Wechseljahre… in der Apotheken-Umschau

27. September 2014: Wechseljahre

Gerne schimpfe ich ja über die Apotheken-Umschau (A-U), und letztlich wurde mir noch vorgeworfen, es sei unverständlich, wieso ich mich über eine Zeitschrift ereifere, die von der Pharmaindustrie bezahlt werde und Bild-Zeitungsniveau habe.

Dazu möchte ich erst einmal kurz hier Stellung nehmen. Die Apotheken-Umschau finanziert sich aus Werbung – Werbung von der Pharmaindustrie, richtig – und von den Apotheken, die für jedes Exemplar 50 Cent bezahlen müssen (Quelle: Wikipedia, Stichwort Apotheken-Umschau). Das ist aber etwas anderes, als wenn sie von der Pharmaindustrie bezahlt wird. Natürlich entsteht dadurch eine gewisse Abhängigkeit, aber wer wird denn auch von einer Apotheken-Umschau erwarten können, dass sie gegen Pharmazie eingestellt ist? Das ist so, als würden Leser meines Blogs erwarten, dass ich die Vollwertkost verteufle. Und eine gewisse Einstellung bedeutet auch nicht gleichzeitig ein niedriges Niveau. Ich sehe das also durchaus etwas differenzierter.

Ich lese die A-U regelmäßig und ich habe bisher nicht finden können, dass sie im Niveau unter den üblichen Tageszeiten liegt, die z.B. auch gerne Statistiken und Zahlen ohne Hintergrund oder mit falschen Interpretationen vorlegen. Und auch angeblich niveauvollere Zeitungen und Zeitschriften machen vor solchen journalistischen Patzern keinesfalls Halt.

Gelegentlich tauchen in der A-U auch Reportagen auf, die ich persönlich für erhellend und ausgewogen halte. Nicht immer schreibe ich dann: Aufgepasst, die A-U hat mal wieder einen vernünftigen Artikel. Das macht einfach nicht so viel Spaß, als das Messer der Ironie an einen Artikel anzusetzen oder auch mögliche Neuinterpretationen von Zahlen anzubieten.

Gerade in der Ausgabe vom 15. September 2014, die ich gestern im Briefkasten vorfand (eine Freundin bringt sie mir regelmäßig vorbei), fand ich wieder einen solchen Artikel. Das Thema ist „Wechseljahre“ und ich hatte mich innerlich schon auf Konfliktmaterial eingestellt 🙂 Zu meiner Überraschung fand ich einen wiederum recht ausgewogenen Artikel vor. Schon die Fotos auf der Vorderseite sind nicht so schlimm, wie ich sie bei diesem Thema gewohnt bin (faltenlose Frauen). Okay, natürlich sitzen sie bei einem Milchkaffee und einem Stück Pflaumenkuchen zusammen. Okay, natürlich sind sie zurechtgemacht, haben perfekte Zähne und gefärbte Haare. Aber ihre Gesichter sind nicht völlig aus der Altersgruppe entfernt, und auch kleine Altersflecken an den Händen deuten auf ein „echtes Alter“.

Auch inhaltlich geht das so weiter. Zum ersten Mal habe ich etwas gelesen, was ich selbst so erfahren habe: Dass nämlich nicht die meisten Frauen an Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen usw. leiden, sondern einige. Das ist ja ein großer Unterschied. Ganz ausdrücklich steht dort, dass die meisten Frauen ohne Beschwerden diesen Lebensabschnitt durchlaufen. Ein Zitat als Beispiel: „Jetzt ist es für Frauen besonders wichtig, sich viel zu bewegen und vollwertig zu ernähren.“ Okay, es ist nicht „unser“ Begriff der Vollwertigkeit, aber das Wort wird genannt!

Es gibt einige Dinge, wo ich widersprechen würde. Aber wo würde ich das nicht? 😉 Insgesamt aber hebt sich der Artikel positiv von vielem ab, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.

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Mal wieder die Wechseljahre

11. Oktober 2013: Mythos Wechseljahre

Ich traute meinen Augen nicht – ein Artikel in der Apotheken-Umschau, der mal mit ollen Vorurteilen aufräumt. Seit langem „kämpfe“ ich ja schon gegen die Vorstellung, dass Frauen mit Beginn der Wechseljahre ein Bündel von Krankheiten und Nerven werden. In der B-Ausgabe der Apothken-Umschau vom September gab es nun einen Artikel mit obiger Überschrift. Ich bin ja gelegentlich misstrauisch und dachte schon: „Na, das wird ja wieder ein netter Käse sein…“. Und war dann ganz erstaunt. Auch eine blinde AU erwischt mal eine Korn-Studie 😉

Kurz zusammengefasst: Das was Frauen häufig als „Ach das sind die Wechseljahre….“ verkauft wird, ist in den meisten Fällen nur eine Kurve des Älterwerdens. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass diese Beschwerden zwangsläufig mit dem Alter kommen müssen (es gibt ja keine Alterskrankheiten, wie schon Bruker sagte), aber es gibt eben für viele Beschwerden, die mit dem Alter ansteigen, in den Wechseljahren bei Frauen keinen besonderen Ansteig. Ausgenommen davon sind die Hitzewallungen.

Konkret nehmen wir einmal die Schlafstörungen: Mit wachsendem Alter nehmen die laut dieser Studie zu. Gleichmäßig, ohne dass sich bei den Wechseljahren ein Mehr an schlechtem Schlaf zeigt.

So dürfen wir dann auch endlich mal den Brukerschen Spruch „Frauen nehmen nicht mehr ab nach den Wechseljahren, was sie vorher nicht verloren haben“ zu den staubbedeckten Akten legen. Da hatte sich ja auch letztlich eine Leserin geäußert, die mit FoK (Forks over Knives) auch nach den Wechseljahren locker abgenommen hatte. Endlich, endlich, müssen wir Frauen uns nicht mehr anhören „Ach, das sind die Hormone“. Nä, nix da. Wir dürfen wieder schlechte Laune haben, ohne fürchten zu müssen, dass uns das mal wieder als Wechseljahrsbeschwerde untergejubelt wird. Ärzte können sich das mitleidige Lächeln aus dem Gesicht schmieren.

Aber genau gilt auch für Frauen: Vorbei die Zeit, wo Ihr die Wechseljahrsbeschwerden als Entschuldigung nehmen könnt. Ihr dürft wieder auf eure Ernährung, eure Lebensbedingungen usw. schauen, um zu entdecken, warum es euch vielleicht nicht gut geht. Das ist nicht so bequem, aber effektiver 🙂

Vielleicht steht der Artikel noch online? Ich fand ihn sehr interessant.

Die Menopause

27. September 2012: Die Wechseljahre

Letztlich fragte hier eine Kommentatorin, inwieweit ich etwas weiß über die Einwirkung der Vollwerternährung auf den Verlauf der Wechseljahre, wie lange vorher man etwa mit einer Essensumstellung beginnen sollte usw. Ich habe dazu keine großen Erkenntnisse, was Bruker dazu sagt, gehört zu den Dingen, die ich bei ihm nicht so recht nachempfinden kann. Von einem bin ich überzeugt: Dass die Ernährung eine große Rolle spielt. Aber gerade beim Umgang mit den Wechseljahren gehört eine große Portion Lebensbedingung dazu – wie geht die Frau im Allgemeinen damit um, wie sehr lässt sie sich von allgemeinen Vorurteilen knechten usw.

Aber wo ich keine großen Erkenntnisse habe, so sagte ich mir, kann ich ja welche sammeln. Daher meine Bitte an alle vollwertig, am besten vollwertig-tiereiweißfrei ernährten Frauen, die in den Wechseljahren sind oder sie bereits hinter sich haben: Schreibt mir, wie das bei euch gelaufen ist, ob Ihr Ernährungserfahrungen gemacht habt usw. an wilkesmann@gmail.com

Je nach Anzahl der Einsendungen werde ich die Berichte zusammenfassend einstellen oder auch – wenn es viele sind – eine große Zusammenfassung erstellen.

Solche kleinen Erhebungen sind wichtig, auch wenn sie keinen wissenschaftlichen Wert haben. Mir persönlich bedeutet die Erfahrung von vielleicht drei Menschen, denen ich vertraue, mehr als eine Studie bei 9786 Teilnehmerinnen.

Die Wechseljahre sind im öffentlichen Bild lange Zeit mit sehr vielen Vorurteilen und Aburteilungen behaftet gewesen und sind es teilweise noch. Erstaunlich daher ein Bericht gerade auch noch in der Apotheken-Umschau, September A-Ausgabe, der wirklich mit vielen dieser Märchen aufräumt und betont, dass Frauen heute viel selbstbewusster zu dieser Lebenszeit stehen. Lustig an dieser Stelle nur, dass ein Paar im Bett gezeigt wird: Mann ist wohl im Wechseljahrsalter, grauhaarig. Die Frau an seiner Seite – und es geht in diesem Artikel um Frauen in den Wechseljahren! – ist blond, hat glatte Hände ohne Falten oder andere Alterszeichen und ist meines Erachtens maximal Mitte 30. Na gut, bei den Fotografen und Layoutern dieser Zeitschrift ist der Inhalt und das neue Selbstbewusstsein von Frauen wohl noch nicht angekommen 🙂

Wie gesagt, der Artikel liest sich erfreulich – dabei hatte ich schon gedacht: Apotheken-Umschau und Wechseljahre? Das wird ja wieder ein netter Käse werden… Wo wir gerade bei Käse sind: Über die Ernährung und ihren Einfluss auf den Verlauf der Wechseljahre wird kein Wörtchen verloren.

Wechseljahre in der Apothekenumschau

Kommentar vom 28. Mai 2010: „Wechseljahre in der Apothekenumschau“

Nun also nimmt sich die Apotheken-Umschau auch der Wechseljahre an. Zwar wird verbal betont, Wechseljahre seien keine Krankheit, der Text liest sich dennoch so. Am besten finde ich an diesem Artikel, dass uns Frauen nun eingeredet wird, dass wir ALLE irgendwelche Beschwerden haben, und seien sie nur gering.

So ist doch interessant, dass eine Chinesin hier berichtet „Ich merke gar nichts“. Der Arzt Dr. Matthias David kommentiert das „Die Symptome sind die gleichen, aber Asiatinnen geben sie deutlich seltener und in schwächerem Ausmaße an.“ Also für mich ist „gar nichts merken“ 0 und „deutlich seltener und schwächer“ vielleicht eine 1. Demnach kann dieser Arzt nicht zwischen 0 und 1 unterscheiden? Traurig.

Auch Professorin Isabella Heuser tutet ins gleiche Horn: „Jede Frau spürt das Klimakterium“. Auch so ein Satz – wahrscheinlich werden allen Frauen Fragebogen vorgelegt. Und sicher gibt es auch so Fragen wie „hatten Sie in den letzten 20 Wochen mal schlechte Laune?“ Wenn da eine 50-Jährige ankreuzt „Ja“, dann nicken alle beifällig mit dem Kopf: DAS sind die Wechseljahre! Und Frau Prof. Heuser hat natürlich auch insoweit Recht: Natürlich spürt man das Klimakterium, spätestens dann, wenn wir bemerken, dass die Periode ausbleibt 😉 Aber das meint sie natürlich nicht. Dafür empfiehlt sie lieber Hormongaben, wenn auch – oh wie fortschrittlich – nur bei starken Beschwerden.

Im Folgenden ein Beitrag von Florinda (Name frei erfunden) zu dem gerade laufenden Preisausschreiben, der dazu passt:

Die Wechseljahre sind ein Thema, das auch in der Vollwerternährung eine Rolle spielt, wird aber auch dort als Tabu behandelt. Dabei fangen die ersten Zeichen früh an. Damit meine ich nicht Schlafstörungen oder Hitzewallungen. Die ersten Zeichen sind die Dinge, die uns unsere Mitmenschen präsentieren.

Ich war 45 Jahre alt, als mir ein Bekannter mit sorgenvoller Miene eröffnete, ich müsste doch langsam mal was für meinen Eiweißhaushalt tun und mal öfter Soja/Tofu essen, schließlich würde mein Eiweißbedarf in den WECHSELJAHREN ja ansteigen. Allerdings steckte ich damals nicht in den Wechseljahren, aber was soll’s? Ich steckte damals in den Anfängen der Abkehr von der Industriekost, aber Tofu war mir noch positiv in Erinnerung.

Gelegentlich hatte ich damals Erkältungen, da ich noch den Körper von der Zivilisationskost reinigen musste. Ein guter Freund verstieg sich sogar so weit, als ich eine Erkältung hatte, so ganz vorsichtig zu sagen: „Nun ja, ähm, vielleicht sind das ja die WECHSELJAHRE???“

Meine Periode habe ich sehr früh bekommen, ich war gerade 10 Jahre alt, ich habe immer viel Schmerzen gehabt. Besser wurde das erst so ab den 40ern, ich ging viel Schwimmen. Eine Freundin schenkte mir zwei Bruker-Bücher und allmählich begann ich mit der Vollwert, erst nur durch Senken des Anteils der Zucker- und Weißmehlanteile. Auf jeden Fall hatte ich nach Umsteigen auf die tiereiweißfreie Vollwertkost praktisch keine Probleme mehr mit der Menstruation, die dann mit Mitte 50 aufhörte. Keine Hitzewallungen, keine Depressionen, keine Schlafstörungen, ich habe nur eine Weile zugenommen, weil ich mehr gegessen habe. Viele Frauen nehmen ja gerne auch die Wechseljahre als Entschuldigung, um nicht zuzugeben, dass sie aus was für Gründen auch immer einfach mehr essen.

Immer noch den Spruch meines Bekannten im Kopf, dachte ich, es sei vielleicht jetzt doch mal besser, die Tiereiweißfreiheit zu beenden. Auch der Vitamin-B12-Mangel spukte mir durch den Kopf. Also kehrte ich zur normalen Vollwerternährung zurück.

Sowas habe ich davor und danach nicht mehr erlebt. Mir ging es nicht gut, mir war übel nach Quark und Eiern, ich war ständig müde. Aber das Härteste war wirklich der vierte oder fünfte Abend, ich saß vor dem Fernseher und schaute mir irgendso eine Talkshow an. Nach der mit Käse überbackenen Pizza hatte ich als Nachtisch noch ein Joghurt gegessen. Da bekam ich das, was ich bisher nie erlebt hatte: eine Hitzewallung. So muss das sein, ein heißer Kopf, es tropfte von der Stirn, mein Körper glühte…. ich war wie vom Donner gerührt. Meine Tochter kam ins Zimmer und kicherte, „Du bist ja ganz in Schweiß gebadet und hast einen hochroten Kopf!“ Natürlich fiel mir der Zusammenhang mit der Ernährung sofort auf. Der Rest Joghurt und ähnliche Dinge verschwanden im Mülleimer. Nach der Rückumstellung auf Tiereiweißfrei hatte ich nie wieder auch ein nur annähernd wechseljahreartiges Erlebnis. Mittlerweile lebe ich fast vegan, und es bekommt mir blendend.

Was würden Frau Prof. Heuser und Dr. Matthias David wohl zu diesem Bericht sagen, wie würden sie ihn abtun, damit er in ihr Schema passt?.

Dass die Psyche, die Einstellung zu dem Umschwung in diesen Jahren auch eine Rolle dabei spielt, wie heftig wir Frauen diese Zeit erleben, liegt auf der Hand. Aber die Psyche von Florinda hat sicher nicht an einem einzigen Abend plötzlich ein neues Gewand angelegt. Gerne würde ich wissen, ob andere Frauen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Wechseljahre: die moderne Schublade für die Frau

Kommentar vom 9. Juli 2009: Ausbildung zum Wechseljahrberater, Teil 2

Noch einmal greife ich zurück auf das Institut (http://www.ife-brinkhaus.de), das den Kurs zum Wechseljahrberater/in mit Zertifikat anbietet.

Einen schönen Punkt gibt es jetzt noch bei den Aussagen zu den Wechseljahren:

  • Bereitschaft und auch Notwendigkeit, die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, steigt deutlich und damit auch die Bereitschaft, Kosten zu übernehmen.

Der Bedarf an professioneller und kompetenter Beratung in den Wechseljahren wird daher vor dem Hintergrund der zunehmenden Sparmaßnahmen der Krankenkassen immer mehr steigen.

Nun können wir endlich die Dollarzeichen flackern sehen: Die Frau ist in den Wechseljahren eine Geldkuh, die nur gemolken werden muss. Und das wird jetzt immer lukrativer, weil die Krankenkassen ja ständig sparen. So übersetze ich diese beiden Abschnitte mal frei ins Deutsche. Wobei ich gar nicht dieses Institut als alleinigen Schwarzen Peter herausheben will: Ganze Industriezweige kümmern sich nur allzu gerne um die Geldbörse, äh die Belange der Frau in den Wechseljahren. Neben der Pharmaindustrie tut sich da auch die Kosmetikindustrie groß hervor. Dazu vielleicht demnächst ein Beitrag hier.

Nun werden auch noch die Aufgaben vorgestellt:

  • Er/Sie klärt über den physiologischen Hintergrund der Wechseljahre auf.

Das ist gut – wenn wir das natürlich auch in 1000 Büchern oder bei Internetrecherchen schnell selbst lösen können.

  • Er/Sie klärt über die Auswirkung der hormonellen Umstellung auf Körper, Geist und Psyche auf.

Hochinteressant. Hier wird uns nämlich wieder etwas untergejubelt. Die hormonelle Umstellung (die ist ja zweifelsfrei) hat Auswirkungen auf Körper (ja), Geist (ach ja?) und Psyche (ach ja?). Darf ich demnach vermuten, dass die Frauen alle verdummen und in Depressionen fallen, wenn sie keine Beratung haben? Hier wird gleichzeitig vorausgesetzt, dass die Auswirkungen negativ sind. Oder versteht irgendeine Leserin, irgendein Leser das so, als ob hier vielleicht eine Entwicklung zum Positiven angedeutet wird? Ich kann ja mal ein ganz krasses Beispiel geben: Es ist ja doch nett, sich mal befreit von Schwangerschaftsängsten durch Betten turnen zu können, ohne die Pille nehmen oder andere Eingriffe am Körper vornehmen zu müssen. Mit dem Älterwerden kann auch mehr Weisheit und Gelassenheit in unser Leben kommen.

  • Er/Sie klärt über die Möglichkeiten von Ernährung, Entspannung, Ausdauertraining, Möglichkeiten Naturheilkunde und Hormonersatz-therapie auf.

Mal abgesehen vom letzten Punkt, sind alle anderen Aspekte immer im Leben wichtig. Die selbstverständliche Art, wie hier Hormonersatztherapie neben die Naturheilkunde gesetzt wird, empfinde ich als kriminell. Die Nebenwirkungen von Hormonersatztherapien sind mittlerweile auch in konservativen schulmedizinischen Kreisen hochaktuell.

  • Er/Sie hilft der Kundin, für sich ganz individuell die richtige Strategie zur positiven Bewältigung der Wechseljahre zu finden.

Positive Bewältigung, klingt erst einmal gut, oder? Es ist aber wieder ein negativer Hammer: Wir Frauen brauchen Strategien (ein Begriff aus der Kriegsführung), um eine eigentlich natürliche Phase unseres Lebens zu bewältigen (was ebenfalls ein Begriff für Kampf ist, ich verweise  auf die verwandten Begriffe überwältigen und Gewalt). Wir werden hier also aufgefordert bzw. der Wechseljahrberater hilft uns ja dabei, etwas völlig Natürliches zu bekämpfen, quasi niederzuknüppeln. So gesehen ist eine deftige Hormonersatztherapie natürlich genau das Richtige.

  • Er/Sie hilft der Kundin, für sich neue Lebensansätze zu finden.

Warum muss die Kundin denn neue Lebensansätze finden? Mir scheint, da liegt ein Frauenbild zugrunde, das bis zum Beginn der Menopause nur eins kennt: Kinder kriegen, Kinder groß ziehen, sich um den lieben Mann kümmern. Warum kann ich nicht meinen Lebensansatz fortführen, den ich bisher hatte? Hierzu passt übrigens gut, was ich einmal gelesen habe, leider kann ich es nicht wörtlich zitieren und keine Quelle nennen: Wechseljahrsbeschwerden bekommen vor allem die Frauen, die mit ihrer Rolle als Frau Probleme haben. Interessanterweise eher Frauen mit Kindern als Kinderlose.

Der Eintritt in die Wechseljahre wird für uns Frauen als Geißel benutzt, um uns zu entwerten, in die Ecke der Kranken, Nutzlosen und unattraktiven Geschöpfe zu schubsen, von wo aus wir nur durch Einsatz von Geld für Wechseljahrberater oder Arzneimittel gerettet werden können. An diesem Bild arbeiten die Medien durchweg so wunderbar, dass es kein Wunder ist, dass viele Frauen wirklich Beschwerden und Depressionen bekommen. Wie soll mir auch nicht komisch werden, wenn mir alle Welt erzählt, dass jetzt etwas kommt, was mir Probleme macht?

Ernährung (und ich meine hier die tiereiweißfreie Vollwerternährung) hilft, die sogenannten Wechseljahrsbeschwerden vermeiden. Dies ist aber keine Spezialernährung ab einem gewissen Alter. Davon bin ich überzeugt, auch wenn ich es leider nicht beweisen kann. (Ich hätte auch im Stil der heutigen Zeit schreiben können: „In einer spanischen Studie der Universität von Sevilla wurde unlängst herausgefunden, dass 80 % aller Frauen, die vollwertig-tiereiweißfrei leben, keine Beschwerden, weitere 15 % nur leichte Beschwerden haben. Bei den restlichen 5 % machen lebensbedingte Umstände Probleme“.).

Lassen wir uns nicht in die Schublade Wechseljahre schubsen. Es liegt an uns, dass wir diese Zeit so natürlich erleben, wie es das Recht dieser Jahre ist. Und diese Schubladen lauern überall. Hüten wir uns also vor dem kleinen Satz „Ach, das sind sicher die Wechseljahre….“, nicht nur bei uns selbst, sondern auch, wenn wir über andere Frauen sprechen.

Wechseljahre – das Frauenentwertungsthema

Kommentar vom 8. Juli 2009: Ausbildung zum Wechseljahrsberater, Teil 1

Ich schaue mir gerne Websites an, auf denen Ausbildungen zum Gesundheits- oder Ernährungsberater angeboten werden. Das verschafft mir immer so ein wohliges Gruseln, weil dort „natürlich“ die Vollwerternährung immer nur unter ferner liefen erscheint, der Name Bruker ist unbekannt (nehme ich mal die Lahnsteinsche Seite aus, aber das ist ja klar). Bei einem Institut (http://www.ife-brinkhaus.de) stieß ich aber dann auf einen echten Knüller: Wechseljahrberater/in mit Zertifikat.

Das Thema „Wechseljahre“ eignet sich wunderbar, um Frauen zu entwerten. Das fängt damit an, dass alte Männer sich nach jungen Mädchen umdrehen dürfen, ich aber gefälligst einen Partner immer unter den mindestens 5-Jahre-Älteren suchen muss. Auch Werbung für Frauen über 45 Jahren zeigt ganz klar, wie die Wechseljahrsfrau zu sein hat: ein wenig unmodisch in Bluse und weitem Rock, falsche blendende Zähne, eine gepflegte kinnlange Frisur, dezentes Makeup. Hilflos vor dem PC und am Handy, das Großmutterglück schon in den Augen.

Da passt es natürlich, dass es nun extra eine Ausbildung gibt, die uns arme Frauen durch die Wechseljahre begleitet. Wer sich erdreistet, die Wechseljahre als etwas Natürliches zu betrachten, das wie alle Altersphasen Vor- und Nachteile hat, wird bald eines besseren belehrt. In die Wechseljahre zu kommen ist Ih-Pfui, quasi eine Krankheit. Und was bringt da dieser Kursus?

  • Jede Frau kommt in die Wechseljahre und 90% davon haben Beschwerden.

Der erste Teil des Satzes ist so offensichtlich (wie „alle Menschen sterben“), dass wir natürlich gleich den zweiten Teil als Wahrheit mitschlucken. Oder? Wer sagt das mit den 90 %? Und was sollen das für Beschwerden sein? Ich kenne mehrere Frauen, die keine oder nur geringe Beschwerden gehabt haben. Aber ich kenne auch Frauen, die gerne Schwächen, die sie sich zugelegt haben, auf die Wechseljahre schieben.

  • Wechseljahre können dann für die Frauen mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein.

Man beachte: Hier wird nicht von Leidensdruck oder Schwierigkeiten, sondern gleich von hohem Leidensdruck gesprochen. Da kann ich nur gegenhalten: Jede Lebensphase kann für Frauen und Männer mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein, wenn sie sich z.B. gegen die Phase wehren. Das gilt zum Beispiel auch für die Pubertät bei Kindern, die nicht „erwachsen“ werden wollen und demzufolge besondere Probleme bekommen.

  • Die behandelnden Ärzte haben zunehmend weniger Zeit für eine intensive Aufklärung über den Hintergrund und die Behandlungsmöglichkeiten in den Wechseljahren.

Behandelnde Ärzte. Klar, was das heißt? Das heißt: Frauen in den Wechseljahren gehören zum Arzt. Zum Arzt gehe ich, wenn ich krank bin – also wird hier unterschwellig gesagt: Wechseljahre sind wie Krankheit. Dafür spricht auch der letzte Teil, nämlich die Behandlungsmöglichkeiten. Und natürlich gehen wir Frauen auch zu einem Arzt, nicht zu einer Ärztin. Männer wissen doch sowieso viel besser, was für uns gut ist. Sie kennen auch unseren Körper besser als wir selbst oder eine andere Frau. Oder?

  • Darüber hinaus wird in den Medien eine Fülle an widersprüchlichen Informationen zu diesem Themenkomplex veröffentlicht, die zu einer Verunsicherung der betroffen Frauen führen.

Verunsicherte Frauen, klar – wir Frauen neigen ja zur Verunsicherung. Da suchen wir was? Die starke Hand eines (männlichen) Arztes natürlich, die uns zeigt, wo’s lang geht und uns die Mittelchen geben, damit wir uns endlich nicht mehr so natürlich benehmen, ups, sorry, damit wir diese Beschwerden auch wirklich als solche wahrnehmen und bitte bitte mit IGeL-Leistungen auch noch medikamentös bekämpfen.

  • Die Veränderungen im eigenen Körper, im engsten Lebensumfeld und das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit macht professionelle Beratung erforderlich.

Veränderungen im eigenen Körper, ja, die gibt es. Aber was sind denn das für wechseljahrsbedingte Veränderungen im engsten Lebensumfeld? Werden wir jetzt vom Ehemann verlassen, weil der ein gebärfreudigeres Becken sucht? Sonst fällt mir dazu wirklich gar nix ein. Das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit erhalte ich auch, wenn ich mir sorgfältig meine Haut betrachte, denn gerade an der Haut sehen wir am Besten, wenn wir nicht mehr 20 sind. Das gilt natürlich auch für Männer. Jeder, der älter wird, bekommt dieses Endlichkeitsgefühl. Auch das weiß ich aus meinem Bekannten- und Freundeskreis. Das ist völlig normal – und muss doch nicht beraten werden.

Ich möchte hier schon sagen: Wechseljahre müssen nicht behandelt werden. Wechseljahre sollten wir einfach akzeptieren lernen, genau wie wir anderen Veränderungen einen Platz einräumen. Und übrigens: Wer konsequent vollwertig tiereiweißfrei, am besten 100 % tiereiweißfrei lebt, wird garantiert keine oder nur minimale Erscheinungen haben. Ich kann das nur behaupten, nicht belegen, da ich dazu keine Studien oder wissenschaftlichen Untersuchungen kenne (wer sollte die auch bezahlen? Die Industrie hat sicher kein Interesse daran!). Ich kann das nur aus meinem kleinen Bekanntenkreis als Erfahrung wiedergeben. Und dies auszutesten steht jeder Frau frei.

Morgen geht’s weiter….