Ich hatte ja gedacht, hier entwickelt sich eine rege Diskussion. Nun, das Thema Schweinegrippe ist natürlich etwas abgegriffen
Die Umfrage bleibt natürlich stehen, bitte runterscrollen, wer noch nicht teilgenommen hat, dies aber möchte.
Daher biete ich jetzt bis zum Wochenende ein wenig Entertainment, dessen Weltpreimiere ich genau vor einer Woche filmen konnte. Aus dem 2-stündigen Abend habe ich 6 Filme gemacht (in YouTube haben Filme nur eine maximale Länge von 10 Min). Ich werde sie in den nächsten Tagen vorstellen. Und hier Teil 1:
Kommentar vom 8. bis 15. November 2009: Eine Woche Schweinegrippe
Es kursieren im Internet viele Infos über die Schweinegrippe, unterstützende und ablehnende. In den letzten Tagen habe ich auch viele Mails erhalten mit YouTube-Videos, Links, PDFs und ähnlichem zu dem Thema. Dafür hier erst einmal herzlichen Dank!
Ich beschränke mich in diesem Blog darauf, nur solche Informationen vorzustellen, die aus anerkannten Quellen, sogenannten „seriösen“ Zeitschriften kommen. Warum? Nun, wenn zum Beispiel eine Tageszeitung wie der Remscheider Generalanzeiger, der deutlich pro Impfung und pro Schulmedizin ist, einen impfstoffkritischen Artikel veröffentlicht, hat das einfach mehr „Gewicht“, denn es musste ja sogar impffreudig voreingenommene Instanzen durchlaufen, um überhaupt in die Zeitung zu gelangen.
Es gibt zum Beispiel Gerüchte, der Schweinegrippe-Impfstoff sei so zusammengesetzt, dass möglichst viele Menschen daran sterben, quasi zur Dezimierung der Bevölkerung an sich. Um so die Herrschaft über ich weiß nicht was zu erringen. Gegenbeweise dafür zu bringen, ist schwierig. Nur: Wer immer auf diese Weise die Herrschaft über ein möglichst williges Volk erringen wird, hat in die falsche Kiste gegriffen: Denn gerade die, die sich nicht impfen lassen, sind entweder die Trägen oder diejenigen, die sich gegen das allgemeine Geschwätz auflehnen. Welche Macht möchte denn über so ein Völkchen herrschen? Das sind keine guten „Sklaven“ Die Schweinegrippe-Impfung hat üble Nebenwirkungen, es soll auch Todesfälle geben. Aber selbst bei 5 Todesfällen in Schweden ist das wirklich kein Massenmord an einer Bevölkerung. Daher kann ich immer wieder nur sagen: Nicht jeder, der gegen die Impfung ist, vertritt diese Antihaltung mit den richtigen Beweisen und mit guter Absicht. Wir neigen gerne dazu, alles was unsere (in diesem Fall Antihaltung zur Impfung) unterstützt, als bare Münze zu nehmen, ohne es dergleichen kritischen Überprüfung zu unterziehen, wie wir sie Informationen angedeihen lassen, die etwas besagen, von dem wir eben nicht überzeugt sind.
Eine Information, die mich in den letzten Tagen erreichte, gehört zu der Art von Information, wie sie mir am besten gefällt: Unterstützung von einer Seite, die eher als pro-schulmedizinisch bekannt ist. Es ist das ärzte-telegramm: klick
Und dann noch eine Sache zu diesem Blog: Wie ihr seht, werde ich in der nächsten Woche keine Beiträge einstellen. Blog und Rezepte auf der Website sind eine Menge Arbeit, und ich bin in der nächsten Woche auch freizeitmäßig eingespannt. Da schaffe ich Beides nicht. In dieser Woche habe ich mich entschlossen, den Blog nicht zu bestücken. Aber ich weiß ja nicht: Was ist meinen Bloggern lieber? Die meisten Leser kommen von meiner Webpage. Daher finde ich die Frage fair: Soll ich bei Zeitnot lieber den Blog, oder lieber die Rezepte vernachlässigen?
Kommentar vom 6. und 7. November 2009: Vegetarisch drauf, Vollwert drin
Natürlich gut essen!: Meine vegetarische Küche zwischen Bischofswiesen und Dubai (Gebundene Ausgabe) von Gabriele Kurz, ISBN 3453280008
Obwohl dieses Buch weder im Titel noch sonst an irgend einer Stelle das Wort „Vollwert“ enthält, ist es ein vollwertiges Kochbuch. Vielleicht ist es sogar klug, eventuell Interessierte nicht durch dicke-Socken-und-Birkenstocksandalen-Vorurteilen, wie sie häufig mit Vollwertlern assoziiert werden, zu verschrecken. Beispiele: zum Süßen wird Honig benutzt, Gelatine wird gar nicht und Sojaprodukte werden kaum verwendet. Wäre es ein Vollwertkochbuch, so wäre es für mich das schönste. Kleinigkeiten, die nicht vollwertig sind, haben auch andere Autorinnen „verbrochen“ (wie z.B. Helma Danner und ihre dunkle Schokolade). Auf jeden Fall ist das Buch ein optischer Genuss, liebevoll durchgestaltet mit schönen und realistischen Fotos. Wenn ich die Fotos sehe, denke ich: Ja, so kann das auch aussehen, wenn das aus meiner Küche kommt. Und genauso müssen Fotos sein, einladend zum Mitmachen.
Die Rezepte sind voller spritziger und kreativer Ideen. Auch die Autorin selbst kommt sehr sympathisch und kompetent „rüber“. Ihre kleinen Tipps sind persönlich formuliert und erfreuen durch das ganze Buch hinweg. Die Kapiteleinteilung ist etwas ungewöhnlich (Vorwort / etwas zur Person / Garten und Feld / Wiese und Wald / Weide und Stall / Grundrezepte / alle Rezepte im Überblick / Impressum), nicht unbedingt, wie ich es schätze, aber dennoch auf seine Weise überzeugend.
Gerne hätte ich dieses Buch vorbehaltlos gelobt. Aber es gibt doch einige praktische Schwächen, die für das Prädikat „Perfekt“ zu stark sind:
- Kurz verfällt in vielen Rezepten dem üblichen Fehler von Kochbuchautoren, Mengenangaben zu pauschal zu machen. Zum Beispiel auf Seite 87, ein leckeres Rezept für Kürbis-Pizza-Brot. Und dann steht da: 1/2 kleinerer Hokkaidokürbis. Ja, und wie groß ist der nun? Kleiner im Vergleich zu den Halloween-Riesen oder im Vergleich zu apfelgroßen Exemplaren? Gerade Anfänger stehen hier hilflos, und solche Mengenunterschiede können entscheidend für das Gelingen des Rezepts sein.
- Zeitangaben sind nicht immer korrekt: Auf Seite 188 steht das Rezept für das köstliche Rote-Beete-Salz. Ich habe es nachgemacht. Kurz schreibt „Mischung auf ein Blech mit Pergament geben und im Backofen bei 50 °C Umluft ca. 1 Std. trocknen lassen. Die getrocknete Mischung im Mixer mahlen oder im Mörser fein zerstoßen.“ Sie sagt noch nicht einmal „dünn ausstreichen“! Ich war schon misstrauisch und habe das Salz so dünn wie möglich verteilt und außer im Backofen auch noch in einem Dörrautomaten (mit verlässlicherer Temperatureinstellung) getrocknet. Es hat mehr als 12 Stunden gedauert, bis es wirklich trocken war. Auch so etwas kann bei Anfängern oder weniger geübten Köchen und Köchinnen zu unberechtigten Selbstzweifeln führen und muss nicht sein.
- Backen scheint nicht Kurz’s Stärke zu sein. Die Mengenangaben sind nämlich ein Witz: Milchbrötchen mit 600 g Mehl und als Flüssigkeit 250 ml Milch, 25 g Butter und 1 EL Akazienhonig lassen sich überhaupt nicht kneten, die werden wie Beton. Für einen Brötchenteig braucht man (je nach Mehl) 300-325 ml, evtl. sogar 350 ml Flüssigkeit auf 500 g (!) Mehl. Ganz anders nun beim dem Buttermilchbrot, bei dem Mehlmenge und Flüssigkeitsmenge gleich groß sind – und das soll dann noch geformt werden? DAS möchte ich sehen. Man kann zwar Brote backen, bei denen diese Mengen gleich groß sind, aber gerade Kamut braucht weniger Flüssigkeit. Bei so viel Flüssigkeit kann ein Brot nur in der Form gebacken werden. Wer wirklich gerne Brot isst, lehnt übrigens Brote mit Backpulver ab, weil der Teig immer eine kuchenartige Konsistenz bekommt.
Trotz dieser Schwächen ist dieses ein Buch, das ich gerne empfehle, weil die vielen Ideen und die Aufmachung einfach eine Bereicherung für jede Kochbuchbibliothek sind.
Kommentar vom 4. und 5. November 2009: Das Salz in der Suppe
Mir ist vor Monaten im RGA schon einmal ein kleiner Artikel aufgefallen, in dem eine Ökotrophologin in der Kolumne Ernährung wichtige Dinge aussprach. Damals ging es um die missverständlichen Begriffe Vollkornbrot und Graubrot. Und heute (4.11.2009) sehe ich mit Freude, dass Irina Baumbach wieder etwas schreibt, was durchaus im vollwertigen Sinne ist: Und zwar handelt sie den Streit um das Salz ab. Frau Baumbach arbeitet für die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. (www.fet-ev.eu). Was mir beim Stöbern auf dieser Seite auffiel, war die Forderung nach proteinreicherer, dafür aber kohlehydratärmerer Ernährung. Ob damit Pflanzenproteine gemeint sind? Ich konnte die Antwort auf die Frage auf die Schnelle nicht finden fürchte aber nein, da später ja die Milch noch gelobt wird. Auch der Name Nicolai Worm als Mitglied des Beirates lässt ja eher an diese modischen Auswüchse der LOGI-Diäten etc. denken. Aber was soll’s…. wir müssen dort ja nicht Mitglied werden, und was Frau Baumbach in der Tageszeitung schreiben darf, ist schon mal um Meilen besser als der Mist, der uns sonst so an Lesbarem vorgesetzt wird:
Was ich auch noch nicht wusste: Es sind Pläne im Gange, dass „100 Gramm verzehrfertiges Brot nur noch 1 Gramm Salz enthalten“ sollen, sowas Intelligentes haha kann natürlich nur dem Gehirn eines EU-Kommissars entspringen. Sehr richtig schreibt Baumbach dazu, dass „es [stattdessen] sicherlich sinvoller [wäre], bei Fertiggerichten oder Fast Food den Rotstift anzusetzen.“
Auch zu einem anderen Punkt finde ich ihren Kommentar – mal abgesehen von der Mich – richtig: „Auch die vorgeschlagene Fettsteuer trifft in erster Linie Grundnahrungsmittel wie Butter und Milchprodukte, die dadurch bis zu einem Drittel teurer werden, qualitativ jedoch in der oberen Liga anzusiedeln sind.“ Und weiter unten fährt sie fort „Auch für gesättigte Fettsäuren gibt es keine eindeutigen Belege, dass diese für Übergewicht, Diabetes und koronare Erkrankungen verantwortlich sind.“
Das finde ich erfreulich und auch erstaunlich in einem Blatt, das in derselben Ausgabe unkritisch einen Arzt zitiert, der meinte, der neuerliche Fasttodesfall nach Schweinegrippe sei nicht bedenklich und solle niemandem von der Teilnahme an der Impfkampange abhalten. Denn, so die Begründung, so ein anaphylaktischer Schock könne nach jedem Bienenstich auftreten. Das mag ja sein: Aber mir war neu, dass die Bevölkerung der Bundesrepublik aufgefordert wurde, sich in Schlange anzustellen, um sich Bienenstiche setzen zu lassen, Kinder und Schwangere immer voraus.
Aber zurück zur Kolumne. Mich freut das, weil ich dann immer denke: Es gibt auch an vielen unerwarteten Ecken immer wieder Dinge, die Hoffnungsblümchen sprießen lassen.
Vor ein paar Tagen klingelte es an der Tür. „Ein Paket für Sie“, klang es durch die Gegensprechanlage. Komisch, mein Geburtstag war schon lange vorbei, ich hatte keine offene Bestellung. Ich lief hinunter: Der Postbote mit einem beachtlich großen Paket im Arm, an der Seite Löcher. Da fiel mir ein: Ach ja, man kann ja jetzt Blumen mit der Bundespost verschicken. Gut, es war mir auch gleich klar, was es war – ein wirklich sehr verspäteter Geburtstagsgruß.
Nachdem ich also den ganzen Pappmüll beseitigt hatte, schaute ich auf einen bunten Herbststrauß. Ich schaute und mir entgleisten wohl die Gesichtszüge. Denn mein Kollege, der mir beim Auspacken geholfen hatte, schaute mich verdutzt an: „Ist was nicht in Ordnung?“ Ich zeigte auf den Strauß: „Schau dir das mal an, hier sind zwei Äpfel aufgespießt. ÄPFEL. Als Dekoration!“
Ich habe die Äpfel erst einmal aus dem Strauß gerissen, weil ich dachte, man könne sie vielleicht noch essen. Aber dann die Frage: Vielleicht sind die ja behandelt, damit sie nicht schlecht werden? Also lieber dem Kompost anheim geben. Denn an einem Strauß, der mit Lebensmitteln geschmückt ist, habe ich keine Freude. Anders ist das z.B. mit einem Weihnachtsbaum, an dem Naschereien hängen: Die werden ja auch gegessen. Aber hier werden Lebensmittel als reiner Schmuck verwendet, wobei in Kauf genommen wird, dass sie schlecht werden.
Mich schaudert, wenn ich so etwas sehe. Ich habe einen großen Respekt gegenüber Lebensmitteln. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie viele dieser Herbststräuße derzeit verschickt werden. Dann fiel mir natürlich ein, dass ich dieses Monstrum gerne im Blog vorstellen möchte. Dafür habe ich dann die Äpfel noch einmal eingesteckt. Bedanken muss ich mich auch noch dafür, denn es war sicher nett gemeint. Nicht jeder kennt mich so gut, dass er weiß, dass dies ein heikles Thema für mich ist. Auch weiß ich nicht – ich versende praktisch niemals Blumen -, ob die Besteller dies überhaupt wussten. Heute muss ich es tun. Gleich nachdem ich diesen Beitrag eingestellt habe.
Kommentar vom 31. Oktober 2009: Realsatire „Pandemie-Set“
Manchmal ist das Leben witziger als die Theorie, absurder als jeder Film. Das Wort Realsatire (Wikipedia: Als Realsatire bezeichnet man umgangssprachlich Ereignisse und Vorgänge, die so absurd erscheinen, dass selbst ihre nüchterne Beschreibung bereits Züge einer Satire trägt) passt für einen Artikel aus dem Remscheider Generalanzeiger (RGA) von heute einfach perfekt. Es geht um die Messe A+A in Düsseldorf mit Produkten zu Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz:
„Wesentliche Themen: Persönlicher Schutz, Betriebliche Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Der Remscheider Verbandmittelhresteller Holthaus Medical [...] bietet in Halle 6 seine breite Palette an Verbandmitteln und Erste-Hilfe Produkten an. In diesem Jahre werde dem Fachpublikum ein neues Pandemie-Vorsorgeset vorgestellt, teilt Holthaus mit.“
Ich finde ja schon diese Formulierung „Pandemie-Vorsorgeset“ so richtig knackig. Die Zeitschrift Titanic hätte es nicht besser formulieren können. Und dann werden wir noch mit einem (Werks-)Foto beglückt:
Dazu passt ja, dass wir hier in unserer Republik endlich einen Todesfall von Schweinegrippe ohne Vorerkrankungen vermelden können. “ Endlich“ meine ich im Sinne derer, die daran verdienen, denn die Impferei läuft nur schleppend an. Während der Tod einer 17-Jährigen innerhalb von 24 Stunden nach der Impfung mit Gardasil noch als „das kommt in dem Alter schon mal vor, dass Jugendliche einfach sterben“ wegerklärt wird, ist dieser Todesfall natürlich hochdramatisch. So erfuhr ich im Radio (WDR, 6- und 7-Uhr-Nachrichten) nur, dass die 48-jährige Mutter von vier Kindern bisher gesund war (was immer das heißen mag, denn gesund ist ja nirgends wirklich definiert). Wir wissen nicht, wie sie gelebt hat, wie sie sich ernährt hat, wie sie genau im Krankenhaus behandelt wurde. Die Möglichkeit eines ärztlichen Fehlers wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. Da haben wir also 25.000 Schweinegrippefälle mit 6 Todesfällen, dabei 5 eindeutig mit Vorerkrankungen. Der 6. Fall ist gleich so alarmierend, dass nach den Nachrichten ein Arzt mit weichgespülter Stimme verkündet, dass wir doch nun hoffentlich endlich alle einsehen, wie wichtig die Schweinegrippe-Impfung ist. Hmmm. Und wie ist das mit dem Pandemie-Set? Sollte ich mich nicht besser impfen lassen und zusätzlich tagein-tagaus ein Pandemieset anlegen? Ich bin nämlich noch gesund.
Kommentar vom 30. Oktober 2009: Sollen wir von der Natur her Fleisch essen oder nicht
Immer wieder kommen diese leidigen Behauptungen auf, dass der Mensch angeblich ein Fleischesser ist. Dann wird stets gerne die Kuh als Gegenbeispiel genommen: als Pflanzenesser hat sie einen im Vergleich zum Körper x mal so langen Darm, beim Menschen sei der aber viel kürzer, ergo: die Menschen sind Fleisch(fr)esser (Karnivore), zumindest aber Alles(fr)esser (Ominvore). Das Beispiel mit der Kuh ist natürlich völlig daneben: Nur weil EIN Pflanzenfresser so einen langen Darm und sieben Mägen hat, muss das nicht für jeden Pflanzenfresser zutreffen. Damit die Diskussion dann aber nicht zu giftig wird, weil jeder auf seinem einen Argument herumreitet, ist es nett, ein paar andere Dinge parat zu haben, um uns von den fleischfressenden Pflanzen deutlich zu unterscheiden.
Dazu habe ich vor kurzem einen schönen kleinen Film entdeckt, der das sehr schön verdeutlicht.
Ist es ein Wunder? Ich habe einen Artikel im Remscheider Generalanzeiger entdeckt, dem ich voll und ganz zustimme. Überschrift „Maulkorb für einen Lehrer„.
Ein Oberstudienrat aus Rheine, einst Kandidat für die Grünen, hatte sich in Leserbriefen kritisch über einen CDU-Politker geäußert. Dafür erhielt er einen „behördlichen Rüffel“, der nun vom Münsteraner Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Angeblich habe er sich nicht entsprechend seiner Lehrer-Vorbildfunktion, sondern beleidigend geäußert.
Da dachte ich noch – richtig, wenn der so als Lehrer unflätig rumschimpft in aller Öffentlichkeit, das muss ja nicht sein. Gegluckst habe ich dann aber, als die Beispiele für die Beleidungen las:
„ein ausgemachter Spaltpilz wie XXX“
„Das soll uns ausgerechnet XXX als ein Mann der Visionen verkauft werden [...], der als oberster Planer für all den Planungsmüll und Bauschrott verantwortlich zeichnet, der unsere Stadt verunziert.“
„Diese Beschreibungen seien auf Persönlichkeitsherabwürdigung gerichtet gewesen.“ Die Spitzfindigkeiten, ob der Angeklagte W. Friedrich nun seine Leserbriefe dadurch vom Beruf abgekoppelt sehen kann, weil er keine Berufsbezeichnung dazu gesetzt hat oder nicht, finde ich gar nicht so wichtig. Das Gericht meint z.B., seine Schüler wären wohl in der Lage, den Namen korrekt zuzuordnen.
Ist das wirklich schon so, dass hier ein Lehrer Wörter wie Bauschrott und verunzieren nicht mehr öffentlich im Zusammenhang mit einem Politker in dessen Funktion als Politiker äußern darf? Wohlgemerkt: Friedrich hat ja keine Privatperson angegriffen. Ist es schon soweit, dass eine kräftige Sprache im lutherischen Stil schon straffällig ist, wenn sie ein Beamter benutzt, ich mir aber in YouTube von lauter kleinen W… <g> die gröbsten Dinge an den Kopf werfen lassen muss, wo mir als Gegenmaßnahme nur das Streichen von Kommentaren bleibt?
Da klafft doch eine Lücke!
Mir kam der Artikel ausgewogen vor. Aber ich bin mittlerweile schon so vorsichtig, dass ich mich frage: Ist das nur deshalb so, weil ich in der Sache mein Urteil schnell Pro-Lehrer gebildet hatte? Daher würde ich mich gerade auch über Zuschriften freuen, die vielleicht einmal die andere Seite beleuchten, falls da jemand mehr weiß.