Rezept der Woche: eher ungewöhnlich

Warum zeige ich heute ein belegtes Brötchen? Diese Frage stellt sich der eine oder andere. Mir geht es heute weniger um das „Rezept“ als um die Frage: Was tue ich als Vollwertler heute, wenn ich unter Zeitdruck stehe, Hunger habe, aber weder die Muße noch die entsprechenden Dinge im Haus, um schnell etwas auf den Tisch zu bringen?

Die Fotoserie stammt von einem Tag, an dem meine Abendessenszeit (= meine Hauptmahlzeit) schon deutlich überschritten war. Der Tag war anstrengend und ich hatte keine Lust, noch irgend etwas zu machen. Die „üblichen“ Vorschläge in solchen Situationen wie Salat, Rohkost, Nüsse, Trockenfrüchte, Brot auftauen im Toaster (ich habe keinen) kamen für mich nicht in Frage, ich wollte etwas „Vernünftiges“ essen. Schon der Gedanke, ein Restaurant zu besuchen – was ja eine Möglichkeit gewesen wäre – klang stressig. Nun haben heute zum Glück (für die Käufer, das Personal sieht das gegebenenfalls anders) Supermärkte lange auf. Also konnte ich gezielt einkaufen.

  • ein Dinkelvollwertbrötchen (kein Brot mehr im Haus, nur tiefgekühlt)
  • etwas Käse

Die anderen Zutaten hatte ich im Haus, das wusste ich noch, hätte ich aber genauso schnell einkaufen können:

  • Butter
  • etwas grüner Salat
  • 1/2 Tomate

Brötchen quer durchschneiden

Beide Seiten mit Butter bestreichen

Auf die Unterseite ein Salatblatt…

und darauf Tomatenscheibe(n) legen.

Käsescheiben auflegen

Oberseite aufsetzen 🙂

Schmecken lassen

Außer der Butter war nichts von Bioqualität. Und trotzdem hatte ich ein gutes Gewissen – alles andere hätte ich in dieser Situation deutlich ungesünder (500 g Datteln? 300 g Nüsse?) und weniger schmackhaft gefunden.

Sicherlich esse ich nicht jeden Tag so, mein selbstgebackenes Brot ist einfach sehr lecker und ein Salat dazu (vorher 😉 ) ist mir wichtig. Aber in solchen Situationen bin ich einfach froh, dass ich auch mal „“grenzwertig“ essen kann, glücklich und zufrieden bin und mir kein schlechtes Gewissen (mehr) mache, wenn ich mal von der Richtschnur abweiche.

Dies ist keine Lösung für Anfänger, da finde ich Konsequenz deutlich wichtiger, um die Grenzen auszuloten. Wer aber ein bisschen ausgefuchst ist im Vollwertessen muss auch mal Kompromisse eingehen dürfen und wird wissen, dass „gelegentlich“ sich nicht häuft und zu „regelmäßig“ wird, was am Anfang wirklich viel schwieriger abzufangen ist.

 

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9 Gedanken zu “Rezept der Woche: eher ungewöhnlich

  1. Elke Jetzschmann 3. September 2017 / 12:48

    Danke, liebe Ute! Sie sprechen mir aus vollem Herzen! Ich ernähre mich ähnlich wie Sie. ich lasse meinen Bauch, meine Motivation, meine Zeit entscheiden.
    Als Anfängerin konnte ich mir das nicht leisten, da zog ganz schnell wieder der Schlendrian ein. Aber inzwischen bin ich so routiniert, dass ich sofort nach solchen „Ausrutschern“ wieder in die für mich richtige und gesunde Vollwerternährung wechseln kann.
    Mein Körper (habe innerhalb von 4 Jahren 20 kg abgenommen und HALTE mein Gewicht bzw. es geht immer noch langsam abwärts) und meine Gesundheit (habe keine Rückenprobleme mehr, bin selten krank) danken es mir.
    Auf meinem Weg hierher haben mir u.a, ganz viel Ihr Vollwertkochbuch und jetzt Ihr Blog geholfen. Hier hole ich mir immer noch ganz viele Anregungen, präsentiere auch mal Freunden und Bekannten Ihre manchmal ganz ungewöhnlichen Rezepte und ernte (fast) immer Zustimmung.
    Elke

    • OneBBO 3. September 2017 / 14:13

      Ja, ich denke auch, dass es am Anfang – und damit meine ich einige Jahre – ganz strikt ist, damit der Körper sich erst einmal wieder regeneriert. Danke für das dicke Kompliment 🙂

  2. Daniela 4. September 2017 / 10:19

    Danke für diesen schönen Beitrag, Ute! Ich finde es für Neulinge und „alte Hasen“ wichtig, den Druck ein wenig aus der Sache zu nehmen, man kann sich unglaublich selbst verrückt machen, wenn man alles immer zu 100% perfekt haben möchte. Auch und ganz besonders bei der Ernährung. Ich weiß, wovon ich spreche, das kann auch schnell in psychischer Hinsicht ungesunde Ausmaße annehmen, die dem Körper dann auch nicht gut tun. Warum sollte man nicht, wenn man´s verträgt, mal in Zeitnot eine vom Bäcker gekaufte und mit ein bisserl Butter und Gemüse, meinetwegen auch Käse, belegte Dinkel-Vollwert-Semmel essen? Ich denke, auch Neulinge sind sehr schnell entmutigt ob eines zu strikten Anspruches. Da kann man mal rasch in eine „ach-ich-schaffe-das-eh-nie-dann-ist-das-Snickers-jetzt-auch-wurscht“ Mentalität verfallen. Es ist doch eigentlich viel ermutigender, jemandem auch mal kleine Ausnahmen, die aus Vollwertischt noch halbwegs okay sind und im Rahmen bleiben (also ich meine jetzt nicht die Schwarzwälderkirschtorte) zuzugestehehen, so dass er auch mal auswärts oder im Restaurant etwas essen kann. Das Leben besteht doch aus so viel mehr als essen. Ich hab das auch wieder lernen müssen oder besser gesagt, ich bin gerade dabei, es wieder zu lernen.

    • Daniela 4. September 2017 / 10:24

      Nur kurz ergänzt:
      Natürlich ist in schweren oder chronischen Krankheitssituationen eine andere Messlatte anzulegen, das ist mir schon klar. Aber auch dann denke ich, besser, jemand setzt die Vollwertkost um, so gut er es schafft, als gar nicht. Auch 80 oder 90 Prozent sind doch sicherlich für jeden immer noch besser als 0, jedenfalls meiner Überzeugung nach. Ich bin ja schon froh, wenn ich meine Familie und Freunde dahin bekommen hab, alles Getreide weitgehend in vollwertiger Form zu essen, alleine dmait hat sich gesundheitlich bei vielen deutlich was getan.

      • OneBBO 4. September 2017 / 10:32

        Bei Neulingen bin ich vorsichtiger mit Tipps zur Laschheit, weil das sehr schnell falsch verstanden werden kann und das Bemühen dann lange aufhört, bevor sie wirklich ein gutes Level erreichen. Da finde ich Rat immer schwierig…

        • Daniela 4. September 2017 / 10:43

          Ja, ich verstehe natürlich, was du meinst, Ute! Da hast du sicher recht! Das Problem ist halt, dass nicht jeder konsequent genug ist, die Vollwertkost wirklich genau nach den Brukerschen Regeln umzusetzen und da bin ich oft schon froh, wenn sie ein bisschen davon annehmen. Auch zeigt die Erfahrung der Forks over Knives Bewegung (ich weiß, du gehst damit nicht konform, ich finde auch nicht alles okay), dass man oft auch mit etwas weniger strenger, pflanzenbasierter Vollwertkost viel erreichen kann. Aber entschuldige bitte, das war jetzt nicht das eigentliche Thema deines Beitrages. Jedenfalls sieht das Brötchen wirklich lecker aus!

          • OneBBO 4. September 2017 / 10:48

            NIx zu entschuldigen, das bietet sich ja an. 🙂 Forks over Knives ist natürlich auch speziell auf den amerikanischen Markt ausgerichtet, das merkt man an vielen Dingen. Und die unkommentierte Verwendung gelegentlich von Ketchup finde ich überaus grenzwertig. 😉

  3. Daniela 4. September 2017 / 10:51

    Da bin ich vollkommen deiner Meinung! Und nicht nur das Ketchup… 😉

    • OneBBO 4. September 2017 / 10:53

      🙂

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