Die evangelische Kirche und die Ukraine

Morgens vor den Nachrichten höre ich, da mein Wecker um 5:58 Uhr rasselt, immer noch die letzten Sätze der Sendung „Kirche in WDR2“.

Heute dachte ich: Habe ich mich verhört? Aber nein, ich habe es gerade online gefunden das Manuskript. Da steht wörtlich:

„Deshalb finde ich, es ist das Mindeste, dass wir dem Rad in die Speichen fallen. Indem wir der Ukraine geeignete Waffen zur Verteidigung liefern. Nicht nur die Panzer, die hier keiner mehr will. Moderne werden dort dringend gebraucht. Und das Embargo auf das ausdehnen, was Russland wirklich trifft. Sein Öl und sein Gas. Denn es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden.“ Von Uta Garbisch.

Den Bezug zu Dietrich Bonhoeffer finde ich unsäglich.

Es ist schade, dass ich schon aus der Kirche ausgetreten bin. Heute wäre ein guter Tag dafür.

Nachlesen könnt Ihr: hier

Palliativ

Das ist ein scheußliches Wort, obwohl es einen so schönen Klang hat: pal – lia -tiv. Leider bedeutet es einfach: Hier ist das Ende schon nahe, medizinische Einrichtungen können keine Heilbehandlung mehr anbieten, sie können nur lindern.

Jetzt stellt man sich das immer, weil ja das Wort so milde klingt, so vor, als liegt die Mutter friedlich auf dem Sofa, sie hat Krebs im Endstadium und sie dämmert so vor sich hin. Ab und an kommt die Tochter, der Sohn oder eines der Enkelkinder und gibt ihr ein paar Schmerztabletten. Mit dieser lindernden Behandlung gerät die alte Damen sanft in das Jenseits.

So ist das nicht. Früher war alles besser, weil die Menschen noch zu Hause starben, d.h. in Würde? Nein, das trifft leider nicht zu.

Ein Freund von mir wohnt nur zwei Häuser entfernt von seiner Mutter, sie ist 77 Jahre alt. Er ist alleinstehend, Einzelkind. Die beiden haben ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis. Im Sommer wird bei der Mutter ein Merkelzelltumor diagnostiziert. Die entsprechende Stelle wird operiert, bestrahlt und man hofft auf Heilung. Die Mutter kam wieder zu kräften, fuhr noch mit einer Freundin in den Urlaub nach Bern.

Vor wenigen Wochen bekam die Frau Knoten in der Brust, eine Beule am Kopf und sie litt unter Völlegefühl. Die übliche Ärztetour inklusive einer OP am Kopf ergab: alles Metastasen, keine Heilung möglich, nur palliative Behandlung.

Mein Freund fuhr noch mit ihr zu Heilpraktikern, anderen Ärzten, aber es half nichts. Binnen kürzester Zeit baute sie mehr und mehr ab, hatte keinen Appetit mir, höllische Schmerzen im rechten Arm, von denen niemand feststellen konnte, woher sie kommen. Sie baut täglich immer mehr ab. Zwei Nächte hat sie ihn angerufen, weil ihr so schlecht und die Schmerzen so schlimm waren. Er hat ihr Medikamente gegeben und ist bei ihr geblieben.

Zum Glück war sie noch einmal so klar, dass die beiden ein klärendes Gespräch führen konnten. Sie hat sich entschieden, lieber ins Krankenhaus zu gehen und sich dort „palliativ“ behandeln zu lassen.

Ist das jetzt moderne Unmenschlichkeit? Oder ist es für beide besser, wenn sie sich bis zum sicher kurz bevorstehenden Ende professionell versorgen lässt? Wenn sie nachts aufwacht, ringt der Freund nicht mehr hilflos die Hände, weil er nicht weiß, wie er ihr helfen kann.

Jeder Erwachsene, der einen Verwandten zum Sterben in ein Heim einweist, wird mit der Entscheidung zu kämpfen haben. Meiner Meinung nach tut er das Richtige, vor allem für seine Mutter. Das sage ich ihm auch.

Es ist im Grunde eine schreckliche Geschichte, aber leider auch alltäglich. Jemanden lieben, heißt in meiner Vorstellung nicht, dass ich denjenigen krampfhaft zu Hause pflege.

Wahlen in NRW

Es wird stets erwähnt, dass die Wahlbeteiligung in NRW niedrig war. Nur 55 % der Wahlberechtigten haben teilgenommen.

Was mich ja mal interessieren würde: Was ist mit den entwerteten Stimmzetteln, so wie ich das gemacht habe? Ich zähle doch wohl nicht zu den Nichtwählern! Von ungültigen Stimmzetteln spricht keiner.

Vielleicht könnte ich eine Wahlzettelungültigkeitsmachungspartei gründen?

Büßergewand

Da gibt es doch wirklich Menschen, die nicht bereit sind, ein Büßergewand oder Büßerhemd zu tragen, weil sie behaupten, sie trügen lieber Hosen!

So leicht aber, liebe Bußpflichtige, kommt ihr mir nicht davon! Gestern im entsprechenden Gespräch entwarf ich spontan eine sehr coole Büßerhose zum Nachschneidern. Das Design könnt ihr jetzt sehen, es ist wirklich einfach nachzuarbeiten.

Rezepte mit dem Thermomix

Der Thermomix hat viele Möglichkeiten, die ich zwar nicht täglich, aber doch regelmäßig nutze. Ketchup zum Beispiel – alles wird vom Gerät gemacht: zerkleinert, gekocht und püriert. Es gibt auch Rezepte, da nimmt man den Thermomix, weil er gerade da steht. Und dann gibt es die Rezepte, bei denen ich den Kopf schüttle.

So zum Beispiel: hier

Bild von Matthias Böckel auf Pixabay

Das ganze Varomazeugs aufbauen, später reinigen, genau wie den Mixtopf. Was spare ich da? Nichts. Da würde ich den Spargel im Topf kochen. Anders wäre es, wenn auch noch anschließend eine Soße im TM hergestellt würde. Dann ist nur ein Topf schmutzig und es macht Sinn für mich.

Ich weiß, dass viele Thermomix-Besitzer den Varomaaufsatz lieben. Ich nicht. Ab und an habe ich so eine Phase, da kommt dann einiges. Das hält nie lange an. Dann nimmt der Varomaaufsatz wieder nur endlos viel Platz im Schrank ein.

So ein Angebot Thermomix ohne Varoma und dann 500 Euro billiger wäre was für mich. 😉

Marlen Haushöfer

An meiner Bücherliste – der eine oder andere mag sich erinnern – lese ich immer noch. Seit langem hat mich nun ein Buch mal wieder so richtig fasziniert, ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen und hatte 260 Seiten in zweieinhalb Tagen durch.

Bild von Dan Fador auf Pixabay

Wikipedia gibt dazu die Kurzinhaltsangabe:

Die Wand ist ein Roman der Schriftstellerin Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963. Dieser dritte und erfolgreichste Roman der damals 43-jährigen Autorin beschreibt das Leben einer Frau, die durch eine plötzlich auftauchende, unsichtbare Wand von der Zivilisation abgeschnitten wird.

Es ist selten, dass mich ein Buch so packt, dass ich auch wirklich „alles“ lese und nicht irgendwann mit dem Querlesen beginne.

Ein Zitat aus dem Buch (S. 147, dtv, 1999):

Lieben und für ein anderes Wesen sorgen ist ein sehr mühsames Geschäft und viel schwerer, als zu töten und zu zerstören. En Kind aufzuziehen dauert zwanzig Jahre, es zu töten zehn Sekunden.

Natürlich weiß ich nicht, ob andere denselben Literaturgeschmack haben wie ich. Aber es gibt das Buch als gebrauchtes Exemplar so preiswert, viel billiger als ein Eisbecher :-). Versuch es doch mal.

Einen Film dazu von 2012 gibt es auch. Den möchte ich gar nicht sehen. Er kann nur beschneiden, was man beim Lesen des Buchs „sieht“.

Coaching

Wer hier viel liest, weiß, dass ich eine nicht allzu gute Meinung vom heute grassierenden Coaching habe. Bei einem Bummel durch die Vorstadt entdeckte ich das unten gezeigte Schild. Wobei die hübschen Schmetterlinge leider nicht auf dem Schild zu sehen sind, sondern von mir hinzugefügt wurden, um Namen etc. zu anonymisieren = zu verbergen.

Sicherlich alles ungeschützte Begriffe. Wenn ich an einer Zahnarztpraxis vorbeikomme, weiß ich, dass dort ein Arzt praktiziert, der viele Jahre gelernt hat. Das heißt leider nicht, dass alle Zahnärzte gut sind. Dennoch gehe ich lieber zu einem Zahnarzt als zum Elektriker von nebenan, um meine Zähne behandeln zu lassen. Das ist der Sinn geschützter Berufsbezeichnungen.

Heilende Kommunikation. Kann jeder. Weil es nämlich ein Wischiwaschi-Begriff ist. Kann ich auch. Ich rede solange mit Patienten und gehe freundlich auf sie ein, bis sie sich geheilt fühlen. Hmmm, warum sitze ich eigentlich noch untätig hier rum?

Achtsamkeit – dieses Wort ist heute dermaßen überstrapaziert, da kriege ich schon Schnappatmung, wenn ich das lese.

Atemtechnik ist auch schön. Das klingt nach Physiotherape und Atemtherapie. Ist es aber nicht, denn um eine Atemtherapie durchzuführen,, ist vermutlich auch eine mehrjährige Ausbildung erforderlich. Aber welcher verzweifelte Patient weiß schon, dass Atemtechnik gar nichts bedeutet? Atemtechniken gibt’s im Übrigen in Ratgebern und Internetseiten ohne Ende.

Ich sehe das Körperbewusstseinstraining förmlich vor mir. Wie aus einer Werbung. Wir stehen, in wunderschön entspannender Kleidung und man sagt uns: Konzentriere dich auf deine Füße und spüre, wie sie deinen Körper tragen mit aller Kraft.

Vielleicht sollte ich auch Körperbewusstseinstraining anbieten.

Dieses Angebot kann jeder machen, es gibt nicht mal staatliche Prüfungen wie bei Heilpraktikern. Ich weiß also nicht, ob ich einem ernsthaften Menschen oder einem Scharlatan und ehemaligen Küchengehilfen gegenübersitze.

Ist schon krass, was es heute so alles gibt, um verzweifelten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn wer nicht verzweifelt ist, wird sich nicht blenden lassen.