Nochmal: Das Süße

Kommentar vom 4. August 2011: Utes Vollwerteckenfilm zum Süßen: Eine Korrespondenz

Wenige Stunden nach Erscheinen des Augustfilms zum Thema Süßes, Zucker und Zuckersucht bekam ich per YouTube eine sogennante „PN“ (persönliche Nachricht). Es entspann sich ein kleiner Mail-Dialog und am Schluss habe ich gefragt, ob ich das veröffentlichen darf. Ich bekam die Erlaubnis. Und nun lest selbst:

Diesen schrecklichen Kommentar möchte ich dir nicht unter dein Video schreiben. Er würde deine Arbeit sabotieren. Deshalb auf diesem Wege.
Ich bin mir ganz sicher, dass ich süchtig nach Zucker bin. In Afrika habe ich mal einen Maiskuchen und ein Maisbrot gekauft. Es sah Beides gleich aus. Aus einem großen Topf hatte jemand eine Kelle voll Maispampe herausgeholt und auf ein Backblech geklatscht. Am Maisbrot war nur etwas weniger Salz, oder war es umgekehrt? Zucker war weder am Brot noch am Kuchen. Es war Beides scheußlich und ich konnte es nicht essen, obwohl ich wirklich hungrig war. Ich bin nun mal seit meiner Kindheit an Zucker gewöhnt. Darauf zu verzichten und in Zukunft nur noch mit dem natürlichen Geschmack der Afrikaner zu leben, kann ich mir nicht vorstellen.
Du hast mit deinen Aussagen vollkommen Recht!
Allein, ich persönlich komme am Zucker nicht vorbei. Ich habe schon ein paar deiner tollen Gerichte probiert und allein die Herstellung hat mir grossen Spass gemacht. Kein Vergleich mit den Maiskuchen! Aber ganz ehrlich? Ich habe immer noch ein wenig mit dem weißen Zeug nachgeholfen. So ist das mit den Süchtigen. Sie hören so lange nicht auf, bis die Ereignisse sie zwingen oder es zu spät ist.
LG XXX

Meine Antwort:

Guten Morgen XXX,
dein Bericht sabotiert meine Arbeit keineswegs, im Gegenteil.
Natürlich könntest du vom Zucker loskommen, wenn du wolltest. Ich meine das nicht als Vorwurf, es ist meine Lebenserfahrung, die mich gelehrt hat, dass der Satz „ich kann xxx nicht“ fast immer übersetzt werden kann in „ich will nicht“. Außer bei körperlichen Einschränkungen. Ich akzeptiere deine Einstellung.
Ich will dir auch gar keine Tipps geben oder irgendetwas. Ich will dich nicht überreden, nicht überzeugen. Es macht mir ja schon Spaß, wenn du meine Sachen nachkochst. Und ist es nicht schon erstaunlich, dass du deine Zuckersucht erkannt hast? Viele kommen nicht einmal soweit.
Danke dir für deine Mail. Darf ich die – natürlich völlig anonym! – auf meinem Blog einmal veröffentlichen?
Viele zuckersüße Grüße (sonst kommen die ja vielleicht gar nicht an 🙂 )
Ute

Und noch einmal XXX:

Guten Morgen Ute,
Natürlich kannst du den Text veröffentlichen. Wenn ich genau darüber nachdenke, muss ich dir mit der Übersetzung „ich will nicht“ Recht geben. Es schaudert mich, wenn ich an die geschmacklichen Folgen ohne Zucker denke. Ich gebe mir ja Mühe, aber es ist so schwer…
Auch dir süße Grüße

So viel Einsicht bei einem „Normalesser“ stimmt mich hoffnungsfroh! Es ist also durchaus bei vielen Menschen die Bereitschaft da zu sehen, was „abgeht“.

Werbeanzeigen

Zucker: Die bittere Wahrheit

Kommentar vom 6. Juli 2011: Zucker

Dass Zucker in all seinen Industrieformen ein Ernährungsübeltäter ist, hat Dr. Bruker als Erster so deutlich propagiert und sich dafür viel Ärger eingehandelt. Ökotrophologen, die Ernährungsberatung machen, verbreiten gerne das Motto „Zucker ist nicht gesund, aber in Maßen ist das schon okay“. Mich würgt es dabei, denn Zucker ist für mich der Ungesundheitsmacher Nr. 1 und das Nahrungsmittel, bei dem ich unter keinen Umständen Kompromisse mache, und wenn ich noch so seltsame Blicke in Restaurants oder bei Freunden ernte. Ein Weißmehlbrötchen, okay, wenn nichts anderes da ist. Das ist nicht gesund, aber das werden mein gesunder Organismus und meine gesunde Darmflora einmal verkraften. Mal eine Portion Reis im Chinarestaurant, auch das kann ich verschmerzen. Aber Zucker kommt mir in keiner Form mehr auf den Teller: Er verdirbt den Geschmack, er ruiniert meine Gesundheit und er macht süchtig.

Dies alles wird ja gerne abstritten. Zum Glück gibt es aber auch heute Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit dieser Problematik auseinandersetzen. In Deutschland sehen wir das selten, ist da die Wissenschaft fester in industrielle Hand? Vor einigen Wochen schon schickte mir eine Leserin einen Link zu einem YouTube-Video mit dem Titel: Sugar – the Bitter Truth (Zucker, die bittere Wahrheit). Ich schaute kurz hinein, oh je, 1,5 Stunden läuft der Film. Aber schon die ersten Sekunden machten einen guten Eindruck, also habe ich mir das auf „demnächst mal“ verschoben. In den letzten beiden Wochen nun habe ich mir den Vortrag von Prof. Robert H. Lustig, Kinderarzt in der Abteilung für Endokrinologie, häppchenweise angeschaut. Da gibt es erst einmal Äußerlichkeiten, die ich positiv aufführen möchte: Der Mann redet fast frei! Gelegentlich schaut er auf sein Manuskript, aber er redet lebendig, humorvoll und engagiert mit seinen Zuhörern. Ich kann ja diese Vorträge nicht mehr sehen, wo der Vortragende mit seinen Augen an einer Vorlage klebt. Auch die Powerpoint-Folien, mit denen er arbeitet, sind vernünftig aufgebaut, nicht vollgeklatscht mit zu vielen Einzelheiten. Wenige Merkpunkte, gibt es ein komplizieres Bild, so wird das parallel zu den Erklärungen aufgebaut.

Prof. Lustig ist kein Vollwertler. Dennoch kommt er zu einigen fast vollwertig anmutenden Schlussfolgerungen. Zucker ist schädlich, und hier meint er vor allem die Fructose, die heute in fast jedem Fertignahrungsmittel und Softdrink zu finden ist. Auf überzeugende Weise macht er uns anhand des Organismus klar, wie Fructose im Grunde für unseren Körper nichts anderes ist als – Alkohol, ein Gift („toxin“)! Sogar den Suchtfaktor sieht er auf gleicher Ebene. Das heißt, wenn wir Kindern gesüßte Limos verabreichen, ist das für deren Leber genauso schädlich wie Alkohol! Ist das nicht verrückt? Das geht ja auch noch über Brukers Erkenntnisse hinaus. Weiterhin unterstützt er auch die Bedeutung von „Fibres“ (Ballaststoffen, d.h. Vollkornprodukte).

Gut gefällt mir auch, wie er das Thema „Kalorien“ abhandelt und erklärt, warum sie in ihrer Klinik den Kindern zur Genesung viel Bewegung verordnen. Nicht, weil das Kalorien verbraucht, darüber lacht er sich halb tot, weil man da ja für einen Burger 10 Stunden hartes Fitnesstraining ablegen müsste. Es werden einfach Körperfunktionen durch Bewegung angekurbelt, die sonst brach liegen und die bei der Nahrungsverarbeitung helfen. Eines der echten Höhepunkte dieses Vortrags, weil eben auch sehr humorvoll vorgebracht.

Einziger Nachteil des Films: Er ist auf Englisch (amerikanisches Englisch) und ein bisschen Grundkenntnisse von Chemie und Biologie sollte man haben. Aber selbst wenn euer Englisch jetzt nicht auf dem tollsten Stand ist. Mal reinschauen lohnt dennoch, glaube ich. Auch wegen der Krawatte 😉

Mein Fernseh(kotz)tipp: Abenteuer Forschung

Kommentar vom 9. Dezember 2009: Abenteuer Forschung

Ein TV-Tipp aus der Tageszeitung. Der einleitende Satz lautet „WISSENSMAGAZIN: Ist Zucker wirklich so schlecht wie sein Ruf“? Heute um ZDF um 22.15 Uhr. Wie gut, dass ich keinen Fernseher habe… so eine Weichspülsendung brauche ich nicht, denn schon die Fragestellung lässt erkennen, dass sicherlich anschließend keine Anzeige durch die Zuckerindustrie erfolgt.

„Viele Menschen greifen zu Zuckerersatzstoffen, um den ungeliebten Süßmacher zu umgehen. Forscher sind auf einen frappierenden Effekt gestoßen: Tiere, die mit Ersatzstoffen gefüttert werden, sind dicker als ihre Artgenossen, die üblichen Zucker fressen. Lässt sich diese paradoxe Wirkung auf den Menschen übertragen? ‚Abenteuer Forschung‘ geht dieser und weiteren Fragen nach.“

Dick oder dünn sein (wie immer das definiert wird) ist doch wohl nicht das alles entscheidende Kriterium für ein Urteil über ein Lebensmittel. Gesund oder krank sollte es sein.

Welchen Wert soll die Gegenüberstellung von üblichem Zucker gegenüber Ersatzstoffen haben? Schwachsinn mit Wahnsinn vergleichen, Arsen mit Blausäure?

Ich möchte fast wetten, dass das Fazit der Sendung lauten wird: Zucker ist nicht so schlecht, wie manche ihn machen, in Maßen genossen, kann er sogar gute Wirkungen zeigen. Wer wettet dagegen?

Kinderdoping

Kommentar vom 23. August 2009: Esprico, damit Kinder schon früh das Doping lernen

Bass erstaunt entdeckte ich vor ein paar Tagen bei einem Schaufensterbummel in einer Apothekenauslage ein neues Produkt: Esprico.

Was tun, wenn Kinder unruhig und unkonzentriert sind?
Mit ESPRICO® lassen sich Aufmerksamkeit und Konzentration auf natürliche Art fördern.

Und die weitere Erklärung:

Ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel für eine ausgewogene Ernährung. Für sich und seine Familie ausgewogen zu kochen, ist nicht immer einfach: Im Alltag muss es oftmals schnell gehen – und andererseits schmeckt vieles, was gesund ist, dem Kindergaumen nicht: Seefischöl ist wertvoll, aber Pommes und Eis leckerer. ESPRICO® ist reich an wichtigen Nährstoffen und schmeckt fruchtig gut

Hier werden uns wieder Dinge als Wahrheiten unterstellt: Seefischöl ist wertvoll. Ach ja? Wieso müssen Kinder für eine gesunde Ernährung Seefischöl essen? Da habe ich doch von der Vollwertkost ganz andere Vorstellungen. Außerdem ist nicht alles Gesunde für den Kindergeschmack unerträglich, vor allem nicht, wenn Kinder frühzeitig z.B. vollwertig ernährt werden. Nahrungsergänzungsmittel taugen erstens nicht viel und gerade Kinder schon daran zu gewöhnen, ist ein Verbrechen. Da wird der Griff zur Pille für alles und jedes doch schon ganz früh zur Gewohnheit.

Auch die Zutatenliste lässt mich schaudern:

Zutaten:
Seefischöl (33,5%); Xylit;
Feuchthaltemittel: Glycerin; Magnesiumcitrat; Gelatine; modifizierte Stärke; Überzugsmittel: Bienenwachs gelb; mittelkettige Triglyceride; Nachtkerzenöl (2,3%); Orangen Aroma (80-90% Limonen); Emulgator: Lecithine aus Sojabohnen; Zinkgluconat; Säuerungsmittel: Citronensäure; Farbstoffe: Eisenoxid, Titandioxid; Süßstoff: Acesulfam K.
Frei von Konservierungsstoffen, Gluten, Laktose

Hervorhebungen in rot und kursiv sind von mir. Selbst wenn ich einmal die Hauptinhaltsstoffe nicht in Frage stelle – so ist der Rest nur grauenhaft. Lecithin aus Sojabohnen (von genfrei keine Rede), Farbstoffe, künstlicher Süßstoff. Wie hieß es doch oben gleich noch…. „ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel“.

Es wird den Eltern auch Hilfe in gesunder Ernährung geben.

Wir essen nicht nur, um unseren Hunger zu stillen – und auch nicht nur, weil es schmeckt: Nährstoffe machen aus bloßen Sattmachern gesunde Lebensmittel, die dem Körper all das liefern, was er für beste Leistungsfähigkeit benötigt. Dass es dabei weit mehr gibt, als nur Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett, ist längst kein Geheimnis mehr: Zahlreiche Inhaltsstoffe unterstützen ganz unterschiedliche Körperfunktionen – und so, wie Sie darauf achten, dass Ihr Kind ausreichend Kalzium erhält, das seinen Knochenbau stärkt, können Sie durch die richtige Ernährung auch einen wichtigen Baustein dafür liefern, dass ihm Konzentration leichter fällt.

Soweit – so gut.

Die klassische Ernährungspyramide, die viele von uns im Kopf haben, liefert hierzu allerdings nur wenige klare Aussagen und ist nicht unumstritten. So legt sie überproportionalen Wert auf stärkehaltige Produkte wie Brot, Reis und Nudeln – aber auch auf Weißmehl und Zucker, was Übergewicht begünstigt.

Wessen Ernährungspyramide soll das denn sein?

Andererseits differenziert die Pyramide nicht zwischen „guten und schlechten“ Fetten. Doch gerade Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren können Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit entscheidend unterstützen und sollten Bestandteil ausgewogener Ernährung sein.

Der Aufbau der Ernährungspyramide hat sich grundlegend verändert: Galten Getreideprodukte und Kartoffeln einst als wichtiges Fundament der Ernährung, so sollten nach Ansicht von Experten Weißmehlprodukte nach heutigem Wissen eher die Ausnahme bilden.

Welche unverschämte Unterstellung hier im letzten Satz, wo Getreideprodukte einfach mal schnell mit Weißmehlprodukten gleichgesetzt werden! Und was für „Experten“ sind das denn wieder?

Aber es gibt auch für hilflose Eltern ein Rezept für Grießpudding. Man beachte bitte, dass vorher auf die Gefahren von Zucker und Weißmehl hingewiesen wurde.

– 600 ml Milch
– 100 g Weichweizengrieß
– 2 Eier
– 100 g Zucker
– 1 Prise Salz
– 2 Birnen
– etwas Apfelsaft
– Zimt nach Geschmack
– 2 Esslöffel gehackte Mandeln

Die Liste spricht für sich. Dazu kommt noch, dass die beiden Eier auch noch ROH in den Pudding kommen (schüttel….). Und etwas, das mir auffiel: in den normalen Dr. Oetker-Vanillepudding, den ich noch aus meiner Kindheit kenne, kommt auf 500 ml Milch genau 40 g Zucker. Das war mir als Kind schon immer etwas zu süß. Hier auf dieser Website, wo sich mit Ernährungskompetenz gebrüstet wird, empfiehlt dieselbe Firma, die den Zucker gerade noch verdammte, 100 g Zucker auf 600 ml Milch!

Ich habe hier nur wenig kommentiert, mehr zitiert. Ich denke, mehr muss ich dazu auch nicht sagen. Und wer denkt, das sei eine heitere Satire von mir, schaue selbst bitte auf http://www.esprico.de/