Gendern – mein Lieblingsthema

Ich weiß gar nicht, ob die Mitläufer beim Gendern sich klar machen, welche Unklarheiten sie durch sich einschleichende Ermüdung beim Gendern schaffen. Da nehme ich doch mal wieder ein Beispiel einer Nachricht von Radio Wuppertal.

Wir haben hier also die Frage nach Impfungen für Busfahrer:innen. So weit – so schlecht. Aber dann lese ich, dass Busfahrer in die Prioritätsstufe 3 aufgenommen werden sollen. Schade, offensichtlich bleiben die Busfahrerinnen ungeimpft.

Und das ist noch etwas, was die Genderei mit sich bringt: Mehr Unklarheit als vorher. Je mehr Busfahrerinnen ich bei der Arbeit sehe, um so eher werde ich beim Sammelbegriff „Busfahrer“ natürlich auch an die weiblichen Beschäftigten dämpfen. Okay, bei dem Text oben kann ich mir ausrechnen, dass es ein Versäumnis ist. Oder nicht?

Gendern macht sich selbst lächerlich

Man lese nur den folgenden Artikel von Laila Oudray aus der TAZ (hier)

Ein Zitat (Hervorhebungen von mir):

Wenn Männer etwas speziell nur für Frauen erfinden, kommt dabei häufig nichts Gutes raus. Das beweist die neueste Erfindung: „Pinky Gloves“ – rosafarbene Latexhandschuhe, mit denen menstruierende Menschen Tampons und Binden entnehmen und entsorgen können.

Wirklich, könnte bitte mal jemand solchen Autoren oder Autorinnen mit einem weichen Handschuh eines vor die Birne geben? Warum „darf“ man heute nicht mehr „menstruierende Frauen“ sagen? Ich habe bisher noch keinen menstruierenden Mann gesehen oder davon gehört. Menstruation gehört zu Frauen. Punkt.

Vermutlich lesen wir dann bald von gebärenden Menschen. Aber es ist so gesehen auch ein amüsanter Artikel. Da krampfen sie sich mit dem Genderisieren und schaffen es doch nicht konsequent. Noch ein Zitat:

Wir werden Ex­per­t*in­nen dafür, Tampons aufs Klo zu schummeln, der Kauf bedeutet für viele junge Frauen eine ungeheure Überwindung, und in der Werbung wird die Diskretion als oberstes Gut gepriesen. Drogendealer gehen offener mit ihrem Beruf um, als Frauen mit ihrer Periode.

Zu den Expert*innen – das Sternchen steht für beide Geschlechter. Warum aber sollte ein Mann einen Tampon aufs Klo schmuggeln? Für seine Freundin? Interessant aber, dass bei aller Gleichgeschlechtlichkeit zum Einkauf nur die jungen Frauen gehen, bzw. nur denen es ist peinlich. Hui, Altersdiskriminierung auch noch. Oder sind die nicht mehr so jungen Frauen dann plötzlich befreit von diesem Überwindungsgefühl?

Bin auch beruhigt, dass es keine Drogendealer*innen gibt. Der Beruf steht nur Männern zu. Oder Männer*innen?

Man merkt mal wieder: An der Vermeidung des generischen Maskulinums scheitern sie alle. Weil es eben verkrampft und unnatürlich ist. Beispiel: Das Wort Zigeuner „wird“ ja nicht mehr benutzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand einen Artikel über Sinti und Roma schreibt und dann Zigeuner einkaufen gehen lässt.

Keiner gendert wirklich gern

Woher ich weiß, dass es jedermann als lästig empfindet? Na, ich kann es an der Inkonsequenz der Möchtegern-Nichtdiskriminierer ablesen. Hierzu ein Zitat aus der taz (hier), die uns natürlich mit Doppelpünktchen die Lesefreude nimmt:

Mitglieder der italienischen OK gelten als unauffällige Mo­dell­bür­ge­r:in­nen mit besten Beziehungen. So sollen Mitglieder der ’Ndrangheta nach der Wende sehr gute Geschäfte in Ostdeutschland gemacht haben – mit der Hilfe deutscher Unternehmer, Politiker und sogar Richter.

Wenn ich mal nicht scherze und nicht auf „Mitglieder:innen“ bestehe, so frage ich mich doch, ob es keine deutschen Unternehmerinnen, keine Politikerinnen und keine Richterinnen gibt. Wieso also hier nicht steht:

Mitglieder der italienischen OK gelten als unauffällige Mo­dell­bür­ge­r:in­nen mit besten Beziehungen. So sollen Mitglieder der ’Ndrangheta nach der Wende sehr gute Geschäfte in Ostdeutschland gemacht haben – mit der Hilfe deutscher Unternehmer:innen, Politiker:innen und sogar Richter:innen.

Die Antwort ist so klar – das ist einfach unleserlich. Ja, Leute, dann lasst den Blödsinn doch einfach 🙂

Ein Lieblingssatz für Bequeme

(Der Satz funktioniert allerdings nur, wenn man die Sechzig überschritten hat:)

„Also, nee, das mache ich nicht – das sollen die Jungen jetzt mal machen.“

Füße hoch, Buch in die Hand und Kopfhörer auf die Ohren. So geht das.

Und jetzt wird’s interessant: Wie würden denn diese Überschrift und der Lieblingssatz gendergerecht und undiskrimierend lauten?

Mein Vorschlag:

Ein Lieblingssatz für Bequemende
„Also nee, das mache ich (w/m/d) nicht – das sollen die Jungen:innen jetzt mal machen.

Ich bin offen für (noch) bessere Vorschläge 😉

Gendern im Alltag

Vor wenigen Tagen begegnete ich dem Genderwahn mal wieder im Alltag. Eric und ich wollten im Weltladen (früher: Erste- oder Dritteweltladen) eine Fußmatte kaufen. Ich stolperte quasi über ein Schild an der Tür „Bitte nur 4 Kund:innen auf einmal“. Bei sowas kriege ich selbstverständlich Brechreiz.

Ich betrat den Laden, der von Ehrenamtlichen geführt wird. Was dazu führt, dass die Mitarbeiter meist die 70 weit überschritten haben. Was soll diese Anrede, wollte ich wissen, das ist doch Quatsch!

Aber nein, die Nachrichtensprecher machen doch schon den Gender Gap (er sagte: „… verwenden Verbraucher….innnen“). Ja, und? war meine Gegenfrage, das ist doch Humbug. Er wandt sich. „Nun ja, daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen!“

Das ist so ein Satz, da geht mir echt die Hutschnur hoch. Diese sprachenfremde Genderisierung ist nicht in irgendeinem Gesetz verordnet, sondern entspringt den Hirnen von Menschen, die Sprache nicht verstehen. Und wird dann von Mitläufern mitgetragen, die sich „nicht blamieren“ oder „modern“ sein wollen oder behaupte, dass ihre Karriere es verlangt.

Es gibt Dinge, an die muss ich mich gewöhnen, auch wenn es mir schwerfällt. Das sind Preiserhöhungen, Verordnungen, die mir nicht sinnvoll erscheinen und einiges andere mehr. Aber an etwas, das mir nicht vorgeschrieben wird, sondern nur von Dummen (sorry!) durchgesetzt werden soll, muss ich mich weder gewöhnen noch mich an sie anpassen.

Mitläufer sein ist schlimm genug, und ich dachte, in diesem Land wüsste man davon genug. Aber offensichtlich ist der vorauseilende Gehorsam fest in der deutschen Seele verankert. Selbst dann, wenn es nichts kostet, Widerstand zu leisten. 🙂