Sandwichgeschichte

Was ist eine Sandwichgeschichte? Bei ihr sind der erste und der letzte Satz fest vorgegeben. Aufgabe ist es nun, eine Geschichte mit genau diesem ersten und diesem letzten Satz zu schreiben.

Es ist etwas zum Mitmachen.

Erster Satz: Das Foto war jetzt schon zum dritten Mal heruntergefallen, aber diesmal war der Glasrahmen zerbrochen.

Sätze dazwischen: Dein Text

Letzter Satz: Wenn das jetzt nicht hält, ist alles hin.

Abgabetermin: 15. September 2022
Umfang: etwa 1000-2000 Zeichen
Versand an mich: wilkesmann[at]gmail.com

Eine Hand greift die andere

Es gibt ein neues Buch von mir.

Info:
Ein Nebendarsteller in der einen Geschichte wird zum Protagonisten der nächsten. Einige dieser Protagonisten begleiten durch das Buch und ergeben somit eine lose Rahmenhandlung. Krimitendenzen sind vorhanden.

Ein kleiner Auszug zum Warmlesen:

Grunewald kam aus seinem Büro. „Die anderen Damen sind alle ausgeflogen?“ Ann-Kathrin nickte. Was sollte die Frage? Sie war leicht beunruhigt. „Kommen Sie doch in mein Büro, ich möchte mit Ihnen reden.“ Dabei musterte er sie von oben bis unten auf seine spezielle Weise, die sie so unangenehm fand.

Er bot ihr einen Stuhl am kleinen Besprechungstisch an und setzte sich ihr gegenüber. „Sie sehen gut erholt aus!“ „Danke, das bin ich auch.“ Kleine Pause. Er beugte sich vor und legte seine Hand auf ihre. Ann-Kathrin wurde es eiskalt. Was sollte das werden? „Sie wissen ja, wie sehr ich Sie schätze, nicht wahr?“ Sie nickte und wusste kaum, wohin den Blick zu wenden.

„Nun, Sie sind jetzt ja eine Weile wieder allein, da wird es langsam Zeit, sorgsam in die Zukunft zu schauen.“ Ihre Stühle standen zu nah beieinander. „Ich würde Sie gerne zur leitenden Assistentin machen.“ – „Und Sylvia?“ – „Sie bekommt dann die Leitung des Labors übertragen.“ Ann-Kathrin wusste, dass Sylvia diesen Job nicht mögen würde, sie liebte den Kontakt zu den Patienten, den Trubel „vorn“.

„Natürlich wird Ihr Gehalt entsprechend angehoben. Na, Interesse?“

Ann-Kathrin ahnte nichts Gutes, aber was sollte sie sagen: „Ja, wenn die Kolleginnen damit kein Problem haben.“ Seine Reptilienzunge benetzte die Lippen. „Sie haben den richtigen Umgang mit den Patienten, sind beliebt bei den Kolleginnen und können auch den Umgang mit Ihrem Chef noch einmal überdenken.“ Er kam mit seinem Gesicht näher an sie heran: „Deine Kratzbürstigkeit gefällt mir, aber am Ende musst du schon ein bisschen entgegenkommender sein.“ Sie spürte seinen Atem an ihrem Hals, seine Hände legten sich um ihre Taille. Das Telefon klingelte, sie wollte aufspringen, sie bog ihren Kopf zur Seite, von ihm weg. „Ich muss ans Telefon.“ „Oh nein, meine Kleine, es ist doch Mittagspause, ich habe auch abgeschlossen.“

Panik würgte sie, sie spürte seine Hände unter der Bluse aufwärtsrutschen, seine Lippen, eklig nass und übelriechend – so empfand sie es – an ihrem Hals. „Lassen Sie mich hier weg, Sie sind doch nicht ganz dicht!“ Sie stemmte dabei ihre Hände gegen seinen Brustkorb, zog das Knie hoch und traf ihn voll. Letztendlich, so wusste sie, war sie ihm körperlich unterlegen, aber sie hoffte, dass er zur Besinnung kommen würde. Er zog sich zurück, gekrümmt vor Schmerz, sie sprang auf. Er starrte sie an, ein undurchdringlicher Blick. Sie zog sich die Bluse herunter, steckte sie wieder in die Hose und ging klopfenden Herzens zur Rezeption. Sie würde kündigen müssen, das Vertrauensverhältnis war ein für alle Mal zerstört.

Im Vorraum der Toilette kämmte sie sich die Haare und brachte die Kleidung vollends in Ordnung. Ihr Herz hämmerte immer noch aufgeregt gegen den Brustkorb. Sie blieb, mit den Händen auf das Waschbecken gestützt, einige Minuten stehen, um wieder normal atmen zu können. Sie riss sich zusammen, als sie die Kolleginnen zurückkommen hörte. Annika kam in den Raum, mit ihrem feinen Gespür merkte sie, dass etwas in der Luft lag, und fragte: „Ist irgendwas?“ Ann-Kathrin schüttelte den Kopf, „Ist schon okay“. Sie ging zu ihrem Schreibtisch. Unter diesen Umständen konnte sie hier nicht bleiben, egal ob gute Beziehung zu den Kolleginnen oder gute Bezahlung. Sie seufzte, es hätte auch schlimmer kommen können, wenn Grunewald sich völlig vergessen hätte. Es war übel genug. Sicher war sie nicht die Erste, an der Grunewald sich versucht hatte. Sie sah ihre Kolleginnen unauffällig an. Wer war es vorher? Wie hatten sie reagiert? Ob sie nachfragen sollte, so ganz vorsichtig? Gerne hätte sie den Chef angezeigt, aber sie hatte ja keinen Beweis, da es Gott sei Dank nicht zu einer Vergewaltigung gekommen war, wo auch die Beweislast, wie man weiß, immer nicht so einfach ist. Sie entschied sich, nachher zu Frau Grunewald zu gehen und darum zu bitten, dass sie den Nachmittag freinehmen könne. Dass ihr übel war, konnte man deutlich sehen. Und irgendwie würde sie die Wochen bis zum Ende der Kündigungsfrist schon herumbekommen, zur Not auch mit einer Krankschreibung überbrücken. Sie lächelte bitter, aber sicher würde sie dafür nicht Herrn Grunewalds „Dienste“ in Anspruch nehmen.

Die ersten Patienten füllten allmählich wieder das Wartezimmer. Da war der kleine Markus mit seiner Mutter, dessen Mittelohrentzündung hoffentlich endgültig abgeklungen war. Gerade kam Herr Weingarthen zur Tür herein, seine Lungenfunktion musste überprüft werden. Die Lungenfunktionsprüfung würde eine der Assistentinnen durchführen, nur die Besprechung war Grunewalds Sache. Direkt hinter Herrn Weingarthen drängte sich die füllige Frau Demirez durch die Tür. Vermutlich wollte sie das Rezept für ihren Mann verlängern lassen, wie immer zu Anfang des Quartals.

Dann kam Frau Grunewald, sie nickte kurz in die Runde. Sie erledigte nachmittags einen Teil der Buchhaltung und andere administrative Belange, jetzt wo die Kinder wieder zur Schule gingen. Ann-Kathrin bemitleidete Frau Grunewald. Irgendwann hatte sie doch sicher einmal mitbekommen, was für ein widerlicher Schürzenjäger ihr Mann war.

Ann-Kathrin hatte sich fünfzehn Minuten gegeben, bevor sie sich bei ihr abmelden wollte. Nach zehn Minuten Wartezeit kam Frau Grunewald mit hochrotem Kopf und schmalen Lippen aus dem Büro ihres Mannes und steuerte direkt auf Ann-Kathrin zu. Was war denn jetzt los? Frau Grunewald, sonst zurückhaltend, freundlich und eher scheu, baute sich vor der Rezeption auf. Mit den Worten „Hier ist Ihre Kündigung!“, warf sie Ann-Kathrin einen Umschlag auf den Tisch. Frau Grunewald starrte sie an. „Wir hätten Ihnen lieber fristlos gekündigt, aber sicher würden Sie nicht zugeben, wie Sie meinen Mann sexuell bedrängt haben.“ Ann-Kathrin blieb der Mund offenstehen. Frau Grunewalds Stimme war schrill und durchdringend, die Kolleginnen und die Patienten im Wartezimmer konnten jedes Wort hören. Ann-Kathrin schossen vor Wut und Empörung die Tränen in die Augen.

„Im Übrigen sind Sie bis zum Rest Ihrer Arbeitszeit freigestellt, die entsprechende Summe liegt ebenfalls im Umschlag.“ Ann-Kathrin wollte etwas sagen, aber ihre Stimme versagte.

„Wissen Sie, mein Mann hat sich ja schon mehrmals über Ihre plumpen Avancen beschwert, ich habe das bisher nie ernstgenommen, habe Sie in Schutz genommen und ihm erklärt, er habe da sicher etwas falsch verstanden. Sie haben mich auch menschlich aufs Tiefste enttäuscht.“

Frau Grunewalds Stimme wurde lauter und schriller, sie hatte rote Flecken am Hals, sie schrie Ann-Kathrin an: „Packen Sie Ihre Sachen, jetzt sofort, und verlassen Sie umgehend unsere Praxis. Seien Sie froh, wenn wir keinen Rechtsanwalt einschalten!“ Die beiden Frauen starrten sich an. „Und“, fuhr Frau Grunewald fort, „erwarten Sie kein Zeugnis von uns. Ich kann Ihnen keinesfalls empfehlen, darauf zu bestehen!“ Damit drehte sie sich um und eilte wieder in ihr Büro, wo man sie weiter schimpfen hören konnte.

Frank Escherbach Nr. 5

Frank war auf seiner Über-mich-Seite ziemlich offen. Er hatte sein Geburtsdatum, den 17.6.1971, und auch seinen Nachnamen Escherbach dort eingetragen, dazu Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Wohnort mit Straße. Im Gegensatz zu anderen, die damit schlechte Erfahrungen gemacht hatten, war er immer positiv überrascht worden. Die Leser seines „Midlife-Crisis“-Blogs hatten ihm regelmäßig zum Geburtstag gratuliert, mit einigen hatte er telefoniert.

Er hatte den Blog vor etwa 10 Jahren begonnen. Mit 41 kann man schon mal über die Midlife Crisis schreiben. Seine Beiträge waren meist satirisch, aber es gab auch ernsthafte Artikel oder Verweise auf andere Zeitschriften.

Als Russland im Februar 2022 einen Krieg mit der Ukraine anzettelte, war er sich mit diversen Intellektuellen einig. Frieden schaffen ohne Waffen, war sein Motto. Die meisten Leser gingen mit ihm, obwohl diejenigen mit Rang und Namen, die entsprechende offene Briefe oder ähnliches verfasst hatten, in der Öffentlichkeit stets lächerlich gemacht wurden. „Was für eine Diskussionskultur hat sich in diesem Land ausgebreitet“, dachte er des öfteren und seufzte. Wo waren sachliche Auseinandersetzungen?

Er selbst war als Leiter einer Autowerkstatt vermutlich kein Intellektueller, das war ihm ohne Neid klar. Er hatte auch keine intellektuellen Ambitionen. Seine Frau hätte ihn gern mal ins Theater oder die Oper mitgeschleppt, aber er blockte das immer ab. Einmal hatte er sich auf ihre Bitten eingelassen, da waren sie noch nicht verheiratet. Da saß er steif in seinem einzigen Anzug im Zuschauerraum und musste sich durch irgend so ein modernes Stück quälen. Vermutlich von einem Intellektuellen verfasst, kicherte er in sich hinein. Seine Margot hatte nie wieder versucht, ihn mitzunehmen.

Frank war immer an einem Austausch mit seinen Lesern interessiert. Schon zu Beginn seines Bloglebens hatte er kleine Wettbewerbe veranstaltet. Manchmal konnte er auch Verlage oder Buchhandlungen gewinnen, die ihm Preise stifteten.

Dann hatte er eine Idee. Warum sollte er seine treue Anhängerschaft nicht mal eine Geschichte schreiben lassen? Er unterhielt sich mit Margot darüber, sie reagierte aber relativ pessimistisch. „Du wirst sehen, wenn es keinen Preis gibt, nimmt niemand teil.“ Er zuckte die Schultern. Er war optimistischer.

Aber was für eine Geschichte sollte das sein? Da kam ihm die zündende Idee: Er würde die Leser auffordern, anhand der Über-mich-Seite über ihn zu schreiben. Er legte eine Zeichenzahl mit Leerzeichen von maximal 10.000 Zeichen fest. So ungefähr. Wie lange sollte er den Geschichtenschreibern Zeit lassen? Setzte er den Termin zu knapp, konnte niemand teilnehmen. War es zu reichlich, würde das zu Desinteresse führen. Solche Weisheiten hatte er in der Werkstatt gelernt. Nach reiflicher Überlegung gemeinsam mit seinem Freund Achim entschied er sich für vier Wochen.

Achim fand die ganze Idee gut. „Wie wär’s, ich werbe auf meinem Blog auch dafür? Auch Angler können sich Geschichten ausdenken“, feixte er. Und noch eine Ergänzung hatte er.

„Nichts gegen dein Leben, Frank, aber willst du das für so eine Geschichte nicht etwas aufpeppen? Wo hast du z.B. mal versagt?“ Frank dachte nach, aber ihm kam nichts in den Sinn. „Okay“, sagte dann sein Freund, „Dann nimm doch was aus meinem Leben. Ich habe mich zum Beispiel bei der Polizei beworben, das war mein Traumjob, seit ich ein kleiner Junge war. Aber sie haben mich nicht genommen.“ – „Warum nicht?“ – „Keine Ahnung. War irgendso ein merkwürdiger Grund. Zu intellektuell, zu klein, eine Allergie …“. „Ach, hast du denn eine Allergie? Und das mit der Polizei hast du mir nie erzäht.“ – „Ich habe eine Erdnussallergie, sie hat sich schon in jungen Jahren gezeigt. Und meine Bewerbung bei der Polizei, nun, darüber habe ich nie so gern geredet, ich kam mir wie der letzte Vollversager vor.“ – „Okay, das mit der Polizei nehmen wir in die Geschichte auf. Erdnussallergie, ich weiß nicht.“ Frank überlegte: „Wie wär’s denn, ich lege mir eine Erdbeerallergie zu?“ Achim verstand zwar nicht, was an einer Erdbeerallergie spannender ist als an einer Erdnussallergie. Aber er überließ dies seinem Freund. Immerhin hatte er sich als Erster diese Aufgabe ausgedacht, da stand ihm auch eine Auswahl zu.

Frank schränkte die Vorgaben für die Geschichte etwas ein. Seine Adresse und seine Telefonnummer wollte er den Lesern nun doch nicht zu bewusst vor die Nase führen. Sie einigten sich auf: „Frank Escherbach, 17.6.71 geboren, wollte zur Polizei, wurde aber nicht genommen, und mag keine Erdbeertorte.

Franks anfänglicher Optimismus war dünner geworden. „Meinst du, Achim, da kommt überhaupt was? Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl.“

Achim klopfte Frank beruhigend auf die Schulter. „Du wirst schon sehen, das gibt bestimmt zehn  Beiträge. Mindestens. Das ist doch so spannend!“ Frank warf seinem Freund einen zweifelnden Blick zu, der ließ sich aber nicht aus seiner optimistischen Spur bringen.

„Weißt du was? Ich rufe Pierre mal wieder an. Habe mich schon so lange nicht gemeldet. Wäre denn auch eine Geschichte auf Französisch okay?“ Frank nickte. „Der eine oder andere wird es schon verstehen.“

Margot sah die Begeisterung von Frank und Achim, wie sie Pläne schmiedeten, was sie mit den Erzählungen machen sollten. Daher entschloss sie sich, als kleine Überraschung auch eine Geschichte beizutragen. Sie hatte auch schon eine Idee, sie würde das Ganze in der Ich-Form verfassen, und zwar säße der Frank über einem Ehevertrag für die zweite Ehe. „Nie wieder lasse ich mich auf solche Blutsaugerinnen ein“, war ihr erster Satz. Sie schaute auf den Bildschirm. Blut hat ja Ähnlichkeiten mit pürierten Erdbeeren, da könnte sie eine Verbindung ziehen. So schrieb sie munter drauf los.

Frank selbst nahm das Geburtsdatum ins Zentrum seiner Geschichte. Der 17 des Jahres 71, das muss doch in der Numerologie eine Ensprechung finden. Er stürzte sich für seine Recherchen intensiv in das Internet und fand viel, das er verwerten konnte.

Achim hatte noch zwei Mitautoren gewonnen. Seine Schwester Hella und Max, den Sohn seines Freundes Wolfgang, waren auch begeistert und sagten ihre Teilnahme zu. „Siehste, Frank, es werden mehr als nur vier.“ Frank lächelte schwach und wandte sich wieder Quersummen und Zahlenbedeutungen zu. Pierre verlegte seine Geschichte nach Avignon. Zwar hatte er keine Ahnung, welche Aufnahmebedingungen dort für die Polizei galten. Aber egal, da würden ihm die deutschen Leser schon nicht auf die Schliche kommen.

Kurz vor Abgabe war Achim etwas enttäuscht, weil seine Schwester ihre Teilnahme zurückzog. Sie hatte zu viel zu tun mit ihren drei Kleinen. Na, das hätte sie ja auch vorher sagen können! Von Max kam nichts.

Achim selbst übernahm Stücke aus seiner eigenen Geschichte, zum Beispiel wie er die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hatte. Das verknüpfte er mit der Erinnerung an Erdbeertorte. Kein Wunder, dass sein Protagonist nie wieder Erdbeertorte essen wollte! Dennoch gelang es ihm, eine Kriminalgeschichte daraus zu gestalten.

Frank hatte mit seiner immer stärker pessimistisch geprägten Voraussage recht gehabt. Es gab genau vier Einsendungen, nämlich seine, die seines Freundes Achim, seiner Frau und die von Achims Freund Pierre. Er kämpfte mit sich, ob er die Geschichten überhaupt auf den Blog stellen sollte. Achim ließ ihm die freie Entscheidung. „Wenn du veröffentlichst, linke ich auf meinem Blog dahin. Aber wenn du zu enttäuscht bist, kann ich das auch lassen.

Frank war nicht enttäuscht. Eher langfristig demotiviert. Dennoch veröffentlichte er die Geschichten, die völlig unterschiedlich waren und allein deshalb schon spannend. Die Resonanz der Veröffentlichung war genauso mickrig wie bei der Aufgabenstellung. Sein treuester Leser likte die Geschichten und kommentierte sie. Es gab noch zwei Likes. Und das war’s.

„Das war’s“, dachte sich auch Frank. ‚Die Zeiten haben sich geändert. Wenn ich mich als der liebe Pappi mit lustigen Kindergeschichten verewigen würde, da wären mir jede Menge Likes sicher.“ Er war etwas desillusioniert, nicht verärgert, nicht säuerlich. Aber praktisch: „Wenn’s keinen interessiert, was ich hier mache, denn selbst meine Midlife-Crisis-Beiträge bekommen kaum noch Feedback, kann ich’s auch lassen.“

Achim verstand ihn gut, aber er führte seinen Angelblog trotzdem weiter. Das Schreiben der Beiträge war einfach Teil seines Lebens geworden. Da Frank sich nicht sicher war, ob er eines Tages nicht doch wieder einsteigen wollte, ließ den Blog vor sich hindümpeln. Gelöscht hat er ihn erst zwei Jahre später.

Frank Escherbach Nr. 4

Zum ersten Mal seit vier Jahren nahm ich wieder meinen Füller in die Hand. Er war ein Geschenk meiner Mutter zum Abitur gewesen, das ist lange her. Wer schreibt heute noch mit Füller? Aber für den heutigen Zweck konnte kein Schreibgerät edel genug sein.

Ich beugte mich über den Schreibtisch, schraubte den Füller auf und kontrollierte den Füllstand. Er war gut. Vorsichtig strich ich mit der linken Hand über das Papier und schrieb:

„Ich, Frank Escherbach, geboren am 17.6.1971, setze als Erben zu gleichen Teilen ein: …“

Ein Klecks. Ach du je. Na, wenigstens kam der Fleck am Anfang und nicht erst, wenn ich fast mit dem Text fertig war. Vielleicht wollte das Schicksal mir über den klecksenden Füllfederhalter einen Tipp geben, dass ich die einzusetzenden Erben noch einmal überdenken sollte? Ich knüllte das Blatt zusammen und warf es in den Papierkorb. Ich nahm ein neues von dem 500-Blattstapel Druckerpapier.

Ich lehnte mich zurück. Dass ich nun mein Testament verfassen wollte, war ein Tipp meines Freundes Thomas gewesen. Mein Hinweis, dass ich doch erst 51 Jahre alt sei, wischte Thomas vom Tisch. „Jeder kann einen Unfall haben. Du bist alleinstehend, hast keine Kinder und deine Eltern sind tot. Willst du wirklich, dass dein Geld an den Staat fällt?“

„Na ja, so viel ist das auch nicht. Noch nicht einmal eine sechsstellige Summe.“ Ich musste Thomas, auch wenn er mein bester Freund war, nicht alles offenbaren. Etwa 54.000 Euro verwahrte ich in einem Bankschließfach, seitdem Sparbücher nichts mehr brachten. Und sollte ich arbeitslos werden, muss der Staat sich ja nicht noch an meinem mühsam Gesparten bereichern, geschweige denn an meinem Ableben. Irgendwie fand ich es schon morbide, über meinen eigenen Tod nachzudenken. Aber der Staat als Erbe?

Dem Staat schulde ich nichts! Damals, als ich mich bei der Polizei beworben hatte, was hatte der Staat gemacht? Mich ausgesondert, weil ich zu klein war. Ein Meter siebenundsechzigkommafünf maß ich damals, und ein Meter achtundsechzig mussten es sein. Das war doch Haarspalterei. Heutzutage gibt es Bundesländer, die mich – hätte ich die anderen Tests bestanden, wovon ich nach wie vor felsenfest überzeugt bin – genommen hätten. Thüringen zum Beispiel, aber das stand ja damals nicht zur Debatte. Nach Bayern wollte ich nun wahrhaftig auch nicht. Mittlerweile bin ich noch zwei Zentimeter geschrumpft. Aber mit 51 bewirbt man sich sowieso nicht als Polizeianwärter.

Auch als ich mit 42 Jahren arbeitslos wurde, hatte es nur Ärger gegeben. Angeblich war ich nicht willens, einen zumutbaren Job anzunehmen. Ich war gelernter Bäckereifachverkäufer, aber die Bäckereien wollten durch die Bank weg lieber Frauen einstellen. Das sagte mir natürlich niemand direkt ins Gesicht. Also hatte man mir vom Amt Angebote als Friedhofsgärtner oder Packer in einem Supermarkt zukommen lassen. Mir! Was glaubten die da in den Ämtern wohl, wer ich bin? Immerhin habe ich Abitur! So eine widerliche Zimtzicke im Amt hatte mir dann vorgeworfen, für Bäckereifachverkäufer hätte ich ja wohl auch kein Abitur gebraucht. Nee, das nicht, aber in der Bäckerei meiner Wahl arbeitete so eine niedliche Verkäuferin. Als Kunde kam ich nicht an sie ran. Als Azubi war ich zwar an die kleine Alexandra auch nicht rangekommen, aber da liefen genug andere Mädels rum. Ach, die süße Alexandra. Mit 1,58 Meter passte sie genau zu mir. Ihre roten Haare hatte sie auf der Arbeit immer hinten zusammengebunden. Sie war auch recht kess mir gegenüber, ich hatte mir deshalb lange Zeit Hoffnungen gemacht. Als sie mir ständig von den Restkuchen die Erdbeertorte anbot, dachte ich erst, sie will mich necken. Tausend Mal habe ich ihr gesagt, dass es genug des Scherzes sei, ich mag einfach keine Erdbeertorte. Erst später wurde mir klar, dass sie mir einfach nie zuhörte. Null Interesse an mir. Als ich dann ihren Freund sah, war ich geschockt. So ein langer Lulatsch von mindestens 1,80. Lutz König, was für ein alberner Name. Sie vergötterte ihn, obwohl er schiefe Zähne hatte und viel zu dünn war. Sie bemerkte einfach nicht, dass sie für mich geschaffen war.

Als ich dann endlich in meiner emotionalen Langsamkeit begriffen hatte, dass sie mich völlig übersah und nur freundlich zu mir war, wenn sie den Dienst tauschen wollte, da war es schon reichlich spät und sie schob so eine kleine Kugel vor sich her. Sie hatte mich verraten. Dafür habe ich ihr die Erdbeertorte, die sie mir anlässlich ihrer Verlobung anbot, zufällig aufs Kleid geworfen. Süße Erdbeerrache.

Leider hat es mit keiner Frau zu einer festen Bindung gereicht. Meine Mutter hatte mir damals vorgeworfen, ich sei aber auch wirklich zu wählerisch. „Du bist nur scharf auf ein Enkelkind“, hatte ich ihr zornig vorgeworfen und die Haustür hinter mir zugeknallt.

Alexandra König. Dich habe ich nie vergessen. Ich habe deinen Lebensweg verfolgt. Obwohl der Lutz ein echter Reinfall ist, bist du ihm treu geblieben. Ob du wohl weißt, dass ich immer an dich denke? Ich nähme dich heute auf der Stelle, auch wenn du zwei kleine Könige mitbringen würdest. Leider sehen die beiden dem Vater ähnlicher als dir.

Vorhin, als ich mit dem Testament anfing, wollte ich noch Luise, meine Kusine zweiten Grades als Erbin einsetzen. Da ist sonst niemand, der mal freundlich zu mir gewesen ist. Im Sandkasten haben wir zusammen gespielt. Später haben wir uns aus den Augen verloren, aber seit vier Jahren telefonieren wir ab und zu wieder. Auch wenn Norbert, Luises Mann, mich nicht ausstehen kann, hält sie den Kontakt zur mir aufrecht. Ich habe mal gehört, wie er über mich gesprochen hat: „So ein verbohrter bösartiger Junggeselle, vor dem muss man ja die Kinder verstecken. Hast du mal seinen lüsternen Blick gesehen, wenn er unsere Kinder ansieht und denkt, niemand beobachtet ihn?“ Sie hat mich verteidigt. Eigentlich als einzige nach meiner Mutter. Daher dachte ich, dass sie als Einzige das Erbe verdient. Auch wenn sie Erbschaftssteuer zahlen muss. Bei einem solchen Verwandtschaftsgrad ist das recht viel, ich habe mich erkundigt. Aber niemand weiß von dem Geld im Schließfach, das muss sie ja auch niemandem erzählen. Allerdings würde ich es irgendwie gern umgehen, dass Norbert einen Vorteil davon hat. Vielleicht ein zweckgebundenes Erbe und sie darf das Geld nur für Reisen für sich selbst ausgeben? Ob Luise das machen würde? Ja, ich denke schon. Sie geht wieder arbeiten und macht einen selbstständigen Eindruck.

Als ich mir das erste Mal über mein Testament Gedanken gemacht hatte, fiel mir sofort Luise ein. Und Thomas, mein bester Freund. Wobei man ja nicht weiß, ob er mich überlebt. Bei Luise ist das wahrscheinlicher, wenn ich nicht zu alt werde. Sie ist zehn Jahre jünger als ich. Aber Thomas ist sieben Jahre älter. So ganz gesund sieht er nicht aus.

Ich schüttelte den Füller ganz vorsichtig und zog ein paar Probestriche auf einem Blatt Papier. Keine Kleckse.

Ich schrieb erneut:

„Ich, Frank Escherbach, geboren am 17.6.1971, setze als Erben zu gleichen Teilen ein:“ und fuhr in der nächsten Zeile fort:

„Luise Vanderforst, Geraldweg 78, 45130 Essen, und Thomas Gutwald, Hoppeweg …“

Zack, der nächste Klecks. Wie ärgerlich! Die Tinte hatte sich diesmal soweit über das Papier ergossen, dass ich nicht weiterschreiben konnte. Was für ein Mist, dass so ein Testament handschriftlich aufgesetzt werden muss. Tippen, ausdrucken und Originalunterschrift, warum reicht das nicht?

Oder, fiel mir ein, will das Schicksal mir wieder etwas sagen?

Ich schraubte den Füller zu und legte ihn in die Schublade. Dann musste es eben ein Kugelschreiber sein. Ich nahm den blauen mit der dicken Mine, der schreibt so schön. Und während ich ihn mir so ansah, kam mir die Idee für das Testament. Ich setzte sofort an:

„Ich, Frank Escherbach, geboren am 17.6.1971, setze als alleinigen Erben ein: Frau Alexandra König, Wulsterallee 178a, 44225 Dortmund, als Dank für die vielen schönen Stunden, die wir im letzten Jahr zusammen verbracht haben.

Die Regelung meines Nachlasses soll durch einen Testamentsvollstrecker erfolgen. Deshalb setze ich meinen langjährigen Freund und Weggefährten Müller, Thomas als Testamentsvollstrecker ein. Sollte diese Person die Übernahme dieser Aufgabe nicht wahrnehmen können, soll das Nachlassgericht eine geeignete Person als Testamentsvollstrecker benennen. Der Testamentsvollstrecker soll den Nachlass möglichst zeitnah und nach meinen Anordnungen aufteilen. Die Vergütung richtet sich nach den jeweiligen Empfehlungen des Deutschen Notarvereins.

Essen, 12.8.2022

Frank Escherbach“

Sehr schön, ich war zufrieden. Das Gesicht von Lutz bei der Testamentsverlesung würde ich leider nicht mehr sehen. Aber schon im Voraus zerging die Rache in spe wie Mangoeis auf meiner Zunge. Ich goss mir ein Glas Whiskey ein. Ich mag keinen Whiskey, lieber trinke ich Bier. Aber so ein großer Anlass verdient eben mehr als ein schnödes Bier.

Meine Gedanken wanderten. Eine reizvolle Idee stellte sich mir dar: Wie wäre es, ich würde meinem Leben ein Ende setzen, es aber so aussehen lassen, als ob der olle Lutz mein Mörder sei? Bei der Verhaftung würde er seine Unschuld beteuern, aber Alexandra würde ihm kein Wort glauben und sich von ihm abwenden. Fünfzehn Jahre würde er mindestens bekommen. Alexandra könnte an meinem Grab weinen, sich über den Sarg werfen und bedauern, dass sie nicht viel früher erkannt hatte, dass ich der bessere Mann für sie gewesen wäre.

Das verlangte minutiöse Planung und auch, dass ich Lutz besser kennenlernen würde. Nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Dennoch, der Gedanke an eine tränenreiche Beerdigung war verlockend. Wer würde aber um mich weinen? Luise wäre vielleicht etwas betreten, aber ob es zum Weinen reichen würde? Thomas wäre sicher traurig, aber als gestandener Mann, nee, wir harten Männer heulen nicht. Und Alexandra? Ob sie sich überhaupt noch an mich erinnert? Nur weil ich von Ferne ihr Leben verfolge, heißt das ja nicht, dass sie noch einen Gedanken an mich verschwendet. Vielleicht würde sie mich nicht mal mehr auf einem Bäckereifoto erkennen und käme gar nicht zur Beerdigung. Erst als der Notar sie anruft und sie vom Erbe erfährt, erinnert sie sich meiner und reibt sich die Hände. So viel Kaltschnäuzigkeit traue ich ihr allerdings zu.

Eigentlich bin ich einsam, stelle ich beim Ausmalen der Friedhofszeremonie fast. Außer Thomas habe ich niemanden. Luise, ein bisschen. Ich habe keinen Partner, keine Partnerin, niemanden, für den ich verantwortlich bin. Ich bin den Tränen nahe, weil ich mir so verlassen vorkomme. Ich weine und spreche mir selbst Beileid aus, ich tröste mich.

Ein zweiter Whiskey könnte helfen. Dann gehe ich zu Bier über. Das Testament zerreiße ich erst einmal. Morgen, morgen kann ich es fertigmachen. Schließlich gibt es da noch den Zooverein. Darüber denke ich dann mal nach, wenn ich wieder ausgeschlafen und munter bin.

Frank Escherbach Nr. 3

Bittere Rache

Anstatt die Formulare für Dreyer fertigzumachen, stöberte Frank in der Jobbörse herum. Die JVA suchte immer mal wieder Quereinsteiger. Frank hasste seinen Job als Bürofritze. Nicht nur, weil seine Eltern das nie hatten akzeptieren können und er sich deswegen stets wie ein Versager vorkam. Es war einfach absolut öde. Man erlebte nichts, fühlte sich aber trotzdem am Nachmittag völlig erschlagen, überwältigt von so viel Nichts. Klar, dass sein Vater das nicht verstand. Für ihn war das keine richtige Arbeit, was Frank da machte: um 9:00 Uhr anfangen, ein paar Formulare stempeln, ab und zu telefonieren. Ein Witz. Früher hatte er sich vor seinen Kollegen geschämt, wenn die fragten, was seine Kinder so beruflich machten. Entweder erzählte er nur von Ann-Kathrin, die als Krankenschwester ja wohl etwas leistete, oder er behauptete, Frank arbeitete bei der Stadtreinigung. 

„Stadtreinigung“ tippte Frank in das Suchfeld der Jobbörse. Sieben Treffer, keiner für seine Region. Nach Köln ziehen, um Müllmann zu werden? Mit Anfang 50? Frank schüttelte den Kopf. Aber bei der JVA würden sie ihn wohl auch nicht nehmen. Es gab zwar keine Altersbeschränkung, aber man musste einen Aufnahmetest machen. Und wie das ablief, wusste er nur zu gut. Als er sich damals nach der zehnten Klasse bei der Polizei beworben hatte, war er schon in der ersten Runde rausgeflogen. Irgendwie war das Gespräch schon nicht so gut gelaufen.

„Name?“

„Frank.“

„Ganzer Name, Junge.“

„Frank Escherbach.“

„Geburtsort?“

„Peine.“

„Geburtsdatum?“

„17. Juli 71.“

„Warum willst du zur Polizei?“

„Ja, also, ich möchte Verbrechen aufklären.“

„Wie Schimanski, wa?“

Der Beamte hatte ihn mit diesem Blick gemustert. Nicht mal sein Vater schaffte es, dass er sich so dumm und minderwertig fühlte.

„Ja, schon.“

„Dir ist schon klar, dass du mit deiner Statur wenn überhaupt für einen Bürojob infrage kommst?“

„Ähm, na ja.“

„Na, vielleicht überlegst du dir noch mal, was du wirklich willst.“

Es war so erniedrigend gewesen. Zur Sportprüfung hatte Frank sich gar nicht erst angemeldet. Seinem Vater hatte er von dieser Niederlage nichts erzählen wollen, aber seine Mutter hatte ihn natürlich ausgefragt und hinterher alles bis ins kleinste Detail an den Vater weitergetragen.

„Mensch, Junge, du bist wirklich eine Schande. Vielleicht solltest du dich mal ein bisschen mehr bewegen. Wenn du vielleicht bei Onkel Horst am Wochenende bei der Torte nicht so zugelangt hättest.“ – „Ach, Erich“, mischte Franks Mutter sich ein (heuchlerisch, dachte Frank, jetzt so zu tun, als wäre sie auf seiner Seite). „Das bisschen Torte wird doch nun auch keinen Unterschied mehr gemacht haben.“ – „Das ist ganz generell gemeint. Der Junge isst einfach zu viel und geht nie vor die Tür. Unsereins malocht den ganzen Tag. Und der feine Herr –“

„Ich habe nur ein Stück gegessen und das überhaupt nur, um Onkel Horst einen Gefallen zu tun. Ich kann Erdbeertorte nicht ausstehen, ganz besonders die von Onkel Horst nicht. Der macht da immer Pudding drauf und diese komische Glibbermasse.“ Frank war so wütend. Noch nie hatte er seinem Vater so direkt widersprochen. Es fühlte sich gut an. Und schrecklich zugleich. „Als ob du Nein zu Pudding sagen könntest.“ Frank hätte seinem Vater am liebsten die besagte Torte ins Gesicht geklatscht. Erstens, damit er endlich aufhörte, ihn zu piesacken, und zweitens, damit er einsah, dass man diese Torte wenn überhaupt wirklich nur aus Höflichkeit gegenüber dem Gastgeber essen konnte. Er war ja schließlich nie dabei, wenn sie die Verwandten abklapperten. Zufällig hatte er dann immer am Sonnabend Schicht.

Nach diesem Tag hatte Frank Erdbeertorte noch weniger leiden können, weil er dabei immer an dieses peinliche Gespräch und an seinen Vater denken musste. Obwohl er schon fast 17 war, hatte er zwei Wochen Hausarrest bekommen. Er konnte sich entscheiden, ob er es ihm rechtmachen sollte, um endlich einmal das ersehnte Lob zu bekommen, oder ob er jetzt erst recht aufmüpfig sein und aus Protest eine Ausbildung als Bürokaufmann beginnen sollte. Er entschied sich schließlich für letzteres.

Er hasste diesen Job von der ersten Sekunde an. Die Ausbildung war eine Qual. Heimlich träumte er von Verbrecherjagden und Dienstmarken. „Lassen Sie mich durch, Polizei!“ Vielleicht hätte er sogar zur Pferdestaffel gehen können. Alle hätten ihm bewundernd hinterhergesehen, wenn er mit seiner toughen Kollegin durch die Stadt geritten wäre. Die Pferde der Polizei waren riesig und schön. Und wenn sie am Nachmittag im Büro Kaffee tranken, dann war das verdient, weil sie ja am Vormittag schon die Welt gerettet hätten. Mit Mitte zwanzig waren ihm das erste Mal Zweifel gekommen, ob er es seinem Vater mit seiner Entscheidung wirklich so richtig gezeigt hatte. Aber da war die Verbitterung schon zu tief verwurzelt. So viel Zuckerzeug konnte er gar nicht essen, um die Bitterkeit vollständig zu überdecken.

Frank steckte sich einen Kopfhörer ins Ohr und ließ seine Playlist laufen. Spotify wollte ihn ständig dazu bringen, irgendwelche Podcasts über Finanzen oder queere Sexthemen zu hören. Er wollte einfach nur seiner Musik lauschen. Für die Bezahlversion war er aber zu knausrig, also ließ er es mehrmals pro Stunde über sich ergehen, wie überdrehte Frauenstimmen Markisen und Küchen anpriesen und Steffen und Felix für ihren Podcast warben, ohne je dabei zu offenbaren, worum es darin überhaupt ging.

Es klopfte an der Tür, und Frank riss sich den Kopfhörer aus dem Ohr. Natürlich arbeitete er hier konzentriert. Es war Leonie. Sie hatte am Wochenende Geburtstag gehabt und stellte ihm ein überdimensioniertes Stück Erdbeertorte auf den Schreibtisch. „Ich dachte, du könntest auch eine kleine Stärkung vertragen.“ – „Ja, danke“, maulte Frank. „Warum lässt du dich eigentlich nie im Gemeinschaftsraum sehen?“ – „Gründe“, murmelte er. „Zu viel Arbeit.“ Leonie zog eine Schnute und nickte ironisch-mitleidig, falls es so eine Art Nicken überhaupt gab. Frank war sicher, dass es genau so ein Nicken war. Konnte sie jetzt nicht einfach verschwinden? Frank würde auf der Stelle einen Verein gegen die Herstellung und den Verzehr von Erdbeertorte gründen, wenn sie endlich den Raum verlassen hätte. „Jetzt hör auf zu lächeln und zu quatschen“, fauchte er sie an, natürlich nur in Gedanken. Laut sagte er: „Ja, ja, danke. Ich muss jetzt leider ein wichtiges Telefonat führen.“ Junge, nervten ihn die Kollegen. Er steckte den Kopfhörer wieder ins Ohr. „Wir reden mit unseren Gästen offen über alle Tabuthemen.“ – „Gott!“, rief Frank aus und schickte gleich ein „Zum Teufel!“ hinterher, damit Eckart nebenan nicht denken konnte, es sei etwas Religiöses.

Missmutig schaufelte Frank sich das riesige Stück Erdbeertorte rein, das Leonie ihm gebracht hatte. „Das ist doch einfach widerlich“, schimpfte er vor sich hin. Er hatte das alles so satt.

Wenn man so ein vergeigtes Leben hatte, blieb einem ja praktisch nur eine Möglichkeit: ein Buch schreiben. Bücher kann man über alles schreiben, auch über vergeigte Leben. Manche Leute waren damit sogar ziemlich erfolgreich. Er musste ja noch nicht einmal über sein tatsächliches Leben schreiben, es konnte auch eine völlig fiktive Geschichte sein. Oder noch besser: Er könnte mehrere Versionen von sich erschaffen. Viele mögliche Franks mit ganz unterschiedlichen Leben. Am Ende würde niemand mehr wissen, welcher Frank er tatsächlich gewesen war. Vielleicht nicht einmal mehr er selbst.

Frank Escherbach Nr. 2

Strawberries forever

Im Frankenland, in einem kleinen Dorf bei Münchhausen war es eine lange Tradition, einmal jährlich in der zweiten Junihälfte die Erdbeersaison mit einem Straßenfest ausklingen zu lassen. Dieses Fest wurde seit Beginn von den Bauern aus der Umgebung organisiert. Der Hauptträger der Veranstaltung war Klaus Escherbach, der in der vierten Generation das Familienunternehmen – einen Biohof führte. Dieses Jahr fand das Fest am 17.6. zum zwanzigsten Mal statt, genau zu dem Datum, an dem es von seinem Vater, Karl Escherbach, ins Leben gerufen wurde.

In Münchhausen und Umgebung freute man sich auf das Fest und man arbeitete fieberhaft an der Planung und Vorbereitung. Es sollte in diesem Jahr anlässlich des Jubiläums ein Event mit vielen Besonderheiten und Attraktionen werden. Zu den Besonderheiten zählte zum einen die Wahl einer Erdbeerkönigin sowie ein literarischer Wettbewerb, der vom Münchhausener Wochenblatt ausgeschrieben war: Jeder, der Lust und Laune hatte, konnte eine Erdbeergeschichte schreiben. Minimum 1000, maximal 2000 Wörter. Der Einsendeschluss war eine Woche vor dem Fest. Die Preisverleihung für die beste Geschichte sollte nachmittags nach der Wahl der Erdbeerkönigin stattfinden. Am Abend nach dem Straßenfest plante man in diesem Jahr sogar ein Festzelt, um die Jubiläumsfeier mit Tanz und Musik abzuschließen.

Der 17.6. wurde ein sonniger, warmer Tag. Eine große lange Tafel war durch die Dorfstraße aufgebaut. Hier fand man die von den Bauern angebotenen kulinarischen Köstlichkeiten zum Verkauf und zum Schlemmen vor Ort: frische Erdbeeren, Marmelade, Erdbeerwein-Schnaps-und Bowle, Waffeln mit Erdbeeren, Erdbeertorte und vieles mehr.

Einige Kinder kamen in Verkleidung zum Fest. Sie liefen an den Tischen vorbei und trugen manchmal lustige Reime vor:

Erdbeere rot und rund,
steckt man gerne in den Mund.
Erdbeeren frisch und rot,
schmecken besser als trocken Brot.

Dafür wurden sie mit einer Kugel leckerem Erdbeereis belohnt.

Die Dorfband spielte Oldies und Schlager zum Mitsingen. Strawberry Fields hörte man immer wieder und das „FOREVER“ sangen die Besucher jedes Mal wie einen Refrain laut mit. Nach dem Genuss des Erdbeerweins wurde der Gesang auch schon mal lauter!

Nun ging das Straßenfest zu Ende. Es war ein voller Erfolg, ein wahrhaft gelungenes Fest! Die Veranstalter beeilten sich, die letzten Stände und Tische abzubauen, um rechtzeitig zur Feier im Festzelt zu erscheinen. Auch Frank, der Sohn von Klaus Escherbach, hatte seinem Vater bis zum Schluss beim Aufräumen geholfen. Nun eilte er nach Hause, um seinem Großvater von dem erfolgreichen Fest zu erzählen. Er brannte vor Neuigkeiten! Er sprang die Treppen zum Eingang hinauf, nahm mehrere Stufen auf einmal und eilte in die Stube, in der ihn sein Großvater schon erwartete.

„Hallo, mein Junge, endlich bist Du da! Ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag!“ – und dabei zog er ein kleines Kuvert aus der Hosentasche und steckte es seinem Enkel zu. Frank umarmte ihn und bedankte sich. „Mann, Opa, war das ein geniales Fest! Einfach klasse! So viele Besucher! Wir haben fast alles verkauft und dann, stell Dir vor“…seine Worte überschlugen sich vor Begeisterung! „Aber ich will mich erst frisch machen und für das Fest umziehen, dann stoßen wir auf meinen Geburtstag an und ich erzähle Dir alles ausführlich.

Bevor Frank die Stube verließ, blieb er kurz stehen. Sein Blick fiel auf die Wand mit dem großen Gemälde des elterlichen Bauernhofes und den umliegenden Erdbeerfeldern. Im Gegensatz zu seiner eher wehmütigen Stimmung, die der Anblick des Bildes sonst bei ihm auslöste, zeigte sich heute ein zufriedenes, ja schon glückliches Lächeln auf seinem Gesicht. Das war seinem Großvater nicht entgangen….

Er setzte sich in seinen Ohrensessel, lehnte sich zurück, schloss die Augen und seine Gedanken schweiften in Franks Kindheit zurück.

Nach langem vergeblichen Warten auf Nachwuchs, konnte die Familie am 17.6.1971 endlich die Geburt eines Sohnes feiern. Groß war die Freude über den lang ersehnten Stammhalter.

Der Hof war seit Generationen im Besitz der Escherbachs, einer alt eingesessenen fränkischen Familie. Sein Sohn Klaus hatte das Familienunternehmen inzwischen zu einem florierenden Biohof mit Erdbeerplantagen und deren Produkten entwickelt. Für den Vater war klar, dass sein Sohn Frank Nachfolger des Hofes würde.

Trotz der Milchallergie, die sich kurz nach der Geburt bei seinem Enkel einstellte, entwickelte Frank sich gut.

Zu seinem ersten Geburtstag hatte seine Mutter eine Erdbeertorte zubereitet. Die ersten Erdbeeren für Frank! Sie brach von seinem Tortenstück eine kleine Spitze ab und schob sie ihm in den Mund. Frank verzog das Gesicht, streckte die Zunge heraus und spuckte alles sofort aus. „Was hat er denn? War die Erdbeere vielleicht zu groß?“ fragte die besorgte Oma. Nun zerdrückte die Mutter die Erdbeere und reichte sie Frank auf einem Löffel. Schon beim Annähern des Löffels an den Mund kniff er die Lippen feste zusammen und drehte den Kopf zur Seite. Welch ablehnende Haltung und was für ein Gesichtsausdruck! Wie bei Spinatbrei, den verweigerte er genauso, weil er ihn nicht mochte.

Sollte er etwa keine Erdbeeren mögen? Unvorstellbar! Sein Vater wollte es wissen! Er schob ihm daher gewaltsam ein kleines Stück der Erdbeertorte in den Mund und verhinderte das Ausspucken. Es dauerte nicht lange: Mit Widerwillen und nur langsam schluckte Frank es hinunter. Dicke Tränen kullerten dabei über die Wangen. Dann begann er wie wild zu schreien, lief dunkelrot an, sein kleiner Körper bebte und er japste nach Luft. Ein schrecklicher Moment! Die Familie brach in Angst und Panik aus.

Dieser schreckliche Vorfall war so prägend, dass auch ohne die Diagnose des Arztes niemand mehr gewagt hätte, Frank gegen seinen Willen Erdbeeren einzuflößen. War seine Abneigung gegen Erdbeeren vielleicht eine instinktive Schutzmaßnahme gegen die später vom Arzt diagnostizierte Erdbeerallergie?

Im Dorf hielt man die Allergie geheim, um der Häme anderer Bauern zu entgehen. Frank litt weniger unter der Situation als die Familie. Erst später, als ihm bewusst wurde, dass er den Hof wohl nicht übernehmen kann, belastete ihn die Situation und stimmte ihn traurig. Wie stolz war er auf seine Familie! Wie gerne hätte er dem Vater den Wunsch des Stammhalters erfüllt!

Der Großvater wurde durch das Hupen einer vorbeifahrenden Fahrzeugkolonne aus seinen Erinnerungen gerissen. Er war doch wirklich eingenickt! Sein Enkel schien noch nicht fertig zu sein und so lehnte er sich noch einmal zurück und rief sich in Gedanken die Kinderjahre seines Enkels in Erinnerung:

Um genügend Zeit mit seinem Enkel zu verbringen, hatte er sich immer mehr aus dem Familienunternehmen zurückgezogen. Er liebte seinen Enkel über alles!

Frank war ein lieber, lustiger, aufmerksamer Junge, der wie er die Natur liebte. Wenn das Wetter es zuließ, spielte er von morgens bis abends draußen. Er konnte sich gut alleine beschäftigen, aber am liebsten war er mit ihm, seinem ‚Babai‘, wie er ihn als Kind nannte, unterwegs. Sie schlenderten gemeinsam über den Hof oder machten Spaziergänge im Wald. Dabei wurde er nie müde, die vielen Warum“ seines Enkels geduldig und anschaulich zu beantworten, auch wenn er sich manchmal über die Hartnäckigkeit wunderte. Frank bohrte so lange und ließ nicht eher locker, bis er eine für ihn verständliche Antwort bekam.

Bei den Ausflügen im Wald beobachteten sie die Tiere und lauschten deren Stimmen. Frank lernte schon sehr früh Vogelstimmen erkennen. Auch das “Bellen“ eines flüchtenden Rehs wusste er vom Bellen eines Dackels zu unterscheiden. Ganz besonders viel Spaß bereitete ihm das Spuren lesen der Wildtiere. Er besaß eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, weshalb er seinen Enkel oft „kleines Falkenauge“ nannte.  Frank prägte sich die unterschiedlichen Gangarten und Abdrücke gut ein und man war erstaunt, wie schnell er sich die besonderen Kennzeichen merkte. Als beim Nachbarn die Hühner geklaut wurden, entlarvte er den Dieb anhand des Schürgangs und der Fußspuren als Fuchs.

Der Großvater schmunzelt bei der Erinnerung. Seine kleine Spürnase! Ob hier schon die ersten Samenkörner für seine spätere Berufswahl gesät wurden?

Mit Beginn der Schulzeit wurden die gemeinsamen Spaziergänge zunehmend seltener, da Frank, kaum, dass er lesen konnte, seine Spürnase in Bücher steckte, um dort den Tätern auf die Spur zu kommen. Er war eine Leseratte. Ganz besonders gerne las er Kriminalgeschichten. Angeregt von Erich Kästners Emil und die Detektive, Enid Blytons Geheimnisbüchern und Robert Arthurs Drei Fragezeichen, begann er schon bald sich selbst Detektivgeschichten auszudenken und zu schreiben.

In der Schulzeit wurde er für seine phantasievollen, ideenreichen Aufsätze stets gelobt. Es war ein Vergnügen sie zu lesen. Ein ganz besonderer Genuss waren seine Personen- und Bildbeschreibungen. Sie waren so präzise, so realistisch geschrieben, dass man beim Lesen das Gefühl hatte, im Geschehen mit dabei zu sein.

Der Vater seines besten Freundes war bei der Polizei. Kommissar Schulte. Frank bewunderte ihn und hörte immer ganz gespannt und aufmerksam zu, wenn er von Einsätzen und Fällen berichtete.

Immer mehr wuchs bei ihm der Gedanke, auch diese Laufbahn einzuschlagen, und so entschied er sich für den Polizeidienst.

Er bereitete sich für die Aufnahmeprüfung vor und arbeitete besonders an den sportlichen Leistungen, um den für die Aufnahme erforderlichen Sporttest zu bestehen. Mit großer Zuversicht bewarb er sich. Doch dann die erschütternde Nachricht: die Bewerbung wurde abgelehnt! Grund waren seine Allergien, die das Risiko eines anaphylaktischen Schocks bargen. Damit hatte niemand gerechnet! Die Absage traf seinen Enkel hart und warf ihn total aus der Spur. Sein Traum war geplatzt! Was sollte er nun machen?

Der Großvater seufzt tief, bewegt den Kopf hin und her und murmelt unruhig unverständliche Worte. Durch das vorsichtige Rütteln an seinem Unterarm wird er aus dem Schlaf gerissen. Frank steht vor ihm. „Opa, was hast Du? Hast Du schlecht geträumt?“ „Ach ja, mein Junge!  Deine Absage bei der Polizei ist mir wieder in Erinnerung gekommen. Es tut mir so leid! Wenn ich dir doch nur helfen könnte!

Frank sieht seinen Großvater an und dann breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, das gleiche, glückliche, zufriedene Lächeln, dass dem Großvater heute schon einmal aufgefallen war und wieder erhascht er dabei Franks Blick auf das Erdbeergemälde.

 „Opa, dieses Kapitel können wir jetzt abhaken! Du weißt ja noch nicht was passiert ist! Ich habe eine so tolle Nachricht! Franks Worte überschlagen sich vor Aufregung. Es wird sich alles ändern und daran hast Du maßgeblich teil. „Ich?“ Der Großvater blickt ihn fragend an. „Ja, DU, denn Du hast mich immer wieder ermutigt, meinen Spürsinn, wenn nicht bei der Polizei, dann doch literarisch zu nutzen!“

Ich habe an dem literarischen Wettbewerb teilgenommen. Mit meiner kriminalistischen Geschichte „Spuren im Erdbeerfeld“ habe ich den Wettbewerb aus dem Wochenblatt gewonnen!“ und dabei wirbelt Frank stolz den 100 Euro Gewinnschein in der Luft. „Meine Geschichte wird in der nächsten Ausgabe der Wochenzeitung veröffentlicht. Aber das ist noch nicht alles: Der Verleger einer namhaften Zeitschrift ist auf mich aufmerksam geworden. Er war von meiner Geschichte so überzeugt und begeistert, dass er mir einen Jahresvertrag für eine wöchentliche Kolumne für Kriminalgeschichten angeboten hat.

Der Großvater kann es kaum fassen. Er freut sich so sehr und mit Tränen in den Augen denkt er:  Wenn er auf das Leben seines Enkels zurückblickt, zieht sich doch ein Thema durch sein Leben: ERDBEEREN – es begann mit einem tragischen, ersten Erdbeerkontakt … und endet nun mit einer erfolgreichen Erdbeergeschichte! Hätte es ein schöneres Geburtstagsgeschenk geben können?

Nachwort: Nach diesem für Frank Escherbach erfolgreichen Erdbeerfest studierte er Journalistik und Literaturwissenschaft und ist heute – mit 51 Jahren – ein namhafter Schriftsteller. Man braucht allerdings einen ausgeprägten Spürsinn, um seine Erdbeerkrimis ausfindig zu machen!

Frank Escherbach Nr. 1

Frank Escherbach loved to keep the path in front of his house clean and tidy and free from gratuitous greenery and weeds. He was so proud of the result of his efforts he even went to the trouble of photographing it all with his smartphone, from several angles, to create an overall impression.

The only thing that upset him more than a weed-filled pathway was to be called Eschenbach instead of Escherbach. Secretly, he had hoped that his personal name research would disclose a noble origin, but all he could find was a reference to a stream in North Rhine-Westphalia in Germany. He was never able to trace his family origins, and after a while just left it at that.

Despite his Germanic nomenclature, he always felt he was 100 per cent a Londoner, and had become accustomed to being called “Esherback”, as if it were a football player title like “full back” or “half back”.

Another thing that disturbed him was almost everyone’s initial assumption, admittedly understandable, that he was a German. In fact, he hailed from the East End of London, from Hoxton, to be precise.

At first a working class district – and the birthplace of the notorious East End London gangsters Reggie and Ronnie Kray – by the end of the 20th century, the southern half of Hoxton had become a vibrant arts and entertainment district boasting a large number of bars, nightclubs, restaurants, and art galleries. The new Hoxton residents – including our Frank – could be easily identified by their obscurely fashionable (or „ironically” unfashionable) clothes and their hair (the so-called „Hoxton Fin“, a variation of the well-known Mohawk hairstyle). Although Frank personally favoured a more conservative tonsorial approach (as did most of his taxicab passengers).

Over the years, he had built up an impressive repertoire of cockney rhyming slang. He spent several years working as a London taxi driver, a function in which his Cockney usage helped him gain a reputation as a real Cockney “character”. Once, on arriving at St. Thomas’ Hospital on Westminster Bridge Rd., he rolled down the taxi window and shouted to a rather well dressed man waiting at the kerbside: “Ere, are you the geezer wiv the dodgy strawberry?”, only to be met with a baffled stare. Even if he was the fare awaiting transportation, the man was obviously unfamiliar with Cockney rhyming slang: geezer = man, person; dodgy = likely to fail or cause problems; strawberry = strawberry tart = Cockney rhyming slang for “heart”. The person he was supposed to collect was a heart patient, and not only that; he was incidentally also one of the hospital governors – who was greatly displeased at being thus publicly addressed, noted his vehicle number and had him barred from ever working for the hospital again.

Thereafter, Frank always suffered a feeling of nausea and anxiety whenever he noticed a strawberry tart in a bakery, and never touched one again.

After 12 years, Frank developed a hankering for a more secure job as a driver with reasonably regular hours and a secure pension. One morning he had the idea that he might like to be a police driver. He looked forward to the thrill of a high-speed police pursuit, experiencing the hugely intense adrenaline-fuelled rush when closing in on the bad guy in a stolen Porsche.

Frank sat the test but failed. One of the examiners he knew personally told him confidentially that he was failed for being too intelligent. He learned that police deliberately exclude really smart candidates from selection, because they get bored with the job too quickly. He protested against his exclusion, telling them that it was his dream job, but couldn’t beat the system. Presumably this, thought Frank, is why the detective divisions refer to the uniformed colleagues as “The Woodentops”.

So, it was back to the taxi rank for Frank. He prided himself on having performed very well in The Knowledge, the test that all drivers of London black cabs must pass, to show that they can recall immediately and from memory the name and location of all London’s streets and the shortest or quickest route to them.

He had always stayed on the right side of the law, despite the temptations – and associated risks. For instance, a London taxi driver had recently been jailed for more than 11 years after ferrying kilo blocks of cocaine to dealers in his cab.

On one occasion, a Lufthansa air passenger he was collecting from Heathrow terminal noticed his name on his driver identification card and immediately launched into a tirade of questions in German, such as “Hey, Sie heißen Escherbach, wie kommt es, daß ein Deutscher in London andere Deutsche in einem Taxi rumkutschiert?”. “Und heißen Sie wirklich Escherbach oder sollte das nicht eher “Eschenbach” heißen? Da haben Sie sich vertan, oder?“

On hearing this, Frank slammed his foot down on the brake and screeched to a halt on the Western Perimeter Road, jumped out of the cab, opened the passenger door and deposited the passenger with his luggage on the road and drove off rapidly without a word.

Frank realized he had violated the most basic London taxi cab code of conduct, and expected to receive a message from the complaints team at the Public Carriage Office the same day.

Mysteriously, no such message ever arrived.

On the following day, however, at exactly 4 p.m., there was a ring at the door. Frank’s mouth dropped open at the sight of who was standing there. It was the Heathrow passenger from yesterday!

“Look mate”, he stammered “I’m really sorry about yesterday, I….” but his utterance was cut short by the caller. No sign of the suitcase from yesterday, today he was carrying an official looking briefcase.

“May I come in, Mr. Eschenbach?”.

Frank just managed not to start correcting him to “Escherbach” and ushered the man in.

Let me just introduce myself, Mr. Eschenbach“ he continued, a smile playing about his lips, thought Frank.

“I am a lawyer from the law firm Latham & Watkins and am here on official business, nothing to do with airline travel, incidentally, he smiled again”

“You are Mr. Frank Eschenbach of 13 Eagle Wharf Road, Hoxton, London, are you not?”

“Actually….” Frank started to reply, but was interrupted by the lawyer who said” Would you please tell me your date of birth?”

Frank duly replied “17th June, 1971”.

“Very good, and if you’d be so kind as to show me evidence of your credentials, for instance a British passport.”

Frank went away and came back two minutes later with the requested documents.

The lawyer inspected them closely, then withdrew a folder of papers from his briefcase.

“Very well, Mr. Eschenbach, because that is your real name I can inform you that you are the beneficiary of an inheritance from Dr. Heinrich Eschenbach, recently deceased German citizen and sole owner of the company Eschenbach Metall GmbH, Essen. Dr. Eschenbachs estate is estimated at a value of 52 Million Euro.”

If you wish to accept the inheritance, please sign here, here and…. here”, he continued, leafing through several sheets of paper, and then replacing the signed copies in his case.

“But…. My name is Escherbach”… stammered Frank… but the lawyer was already getting ready to leave.

“We can settle all this in due course, Mr. Eschenbach, all that is the perpetuation of a typing error made many years ago in the Town Hall.

“I’ll be in touch with you again soon… unless, of course, someone throws me out of my taxi” he added, smiling again broadly.”

With that, he left swiftly and walked off to the town centre.

In a daze, Frank inspected a copy of what he had just signed, and, in a daze, left the house thinking to himself “I gotta get down to the boozer, and tell Nancy about all this over a pint of bitter!”

He left his house, pausing only briefly to pluck a dandelion which had grown rapidly at the side of the path of his house.

Rezept von gestern

Viel geändert habe ich nicht. Aber die Zuckermenge (Rohrohrzucker) vervielfacht, also 200 g genommen. Ich habe 50 g vom Schmand durch Skyr ersetzt. Statt 1 EL Stärke habe ich 1 Päckchen Vanillepulver genommen. Das Ergebnis ist köstlich! Nicht vegan, nicht vollwertig (nach Bruker).

Eric sagte nach zwei Bissen: „Hervorragend!“ (Das wäre mit 50 g Zucker sicher nicht passiert …).

Ich habe die Aprikosen ungehäutet mit Agavendicksaft (50 g) im Vitamix püriert. Dadurch ist der Kuchen wirklich schnell und einfach in der Herstellung. Empfehlenswert – für diejenigen, die Tiereiweiß essen.

Wer backt nach?

Es geht um einen Aprikosenkuchen, für den ich ein Rezept in der Zeitschrift „Meine Familie & Ich“ gefunden habe.

300 g Aprikosen
2 EL Honig
600 g Doppelrahmfrischkäse
200 g Schmand
1 EL Speisestärke
50 g Zucker
4 Eier
100 Heidelbeeren
1 EL Puderzucker

Zubereitung:
Backofen auf 160°C (Heißluft) vorheizen. Aprikosen 30 Sek. in kochendes Wasser legen, häuten, entsteinen und fein würfeln (ich habe die Aprikosen allerdings nicht geschält 😉 ) Aprikosenwürfel mit Honig leicht stückig pürieren.
Frischkäse mit Schmand, Stärke und Zucker glatt rühren. Eier unterrühren. Masse in eine mit Backpapier ausgelegte Form gießen. Aprikosenpüree leicht marmoriert eingießen. Kuchen ca. 30 Min. backen.
Heidelbeeren darüber geben, weitere 20 Min. backen und noch 20 Min. ruhen lassen. Herausnehmen, auskühlen lassen. Mit Puderzucker garnieren.
Ich habe diesen Kuchen gerade im Ofen. Aber natürlich habe ich das Rezept geändert. Frage: Was an diesem Rezept stößt mir so auf, dass ich es ändern musste? Was würde dich stören?

Heute vor fünf Jahren …

da gab es Hirse mit grünem Spargel. Warum nicht auch heute?

Grüner Spargel in Hirse

2 Portionen

  • 125 g Hirse
  • 280 g Wasser (hier: 200 g Kichererbsenkochwasser + 80 g Wasser)
  • 195 g grüner Spargel, in 2-4 cm Stücke geschnitten
  • 10 g Zitronensaft
  • 10 g Sonnenblumenöl
  • 1 TL Salz
  • 10 g Wasser
  • 20 g Kokosstreifen

Hirse, Wasser und Spargel als Gemüsepfanne (24 cm-Keramikpfanne, 20 Min.) garen. Zitronensaft, Öl, Salz und Wasser verrühren und aufträufeln, unterheben. Kokosstreifen derweil hellbeige in einer trockenen Pfanne rösten. Hirsemasse auf zwei Teller verteilen, Kokosstreifen darüber geben.