Atheismus und Verbissenheit

Kommentar vom 11. Januar 2011: Gastbeitrag von theomix

Vor zwei Wochen habe ich den Blog von theomix hier vorgestellt. Heute nun stellt er sich den Lesern meines Blogs direkt vor – mit einem Gastbeitrag zu verbissenen und polemischen Atheistenblogs.

Es ist interessant, sich atheistische Blogs anzuschauen. Da sprüht einem die Polemik nur so entgegen. Und sie ist wie aus den besten Zeiten der antikommunistischen Propaganda: Nur das Eigene ist gut, die Anderen sind schlecht, böse, gerissen und gemein. Und wenn es gut, freundlich und offenherzig aussieht, ist das nur Verstellung. Der Wolf im Schafspelz muss entlarvt werden – und wird es auch, natürlich, dank der Aufklärer.

Ja, wenn es diese Aufklärung nicht gäbe. Aber leider ist sie keine,  nicht das reine Licht der Vernunft leuchtet hier. Ein greller Lichtkegel zeichnet den Gegner holzschnittartig. Er wird auf bestimmte Muster reduziert.

Stichwort Aufklärung: die evangelische Theologie ist ihr seit fast 250 Jahren verpflichtet, aber das wird nicht gesehen. Christentum ist gleich Fundamentalismus. Und Fundamentalismus ist dumm. Schlau ist nur der Atheismus.

Das ist deutlich, wenn es gegen die Bibel geht. Da wird gerne gefolgert, der Glaube müsse primitiv sein, weil er alles wörtlich nehmen muss, was in der Bibel steht. Die historisch-kritische Forschung, also die Auslegung von seiten der akademischen Theologie,  hat längst mit Widersprüchen in der Bibel umzugehen gelernt. (Und auch sonst führt die Theologie nicht zu Denkverboten.)

Da bastelt man aber lieber Verschwörungstheorien, die Kleriker hätten sich verschworen, dieses geheime Wissen nur ja vor den Augen der frommen Schäflein zu behüten. Nun kann ich aus eigener Anschauung sagen: die meisten interessieren sich gar nicht für die Auslegung problematischer Bibelstellen. Angehörige von  Verstorbenen etwa sind oft fertig mit den Nerven und wollen einfach nur loswerden,  was mit dem verstorbenen Angehörigen war und was sie jetzt so traurig macht.

Vielleicht mag man jetzt einwenden „Ja, die  Predigt, da sollte es der Gemeinde erzählt werden.“ Im Prinzip nicht schlecht. Nur ist eine ausführliche Exegese kopfbetont hoch zwei und berührt nicht unbedingt existenziell.

Letztlich begehen alle diese verbissenen Polemiker einen Fehler: Sie halten ihre Gegner grundsätzlich für dümmer als sie selbst sind. Wem das hilft, in der Welt besser zurechtzufinden, bitte sehr! Aber der Vernunft entspringt diese Haltung nicht.

1. Anmerkung : Ich kenne mich in der evangelischen Theologie einigermaßen aus. Über die anderer Konfessionen maße ich mir kein Urteil an.

2. Anmerkung: Der Blog „Überschaubare Relevanz“ ist ohne Frage auch atheistisch, er polemisiert gerne herum. Aber ich kommentiere ab und zu, ganz gerne, weil der Autor trotz alledem guten Argumenten nicht abgeneigt ist. Wenn alle so wären, wäre ich jetzt auch nicht so polemisch…

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