Kommentar vom 31. Januar 2010
Vor dem eigentlichen Thema möchte ich mich bei St. bedanken (der gerne anonym bleiben möchte, auch mir gegenüber), der sich völlig uneigennützig bereit erklärt hatte, alle Hinweise aus Amazon aus meinen Rezepten zu nehmen. Deshalb sind seit 30 Minuten alle Rezepte “clean”! Er hat noch ein paar schicke Sachen vor. Da er das in seiner Freizeit vornimmt, kann es noch etwas dauern und ich möchte daher noch nichts verraten. Schicken wir also alle unsere positiven Dankesgedanken zu ihm, dann wird er das merken
In der Apotheken-Umschau vom 15. Januar 2010 gibt es einen kleinen Artikel zu den Erkenntnissen einer schwedischen Studie. Man halte sich bitte fest, bevor man die aufregenden Ergebnisse zu lesen wagt: Je besser eingebunden Kinder in Freundschaften und den Klassenverbund sind, umso gesünder sind sie später im Leben.
Wieso müssen eigentlich immer Wissenschaftler daherkommen und das (angeblich) wissenschaftlich beweisen, was sowieso jedem klar ist? Ich warte auf den Tag, wo endlich wissenschaftlich bewiesen wird, dass Schnee nur fällt, wenn es draußen kalt ist und nie bei Temperaturen im 30 °C-Bereich. Das wäre doch einmal eine lohnende Aufgabe für Metereologen, in einem über zwangzig Jahre laufenden Versuch diese meine bahnbrechende Erkenntnis wissenschaftlich zu untermauern.
Mal abgesehen davon, dass also diese schwedische Studien nur wieder einmal den gesunden Menschenverstand nachbaut, lässt sich am Wert der Studie dennoch Zweifel anmelden, so wie sie dargestellt wurde.
Die Forscher haben im Jahr 1966 insgesamt 14000 Schulkinder im 6. Schuljahr über ihre Freundschaften und ihre Rangordnung im Klassenverbund befragt. Großstadtkinder? Kinder, die auf dem Land wohnen? War es ein repräsentativer Durchschnitt? Das wird uns nicht verraten. Genauso wenig wissen wir, ob die Erhebungsmethoden damals den heutigen Ansprüchen noch genügen, denn in den letzten fünfzig Jahren hat sich da schon einiges getan. Die weitere Beobachtung erfolgte anhand von Daten der nationalen Kartei zur Erfassung von Krankenhausaufenthalten. Da sehe ich schon die nächste Stolperschwelle: Viele Menschen sind chronisch krank, gehen häufig zum Arzt – aber nur selten in ein Krankenhaus. Wer ins Krankenhaus geht, so stellt man sich vor, ist eben besonders schwer erkrankt. Das heißt, das Ergebnis dieser Studie bezieht sich nur auf akute und besonders schwere Krankheiten. Theoretisch könnte es aber so sein, dass die anderen beobachteten Personen viele chronische, langwierige Krankheiten gehabt hatten wie z.B. Allergien oder Diabetes. Das kann diese Studie gar nicht beurteilen.
Ich möchte das einmal an einem kleinen Zahlenbeispiel verdeutlichen:
Eine Studie wird bei 100 Kindern vorgenommen. Zehn dieser Kinder waren in ihrer Kindheit “ausgegrenzt” (das Wort ist Zitat aus der Apotheken-Umschau). Jetzt kann ich anhand der Krankenakten feststellen, dass vier dieser zehn Kinder im Alter von 50 Jahren mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurden (= 40 Prozent), von den anderen neunzig Kindern (mit guten Sozialkontakten) aber nur neun Kinder (= 10 Prozent).
Was ist aber mit den restlichen Kindern? Wenn jetzt zum Beispiel die restlichen sechs Kinder der ausgegrenzten Kinder (= 60 Prozent) kerngesund gewesen waren und nie ins Krankenhaus kamen, von den neunzig eingebundenen Kindern aber 60 Kinder (66 Prozent) an Allergie oder Diabetes litten, ohne jemals ins Krankenhaus gekommen zu sein, ist doch das Bild schon ein anderes. Dann könnte ich den Schluss ziehen, dass Ausgrenzung im Kindesalter zwei extrem verlaufende Entwicklungen zulässt: Entweder bleiben diese ausgegrenzten Kinder, und das auch noch in der Überzahl, kerngesund oder aber sehr krank, während Kinder mit guten Kontakten ohne diesen Druck in der Jugend viele chronische Krankheiten bekamen.
Insgesamt 100 Kinder
| 90 Kinder mit Kontakt |
10 Kinder ausgegrenzt |
| 9 als Erwachsene im Krankenhaus = 10 % |
4 als Erwachsene im Krankenhaus = 40 % |
| 60 als Erwachsene chronisch krank = 66,6 % |
0 als Erwachsene chronisch krank = 0 % |
| 21 als Erwachsene kerngesund = 23,3 % |
6 als Erwachsene kerngesund = 60 % |
Dies könnte ich wiederum so interpretieren, dass eine Ausgrenzung sogar positive Effekte haben kann, denn wenn sie nicht zur schweren Krankheit führt, “stählt” sie die kleinen Kinder so für das Leben, dass sie gar nicht mehr krank werden, während die kontaktfreudigen Kinder im späteren Leben, die sich nicht an solchen Dingen hochentwickeln konnten, eben gerne kränkeln.
Wohlgemerkt: Meine Überlegungen stützen sich nicht auf echten Zahlen und sollen auch nicht wirklich eine Schlussfolgerung sein. Ich will nur zeigen, wie eine so einseitige Studie mit noch einseitigerer Darstellung vielleicht ganz andere Schlussfolgerungen überdecken kann.
Das Ergebnis dieser Studie leuchtet also wieder einmal nur einen Teilbereich aus (die Menschen mit Erkrankungen, die einen Krankenhausaufenthalt benötigen), stellen sich aber so dar, als würden sie allgemeingültig sein.