Frag doch mal die Ute? Im November nicht :-)

29. Oktober 2012: Das Salz (ohne Film)

Leider nicht in den korrekten Ort gesetzt, kam letztlich eine Frage, die ich dann hier einmal beantworten möchte, weil ich sie durchaus wichtig finde. Da wollte nämlich eine Leserin wissen, warum ich immer erst am Ende salze.

Lasst mich dies kurz zusammenfassen, warum das so ist:

  1. Hülsenfrüchte, Naturreis und Getreide garen schlecht oder gar nicht, wenn zu Beginn Salz zugegeben wird. Je älter die Hülsenfrüchte sind, umso drastischer wird dies.
  2. Salz hat auch etwas mit Osmose zu tun, also den Austausch von Flüssigkeiten von einem „Material“ zum anderen. Deshalb ist zu viel Salz für den menschlichen Körper auch schädlich, weil die Flüssigkeiten anders aus den Zellen austreten, als dies von der Natur vorgesehen ist. Dass ein starker Salzgenuss für hohen Blutdruck mit verantwortlich ist bzw. ein geringer Salzkonsum sich günstig auf den Blutdruck auswirkt galt lange Jahre als ausgemacht, ist aber heute auch schon umstritten. Da mir dazu die Kenntnisse fehlen, halte ich mich mit einem Urteil zurück. Zurück zum Gemüse: Wenn ich Gemüse schon mit Salz dünste, tritt die Flüssigkeit schneller aus den Gemüsezellen aus und damit auch die wasserlöslichen Vitalstoffe. Damit werden diese dann schneller verkocht als wenn wir erst salzlos kochen, und am Ende salzen.
  3. Salz, das ist eigener Eindruck, keine objektive Weisheit, verliert beim Kochen an Würzkraft. Das heißt, wenn ich bereits zu Beginn des Dünstvorgangs Salz zugebe, brauche ich einfach mehr, als wenn ich es am Ende ergänze.
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Pizza und Zusatzstoffe mit Arroganz

Kommentar vom 14. Januar 2011: Die eigene Arroganz, oder: eine neue Pizzeria hat eröffnet.

Gestern Morgen gab’s Schüttelwerbung. Das finde ich einen sehr schönen Begriff, den ich auch erst seit einigen Jahren kenne, seitdem ihn mir ein Mitarbeiter aus dem Zeitungsvertrieb erklärte: Das sind Werbebeilagen, die der gewiefte Leser aus der Zeitung „schütteln“ kann, damit er sie endlich los wird. Die heutige Schüttelwerbung war ein Faltblatt, vierfarbig, für eine neue Pizzeria. Offensichtlich eine Kette, unten rechts steht „pizzastudio.de“. Alles in Kleinbuchstaben geschrieben, was mich ja schon gehörig nervt. Na gut, dann können wenigstens dabei keine Rechtschreibfehler gemacht werden 😉

Ich blätterte so durch das kleine Heftchen. Das Foto vorne verheißt uns Gesundheit: Grünzeug, kleine Tomaten und Kokosflocken. Ups, nein, das sind wohl eher hauchdünne Käsescheiben. Da der Konkurrenzkampf unter den Pizzerien groß ist, wird das klassische Angebot von Pizzen und Pasta ja ständig um neue Rubriken erweitert. Es gibt die Kids Box (Mini-Pizza, Capri-Sonne (toll?) und eine kleine Überraschung), natürlich Dinge für Vegetarier (in Käse getaucht), Schnitzel, Kartoffelaufläufe, eine Fastfood-Corner und noch so allerhand. Eine wunderbare Palette. Gewisse Lebensmittel sind mit einem Sternchen markiert. Na klar, ich weiß, was das bedeutet – das sind die Hinweise auf Zusatzstoffe. Erstaunlicherweise sind sie relativ gut lesbar auf der letzten Seite aufgeführt. Zum Beispiel: „Schinken (prosciutto ist formvorderfleisch mit stabilisator e450 und milcheiweiss […] Oliven sind geschwärzt“ und so geht es munter weiter.

Das kann also jeder gut lesen, es ist zwar nicht gerade auf der ersten Seite groß ausgewiesen, aber durchaus zumutbar. Da frage ich mich doch: Warum kaufen die Leute sowas? Lesen sie das nicht? Lesen sie das und es ist ihnen egal? Wie ja auch die meisten Deutschen trotz Dioxin-Skandals weiterhin Eier kaufen und essen werden. Dies wäre ein herrlicher Ansatz für einen Fernsehmoderator, sich über die mal wieder so dumme Bevölkerung zu mokieren, die alles wissen könnte und trotzdem keine Konsequenzen zieht.

Warum wohl nicht? Nun, wir werden mit Skandalgeschichten über Lebensmittel so überschüttet, da wundere ich mich nicht, dass die meisten die Schultern zucken und sagen – ist ja eh alles vergiftet, was soll’s? Und irgendwo ist es natürlich auch vielen Menschen einfach egal, sie achten nicht darauf.

Da sind wir Vollwertler natürlich die viel besseren Menschen. Wir essen bewusst, wir kaufen bewusst ein. Wir würden nie gegen besseres Wissen Zucker essen, und wenn, dann ja nur, weil schon Bruker gesagt hat „Ein Stück Kuchen schadet ja nicht“ (er meinte „bei Gesunden“, aber der Teil fällt höflichst unter den Tisch). Wir nehmen  Tomatendosen, um in Eile mal schnell eine Soße zu zaubern, wir essen im Restaurant auch schon mal das „normale“ Essen mit, denn wir wollen ja nicht ständig unangenehm auffallen. Und die paar Nüdelchen und die paar Tassen weißer Reis schaden uns nicht. Ach ja, und ein Stück Fleisch ist dann auch gut gegen den Vitamin B12-Mangel.

Entrüstung macht sich breit – „aber wir sind doch da viel besser als der Normalbürger!“ Nein, sage ich – sind wir nicht. Denn wir wissen MEHR, also müssten wir theoretisch auch viel MEHR an Konsequenz zeigen. Wer von der Vollwert weiß und sich trotzdem ab und an ein Stückchen Kuchen gönnt, braucht sich über den Normalbürger nicht zu erheben. Wir sollten unser Verhalten an unserem Wissen, nicht an den Ergebnissen messen. Ich schließe mich da  mit ein. Ich weiß so viel über Zusammenhänge, und dennoch esse ich im Restaurant auch schon mal weißen Reis. Oder ein Weißmehlbrötchen zum  Frühstück, wenn ich im Hotel übernachte. Schlimm finde ich dabei nicht, dass ich diese kleinen „Aussetzer“ habe – schlimm finde ich nur, dass ich auf diejenigen herunter schaue, die nichts oder wenig wissen und das bisschen Wissen nicht in die Tat umsetzen.

Fazit: Auch wenn es noch so schwer fällt zu glauben: Wir sind nicht die besseren Menschen 😉

Ab heute wird alles anders

Kommentar vom 1. April 2010: „Ich fange heute ein neues Leben an“

Nachdem ich letzte Woche das große Glück hatte, die neuste Ausgabe der Apotheken-Umschau in die Hand zu bekommen, weiß ich mehr. Ich las nämlich auf Seite 28/29 die Übersicht über die „wichtigen Winzlinge“ – das sind die Vitalstoffe, im Sinne der Apothekenumschau die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Alle einzelnen Vitamine usw. sind mit ihrer Bedeutung für den Körper aufgeführt, dazu gibt es auch noch einen Satz zum Mangel-Risiko. Ich habe diese Liste gründlich studiert und festgestellt: Ich bin ein wandelnder Mangel auf zwei Beinen. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich noch zwei Schritte gehen kann. Da man nie weiß, wie lange ein Wunder anhält, werde ich fortan mein Leben umkrempeln.

Weg mit dieser dummen Vollwerternährung. Sie stählt mich nicht fürs Leben, sondern sie macht mich so unerträglich gesund, dass ich nicht einmal gemerkt habe, wie viel mir fehlt und wie krank ich irgendwo im Verborgenen bin.

Bei einigen Vitaminen bin ich nicht betroffen, bei anderen jedoch stark:

  • Vitamin B2: Mangel gefährlich bei Menschen, die keine Milch trinken (ich habe seit 2005 keine mehr getrunken!)
  • Folsäure: Mangel-Risiko ist hoch, denn nur wenige bekommen über die Nahrung genug Folsäure. Na, da bin ich wenigstens in guter Gesellschaft.
  • Kalzium: Menschen, die keine Milch oder keine Milchprodukte mögen oder vertragen, nehmen zu wenig Kalzium auf. Ich dachte bisher immer, dass es auch Menschen gibt, die einfach den Verzehr von Milch usw. ablehnen, ich zählte mich auch dazu. Fälschlich! Diese Gruppe Menschen gibt es ja gar nicht. Schon gar nicht welche, bei denen Milchprodukte schädlich sind. Nicht mögen oder nicht vertragen. Punkt. Ich habe vermutlich Knochen weich wie Gummi.
  • Eisen: Oh, Vegetarier, die sich mit Ernährung nicht gut auskennen. Da gehöre ich bestimmt dazu, denn ich stelle meine Ernährung nach Lust und Laune, und nicht nach den Regeln der weisen DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zusammen.
  • Zink: Vegetarier sind gefährdet. Zink stärkt das Immunsystem. Ich werde vermutlich deshalb so arg selten krank, weil die Viren und Bakterien sehen, dass ich gar kein Immunsystem mehr habe, da ergreift sie Mitleid und sie laufen weg.
  • Kupfer: Auch wieder die Vegetarier. Meine Blutbildung muss schon verrottet sein.
  • Selen: Vegetarier und Patienten, die künstlich ernährt werden. Schluck. Da hatte ich ja bisher noch keine Gemeinsamkeit gesehen, aber die Umschau muss es ja (besser) wissen. Mein Körper platzt also förmlich vor freien Radikalen, die jetzt ungehindert meine Zellen schädigen.
  • Jod: Alle Deutschen sind gefährdet, jawohl. Damit ich ja auch. Die Lektüre z.B. von Dagmar Braunschweig-Pauli ist vermutlich ein Märchenbuch, dass die böse Anti-Jod-Lobby hat schreiben lassen.

Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich erst einmal in den nächsten Supermarkt gegangen, bloß nicht in den Bioladen. Ich habe mein Wägelchen mit Milch, Joghurt, Buttermilch, Putenfleisch, Steaks und Schweinespeck hoch voll beladen. Das wurde ja sowieso langweilig mit den ganzen Vollwertrezepten, nicht wahr? Also freut euch – heute ist der 1. April und ab sofort gibt’s ordentlich tiereiweißreiche Rezepte: Gleich morgen fange ich mit Rindersteak in Milchkäsesoße an!

Diät Teil 3

Kommentar vom 25. Juni 2009: Welche Diät passt zu mir (Teil 3) (Fortsetzung vom 2. und 14. Juni).

Die zweite vorgestellte Diät trägt die Überschrift „Für Eilige“. Und dann kommt die Atkins-Diät, die sich dadurch auszeichnet, dass man am Anfang nur Fleisch und etwas Sahne isst, dann in kleinen Wochenschritten mehr Kohlenhydrate hinzugibt, aber Obst und Gemüse sind im Grunde verpönt. Im Praxis-Check sagt der Artikel „Wer nicht gerne Fleisch isst, kann diese Ernährungsform kaum durchhalten.“ Und der Tipp für Familien: Für Kinder die Diät mit Reis oder Nudeln ergänzen.

Unter Experten-Urteil kommt dann der Hammer: „Lange war diese Abnehmvariante verpönt. Doch man kann damit zumindest kurzfristig schnell und effektiv abnehmen. Bis zu einem Jahr sind keine negativen Effekte bekannt.“

Ich habe in den 70er Jahren diese Diät selbst einmal gemacht. Nach 6 Wochen war ich mit den Nerven so runter, dass ich bei jeder Kleinigkeit anfing zu heulen oder auszurasten. Wenn dies nur meine eigene Erfahrung wäre! Meinem Vater ging es, ohne dass er von mir wusste – genauso. Und anderen auch. Wer das ein Jahr lang macht, kann sich gleich Psychopharmaka dazu holen (Nährungsergänzungsmittel sind sowieso Pflicht, weil offenbar viele Dinge fehlen.)

Abgesehen von meinen persönlichen Erfahrungen kann ich nur den Kopf schütteln, wie eine Familien-Programm-Zeitschrift solch gefährlichen Unsinn verbreiten kann: Wie kann man nur auf die Idee kommen, Kindern eine solche fast vitalstofffreie Kost zu geben! Und wie können Experten behaupten, dass sei über ein Jahr ungefährlich? Zivilisationskrankheiten haben lange Zeiten, bis sie offenbar werden. Bei einer solchen Ernährung über 365 Tage sind Rheuma, Gicht und Allergien vorprogrammiert.

Über manche Expertenempfehlungen kann ich lächeln. Aber dies ist wirklich das Schlimmste, was ich seit langem gelesen habe. Getreide aus der Ernährung zu streichen ist schlimm genug, aber die rohe Kost über ein Jahr zu streichen bzw. auf ein Minimum zu fahren und durch Vitaminpillen zu ersetzen, ist kriminell.

Die Verfasserin des Artikels U.G. ist Diplom-Ökotrophologin. Lernt man wirklich so gefährliche Sachen in diesem Studium? Hat sie einmal selbst nur 2 Monate eine Atkins-Diät gemacht? Oder redet sie vom hohlen Tisch, in dessen Schublade vielleicht ein kleiner Scheck der Metzger-Innung und der Fleisch-Industrie liegt?