Wer backt nach?

Es geht um einen Aprikosenkuchen, für den ich ein Rezept in der Zeitschrift „Meine Familie & Ich“ gefunden habe.

300 g Aprikosen
2 EL Honig
600 g Doppelrahmfrischkäse
200 g Schmand
1 EL Speisestärke
50 g Zucker
4 Eier
100 Heidelbeeren
1 EL Puderzucker

Zubereitung:
Backofen auf 160°C (Heißluft) vorheizen. Aprikosen 30 Sek. in kochendes Wasser legen, häuten, entsteinen und fein würfeln (ich habe die Aprikosen allerdings nicht geschält 😉 ) Aprikosenwürfel mit Honig leicht stückig pürieren.
Frischkäse mit Schmand, Stärke und Zucker glatt rühren. Eier unterrühren. Masse in eine mit Backpapier ausgelegte Form gießen. Aprikosenpüree leicht marmoriert eingießen. Kuchen ca. 30 Min. backen.
Heidelbeeren darüber geben, weitere 20 Min. backen und noch 20 Min. ruhen lassen. Herausnehmen, auskühlen lassen. Mit Puderzucker garnieren.
Ich habe diesen Kuchen gerade im Ofen. Aber natürlich habe ich das Rezept geändert. Frage: Was an diesem Rezept stößt mir so auf, dass ich es ändern musste? Was würde dich stören?

Exakte Zutaten

  • 225 g Weizenmehl Typ 1050
  • 100 g Weizenmehl Typ 550
  • 1 Päckchen Weinstein-Backpulver
  • 3 (2 + 1) Eier
  • 275 (175 + 100) g Rohrohrzucker
  • 1 Dose Kokosmilch (400 ml)
  • 1 TL Vanilleextrakt oder gem. Vanille
  • 50 g Kokosraspel
  • 1 Prise Salz
  • 300 g Rhabarbar, in Scheiben

Na, könnt Ihr damit etwas anfangen?

Und vor dem Backen sah das geheimnisvolle Etwas so aus:

Morgen gibt es dann das exakte Rezept mit mehr Fotos. Ich kann schon eines verraten: Der Kuchen schmeckt absolut super!

Wann sind Rezepte geeignet?

15. Feb. 2016:  Normal ist nicht mehr interessant

Wenn ich mich so umsehe in der Rezeptewelt, staune ich. Normales Essen ist überhaupt nicht mehr gefragt. Mindestens eine exotische Zutat muss dabei sein. Da lese ich z.B. den Rezeptteil der vor 3 Tagen erwähnten Schrott & Korn vom Februar:

  • Spaghetti und Grünkohlpesto – mit gerösteten Süßkartoffeln und Pinienkernen
  • Rosenkohlpfanne mit Kürbisgnocchi – mit Parmesan und Salbei
  • Asia-Weißkohl – mit glasiertem Tempeh, Koriander und Sojasoße
  • Kumpir mit Rahmsauerkraut – mit Haselnuss-Schwarzbrotbröseln
  • Wirsing-Lasagne – mit Sojahack und Tomatensoße
  • Blumenkohl-Carpaccio (angeblich einfach, hmmm)
  • Rotkohl-Slaw mit Granatapfelkernen

Ich beobachte es im Seniorenratgeber, auf Blogs und Rezeptseiten: Es muss ausgefallen sein! Vermutlich ist alles andere zu langweilig? Ich finde das nicht. Diese Rezepte kann der „normale Küchenmensch“ kaum in den Alltag einbauen, es fehlen Zeit und Zutaten. Was Kinder zu diesen Rezepten sagen, lassen wir mal ganze weit vorne weg. Natürlich, so denken diese Zeitschriften, ist es langweilig, jedes Jahr auf’s Neue Bohnen mit Kartoffeln anzubieten, Apfelrotkohl mit Kartoffelbrei usw. Mag sein. Aber durch dieses Hechten nach Ausgefallenem fühlen sich ernsthaft doch nur noch Küchenbobbyisten angesprochen, dabei wäre es doch schön, wenn auch in die Normalküche etwas (!) Abwechslung einzieht.

Ich denke da beispielsweise an ein Posting in „meiner“ Facebook-Gruppe zu Gemüsepfannen: Eine leckere Kombination aus Kartoffeln, Grünkohl und Fenchel. Das ist auch ausgefallen – aber normal! Und die anderen Leser waren begeistert und konnten es ohne große Mühe nachkochen, wenn sie Lust darauf hatten.

Zutaten

8. November 2013: Zwiebelpuffer

Was erwartet Ihr, wenn ich über ein Rezept schreibe „Zwiebelpuffer“? Also ich tippe, dass Ihr damit rechnet, dass dieses Rezept hauptsächlich Zwiebeln enthält. Das ist natürlich heute mit den Benennungen anders. Ein Erdbeerjoghurt enthält manchmal die Erdbeere nur im Namen. Ein Schnitzel, wie ich aus dem letzten Urlaub und meiner Flugreise weiß, auch nur etwa 70 % Fleisch. Aber immerhin – da ist der größte Anteil doch noch Fleisch.

Was erwartet Ihr, wenn Ihr einen Tee kauft mit Namen „Blütenduft“? Okay, dass er nach Blumen duftet. Enttäuscht, wie wir von der Industrie sind, erwarten wir vermutlich nur Aromen. Und deshalb kaufen wir gerne Bio, weil wir davon ausgehen, dass dort die Bezeichnung anders ist. Dass der namensgebende Teil nicht immer der überwiegende Bestandteil ist, ist mir auch klar. Wenn ich einen Bärlauch-Aufstrich kaufe, weiß ich, dass ich vorwiegend Wasser und Sonnenblumenkerne kaufe. Aber einen Anteil von 10 bis 15 % des namengebenden Teils erwarte ich schon, nicht nur ein Bruchteil. Auch bei Kräutersalz ist der Kräuteranteil vielleicht bei 8 %. Aber es stehen ja auch Kräuter und Salz beide im Namen.

Zum Glück ist ja vorgeschrieben, dass die Reihenfolge der Zutatenangaben auf Verpackungen sich nach ihrer Menge richtet: Das, was in der Liste ganz oben steht, ist auch gleichzeitig der größte Anteil.

So, nun geht’s ans Konkrete 🙂 Vor ein paar Wochen bekam ich ein Tütchen geschenkt, darauf steht „Gute Laune – Gewürz-Blüten-Zubereitung“ darunter in Englisch „Cheery Blossom Spice Blend“ [cheery = fröhlich; Blossom = Blüten; Spice = Gewürz; Blend = Mischung]“. Interessant schon, die Umstellung: Im Deutschen stehen die Gewürze vorne, im Englischen die Blüten. Ich dachte erst, das sei ein Tee. Aber ein intensiverer Blick sagte mir: Oh, ein Gewürz von der Firma Sonnentor, offenbar voller Blüten und Gewürze. Nun kommen wir mal zu den Zutaten, wie sie auf der Packung aufgeführt sind:

Meersalz
Knoblauch
Bärlauch
Oregano
Basilikum
Rosmarin
Thymian
Ringelblumen
Rosenblüten
Kornblumen

Das sind 10 Zutaten, da wird rechnen einfach. Es können maximal alle Zutaten zu 10 % in der Zubereitung sein, eher aber wohl weniger. Meersalz, Knoblauch und Bärlauch bestimmen die Kombination, die hochgepriesenen Blüten kommen ganz am Ende. Wie viele Prozentchen sind das wohl noch?

Vielleicht nehme ich das zu genau? Mag sein. Aber ein Blick auf Inhaltsangaben sollte immer mit bewusstem Auge geschehen. Ich habe das Gewürz auch probiert. Ja, eine leckere Mittelmeer-Knoblauchmischung. Räusper… Blüten erschienen mir da für nur Alibi…. Da es aber lecker schmeckt, habe ich mir eine „normale“ Packung gekauft – und siehe da, dort ist die Reihenfolge der Zutaten schon anders, das Salz steht ganz weit unten.

Da war ich dann beruhigt, denn Sonnentor ist ja (noch) ein Garant für Qualität. Warum sie sich ein Eigentor schießen? Keine Ahnung. Aber wer guckt auch schon so genau auf Kleinpackungen? 😉

 

Guck mal das Rezept hier…

17. August 2012: Rezepte weitergeben

Wenn wir in Foren lesen und schreiben, Kurse geben oder mit Freunden plaudern: Häufig treffen wir auf das Problem, dass wir Rezepte haben möchten oder auch gerne weitergeben.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Rezepte unterliegen teils dem Copyright. Spitzfindig wird dann gerne gesagt: Die Zutaten sind nichts „Besonderes“, nur die Anleitung. Wer also nur die Zutaten kopiert und ein bisschen am Text ändert, kann munter weitergeben. Ja, vielen Dank für diesen Tipp! Wer schon einmal selbst Rezepte geschrieben hat, wird sich für diese Art hinterhältiger Tipps sehr bedanken. Schlechtes Gewissen gibt es da wohl nicht?

Dies nur so als kleine Einleitung. Ich selbst habe für meine Rezepte da schon auch meine eigenen Wünsche. Ich habe bald 5000 Rezepte kostenlos für jedermann auf der Homepage, weitere nicht gezählte Rezepte auf dem Menüblog. Dann habe ich Rezepte in Büchern veröffentlicht. Mit den Einnahmen aus den Büchern komme ich nicht mal auf einen nennenswerten Stundenlohn. Was den meisten Kochbuchbautoren so gehen wird, außer vielleicht den ganz großen Namen.

Wenn jemand im Freundeskreis mal ein Rezept von mir aus dem Internet ausdruckt und weitergibt: Nichts dagegen, solange die Quelle exakt angegeben ist. Nicht einfach „Ute“, sondern schon die genaue Homepage / URL. Das Gleiche gilt, wenn jemand Kurse geben möchte. Da besonders erwarte ich eine genaue Quellenangabe mit genauer Homepage. Wenn jemand in Foren ein Rezept von mir weitergeben möchte, wünschte ich mir, dass diejenigen, nicht einfach meine Rezepte umkopieren, sondern einen Link setzen. Das wird meiner Arbeit gerechter.

Wenn jemand im Freundeskreis ein Buch von mir herumzeigt: gerne 🙂 Wenn sich Freunde dann mal ein Rezept abschreiben wollen: Wer wird da etwas gegen sagen wollen? Seitenweise abkopieren finde ich nicht gut. Wer Kurse gibt und Rezepte von mir aus Büchern verwenden möchte, möge sich bitte an mich wenden, das ist noch nie ein Problem gewesen. Ein Hinweis: Das Copyright für „Immer öfter vegetarisch“ liegt beim Dort-Hagenhausen Verlag! Kursleiter müssten sich dann bitte dorthin wenden.

Rezepte aus Büchern haben meiner Ansicht nach in Foren und anderen öffentlichen „Plätzen“ außer in Einzelfällen nichts zu suchen. Das sehe ich für meine eigenen Bücher genauso wie für Fremdbücher. Die Herstellung eines Buchs ist teuer, das Einkommen vieler Menschen hängt davon ab, dass diese Bücher verkauft, nicht kopiert werden. Da geht es ja nicht nur um den Autor! Wer also meint, er müsse unbedingt ein Rezept aus einem Buch abschreiben und veröffentlichen, möge dies doch bitte dann auch korrekt machen, nämlich mit Angabe von Autor, Buchtitel, Erscheinungsjahr und möglichst noch ISBN. Da kommen wir der Fairness schon näher.