Wie soll man Salat waschen?

9. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 9. Februar 2010: “Knackiger Salat”

So kleine Zeitungsmeldungen sind ja immer besonders nett. Niemand weiß, wer dahinter steht, niemand weiß, ob das jemals überprüft wurde. Immerhin: Bei diesem Zehnzeiler gibt es sogar ein kleines Foto von einem Salatkopf. Schon die Überschrift ließ Begeisterung bei mir aufkommen: “Salat mit Zuckerwasser waschen”. Dieses Mal sind wir jedoch nicht das Opfer einer wahnwitzigen Studie, sondern der Empfehlung eines Kochs: Frank Buchholz. Nicht, dass ich jemals seinen Namen gehört hätte. Aber es lässt sich ja recherchieren: “Frank Buchholz ist Gründungsmitglied der Köche-Initiative (1997) ‘Die Jungen Wilden’ und wurde 1999 vom Gault Millau als ‘Innovation des Jahres’ ausgezeichnet. In verschiedenen Buchpublikationen stellt er seine kreative Kochkunst vor.” Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, wie ein Mensch eine Innovation sein kann, beglückt er die Kochwelt jetzt in der neuesten Ausgabe von “Der Feinschmecker” (3/2010) mit diesem tollen Tipp:

Wenn man die Salatblätter in handwarmem Wasser mit drei bis vier Esslöffeln (!) Zucker waschen würde, bliebe der Salat knackig und verliere keine Nährstoffe.

Potzblitz. Was für ein herrlicher Zuckerverbrauch, da freut sich die Zuckerindustrie. Die Zeitschrift “Der Feinschmecker” freut sich auch, weil hier kostenlos für sie geworben wird. Aus dem gleichen Grund freut sich auch der Koch, der wohl vor mehr als 10 Jahren seinen großen Hit landete und nun auch mal wieder ins Rampenlicht möchte. Begründungen finden sich für diese wertvolle Wirkung des Zuckers natürlich nicht. Iwo. Das sind ja nur diese dummen Sandalenfreaks, die immer an allem rummeckern, die so eine Aussage hinterfragen.

Herrlich so kostenlose Werbung, die uns als Zeitungsmitteilung verkauft wird. Product Placement oder so ähnlich heißt das wohl. Ich werde übrigens weiter meinen Salat unter fließendem Wasser abwaschen und in einer Plastikdose aufbewahren. Merkwürdigerweise bleibt er da auch ohne Zucker knackig. Die Nährstoffe habe ich allerdings noch nicht unterm Mikroskop gejagt – hat das der Zuckerkoch getan?

Essen in der Jugend

8. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 8. Februar 2010: “Wie sollen Jugendliche essen”

Der Titel des Kommentars war heute die Überschrift des Leitartikels in X-Ray, der Jugendseite des Remscheider Generalanzeigers.

Wer ihn flüchtig liest, wird mir sagen: Ey, komm, ist doch gar nicht so schlecht. Sie warnen vor Zucker, empfehlen Gemüse und Brot usw. Ist doch besser, als Cola gutzuheißen.

Nein, ist es nicht. Zwar ist es natürlich nicht möglich, dort mit einer 100% Vollwert-Empfehlung ins Haus zu fallen… oder wäre es das vielleicht doch möglich? Wäre es nicht einmal einen Versuch wert gewesen? Werden Jugendliche hier nicht einfach unterschätzt? Wobei die entsprechende Redaktion vermutlich selbst am Burger und der Cola hängt. Also lese ich verwaschenes Zeug, was keinem wirklich weiterhilft. Da ist z.B. das Foto von Andreas. Bildunterschrift: “Andreas (22) weiß, was er essen sollte”. Das wird uns dann auch gesagt:

“Proteinreich sollte das Essen für den Muskelaufbau sein. Und viele Kohlehydrate, für die schnelle Versorgung mit Energie, sollten enthalten sein. Um Fett kommt man auch nicht herum. Man muss aber wissen ‘was’ und ‘wieviel’ gut ist. Wichtig ist daneben natürlich auch viel Obst und Gemüse und zwischendurch was vom Bäcker”. Da spricht ein Sportler, der sich schonmal mit Ernährung auseinandergesetzt hat.

Der Großteil der Zielgruppe (13- bis 18-Jährige) liest bei so einem Artikel vermutlich sowieso nur die Bildunterschriften. Und das ist ja schön, das hier die Proteine gleich am Anfang stehen. Proteine, das wissen wir ja, ist Fleisch. Das wird auch nirgendwo aufgeklärt. Zwar wird vor dem übertriebenen Kalorienzählen gewarnt, dennoch wird der Kalorienbegriff für wichtige Grundberechnungen verwendet. Das schon ist widersprüchlich.

Gewarnt wird auch davor, sich mit dem Gewicht verrückt zu machen. Dennoch als Zwischenüberschrift: “Einmal in der Woche nackt wiegen hilft, das Gewicht zu halten.” Meine Meinung: Es kann auch dabei helfen, sich mit dem Gewicht verrückt zu machen und sein Körpergefühl zu verlieren, für das, was für den Einzelnen das Richtige ist.

Dann kommen wieder so Sätze wie “Auch Schlanke würden sich ungesund ernähren. Die Folgen von schlechter Ernährung können schlimme Krankheiten sei: Fettstoffwechselstörung wie erhöhte Cholesterinwerte [da wissen wir von Bruker, das ist keine Krankheit, sondern allenfalls ein Symptom!], Bluthochdruck, Diabetes, Gallensteine, Zahnerkrankungen [...] Auch die Seele nimmt Schaden.

Ich verstehe nicht, warum hier mit Kleinkindersprache agiert wird: “Schlimme Krankheiten”. Ich bin sicher, dass 13- bis 18-jährige den Ausdruck “schwere” oder “ernste”, vielleicht sogar “bedrohliche Krankheiten sehr wohl verstehen. Warum also dieser niedliche Jargon?

Das ist natürlich nicht verkehrt. Aber es wird dann nicht wirklich aufgeklärt. Keine Warnung davor, dass Zucker der Feind Nr. 1 ist und sich unter vielen Namen verbirgt. Fett und Zucker sind hier die üblichen Feinde der Ernährung, ohne Differenzierung.

Wer diesen Artikel liest und sich daran orientiert, kann sich krank ernähren. Wieder eine Chance vertan.

Schnee von gestern

7. Februar 2010 von onebbo

Heute beim Spaziergang fiel es mir schwer, mich daran zu erinnern, wie weiß alles letzte Woche war, fast unwirklich. Jetzt liegen schmutzige Schneeberge am Straßenrand, hart und verkrustet. Das ist die besonders hässliche Seite des Winterwetters, finde ich immer. Als Erinnerung an den letzten Sonntag ein kleiner Film von einem Rotkehlchen auf meiner Terasse.

Brukers Milchbuch

6. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 6. Februar 2010: Der Murks mit der Milch

Ich habe mir vor einiger Zeit vorgenommen, alle Bruker-Bücher zu lesen. Ich weiß, dass das manchmal etwas nervig sein kann, wenn dann im letzten Drittel des Buchs mal wieder das Frischkorngericht durchgenudelt wird oder schon wieder dieselben Dinge auftauchen. Dennoch: Sein Werk ist so umfassend, dass ich das schon gerne einmal durchgeackert haben will.

Als nächstes stand dann “Der Murks mit der Milch” auf meinem Programm. Der Co-Autor Dr. M. Jung hätte mir Warnung genug sein sollen…. Egal, wie man jetzt zu Jung steht (ich kann ja seinen Stil nicht so gut ab), so mischen sich diese beiden Formulierungsarten einfach nicht. Bruker mit seiner ruhigen erklärenden Art, einem gewissen Witz und großer Ernsthaftigkeit nun noch mit der vermeintlichen Ironie von Jung gespickt. Wobei Ironie – so sehr ich sie selbst ja liebe – ein gefährlich’ Ding ist, denn es gibt Leute, die dafür keinen Sinn haben, die verstehen einen dann leicht verkehrt. Außerdem ist Jung extrem polemisch. Das macht zwar beim Schreiben Spaß, kann aber beim Lesen penetrant rüberkommen.

Was mich auch massiv stört: Wenn ein Satz in “Ich”-Form formuliert ist, steht dann in Klammern (M.O.B.) bzw. (M.J.). Am Anfang habe ich gar nicht gewusst, was das soll! Bis ich dann auf die Namen kam… Es stört den Lesefluss. Eine (1) für Bruker, eine (2) für Jung und eine Erklärung hätten es auch getan.

Auch inhaltlich bietet mir das Buch nichts Neues. Ich kann nicht beurteilen, wie es sich für jemanden liest, der neu in der Vollwert oder den Kenntnissen zu Milch ist.

Der größte Blödsinn, mit Verlaub gesagt, ist aber für mich der Umfang des Buchs. Die ersten 30 Seiten und ein kleiner Anhang hätten nämlich gereicht. Wieso das? Nun, am Anfang machen die Autoren ganz klar, dass Milch ein Produkt ist, das in der menschlichen Ernährung nichts zu suchen hat. Wieso dann noch so viele Seiten über die Vorzüge der Rohmilch gegenüber der pasteurisierten und erst recht der H-Milch? Das hätte man dann in ein kleines Kapitel “Für die, die nun mal nicht auf Milch verzichten wollen” packen können. So aber liest es sich dann doch so, als sei Rohmilch etwas, das empfohlen werden kann. Und das sehe ich nach Verinnerlichung von Brukers Worten, der Lektüre der China Study von Campbell und auch persönlichen Erfahrungen ganz anders. Mir kommt das so vor, als ob jemand über Messer schreibt, die einem aufgrund ihrer Konstruktion unweigerlich einen Schnitt in den Daumen verpassen, und anschließend wird dann noch stundenlang debattiert, warum ein Schnitt von 1 cm Tiefe im Daumen schlimmer ist als einer von 9 oder 8 mm.

Genauso wenig gefallen mir die Ausfälle gegen gewisse DGE-Mitglieder und den Müller-Milch-Konzern, vor allem Herrn Müller selbst. Wobei ich von ihnen niemanden rein waschen will, keineswegs, die gehören angeprangert. Dies hier soll aber doch kein Buch über Skandale in der Industrie sein – sowas ist bei Hans-Ulrich Grimm besser aufgehoben -, sondern mir Kenntnisse über die Milch vermitteln.

Und last but not least: Durch das Alter des Buchs waren mir wirklich fast 90% der Fakten bereits bekannt, der Rest ist nicht wirklich wichtig. Da sollte ein Verlag bitte nicht so tun, als sei das noch brandaktuell und für jedermann neu, sondern lieber darauf verweisen, dass dies quasi ein historisches Dokument ist, das seinerzeit mit Sensationen aufwartete.

Kurzum: Ein Buch, das ich nicht wirklich brauche.

Quelle: Der Murks mit der Milch; M.O. Bruker und M. Jung, 1994 (8. Auflage 2008), ISBN 98-3-89189-045-5

Erster Excalibur-Test

5. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 5. Februar 2010: Excalibur Teil 1

Seit drei Tagen stand der Excalibur bei mir herum. Ich hatte einfach so viel um die Ohren, dass ich außer Auspacken nichts hinbekommen habe. Auch gestern nach der Arbeit hatte ich im Grunde eher Lust, mich möglichst wenig in der Küche zu betätigen. Nun habe ich aber Unmengen von Gemüse im Kühlschrank: Da der Bioladen vorgestern nicht geliefert hatte, bin ich morgens in den Plus eingefallen. Dann Telefonat – sie liefern heute noch, es sei denn, ich will nicht mehr. Natürlich wollte ich doch, ich bekomme ja nicht nur Gemüse, und außerdem mag ich Biogemüse schon lieber. Mal sehen, dachte ich, was ich mit den Schätzen aus dem Supermarkt mache. Und seufzend machte ich mir dann klar, dass ich vielleicht mal etwas trocknen sollte. Einfaches getrocknetes Gemüse ist natürlich recht langweilig.

Also habe ich gestern Abend, während meine Gemüsepfanne vor sich hin dünstete, ein Schnellknäcke gemacht.

Paprikaknäcke Roh

Zutaten:
75 g Champignons
2 rote Paprikaschoten (300 g netto)
10 g Knoblauch (netto)
1 Tomate (110 g)
200 g Sonnenblumenkerne
1 geh. TL Salz
2 TL Zitronenschaum *
1/2 TL Würzpfeffer *
50 ml Öl
Das Gemüse ggf. schälen und grob zerkleinern. Alle Zutaten in den Thermomix geben. 50 Sekunden auf Stufe 4, dann 10-20 Sekunden auf Stufe 10 zerkleinern. Auf 3 Paraflexx-Folien ausstreichen, eventuell mit einem Teigrädchen Stücke vormarkieren, auf die Einschübe geben. In einem Dörrgerät trocknen (Excalibur: 41 °C, geplant 26 Stunden, gebraucht 20 Stunden).
* s. Austauschtabelle auf der Website

Beim ersten Arbeiten mit dem Knäcke konnte ich schon ein paar Unterschiede zum Stöckli ausmachen.

Der Excalibur ist zwar groß, aber beansprucht nicht wirklich viel mehr Platz in die Breite als der Stöckli mit seinem Durchmesser. Ich wurde ja vor dem Geräuschpegel des Excalibur gewarnt, aber ich finde ihn nur unwesentlich lauter, wenn überhaupt. Dafür ist er sehr gleichmäßig, im Nebenzimmer kaum wahrnehmbar.

Was nicht nett ist: Ohne eine Folie (vielleicht geht auch Backpapier) kann ich die Einschübe des Excalibur nicht benutzen, da es einfach Plastikgestelle mit größeren Löchern sind. Es sind Gitter dabei, aber die habe ich erst nach dem ersten Trocknen nach dem Hinweis einer Leserin entdeckt schäm…. Ob die Paraflexx-Folien besser sind als normale Dauerbackfolien weiß ich nicht. Ihr Vorteil: Sie sind passgenau.

Da ich in meiner Küche keinen Platz für ein Dörrgerät habe, steht das ein Stockwerk tiefer in einer Art Stauraum. Beim Stöckli lassen sich die beschickten Sieb stapeln und so alle auf einmal nach unten tragen. Das geht mit den Excalibur-Einschüben nicht, wenn ich die stapele, klebt mir das Trockengut aneinander. Das bedingt häufiger Laufen.

Die rechteckige Form liegt mir auf jeden Fall mehr, das ist einfacher in der Benutzung und ich habe den Eindruck, ich kann da viel mehr unterbringen, nicht nur wegen der großen Einschubanzahl. Gut gefällt mir auch, dass ich den Timer bis auf 26 Stunden stellen kann. Die 12 Stunden des Stöckli sind doch nicht so viel, vor allem da ich auch immer den Eindruck hatte, das sind nicht wirklich 12 Stunden. So muss ich ggf. nur noch einmal am Tag daran denken, das Trockengut zu überprüfen und nochmals laufen zu lassen.

Das Knäcke ist wunderbar geworden! Zwar war der “Teig” dünnflüssiger als meine bisherigen Versuche und somit erwartungsgemäß schneller – aber unter 24 Stunden? Damit hatte ich nicht gerechnet. Dass Umdrehen entfällt, vereinfacht natürlich auch das Arbeiten damit. Zitat Eric “Das ist das leckerste Knäcke, das du je gemacht hast!” Was vielleicht auch an den Zutaten liegt. Bis jetzt bin ich sehr beeindruckt und habe wieder viel mehr Spaß am Trocknen bekommen. Als nächstes habe ich mir Obst vorgenommen. Ich werde berichten!

Die armen Schwangeren

4. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 4. Februar 2010: Schwangerschaft

Schon lange gab es hier nichts mehr aus der Tageszeitung. Vorgestern entdeckte ich wieder eine kleine Perle.

Titel: Schwangerschaft: Mehr Nährstoffe

“Während einer Schwangerschaft kann es auch bei gesunder Ernährung zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen kommen” ist der einleitende Satz. Aha. Gesunde Ernährung ist vermutlich hübsch ausgewogen mit nicht zu viel Zucker, genug tierischem Eiweiß, mehreren Gläser Obstsaft am Tag, möglichst noch ein wenig Tofu usw.? Da wundert es mich nicht, dass die Schwangeren dann – wie später ausgeführt wird – auf ihren höheren (ja?) Bedarf an Mikronährstoffen achten sollen. Es wird nur auf die Stoffe an sich hingewiesen (Jod, Eisen, Kalzium und Magnesium), dass wir die dann in der Apotheke als Nahrungsergänzungsmitteln kaufen sollen, wird nicht wörtlich gesagt. Aber jeder, der den Artikel liest, wird das so verstehen müssen, da ja schon festgestellt wurde, dass eine gesunde Ernährung nicht ausreicht.

Ich finde das herrlich. Wann endlich werden wir den schwangeren Löwinnen in der Wildnis, den wild herumhoppelnden schwangeren Kaninchen und vor allem auch den Eier bebrütenden Vögeln unserer Gärten Nahrungsmittelergänzungen mit Mikronährstoffen (ist das jetzt neu für Vitalstoffe?) anbieten? Denn es kann ja nicht sein, dass sie mit ihrer Art sich zu ernähren, genug Nährstoffe bekommen.

Oder ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier einfach der, dass der Mensch Nahrungsmittelzusätze braucht? Dann frage ich mich allerdings, wie die Menschheit sich schon so lange fruchtbar vermehren konnte. Ich wüsste nicht, dass eine meiner weiblichen Vorfahren während ihrer Schwangerschaft Eisen- oder Magnesiumtabletten eingeworfen hat.

Wie unvollkommen doch die Natur ist. Da wirft sie zig Jahrtausende lang einen Menschen nach dem anderen auf die Welt, lässt sich die Menschen vermehren, und riskiert dabei immensen Nährstoffmangel bei den Frauen. Da bedarf es erst des Menschen der Jetztzeit, der der Natur einmal so richtig zeigt, wo es langgeht!

Ich persönlich halte die Natur immer noch für vollkommener als das Werk von Menschen. Bin ich da naiv? Gibt es hier unter den Blogleserinnen Frauen, die unter Vollwert schwanger waren? Ihre Erfahrungen würde ich gerne lesen.

Kräuterhaus

3. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 3. Februar 2010: Für Kräuterhexen

Als ich Ende letzten Jahres in die “Senfproduktion” eingestiegen bin, merkte ich, dass ich mit den üblichen Mengen Senfkörner einen teuren Spaß vor mir hatte. Zwar habe ich die Senfkörner dann als Ein-Pfund-Gebinde auch in meinem Naturkostladen wesentlich preiswerter bekommen, aber bis dahin hatte ich schon eine andere Quelle aufgetan, wo ich Gewürze und Kräuter bekommen kann: das Kräuterhaus in Hamburg. Die Seite ist schlicht, enthält aber auch viele Informationen. Die Ware ist nicht als biologisch deklariert, aber mir machte alles gleich den Eindruck, als sei das Wort “Spitzenqualität” kein leeres Wort aus dem Munde eines Werbefachmanns. Von der ersten Lieferung war ich dann auch gleich sehr angetan: Jedes Gewürz bzw. Kraut ist in eine eigene, handbeschriftete Papiertüte gepackt, manche Dinge stecken in der Papiertüte nochmals in einer kleinen Plastiktüte. Die Versandkosten sind wirklich fair und das Angebot ist toll. Meine erste Bestellung war nicht groß, dennoch hat sich eine Dame die Mühe gemacht, mich wegen einer Unklarheit auf dem Handy anzurufen. Durchaus keine Selbstverständlichkeit!

Dann habe ich vor etwa zwei Wochen mal so richtig in dem Angebot gewühlt und alles bestellt, was mein Herz begehrt. Darunter auch viele getrocknete Blüten, an die ich als Stadtmensch ja sonst gar nicht komme. Mir fiel gleich beim Eisenkraut auf (das kenne ich), dass die Dinge sehr intensiv und gut riechen.

Gestern Abend habe ich es dann auch mal gewagt, Lavendel in eine Mahlzeit einzuarbeiten. Damit nicht das ganze Essen ruiniert ist, falls mir das doch nicht schmeckt, habe ich es in eine kalte Soße gegeben. Ich war auf Anhieb begeistert: Das Essen war sehr lecker! Ich sehe also ein neues großes Experimentierfeld vor mir, denn ich habe Jasminblüten, Brennesselsamen, Orangenblüten, Eisenkraut. Zwei Rezepte stelle ich dann ausnahmsweise einmal hier, und nicht auf der Homepage vor.

Broccolikartoffeln mit Lavendelnusssahne (Hauptspeise 1 Person)

Zutaten:
100 g Wasser
1 TL Gemüsebrühextrakt oder Gemüsebrühewürfel
300 g Kartoffeln (netto)
185 g Broccoli

Soße:
25 g Cashewnusskernbruch
1 gestr. TL Salz
20 g Sonnenblumenöl
1/2 TL getr. Lavendelblüten
75 g Wasser

Wasser und Gemüsebrühextrakt in einer Pfanne verrühren. Kartoffeln und fließendem Wasser gut abbürsten und in Scheiben schneiden. Den Boden damit auslegen. Den Broccoli in Röschen teilen, auf die Kartoffeln geben. Bei höchster Einstellung zum Kochen bringen. Sobald Dampf unter dem Deckel entweicht, auf kleinste Einstellung drehen und 15 Minuten dünsten. Die Soßenzutaten in einem kleinen Mixer gut und gründlich mixen mahlen. Kalt zu dem Gemüse reichen.


Lavendelhafersuppe (Hauptspeise 1 Person oder Nachspeise 3-4 Personen)

Zutaten:
80 g Hafer
500 g Wasser
1 Messerspitze gem Vanille
1/2 TL Lavendelblüten getrocknet
25-35 g Honig

Hafer mahlen und in einem trockenen Topf auf mittlerer Hitze erwärmen, bis er zu duften beginnt. Wasser hinzufügen und mit einem Schneebesen sehr gut durchrühren, damit sich nicht zu viele Klümpchen bilden. Wer unbedingt eine glatte Suppe will, muss mit dem Pürierstab arbeiten. Vanille, Lavendel und Honig hinzugeben, einmal aufkochen lassen und die Platte abdrehen. Noch 1-2 Minuten unter Rühren mit der Resthitze köcheln lassen.


Apothekennotdienste

2. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 2. Februar 2010: Apothekennotdienst!

In der Apotheken-Umschau eine kleine “Selbstauskunft”:

Notdienst-Auskunft
Ein beruhigendes Gefühl: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr steht in Deutschland ein engmaschiges Netz von Notdienst-Apotheken zur Verfügung. Welche das aktuell in Ihrer Nähe sind, erfahren Sie kostenlos bei der Notdienst-Auskunft [...]

Da ich mich ein wenig mit der Praxis der Notdienste auskenne, bin ich nicht sehr beruhigt, sondern eher verärgert über diese Augenwischerei.

In Remscheid, einer Stadt mit 120.000 Einwohnern hat jeweils eine Apotheke Notdienst. In Wuppertal (knapp 360.000 Einwohner) sind das, soweit ich weiß, genau zwei. Wer die beiden Städte kennt weiß, dass es ganz schön lange dauern kann, von einem Ende der Stadt bis zum anderen zu gelangen. “In Ihrer Nähe” ist also ein sehr gummiartiger Begriff.

Dann macht sich der Kranke oder ein Angehöriger mit dem Rezept vom Notarzt auf die Suche nach der jeweiligen Apotheke. Wer kennt die Stadt, in der er wohnt, schon wie seine Westentasche? Steht der Betroffene nach möglicherweise langer Suche endlich vor dem Ziel, dem kleinen Guckfensterchen, und reicht sein Rezept durch, geht das Abenteuer weiter. Wenn er Glück hat, ist er der Erste, der in dieser Nacht dieses Medikament verlangt und er bekommt es ausgehändigt. Wenn er jedoch Pech hat, ist er bereits der Fünfte und diese Apotheke hat leider das Medikament nicht mehr. Freundlich bietet die Dame hinter dem Guckloch an, in einer anderen Apotheke (35 Minuten Fahrzeit) anzurufen, ob es da noch vorrätig ist, denn einfach ein gleichwertiges Medikament herausgeben darf sie auch nicht.

Ärzte haben nämlich Lieblingsmedikamente, manche Apotheken sind schon so clever, dass sie sich nach Studium des Notarztplans entsprechend eindecken. Manche Apotheker rufen auch händeringend bei den Ärzten an und bitten sie, endlich etwas anderes zu verordnen, da keine Apotheke im Umkreis der nächsten 100 km genau dieses Arzneimittel noch vorrätig hat.

Was sich andererseits viele Apothekenkunden nicht klarmachen ist, dass der Notdienst nicht eine Verlängerung der normalen Öffnungszeiten, sondern eben einen Notdienst darstellt. Die Frage nach Schmerztabletten ist da noch vergleichsweise harmlos. Aber warum muss ein Patient ein Rezept, das am letzten Mittwoch ausgestellt wurde, erst am folgenden Montag, nachts um 2 Uhr einlösen? Warum muss das Rezept für “Die Pille”, das auch nicht mehr taufrisch ist, gerade jetzt abgeholt werden? Der bzw. die diensthabende Apotheker(in) versucht nachts verzweifelt, etwas Schlaf zu finden. In fremden Bett, Apothekenumgebung usw. ist das nicht einfach.

Eine Freundin von mir arbeitet in einer Apotheke und muss regelmäßig Notdienste “schieben”.  Dadurch hatte ich verschiedentlich Gelegenheit, einen Teil solcher Notdienste mitzuverfolgen. Ihrer Meinung nach sind diese Notdienste völlig überflüssig. In den Krankenhäusern sind sowieso Medikamente vorhanden, die könnten dann auch aus eigenem Repertoire den Patienten etwas bis zum nächsten Morgen mitgeben. Notärzte könnten dann einen Vorrat gängiger Mittel (z.B. Grippemittel) zur Verfügung gestellt bekommen. Ist einmal etwas “Außergewöhnliches” vonnöten, das wirklich in der Nacht oder an diesem Feiertag noch verabreicht werden muss, so hat es die nächste Apotheke genauso wenig wie das nächstgelegene Krankenhaus. Gerade die Einstellung “Notdienst ist zum Einkaufen da, yippheidi, yippheida” stört meine Freundin gewaltig, denn sie hat meist schon einen regulären Arbeitstag hinter sich, wenn der Notdienst ansteht.

Dies aber lesen wir natürlich nicht in der Apotheken-Umschau :grin:

Erics Kolumne (2/2010)

1. Februar 2010 von onebbo

Kommentar vom 1. Februar 2010: Hier spricht Eric!

Da bin ich wieder, und ich freue mich – und hoffe, dass viele Leser und Leserinnen wieder lesen wollen, was ich so schreibe. Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend, der Wiedereinstieg in die Arbeit, die Schneemassen… ich dachte schon, ich könnte heute gar nicht zur Arbeit fahren. Es gibt in der Straße vor dem Büro so gut wie keinen Parkplatz, überall liegen Schneeberge. Dreadful, I’m sick of all this white stuff! Normalerweise parke ich in der Einfahrt, aber die ist zu. No thank you, keine Lust. Theoretisch könnte ich mit einem Taxi zur Arbeit fahren, aber das ist teuer und bei dem Wetter auch gar nicht so einfach, eins zu erwischen.

Als findiger Engländer männlichen Geschlechts hatte ich zwei Möglichkeiten: to use my brains or to use my muscles. Ich entschied mich für Variante 1. In der Nähe gibt es ein Parkhaus mit wunderbar gefegten Zufahrtswegen. Fünf Minuten zu Fuß zum Büro. Da steht mein zuverlässiges Auto nun für heute, vielleicht mache ich das morgen genauso.

Übrigens das mit dem Mr. Magic hatte ja noch einen  tollen Effekt. Irgendwann beim Lesen des Blogs hat Ute natürlich meine kleinen Schandtaten entdeckt. Aber sie ist ja vor Begeisterung fast aus dem Küchenfenster gesprungen, als sie las, wie preiswert es den gab. Ich musste sie also nach dem ersten Arbeitstag (“Das ist deine Strafe, weil du mich beschummeln wolltest!”) wieder zum Toom fahren und da hat sie wirklich die letzten drei Dinger aufgekauft. “Ich kann ohne meinen Mr. Magic nicht leben, seufz, jetzt kann mal einer kaputt gehen und ich kriege nicht gleich Panik.”

Ansonsten bin ich etwas von dem Buch genervt, Ihr wisst ja: “Mein Kollege kocht Vollwert”. Natürlich fand ich die Idee erst echt klasse, das alles in ein Buch zu packen. Immerhin habe ich ja eine Menge Schweiß, Tomaten, Marzipan und andere Dinge da einfließen lassen. Aber hätte ich geahnt, dass meine Herausgeber-Kollegin so eine Pedantin ist, hätte ich das wohl doch eher gelassen. Stundenlang muss ich jetzt Interviews über mich ergehen lassen: “Was hast du damit gemeint?”, “Hast du mir das nicht einmal anders erzählt?”, “Und was ist danach passiert?”. Außerdem hat sie auch einiges gestrichen, da gab es dann teils doch recht heftige Diskussionen, what’s to be kept, what’s to be left out. Ich muss das Ganze auch noch einmal lesen. Was nicht so schlimm ist, ich lektoriere ja die Bücher immer. Aber Ute hat einen Großteil der Namen geändert, und dadurch ist einiges für mich verfremdet. Hat eine Weile gedauert, bis ich die Notwendigkeit dafür eingesehen habe.

Dann wollte sie in einem Riesenanhang noch ne Menge zusätzliche Rezepte einbauen, die gerade so gut passen. But no man, da habe ich mich durchgesetzt. Nichts gegen die Sachen, die ich aus ihren Vorräten benutzt habe, das sehe ich noch ein, dass da ein Zusatzrezept hingehört. Aber einfach noch so ein “paar schöne Rezepte” als Ergänzung? Fand ich nicht gelungen. Da wir uns nicht einigen konnten, haben wir noch ein paar “außenstehende” neutrale Personen befragt. Und die waren meiner Meinung, nur Rezepte aus meiner Zeit kommen rein. I was right, ha!

Im Übrigen genieße ich es wieder, dass ich nicht mehr ständig in der Küche stehen muss. Ich komme morgens ins Büro, da ist das Frischkorngericht für mich im Kühlschrank. Salat esse ich mittags und Brot dazu, dann gibt es um 14 Uhr wie gewohnt Getreidekaffee mit Kuchen. Abends esse ich dann nichts mehr. Auch kleine Sticheleien wie “Willst du nicht heute mal die Salatsoße machen?” beantworte ich nur mit dem Finger an der Stirn. Ich will nicht :-)

CU at the lastest March 1, 2010!

Glückliche Kinder – gesunde Erwachsene?

31. Januar 2010 von onebbo

Kommentar vom 31. Januar 2010

Vor dem eigentlichen Thema möchte ich mich bei St. bedanken (der gerne anonym bleiben möchte, auch mir gegenüber), der sich völlig uneigennützig bereit erklärt hatte, alle Hinweise aus Amazon aus meinen Rezepten zu nehmen. Deshalb sind seit 30 Minuten alle Rezepte “clean”! Er hat noch ein paar schicke Sachen vor. Da er das in seiner Freizeit vornimmt, kann es noch etwas dauern und ich möchte daher noch nichts verraten. Schicken wir also alle unsere positiven Dankesgedanken zu ihm, dann wird er das merken :-)


In der Apotheken-Umschau vom 15. Januar 2010 gibt es einen kleinen Artikel zu den Erkenntnissen einer schwedischen Studie. Man halte sich bitte fest, bevor man die aufregenden Ergebnisse zu lesen wagt: Je besser eingebunden Kinder in Freundschaften und den Klassenverbund sind, umso gesünder sind sie später im Leben.

Wieso müssen eigentlich immer Wissenschaftler daherkommen und das (angeblich) wissenschaftlich beweisen, was sowieso jedem klar ist? Ich warte auf den Tag, wo endlich wissenschaftlich bewiesen wird, dass Schnee nur fällt, wenn es draußen kalt ist und nie bei Temperaturen im 30 °C-Bereich. Das wäre doch einmal eine lohnende Aufgabe für Metereologen, in einem über zwangzig Jahre laufenden Versuch diese meine bahnbrechende Erkenntnis wissenschaftlich zu untermauern.

Mal abgesehen davon, dass also diese schwedische Studien nur wieder einmal den gesunden Menschenverstand nachbaut, lässt sich am Wert der Studie dennoch Zweifel anmelden, so wie sie dargestellt wurde.

Die Forscher haben  im Jahr 1966 insgesamt 14000 Schulkinder im 6. Schuljahr über ihre Freundschaften und ihre Rangordnung im Klassenverbund befragt. Großstadtkinder? Kinder, die auf dem Land wohnen? War es ein repräsentativer Durchschnitt? Das wird uns nicht verraten. Genauso wenig wissen wir, ob die Erhebungsmethoden damals den heutigen Ansprüchen noch genügen, denn in den letzten fünfzig Jahren hat sich da schon einiges getan. Die weitere Beobachtung erfolgte anhand von Daten der nationalen Kartei zur Erfassung von Krankenhausaufenthalten. Da sehe ich schon die nächste Stolperschwelle: Viele Menschen sind chronisch krank, gehen häufig zum Arzt – aber nur selten in ein Krankenhaus. Wer ins Krankenhaus geht, so stellt man sich vor, ist eben besonders schwer erkrankt. Das heißt, das Ergebnis dieser Studie bezieht sich nur auf akute und besonders schwere Krankheiten. Theoretisch könnte es aber so sein, dass die anderen beobachteten Personen viele chronische, langwierige Krankheiten gehabt hatten wie z.B. Allergien oder Diabetes. Das kann diese Studie gar nicht beurteilen.

Ich möchte das einmal an einem kleinen Zahlenbeispiel verdeutlichen:

Eine Studie wird bei 100 Kindern vorgenommen. Zehn dieser Kinder waren in ihrer Kindheit “ausgegrenzt” (das Wort ist Zitat aus der Apotheken-Umschau). Jetzt kann ich anhand der Krankenakten feststellen, dass vier dieser zehn Kinder im Alter von 50 Jahren mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurden (= 40 Prozent), von den anderen neunzig Kindern (mit guten Sozialkontakten) aber nur neun Kinder (= 10 Prozent).

Was ist aber mit den restlichen Kindern? Wenn jetzt zum Beispiel die restlichen sechs Kinder der ausgegrenzten Kinder (= 60 Prozent) kerngesund gewesen waren und nie ins Krankenhaus kamen, von den neunzig eingebundenen Kindern aber 60 Kinder (66 Prozent) an Allergie oder Diabetes litten, ohne jemals ins Krankenhaus gekommen zu sein, ist doch das Bild schon ein anderes. Dann könnte ich den Schluss ziehen, dass Ausgrenzung im Kindesalter zwei extrem verlaufende Entwicklungen zulässt: Entweder bleiben diese ausgegrenzten Kinder, und das auch noch in der Überzahl, kerngesund oder aber sehr krank, während Kinder mit guten Kontakten ohne diesen Druck in der Jugend viele chronische Krankheiten bekamen.

Insgesamt 100 Kinder

90 Kinder mit Kontakt 10 Kinder ausgegrenzt
9 als Erwachsene im Krankenhaus = 10 % 4 als Erwachsene im Krankenhaus = 40 %
60 als Erwachsene chronisch krank = 66,6 % 0 als Erwachsene chronisch krank = 0 %
21  als Erwachsene kerngesund = 23,3 % 6 als Erwachsene kerngesund = 60 %

Dies könnte ich wiederum so interpretieren, dass eine Ausgrenzung sogar positive Effekte haben kann, denn wenn sie nicht zur schweren Krankheit führt, “stählt” sie die kleinen Kinder so für das Leben, dass sie gar nicht mehr krank werden, während die kontaktfreudigen Kinder im späteren Leben, die sich nicht an solchen Dingen hochentwickeln konnten, eben gerne kränkeln.

Wohlgemerkt: Meine Überlegungen stützen sich nicht auf echten Zahlen und sollen auch nicht wirklich eine Schlussfolgerung sein. Ich will nur zeigen, wie eine so einseitige Studie mit noch einseitigerer Darstellung vielleicht ganz andere Schlussfolgerungen überdecken kann.

Das Ergebnis dieser Studie leuchtet also wieder einmal nur einen Teilbereich aus (die Menschen mit Erkrankungen, die einen Krankenhausaufenthalt benötigen), stellen sich aber so dar, als würden sie allgemeingültig sein.