner Anfang, muss ich immer vor jedes Geschäft fallen können? Ich habe gerade bei den Tempo-Diskussionen nur immer das Gefühl, dass dies ein Politikum ist, und nicht wirklich Sorge um meine Mitmenschen. Die beiden Unfälle, die mich in meinem Leben berührt haben (ich war an beiden nicht beteiligt), sind unabhängig von einer überhöhten Geschwindigkeit passiert: Einmal ist eine Bekannte aus einem rollenden Auto gefallen, das Auto geriet unglücklich in einen Graben und sie war nicht mehr angeschnallt. Folge: Querschnittslähmung. Das andere Mal war ich Augenzeugin: Eine Freundin und ich wollten an der Fußgängerampel die Straße überqueren, es wurde grün, wir gingen los, sie einen Schritt vor – und wurde von einem Auto erfasst. Die Fahrerin war unkonzentriert, aber nicht schnell (obwohl auf der Straße höhere Geschwindigkeiten erlaubt waren), weil sie einen Radfahrer neben sich gehabt hatte und sich nur drauf konzentrierte, ihm nicht ins Gehege zu kommen. Meine Freundin erlitt zum Glück nur eine leichte Gehirnerschütterung. Sie durch die Luft fliegen zu sehen – ist ein Bild, das ich nie vergessen habe. Übrigens auch mit ein Grund ist, warum ich Fußgängerampeln nur als groben Anhaltspunkt sehe. Ich schaue immer, ob ein Auto kommt, und wenn ganz klar keins kommt – dann gehe ich auch bei Rot über die Straße. Warum Menschen z.B. nachts auf menschenleerer Straße auf Grün warten, wird mir stets ein Rätsel bleiben.

Verkehrstote Senioren

Kommentar vom 20. August 2010: Tote Senioren

In der Augustausgabe der Apothekenumschau lesen wir in der Rubrik „Rat & Hilfe kompakt“ die Meldung:

„2009 kamen in Deutschland 1104 Senioren im Straßenverkehr ums Leben. Das sind 3,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.“

So wie das da steht, kann ich jetzt nicht unmittelbar „Rat und Hilfe“ erkennen. Und wenn wir uns diese Information einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen, ist sie ungefähr so aussagekräftig wie „2009 kauften in Deutschland 53.550 Senioren ein Paar braune Schuhe. Das sind 3,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.“

Warum behaupte ich jetzt, dass diese Info sinnlos ist? Zahlen machen absolut gesehen wenig Sinn, sie brauchen eine Vergleichsgröße. Wenn ich euch z.B. erzähle, dass ich pro Woche 5 kg Äpfel kaufe und verzehre, dann würdet Ihr vermutlich arg staunen. Denn Ihr nehmt euren eigenen Apfelkonsum als Vergleichsgrundlage. Um die obige Information auch nur grob sinnvoll einordnen zu können, brauchen wir z.B.:

  • die Zahl der in Deutschland lebenden Senioren
  • ob sie als Fußgänger, Beifahrer oder Autofahrer gestorben sind
  • eine Definition dessen, welcher Altersbereich hier mit „Senioren“ gemeint ist
  • ein Vergleich mit einer anderen Gruppe, z.B. wie viele Kinder im Straßenverkehr ums Leben kamen
  • die entsprechenden Zahlen aus mindestens zwei Vorjahren
  • Und ganz wichtig: Um wie viel Zugänge die Gruppe der Senioren von 2008 auf 2009 gewachsen ist.

Gerade ohne den letzten Punkt ist dieser Vergleich nichtssagend. Wenn ich z.B. Senioren definiere als alle Menschen über 65 Jahre, dann sind zurzeit die „Zugänge“ zu dieser Gruppe ja zahlenmäßig ohnehin größer als die „Abgänge“ (= Sterbefälle). Denn genau das macht ja die allseits beklagte Alterspyramide aus – dass nämlich die Zahl der Senioren immer größer wird. Nehmen wir einmal den theoretischen Fall, dass es 2009 insgesamt 7,5 % mehr Senioren gab als 2008 – dann wäre, grob gesagt, die Zahl der Verunglückten ja sogar zurückgegangen.

Da die Zahl 1104 auch noch im Text hervorgehoben sind, soll ich das vermutlich viel finden. Kann ich nicht, da mir jede Beurteilungskraft versagt wird. Und was schließe ich daraus? Dass die Apotheken-Umschau es nicht für wichtig hält, uns mit Informationen zu versorgen, die wir dann selbst einordnen können, sondern uns nur Wissenshäppchen präsentiert und eine Schlussfolgerung ohne Denkkraft unsererseits gleich mitliefert.

Nö, danke. Ich denke gerne selbst 🙂