Wir legen die Vollwert mal flach!

25. März 2013: Vollwert taugt nix, denn Ute hat Husten!

Wir Vollwertler sollten Gesundheit vertikal, nicht horizontal betrachten!

Was meine ich damit? Vertikal bedeutet senkrecht und horizontal bedeutet waagerecht. Ich hätte auch sagen können: Seht die Vollwert und ihre Folgen intrahuman und nicht interhuman 🙂 Und nachdem ich euch mit meinem halben Fremdwortschatz eingedeckelt habe, möchte ich zur Sache kommen.

Das hören wir ja immer wieder: „Wie, XXX ist Vollwertlerin und hat dennoch Brustkrebs bekommen? Da kann die Vollwert nichts taugen“. Oder: „YYY hat regelmäßig Pickel und isst tiereiweißfrei?“ Mal abgesehen davon, dass ich die Tiereiweißfreitheit hier bezweifle: „Das darf nicht sein, also taugt die Vollwert nichts?“

Vollwert ist, und das wiederhole ich gerne immer wieder, keine Garantie für Gesundheit, weil auch andere Faktoren hinzukommen. Wobei ich mich dagegen wehre, dass alles, was ich an Unpässlichkeiten bekomme, gleich laienpsychologisch auseinandergelegt wird 🙂 Gesundheit ist neben allen wichtigen Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Lebensweise auch ein Erbteil unserer Ahnen, eine genetische Vorprogrammierung, aus der es das Beste zu machen gilt. Wobei ich betone: Wir sollten das Beste draus machen – fehlerlos wird niemand. Immer wieder sehen wir ja gerade auch Beispiele für ungesundes Leben und langes Leben: Hier sei einmal wieder Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt angeführt. Mich wundern ja manchmal auch die Hollywood-Schauspieler, die mit Stress und sicher nicht vorbildlichem Essen locker die 90 Jahresgrenze erreichen, derweil die Vollwertlerin nebenan vielleicht schon mit 75 Jahren gestorben ist.

Ist jetzt Rauchen doch gesund? Ist es jetzt doch egal, wie und was wir essen, es spielt letztendlich keine Rolle?

Meine Antwort auf diese Frage ist ein deutliches: Nein. Natürlich ist Rauchen nicht gesund und ganz bestimmt hat die Ernährung einen ungeheuren Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.

Der Fehler bei diesen Überlegungen liegt darin, dass Menschen miteinander verglichen werden. Da es aber so viele Hunderte und Tausende von Faktoren gibt, die letztendlich unser Leben bestimmen, ist dies – wenn wir nicht riesiges statistisches Material zur Verfügung haben – der falsche Ansatz. Wir müssen ausschließlich auf ein Leben, nämlich vorwiegend unser eigenes schauen. Ich nehme Zeitpunkt X, da bin ich auf die Vollwert umgestiegen. Was hat sich geändert? Bei mir selbst fällt mir spontan ein, dass ich praktisch keine Gallenbeschwerden mehr habe (obwohl ich „normal“ esse), dass meine Haut viel besser geworden ist. Dennoch hat sich bei mir nicht der automatische Gewichtsverlust oder das automatisch Einpendeln des Gewichts eingestellt. Vollwert-Hardliner behaupten dann mal wieder, ich hätte etwas verkehrt gemacht. Da kann ich mittlerweile nur noch gähnen. Ich kenne viele Vollwertler, die mit der tiereiweißfreien Vollwert nicht alle ihre Beschwerden beseitigen konnten. Aber alle, die ich ernst nehmen kann, stellen selbst bei Zweifeln nach Befragen fest, dass sie deutlich gesünder sind als vorher. Dass vielleicht ihre Nachbarn trotz Grillabenden mit Billigfleisch (vermeintlich) gesünder sind, mag sein. Aber das ist doch egal. Nehmen wir Vollwertlerin Florinda. Seit sie umgestiegen ist, hat sie kaum noch Heuschnupfen, wiegt aber immer noch 10 kg zu viel. Ihre Nachbarin Doris erfreut sich einer gertenschlanken Figur, hat (momentan) auch sonst keine großartigen Beschwerden und lacht sich bei den Nachbarschaftsgrillabenden immer halb kaputt über Florinda: Die isst kein Fleisch, bringt sich ihren Salat mit und passt trotzdem nicht wie Doris selbst in Größe 36.

Oder Hermann X. Hat 10 Jahre vollwertig gelebt, sein Rheuma war verschwunden, dennoch starb er mit 67 Jahren an Lungenkrebs. Sein 75-jähriger Vetter Otto lacht sich bei der Beerdigung ins Fäustchen: Er raucht und hat Hermann schon um so viele Jahre überlebt!

Die einzige Frage, die ich mir hier stelle, ist doch: Wie wäre Florindas Lebensqualität ohne die vollwertige Ernährung? Sie würde mit ihren 160 cm genau wie jetzt in Kleidergröße 48 die Welt erobern, aber ihre Nase würde jucken, ihre Augen würden tränen und Taschentücher wären ihre ständigen Begleiter. Was wäre aus Hermann geworden, wenn er nicht mit 57 Jahren auf die Vollwert umgestiegen wäre? Gestorben wäre er nicht nur vielleicht Jahre früher, sondern sein Leben wäre bis dahin deutlich qualvoller gewesen, weil er sie nämlich im Rollstuhl verbracht hätte.

Und hier schließt sich der Kreis: Mit der vertikalen Sicht meine ich, dass wir die Vollwertwirkung am Blick entlang eines Lebens beurteilen sollen (vertikal), nicht daran, ob andere gesünder sind (horizontal). Wir schauen in den Menschen (intrahuman), und vergleichen nicht mehrere Menschen miteinander (interhuman). Denn ohne großes Zahlenmaterial ist dies unser einziger ernstzunehmender Anhaltspunkt.

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Ich darf der Vollwertkost nicht schaden!

16. März 2013: Ich brauche meine Webseite nicht

Das wird vermutlich niemanden wundern. Es stimmt, ich brauche meine Webseite nicht, ich kann auch ohne die Seite lecker kochen 🙂 Es gibt auch immer wieder Kritik an der Seite, die mich gelegentlich überlegen lässt, ob ich sie nicht einfach platt machen soll. Vor ein paar Jahren gab es Besserwisser, die fanden, dass das Design meiner Website nicht „zeitgemäß“ ist. Stimmt, meine Webseite sieht nicht aus wie 1000 andere und hat somit einen Wiedererkennungswert 😉 Mag sein, dass sie nicht den modernen Stilrichtungen entspricht. Dafür ist sie klar aufgebaut und Leser finden sich recht schnell zurecht.

Nachdem nun diese Welle vorbeigerollt ist, gibt’s jetzt was Neues. Meine Fotos sind nicht gut genug, ja, förmlich abschreckend. Wie bitte? Das ist mir ganz neu, eigentlich habe ich bisher eher gehört, dass die Leute erleichtert sind, dass ich normales Essen zeige, so wie es in der eigenen Küche auch aussieht. Aber das scheint sich geändert zu haben. In YouTube kenne ich schon diese ungezogenen Kommentare – anders kann ich das nicht nennen -, wenn ich einen Eintopf zeige. Ein Eintopf ist ein Eintopf und kein Kunstwerk. Und wer nur steril aufgebaute Burger-Optik und Zeitschriftenfotos kennt, mag das unappetitlich finden. Mein Problem ist das nicht.

Vor einigen Tagen bekam ich nun die besorgte Mail eines Lesers. Er möge mir verzeihen, dass ich das hier öffentlich anspreche. Er schrieb mir, dass er zwar gerne meine Seite empfehlen würde, aber die Fotos und auch Videos seien teils so gematscht und unappetitlich und würden Vollwertvorurteile verstärken, dass Freunde, denen er die Seite empfiehlt, erschreckt zurückwichen. Einige Fotos in der Rubrikenübersicht hatte er noch einzeln kommentiert. Ich habe mir das nicht durchgelesen, auch das möge dieser Leser mir verzeihen. Mich interessiert das nämlich nicht. Ich gebe hier einfach einmal meine Antwort wieder:

„wem die Fotos auf meiner Webseite nicht gefallen, dem empfehle ich meine beiden neusten Bücher „Immer öfter vegetarisch“ und „Indisch inspiriert“. Das ist kein geschenkter Gaul, und deshalb haben auch die Fotos eine andere Qualität.

Die Fotos auf meiner Webseite sind parallel zu täglichem Kochen entstanden. Wer JEDEN Tage Rezepte ersinnt und dann umsonst veröffentlicht und dann fotografische Ergebnisse erzielt, die Profi-Eindruck hinterlassen, vor dem verbeuge ich mich 😉

Vielen Dank für die Mühe, die sie sich gemacht haben. Ich fürchte nur, Sie werden Ihre Bekannten weiter erschrecken lassen müssen, denn die Webseite ist abgeschlossen. Wer soweit vom Essen entfernt ist, dass er nicht mehr weiß, wie Essen in der Küche aussieht und nur noch Fotos akzeptiert, die einem modischen Trend entsprechen, ist einfach noch nicht soweit, dass er von meiner Seite profitieren kann. Essen, das nicht vollwertig erstellt wird, sieht in der normalen Küche übrigens auch nicht anders aus. Ich bekomme auch häufig positiv Feedback dafür, dass endlich mal Fotos von echtem Essen zu sehen sind und nicht aufgeschönte, stundenlang gestylte Dinge. So unterschiedlich können Menschen eben empfinden.

Womit ich den Eindruck Ihrer Bekannten nicht vom Tisch wischen will. Ich kann es nicht allen recht machen und der Wichtigste, dem ich es recht machen möchte, bin ich selbst :-)“

Ich habe auch jetzt einen ähnlichen Passus auf meine Webseite gesetzt, für Neuankömmlinge und Kritiker (hier). Ja, Kritisieren ist fein und wenn ich dann nicht auf die Knie falle vor Dankbarkeit für die konstruktiven Vorschläge, bin ich vermutlich ein schlechter Mensch. Nein, ich bin ein Mensch, der sich seiner Leistungen durchaus bewusst bin. Ich weiß, was ich in mehr als 10 Jahren aufgebaut habe. Und wem das nicht gefällt: Ganz, ganz ehrlich – mir ist das egal. Mag sein, dass ich den Blick für die Realität verloren habe und meine Webseite eher Abschreckung als Verlockung geworden ist?

Da gibt es für mich eine einfache Lösung: Ich lösche die Seite und auch die Filme. Bitte nicht falsch verstehen, ich meine das nicht als Trotzreaktion! Denn ich möchte der Vollwert natürlich nicht schaden, nur weil ich finde, ich habe als Einzelner eine hervorragende Arbeit geleistet, die mir erst einmal jemand – vor allem von der Kritikerseite – nachmachen möchte. Aber wirklich, ohne Ironie: Wenn Ihr meint, mittlerweile hat sich das geändert und Videos und Webseite sind nicht mehr geeignet,  Leser zu faszinieren, sagt es mir ehrlich. Ich werde nichts an der Webseite ändern, keine Filme neu drehen, keine einzelnen Videos oder einzelnen Bilder ändern oder ausgewählt herausnehmen. Das kann keiner von mir erwarten, acht Jahre meines Freizeitlebens reichen als Anstrengung. Ich bin aber durchaus bereit, den Schaden zu verringern, indem ich die Webseite lösche und auch die Videos.

Die Vollwerternährung soll erfolgreich sein, nicht meine Webseite. Der Vollwertsache schaden möchte ich auch auf keinen Fall. Gerne trete ich zurück, denn  das Thema „Vollwert“ ist weder mein Lebensinhalt noch lebe ich  für die Vollwert. Ich begeistere mich dafür und lasse gerne andere an meiner Begeisterung teilhaben, das ist alles und das war mein Ziel. Aber mich modischen Trends hingeben oder noch weitere kostenlose Arbeit in die abgeschlossene Webseite stecken, nein, liebe Kritiker, verbiegen werde ich mich nicht.

Schaden meine Webseite und meine Videos der Vollwert?

Eine weitere Vollwertanekdote

15. März 2013: Was Vollwertlerin so passiert….

Auch diese Schilderung erreicht mich spontan. Zu schön, um es in meiner Privatschublade verschwinden zu lassen. Und dazu auch noch mit einer höchst optimistischen Note 🙂

Ich habe heute deinen Film zum Thema „Was mache ich als Vollwertler bei Besuch von Normalos“ gesehen. Neulich hatte ich ein lustiges Erlebnis, was zeigt, dass man sich als Vollwertler manchmal einfach zu viele Gedanken macht. Ich würde dir gerne davon erzählen:

Ich hatte kürzlich Geburtstag und seit Jahren mache ich zu diesem Anlass für die Kollegen bei der Arbeit einen Schoko- und einen Blätterteigkuchen, beides nach Normalo-Art. Beide Kuchen sind immer heißbegehrt, weshalb ich sie auch immer wieder mache. Dieses Jahr dachte ich, mache ich noch einen Vollwertkuchen dazu, damit ich auch was davon habe.

Ich habe dann einen Mohnkuchen aus dem Buch „Korngesund“ von W. Becker gebacken, hatte auch gleich ein Stück probiert und dachte: „Mmmm, lecker!!“  Den Kollegen gegenüber habe ich aber nichts gesagt und den Kuchen einfach zu den anderen beiden auf den Tisch gestellt.

Ich war darauf vorbereitet, erst einmal den Schokokuchen zu verteilen, so wie sonst immer. Aber alle sagten nur: „Oh, was ist das denn? Ist das Mohnkuchen? Ohh, lecker. Davon hätte ich gerne ein Stück.“

Ich fragte so in die Runde: „Will jemand Schokokuchen?“ Und was soll ich dir sagen, die meisten wollten erstmal ein Stück Mohnkuchen!!!!!!!!!!!!!!

„Oh der ist aber lecker! Kann ich davon das Rezept haben?“ usw.  Ich konnte gar nicht so schnell gucken wie der Kuchen weg war. Ich war völlig perplex, aber natürlich auch hocherfreut. Der Nachteil war, ich hatte mich darauf eingestellt, dass ich die nächsten Tage erst einmal sehr viel Mohnkuchen essen „müsste“. Tja, daraus wurde nichts.

Was ein Vollwertler so alles zu hören bekommt…

1. März 2013: Vollwerterlebnisse

Ich habe ja das große Glück, dass mir Vollwertler häufig ihre Erlebnisse schildern, die nur allzu oft zwischen Lachen und Gruseln schwanken. Die heutige Geschichte ist kurz – und knackig. Ich habe sofort nach „Abdruckerlaubnis“ gefragt und sie auch bekommen. Nun lest selbst:

Unsere Tochter erlebte folgendes. Sie und eine Kollegin waren verantwortlich für die Dekoration einer Veranstaltung. Dazu wurden Getreidekörner gebraucht.

Die Kollegin fragte, ob sie welche kaufen solle. Meine Tochter verneinte mit dem Hinweis, dass wir solche zu Hause haben.

Sie brachte also einen Sack voll mit zum Erstaunen der Kollegin. „So viel“, rief sie aus: „Habt ihr Haustiere?“. Meine Tochter: Nein, die sind für uns.

Kollegin: „Was….. die esst ihr?!?“

Sonntagsrezept(e)

10. Februar 2013: Drei Pilze mit einer Klappe

Achtung: Ganz unten gibt es eine Umfrage

Drei Mahlzeiten aufbauend auf zwei Grundzutaten. Jede anders, jede lecker. Die beiden Hauptzutaten sind getrocknete Pilze und Kichererbsen.

1. Kichererbsenpfannkuchen mit Shiitake-Pilzen

Kaufen könnte Ihr diese Rezept mit der Nummer 5321 (für 1 Euro): hier

5321

2. Shiitake-Pilze mit Kicherwaffel

Kaufen könnte Ihr diese Rezept mit der Nummer 5322 (für 1 Euro): hier

5322

3. Steinpilze mit Kichernudeln

Kaufen könnte Ihr diese Rezept mit der Nummer 5326 (für 1 Euro): hier

5326 (2)

5326 (1)


Zweimal an den letzten Sonntagen habe ich die Rezepte als „Fotoromane“ vorgestellt. Wie euch das gefällt, weiß ich nicht. Erst vor ein paar Tagen tröpfelten ein paar Meinungen dazu ein. Heute habt Ihr nun die Chance, unerkannt zu sagen, ob Ihr das weiter ab und an sehen möchtet oder lieber nicht.

Häme wartet auf dich!

2. November 2012: Sie lauern!

Vor einigen Wochen bekam ich einen interessanten Anruf einer Frau etwa mittleren Alters. Sie und ihr Mann ernähren sich seit ca. 7 Jahren vollwertig nach Bruker, sind auf tiereiweißfrei umgeschwenkt und wollen jetzt noch den Rohkostanteil von derzeit 50 auf ca. 70-80 % erhöhen. Von mir wollte sie wissen, was meiner Ansicht nach die ideale Ernährung ist, denn: es sei zwar einiges besser geworden, aber es gäbe eben ein paar Dinge, die würden nicht weggehen. Und, so stellte sich später im Gespräch raus, Bekannte und Verwandte würden auch immer sagen: Also du ernährst dich doch so gesund, dafür siehst du aber ziemlich alt aus! Und ganz gesund bist du ja auch nicht, und schau mal, die XXX, die lebt ganz normal, ist 75 Jahre alt und sieht jünger aus als du! (Das sind Fantasiezahlen von mir).

Da die Brukersche Ernährung mit hohem Rohkostanteil für mich die ideale Ernährung darstellt, konnte ich ihr nicht weiterhelfen. Ich fand nur die Psychologie der lieben Freunde und Verwandten hochinteressant. Sie lauern ja ständig darauf, dass die vermeintlich gesund Essenden endlich mal wieder krank werden.

Ich habe dann mal nachgehorcht, was denn so besser geworden ist. Ein Beispiel: Der Mann hatte seit seiner Kindheit einen schweren Heuschnupfen, der mit Kortison behandelt werden musste, und dann mehrere Jahre Bluthochddruck, der ebenfalls medikamentös eingestellt wurde. Heute? Kein Kortison, kein Heuschnupfen, keine Blutdrucksenker, kein hoher Blutdruck. Und was sagen die Verwandten DAZU? Meine Gesprächspartnerin lachte, von dieser Seite aus hatte sie das noch nicht gesehen.

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit seinen über 90 Jahren immer noch stark raucht und recht gut drauf ist, ist ja auch so ein Beispiel für „schlechte Ernährung macht ja nix“.

Es liegt da ein Grundirrtum vor: Natürlich ist die Vollwerternährung kein Allheilmittel. Ausgefallene Zähne kann sie auch nicht zurückzaubern. Sie kann aber eins: das Bestmögliche an Gesundheit an uns herausholen, was uns noch zur Verfügung steht und nicht durch vorherige Generation und eigene Fehler verdorben wurde.

Auf solche Vergleiche wie mit Helmut Schmidt oder anderen Omas/Opas, die ihr Leben lang geraucht – viel gegessen – viel getrunken haben und dennoch quietschfidel 150 Jahre alt wurden, müssen wir uns nicht, nein: sollten wir uns nicht einlassen. Da hilft es einfach, dass wir auf uns selbst schauen: Wie ging es mir vor 3 Jahren, vor 7 Jahren, und wie geht es mir heute? Wenn „die anderen“ das nicht sehen wollen, den Sprung ins Wohl(er)befinden, bitte schön. Sollen sie doch weiter glauben, sie hätten eine Konstitution wie ein Jupp Heesters oder ein Helmut Schmidt. Ich habe diese Konstitution nicht, das weiß ich – und deshalb bin ich froh, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe, meine Gesundheit auf ihr (!) Optimum zu bringen und dabei gleichzeitig nur Lebensqualität hinzuzugewinnen, und keine zu verlieren.

Obst im Fokus

11. Oktober 2012: Obst als Nachtisch

In einem meiner kleinen Preisausschreiben auf dem Menüblog hatte ich im September die Frage gestellt:

Wie steht’s mit Obst als Nachtisch nach einer Bohnensuppe in der Vollwerternährung ?

  1. Bestes: Der beste Nachtisch, den es gibt.
  2. Eingeweckt: Da Rohes vor dem Essen gegessen werden soll, darf es zum Nachtisch nur eingewecktes Obst geben.
  3. Einheimisch: Solange es einheimisches Obst ist, darf man es als Nachtisch essen. Exotisches Obst ist zu schwer verdaulich.
  4. Frisch: Frisches sollte grundsätzlich vor der warmen Mahlzeit gegessen werden.
  5. Sauer: Saures Obst geht nicht, weil das negativ auf die basischen Hülsenfrüchten einwirkt, sonst okay.
  6. Verträglichkeit: Das liegt alleine an der individuellen Verträglichkeit.

Die meisten hatten richtig geantwortet, mit Nummer 4. Aber einige hatten auch anders geraten, andere bezweifelten das und wollten von mir eine Erklärung. Dies wird auch in „erlauchten“ Vollwertkreisen nicht immer richtig gehandhabt. Deshalb möchte ich es hier mit Brukers eigenen Worten belegen. Dass jetzt einige dennoch Obst zum Nachtisch essen, heißt nicht, dass diejenigen sich nicht vollwertig ernähren. Manche trinken auch Saft. Die Vollwert ist ja kein Zwangsgerüst. Wichtig finde ich immer nur, dass wir WISSEN, was buchstabengetreu ist und was nicht. Denn häufig lassen sich auch Unpässlichkeiten damit erklären, für die sich sonst kein Grund finden lässt.

Wenn wir an das D-Zug-Beispiel denken: Der D-Zug (Rohkost) wird ja vor dem Bummel-Zug (gekochte Speisen) gegessen. Da macht es wenig Sinn, anschließend wieder einen D-Zug hinterherzuschicken.

Ich zitiere hierzu auch aus dem “Ärztlichen Rat”, Seite 265, Stichwort Frischkost:
Frage: Warum soll Frischkost immer vor der gekochten Nahrung gegessen werden?
Die Frischkost ist leichter verdaulich, weil sie noch zahlreiche biologische Wirkstoffe enthält, die beim Kochen zerstört werden. Je leichter eine Speise verdaulich ist, umso weniger lange ist es nötig, dass sie im Magen verbleibt, d.h. umso kürzer ist die Verweildauer.
Es ist selbstverständlich, dass man diese Speisen vor den schwerer verdaulichen zu sich nimmt. Deshalb muss logischerweise die Frischkost vor dem Gekochten gegessen werden.

Aufgepasst: Die Frage lautet „Warum soll Frischkost IMMER…“, und nicht „Warum soll vor dem Gekochten Frischkost gegessen werden“. Bruker schreibt auch nicht: Es muss etwas Frischkost vorher gegessen werden, und der Rest kann beliebig verteilt werden.

Zu 1: Obst ist sicher ein sehr gutes Lebensmittel, die Antwort 1 war ein bisschen fies ;-) Zu 2: Gekochtes Obst gehört zu den vier “Nein” der Vollwertkost; zu 3: das ist frei von mir erfunden, genau wie Nr. 5. Die Nummer 6 klingt verlockend, und weil viele Menschen eben Obst nach dem Essen auch vertragen, wird das häufig als Regel empfunden – was es aber nicht ist.

Einer Teilnehmerin, die es bisher anders verstanden hatte, habe ich es auch noch einmal dargelegt und stelle das zum besseren Verständnis hier ebenfalls ein:

Viele verstehen das Zitat von Bruker falsch, obwohl es so ganz eindeutig formuliert ist. Ich wiederhole den letzten Satz:
Es ist selbstverständlich, dass man diese [Frischkost = leicht verdaulichen] Speisen vor den schwerer verdaulichen zu sich nimmt. Deshalb muss logischerweise die Frischkost vor dem Gekochten gegessen werden.
Beachtet bitte: er sagt „die Frischkost“, und nicht „Frischkost“! Wäre es ander, müsste er nämlich formuliert haben: „Vor dem Gekochten sollte immer (etwas) Frischkost gegessen werden.“ Ich finde, das sind zwei völlig andere Sätze und keine Wortklauberei 🙂
Ich kann das übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen. Esse ich zum Beispiel Trauben im Frühstück oder vor der Mahlzeit, ist alles wunderbar. Esse ich aber Trauben nach einer Scheibe Brot, bekomme ich Blähungen.
Viele Dinge werden in der Praxis anders gehandhabt, z.B. werden in Lahnstein Obstkuchen gebacken, was eigentlich nicht „erlaubt“ ist. Aber solange die Leute das vertragen, will man dann wohl nicht weiter einengen. Ich esse ja wie gesagt auch Obst zum Nachtisch – wundere mich dann aber auch nicht, wenn es mir anschließend nicht so gut geht.
Es ist eben ein Unterschied zwischen der praktischen Theorie und der Praxis 🙂 Für mich an dieser Stelle interessant ist eben auch, wie leicht Unpässlichkeiten dann falsch interpretiert werden können. Wüsste ich von dieser „Regel“ nichts, würde ich vielleicht glauben, ich vertrage kein Vollkornbrot!

Wie oben gesagt: Die Vollwertregeln sind kein Zwangsgerüst, wir haben Freiheiten (wobei ich die teils sehr leger gehandhabt finde, wer Kaffee trinkt und sich als Vollwertler bezeichnet, ist im Übergangsstadium, vielleicht auf dem Weg, aber kein Vollwertler). Wir haben Freiheiten, ja. Bevor wir uns aber über die Vollwertkost als nicht hilfreich beschweren, sollten wir ehrlich zu uns selbst sein.

Sprüche zur Vollwertkost

23. April 2012: Krank durch Vollwertkost

Vor ein paar Wochen erhielt ich eine erschütternde Email mit einer Krankengeschichte. An den Sprüchen, die die Kranke sich obendrauf noch anhören muss, möchte ich meine Leser teilhaben lassen, war mein Gedanke sofort. Ich habe nachgefragt, ob ich Teil des Textes veröffentlichen darf, natürlich anonym. Und ich darf.

Jetzt noch eine „Anekdote“ von gestern: Erst zur Info: Ich habe u.a. eine Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto) und demzufolge leider Verstopfung. Und nein, es ist nicht schön, den Frischkornbrei von 3 Tagen intus zu haben! Mir wurde gestern gesagt: „Du hast Verstopfung, weil du dich zu gesund ernährst!“

Ich habe mich auch fast nicht geärgert …. Ich missioniere nicht mit meiner Ernährung, nur, wenn ich gefragt werde, warum ich jetzt dies oder jenes nicht esse. Gestern kam die Aussage, man könne sich ja nicht ohne Zucker ernähren. Und dann noch ein ironisches: Nimmst du dann Stevia?

Mit der Veröffentlichungserlaubnis erhielt ich noch ein paar Bonmots aus diesem Leben:

  • Kein Wunder, dass du nicht zunimmst, wenn du keinen Zucker isst!
  • Iss doch mal Sahnetorte! Iss doch mal Chips.
  • Was kann man denn da noch essen?
  • Wenn du so viel Obst und Gemüse isst, kannst ja nichts an dich [nötige Gewichtszunahme] kommen.
  • Das ist nur eine Phase!
  • Wenn ich krank wäre, würde ich mich auch vielleicht anders ernähren. Aber so lange man gesund ist, muss man das nicht und kann „normal“ essen!
  • Getreidemühle, Vitamix, Einkaufen bei alnatura, Reformhaus, beim Bauer, im Internet – ja, das kostet doch alles eine Menge. Wieso ich das Geld so rausschleudere!  Meine Antwort: Ja, ein Grabstein wäre billiger!  (War hart, musste damals aber sein.)
  • Dann muss ich auch oft erklären, dass ich keinen Tofu und kein Sojageschnetzeltes esse.
  • Und wenn ich mir Nussmus und Honig zusammenrühre, könne ich doch auch gleich Nutella essen.

 Eine hübsche Sammlung 🙂

Du bist zu dick! Zu dünn!

26. Februar 2012: Gewicht unter Vollwerternährung

„Wer konsequent vollwertig lebt, erreicht automatisch sein ideales Körpergewicht.“

Was für ein Quatsch. Ich glaube nicht, dass ein kluger Kopf wie Dr. Bruker das in dieser Ausschließlichkeit gemeint hat – und wenn, dann sicher in einem großen Zusammenhang.

Es stimmt einfach nicht. Ich kenne zu viele Untergewichtige, die auch mit Vollwertkost Mühe haben, auf ein annähernd normales Gewicht zu kommen. Und immer wieder gibt es auch Menschen, die mit konsequentester Vollwerternährung nicht auf das Gewicht herunterkommen, von dem sie träumen.

Das ist doch ganz einfach: Wer mehr Energie zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt zu. Punkt. Was nicht heißt, dass Vollwertler jetzt doch wieder Kalorien zählen sollen. Ich finde es nur traurig, dass immer wieder Menschen nicht geglaubt wird, die mit dem Übergewicht kämpfen, dass sie konsequent vollwertig leben. Da wird dann immer sofort unterstellt, dass sie „schummeln“. Ja, die Schummler gibt’s natürlich auch. Und dass einem jemand, der selbst spindeldürr ist oder kein Problem mit dem Stoffwechsel hat, nicht glaubt, liegt auf der Hand. Weil diese dürren Menschen, wie das ja viele gerne tun, immer von sich auf andere schließen.

Es gibt einfach auch individuelle Unterschiede bei der Verstoffwechslung. Das wollten früher Ärzte nicht wahrhaben, heute geistert das in der Vollwertecke auch teils rum. Wir schleppen heute häufig nicht nur jahrzehntelange Fehlernährung, sondern auch die Sünden vorheriger Generationen mit uns herum.

Vollwertige Ernährung ist sicher die beste Grundlage für eine Gewichtsreduzierung und auch – wichtiger, als häufig erwähnt werden darf – eine Gewichtserhöhung. Bewegung ist ein weiteres. Ganz, ganz wichtig sind Lebensumstände. Wer unter Stress viel isst, wird das auch als Vollwertler tun und zunehmen – aber nicht so viel wie mit Zivilisationskost und vor allem bleibt er gesünder. Denn auch die Spinnweb-Gedanken in manchem Vollwertkopf „Übergewicht = Krankheitsanfälligkeit“ sollte endlich einmal ausgepustet werden.

Es gibt kein Wundermittel bei zu hohem oder zu niedrigem Gewicht. Wer abnehmen will, muss auch als Vollwertler weniger essen. Der Unterschied ist: Er kann es mit mehr Genuss tun. Und er wird schneller erfolgreich sein. Wichtig ist nicht, ob wir dick(er) oder dünn(er) sind, sondern dass wir gesund sind!

Ich bitte diejenigen, die trotz riesiger Essensmengen mit der Vollwert abgenommen haben, sich hier ihre „besserwisserischen“ Kommentare zu sparen – ich gratuliere ihnen gerne. Ich freue mich für sie. Es gibt aber auch andere, und das bitte ich all diese Menschen endlich, endlich zu respektieren. Wer nicht abnimmt, ist nicht unbedingt willensschwächer als Menschen mit anderem Stoffwechsel oder ein Opfer von Lebensbedingungen, gegen die er sich nicht durchsetzen kann, und auch nicht zu dumm, die Vollwerternährung konsequent durchzuziehen 🙂 Wer hier jetzt wieder einmal das Märchen wiederholen möchte, dass jeder mit Vollwert sein Idealgewicht ganz bestimmt erreicht, möge das zu Hause auf ein Plakat schreiben – ich möchte hier mit denen diskutieren, die andere Erfahrungen gemacht haben 🙂

Schrot und Korn und Vollwertkost

Kommentar vom 30. August 2011: Gastbeitrag: Vollwertige Rezepte

Frau Schmidt, deren messerscharfe Zunge uns hier wohlbekannt ist, wurde in Schrot & Korn fündig Sie wird der Zeitschrift einen Leserbrief schicken – mit dem Link zu dem heutigen Beitrag. Dann werden die Redakteure, wenn sie dem Link folgen, ja vielleicht auch einige interessante Kommentare von euch lesen können 🙂

Die September-Ausgabe von Schrot und Korn beglückt uns – wie im Vorwort des Magazins erwähnt – wieder mit vollwertigen Rezepten. Zumindest mit dem, was dort darunter verstanden wird…

Und wieder laufen uns alte Bekannte über den Weg: Rohrzucker, Puderzucker, Obst- und  Agavendicksaft (hier scheiden sich die Geister, wo aber zumindest zwischen rohem und gekochtem unterschieden werden KÖNNTE) und last but not least: Vanille-Puddingpulver! Vollwertkost in Reinkultur! Vielleicht sollte man der S&K quasi als Umkehrschluss mal die Frage stellen, was in ihren Augen denn nicht vollwertig ist…

Des Weiteren findet der geneigte Leser einen Artikel über Zöliakie, also die Unverträglichkeit von Gluten. Wir lernen, dass die eigentliche Ursache noch nicht gefunden ist, aber sehr hierfür wahrscheinlich eine genetische Prädisposition bestehen muss und die  Krankheit unheilbar ist.

Dieser Art „Aufklärungsarbeit“ ist es zu verdanken, dass die Betroffenen sich meistens nur symptomatisch behandeln  lassen und so im Zweifel noch weitere gesundheitliche Probleme dazukommen, weil die Ursache ja nach wie vor besteht. Es ist nicht damit getan, glutenhaltige Lebensmittel zu meiden wie zu lesen ist, sondern durch eine vollwertige Ernährung (wieder) eine gute Versorgung mit Vitalstoffen zu schaffen. In Einzelfällen wird hierdurch sogar ein so stabiler Gesundheitsszustand erreicht, bei dem der Betroffene wieder ohne Probleme Gluten  zu sich nehmen kann.

In dem Artikel wird nicht darauf hingewiesen, dass der Verzehr von Fabrikzucker gerade für Darmkranke besonders fatal ist, im Gegenteil, in den glutenfreien Rezepten wird sogar Zucker verwendet. Wer wie die S&K so gerne auf die „Vollwert-Trommel“ haut, sollte sich auch mal mit der Basis-Literatur von z.B. Bruker und Kollath beschäftigen, dann hätten die Artikel wohl doch etwas mehr Hintergrund.

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht!