Hausarztsuche

Es ist heutzutage gar nicht so einfach, einen Hausarzt zu finden. Die meisten nehmen nämlich gar keine neuen Patienten mehr an. Auf dem Land stelle ich mir das noch komplizierter vor.

Mit dem alten Hausarzt lief das ja nicht so gut :-). Ich erinnere an das extrem durchlüftete Wartezimmer… Aber es ist uns geglückt, wahrhaftig eine fußläufig erreichbare Praxis zu finden, die neue Patienten aufnimmt.

Noch ein kleiner Hinweis für die, die glauben, dass Privatpatienten (so wie ich) vorgezogen werden: Mich hat niemand am Telefon gefragt, ob ich Privatpatientin bin oder Kassenpatientin. Das gilt sowohl für die Nachfrage, ob noch neue Patienten angenommen werden, als auch für die Terminabsprache.

Nun haben wir wirklich eine neue Praxis gefunden. Es ist eine Gemeinschaftspraxis. Als neue Patientin werde ich zufällig einer ärztlichen Betreuung zugewiesen, ich bin zufrieden mit der zufälligen Arztwahl. An der Rezeption wurde ich nach der Versichertenkarte gefragt, erst da fiel der jungen Dame auf, dass ich Privatpatientin bin. Konsequenz? Keine. Außer dass ich am Ende ein Privatrezept (blau statt rot) erhielt.

An einem Ende des Tischs liegen Zettel mit Patientennamen. Die Ärztin nimmt sich immer den nächsten, und auch da lag „ich“ in der vorgegebenen Reihenfolge des Betretens der Praxis. Was mir gut gefiel: Die Ärzte holen die Patienten persönlich aus dem Wartezimmer. Und was mir natürlich besonders gut gefiel: Im Wartezimmer war zwar die Tür offen, aber die Fenster waren geschlossen. Auch die Tür der Praxis zum Flur war geschlossen. Ich habe nett im Warmen gesessen. Das gibt es also durchaus noch.

So ein erster Besuch ist natürlich nur bedingt aussagekräftig. Aber immerhin: Soweit gab es nichts, dass mir negativ auffiel. Nur die Wartezeit war lang, aber das ist bei Hausärzten wohl immer so. Die Wartezeit hatte auch den Vorteil, dass ich beobachten konnte, wie die Mitarbeiterinnen mit den Patienten so umgehen und wie die Praxis organisiert ist. Beides war auch unter Hektik und Zeitdruck freundlich und effizient.

Ich halte uns die Daumen gedrückt. 😉

Der 26-Stunden-Tag

8. März 2012: Warten

Wir wissen alle, wie schnelllebig die Tage heute sind, dass niemand mehr Zeit hat usw. Ich habe wirklich einen prallen Tag, häufig höre ich „Wie schaffst du das nur alles?“, ja, manchmal wundere ich mich selbst 😉

Aber andere Leute haben sehr viel weniger Zeit als ich. Da kann ich nur staunen. Ich habe früher viel an Preisausschreiben teilgenommen, wahrscheinlich habe ich mal so einen tollen Preis gewonnen wie „2 Extrastunden am Tag“, und habe das gar nicht bemerkt. Andere gewinnen eine lebenslange Rente, ich lebenslang zwei Extrastunden. Finde ich fein. Glaubt Ihr nicht? Ich kann es belegen!

Mittwoch morgens gehe ich regelmäßig auf den Markt. Das muss vor der Arbeit sein, und zum Glück öffnet der Marktstand um 7 Uhr. Ein Schwätzchen mit Herrn Schmidthaus gehört dazu und das gemütliche Aussuchen. Meist packen Herr Schmidthaus und sein Mitarbeiter um diese Zeit gerade noch die Sachen aus, d.h. wenn ich sehr früh bin, muss ich auch schon mal warten. Ich nehme mir dann ein paar Tüten und fange – immer dazu ermuntert! – schon mal an, meine Sachen auszuwählen. Jeden zweiten Mittwoch mindestens passiert es, dass irgendwelche Damen angerauscht kommen, die im Rathaus direkt nebenan arbeiten, und ganz nervös werden, wenn ich vor ihnen dran bin. Das kommt u.a. daher, dass ich zwar bei freundlicher Nachfrage durchaus gewillt bin, jemanden vorzulassen, mich aber nicht durch hektische Blicke und ähnliches Gehabe freiwillig abdrängen lasse. Das sage ich dann auch deutlich. Unglaublich, unter welchem Zeitdruck diese armen Menschen in der Verwaltung wohl arbeiten… ab 7.10 Uhr? Wenn ich etwas von der Verwaltung möchte, kommen mir die Reaktionen sehr gemütlich vor. Ist mir schon klar, warum die Leut‘ dann hetzen: Gleitzeit, sie wollen abends früh heim. Fein. Aber ich verzichte Mittwoch morgens auch auf andere Dinge, die ich sonst mache, um früh zum Markt gehen zu können. Deshalb habe ich ZEIT, wenn ich am Markt bin.

Nicht nur morgens ist meine Zeit gut eingeteilt, abends ab Arbeitsende ebenfalls. Da ich sehr früh aufstehe, gehe ich auch früh ins Bett und mein Programm in Sachen Vollwert und manchmal auch, ja, ich gebe es zu: Freizeit- und Privatleben, lassen nicht viel Spielraum. Letztlich entdeckte ich auf der Nacharbeits-Spazwanderrunde in einem Kaufhaus einen Pulli, der mir gut gefiel. Ich schlenderte in den Laden, vor mir 4 oder 5 Leute an der Kasse. Leider hatte die erste Kundin nicht nur einen Riesenberg abzuarbeiten, sondern auch irgendwelche Probleme mit der Geldkarte. Dazu kam, dass die Kassiererin etwas verzweifelt war, weil kaum noch Kleingeld in der Kasse war. „Natürlich“ blieb die zweite Kasse unbesetzt, am Personal sparen ist immer gut. Wobei ja die Kassiererin nichts dafür kann. Es dauerte also ein wenig. Die Schlange hinter mir wuchs allmählich, wenn auch noch nicht in unübersichtlichem Maße. Waren es 5 Minuten oder 10 Minuten, die ich in der Schlange stand? Ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Ich bemerkte nur den Unmut hinter mir. Das sei ja wohl unmöglich, und man solle mal gefälligst die zweite Kasse aufmachen, also nein… Ich drehte mich um. Zwei ältere Damen. Ich kann Alter schlecht schätzen, aber so viel sah ich auch: Beide hatten sicherlich die Schwelle zur 70 überschritten.

Ja, da konnte ich wieder staunen. Offensichtlich muss man im Rentenalter Stunden abgeben. So wie ich Stunden im Preisausschreiben hinzugewonnen habe, hatten diese beiden Damen wohl einige Stunden abgegeben. Daher waren sie natürlich in schrecklicher Eile. Ich habe nichts gesagt, ich mit meinem lächerlichen Arbeits- und Freizeitpensum werde doch nicht zwei betagte Rentnerinnen beruhigen wollen, sie wären sicherlich wie Hyänen über mich hergefallen – sie mit ihrem 12-Stunden Tag, wo sie alles unterbringen müssen, was ich in meinen 26 Stunden natürlich gut hinkriege.

Früher habe ich auch in Staus halbe Magenkrämpfe bekommen. Meine schöne Lebenszeit, wie sie dahinfließt…. Heute sehe ich das anders. Auch wenn ich im Stau stehe oder Schritt fahre, gehören die Stunden mir. Da ich mein Gehirn immer mitnehme, muss ich mich nicht langweilen. Vor allem löst sich der Stau auch nicht besser auf, wenn ich mein Adrenalin durch die Adern pumpe. Und wenn ich einen Termin versäume – na, wozu gibt es Handys? Und wenn es ein ganz wichtiger Termin ist, fahre ich früh genug los. Und wenn er immens wichtig ist, fahre ich noch früher los oder sage mir – dann sollte es eben so sein.

Natürlich ist es nervig, wenn man auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag im Stau steht. Das ist etwas anderes. Andererseits steht es jedem frei, sich eine Wohnung in der Nähe oder einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Womit ich meine: Jeder sucht sich das Leben, das er führt, selbst aus. Ich rechne hier mit Widerspruchshagel. Macht nichts 🙂